Eine Stellungnahme der AEED
Die AEED bejaht die Notwendigkeit von Qualitätssicherung und Überprüfung
von Standards in Schulen. Daher begrüßt sie eine gesicherte Beschreibung und
Bewertung nach klaren Kriterien, die Schulen Entscheidungen über Bestätigung
und Weiterentwicklung ihrer Arbeit ermöglichen.
Evaluation als pädagogischer Prozess - gegen eine statistische Datenflut
Für die Evaluation einzelner Schulen gilt es, einen breiten Konsens im
Kollegium über die Bereiche herzustellen, die evaluiert werden sollen, auf
welche Weise dies geschehen kann und wie mit den Ergebnissen umgegangen werden
soll. Gelungene Evaluation zielt nicht auf eine Häufung quantitativer
Daten (z.B. eine Vielzahl statistischer Erhebungen und eine Flut von
Fragebögen), sie soll vielmehr Prozesse einleiten und langfristige Ergebnisse
zeitigen.
Den ganzen Bildungsprozess im Blick - keine Reduktion auf das empirisch
leicht Überprüfbare
Bildungs- und Erziehungsprozesse in der Schule sind hochkomplexe Vorgänge.
Es muss gelingen, sie in Schulprogrammen angemessen zu beschreiben. Ihre
Evaluation verlangt daher vielfältige komplexe und differenzierte Verfahren,
die eine Reduktion auf das empirisch leicht Überprüfbare ausschließen.
Komplexe Evaluationsinstrumente entwickeln - nicht am Vordergründigen
hängen bleiben
Nimmt man eine Einteilung in Kompetenzbereiche, wie Sachkompetenz,
Methodenkompetenz, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz vor, so müssen vor allem
für die beiden letzten Kompetenzbereiche ausreichend komplexe
Evaluationsinstrumente entwickelt und angewandt werden, wenn nicht nur
Vordergründiges festgestellt werden soll.
Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz nicht verdrängen
Wenn Evaluation für die Qualitätssicherung an Schulen notwendig ist und
sie als Instrument der Schulentwicklung angewandt wird, muss dies auch für
die Fächer gelten, deren Bildungsprozesse und
Standards nicht nur mit rein empirischen Methoden evaluierbar sind. Notwendig
ist die Entwicklung entsprechender Methoden zur Evaluation von
persönlichkeitsbildenden und sozialen Kompetenzen, auch wenn sie aufwändiger
sind.
Evaluation braucht komplexe öffentliche Diskussion
Solange nicht adäquate Instrumentarien zur Evaluation für die
verschiedenen schulischen Bildungsziele bereit stehen, besteht die Gefahr,
dass Politik, Öffentlichkeit und auch die Schule selbst den
Lernbereichen besonderes Gewicht und Aufmerksamkeit widmen, deren evaluierte
Ergebnisse kommunizierbar sind. Dies zu verhindern, muss öffentlicher Auftrag
für Politik und Schule sein.
Vorsicht! Keiner weiß, was Evaluation bewirkt
Über Rückkoppelungsprozesse von Evaluationsergebnissen bei der
Schulentwicklung ist bisher noch wenig bekannt. Es ist in der Regel kaum
festzustellen, warum es zu den gemessenen und / oder beobachteten Ergebnissen
gekommen ist und was geändert werden muss, um zu den gewünschten Ergebnissen
zu gelangen. Das legt einen sehr behutsamen und bedachten Umgang mit
Evaluationsergebnissen nahe.
Auch Evaluation kostet Geld
Die zu leistende Arbeit darf dabei nicht einfach zu Lasten der Lehrenden
gehen. Die Glaubwürdigkeit politischer Aussagen zur Qualitätssicherung und
-verbesserung ist auch daran zu messen, ob die benötigten zusätzlichen
Mittel - z.B. zur Entwicklung angemessener Instrumentarien oder zur Beratung
von Schulen - zur Verfügung gestellt werden.