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Maciej Karolak (l.) mit seinem Vater Lucjan Karolak: Der junge Mann lebt im "Haus am Stadtwald" in Bonn.
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Maciej Karolak (l.) mit seinem Vater Lucjan Karolak: Der junge Mann lebt im "Haus am Stadtwald" in Bonn.

Bonn 

Kleine Schritte schaffen

Gebeugt sitzt der junge Mann im Bonner „Haus am Stadtwald“ im Rollstuhl. Pflegerin Anna Lena Schmitz drückt ihn im Vorbeigehen liebevoll am Arm. „Na, wie geht`s, Maciej?“


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Veronika Doll in ihrem Zimmer im "Haus am Stadtwald".

Sein Junge habe vor einem Jahr nach einer völlig unerwarteten Hirnblutung, nach Krankenhaus- und Rehabilitationsaufenthalt nur noch reglos dagelegen, kommt Vater Lucjan Karolak gleich auf den Punkt. Im Ende 2008 eröffneten Bonner „Haus am Stadtwald“ der Evangelischen Axenfeldstiftung finden 40 schwerstpflegebedürftige junge Erwachsene ein Zuhause.   
 

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Oliver Lubbers, hier mit Caterina Schneider, hat trotz lebenslanger Behinderung Schule und Psychologiestudium absolviert.

„Das war immer ein Prachtjunge, auf dem Weg zum Automobilkaufmann, Basketballspieler. Und dann das“, seufzt der Vater und nimmt seinen 22-jährigen Sohn in den Arm. Da rinnt auch Maciej eine Träne über die Wange. Und dann führt er, wie, um es dem Vater zu beweisen, zitternd einen Trinkbecher an die Lippen. „Sehen Sie, das sind die kleinen Schritte, die Maciej hier geschafft hat. Das ist die Super-Entwicklung, die wir diesem Haus verdanken“, erklärt der Vater.

Jetzt hält Maciej der Reporterin plötzlich seinen Plüschhund hin und lächelt glücklich, als die ihn streichelt. „Es hat sich auch uns das Herz umgedreht, als wir diesen Jungen bei uns aufnahmen“, erklärt Cornelia Klatt, die sich mit Bernd Kayser die Geschäftsführung dieses Versorgungszentrums für schwerstpflegebedürftige jüngere Erwachsene teilt. Träger ist die Bonner Evangelische Axenfeldstiftung.

Andererseits müsse man den Lauf der Dinge hinnehmen und gebe jedem Bewohner im 1:1-Verhältnis zum Personal per Förderpflege seine Chance.

Der Bedarf ist größer

Die meisten der bundesweit 5000 jungen Betroffenen werden zu Hause versorgt oder müssen, letztlich sicher fehlplaziert, in Altenheimen unterschlüpfen. Nur rund 1500 jungen Schwerstpflegebedürftigen stehen stationäre Plätze zur Verfügung, so Kayser, 40 eben in Bonn. Der Bedarf sei sicher viel größer.

Ulrich Christenn von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe kommt in NRW „auf keine 20 Häuser“. Im diakonischen Bereich gebe es Vergleichbares in Düsseldorf, Wuppertal, Köln und Gladbeck. Aber es sei natürlich ein Riesen-Schritt, wenn Eltern ihre eigenen Kinder hierher brächten, kennt Bernd Kayser die Bedenken. „Trotz allem gibt es in unserem Haus eine Fröhlichkeit.“

Etwa im hübsch eingerichteten Zimmer bei Veronika Doll. „Lächeln ist mein zweiter Vorname. Ich bin hier längst zu Hause“, erklärt die 32-jährige gelernte Bürokauffrau. Ihr Tag sei voll mit Therapie, aber auch mit Begegnungen mit netten Menschen und Arbeit im Heimbeirat, erzählt Doll. „Und wenn ich Zeit habe, dann schreibe ich an meinem Tiergeschichtenbuch weiter“, zeigt sie auf ihren Computer.

Momente der Verzweiflung

Andererseits gebe es im Haus natürlich immer Momente der Verzweiflung, wenn Bewohner sich in Depressionen flüchteten, wenn sie sich nur noch einigelten, weiß Cornelia Klatt. Dann sei auch Hausseelsorger Dietrich Jeltzsch gefordert. Oder der Ratschlag von Mitbewohner Oliver Lubbers.

Der Mann hat trotz lebenslanger Behinderung Schule und Psychologiestudium gestemmt. Den Wechsel von häuslicher Pflege ins Haus am Stadtwald sieht auch er als goldrichtig an. Er könne so die Mutter entlasten und ein selbstbestimmtes Leben führen. Er teile sich seinen Tag individuell ein. „Aber ich brauche in meinem Zimmer zwischendurch absolute Ruhe.“

Wenn Lubbers nämlich wieder Kraft getankt hat, dann arbeitet er vis-à-vis im Evangelischen Seniorenzentrum Kolfhaus als Ehrenamtlicher. Vier Tage die Woche jeweils vier Stunden im psychosozialen Dienst.


ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Fotos Ronald Friese 21.01.2010


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