Den ganzen Menschen im Blick!


Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Erzieher Deutschlands (AEED) und
des Deutschen Katecheten-Vereins e.V. (DKV)
zur nationalen Ergänzungsstudie von PISA


Die Diskussion um die Leistungsfähigkeit unserer Schulen ist in vollem Gange. Mit Pisa-E geht sie in eine neue Runde. Nun stehen die föderalen Strukturen der Bildungsorganisation auf dem Prüfstand.

Wir begrüßen die Studie, denn ihre überprüfbaren Ergebnisse bringen spürbar mehr Solidität in die Diskussion um Bildungsreformen.
Wir begrüßen auch, dass Bildung in gesamtgesellschaftlicher Breite als eine für die Zukunftssicherung unseres Landes zentrale Aufgabe wahrgenommen wird.

Daraus ergibt sich die Chance, die gemeinsamen Grundlagen unseres kulturell gewachsenen Bildungsverständnisses im Blick auf erfolgreiche Konzepte im In- und Ausland zu befragen, zu klären und weiter zu entwickeln, ohne vorschnell fremde Teilsysteme zu implantieren.
Wir sehen es ferner als dringliche Aufgabe an, über vordergründige und plakative „rankings" einzelner Bundesländer hinaus zu kommen und der Chancengleichheit offenkundig benachteiligter Gruppen in der jungen Generation entschiedene Unterstützung zukommen zu lassen.

Deshalb plädieren wir dafür,
I. die gewiss nötigen Maßnahmen zur gezielten Leistungsanhebung nicht unabhängig von Schulqualität und Schulkultur zu erörtern und Schule umfassend als „lernende Organisation" weiter zu entwickeln;

II. die Bedeutung der vermeintlich „weichen" Fächer (musische Fächer, Religion, Ethik etc.) für die Erfüllung des schulischen Bildungsauftrages zu sehen und auch an sozialen, kreativen und emotionalen Dimensionen des Lernens festzuhalten, anstatt einseitig nur auf Ertragssteigerungen in den „harten" Fächern zu setzen;

III. einen Begriff der Allgemeinbildung deutlich herauszustellen, dem es um den Menschen als unteilbarem Ganzen geht, um seine Persönlichkeit und Würde, um die Achtung des Anderen und um die Einbindung der jungen Generation in kulturelle Überlieferungen und deren erklärte Wertebindungen.
Denn „Bildung als Erlernen von Orientierungs- und Entscheidungsfähigkeit", so das Votum des DKV zum Forum Bildung (2001), „ermöglicht die verantwortliche Selbstleitung des Menschen, die den gebildeten Menschen als einen sich selbst Bildenden ausweist";

IV. die Erwartungen auf Niveausteigerung nicht alleine an staatliche Schul- und Bildungsverantwortliche heran zu tragen, sondern im öffentlichen Bewusstsein der Anstrengungsbereitschaft und der Lernkultur insgesamt einen nachdrücklichen Stellenwert zu geben.

Helga Frieber
Vorsitzende der AEED
Hamburg/Duisburg, den 4. Juli 2002

Prof. Karl Heinz Schmitt
Vorsitzender des DKV
Paderborn/München, den 4. Juli 2002