AEED Fundgrube

Stellungnahme
der Gemeinschaft Evangelischer Erzieher e.V. (Rheinland/Saar/Westfalen)
zum Vorschlag des NRW-Expertenrates zur Lehrerbildung

Der 1999 im Zusammenhang mit dem "Qualitätspakt zwischen Landesregierung und den Hochschulen des Landes NRW" von der Landesregierung NRW eingesetzte Expertenrat schlägt in seinem rd. 650 Seiten umfassenden Gutachten, von dem sechs der Lehrerbildung gewidmet sind, eine völlige Neuordnung der Lehrerbildung vor. Empfohlen wird ein erster sechssemestriger fachwissenschaftlicher Studiengang zum Bachelor, dem für angehende Lehrer/innen ein viersemestriger pädagogisch-fachdidaktisch orientierter Studiengang zum Master folgen soll. In ihn sollen wesentliche Anteile der derzeitigen 2. Phase integriert werden. Die neue Form der Ausbildung ist seitens der NRW-Landesregierung als konkurrierendes Modell bereits in den Landtag eingebracht.

Die vorgeschlagene Reform resultiert aus drei Prämissen:

der - im einzelnen belegten - Überzeugung des Expertenrates, dass der Lehrerausbildung derzeit an vielen Universitäten nicht der ihr angemessene Stellenwert eingeräumt werde und eine Verbesserung im derzeitigen System ohne Chance sei,
der Absicht, durch eine "stärke Polyvalenz der Lehramtsstudien ... breite berufliche Einsatzmöglichkeiten der Absolventinnen und Absolventen zu gewährleisten und damit die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen",
in der Struktur - internationalen Zielsetzungen folgend - die "Vorreiterrolle" hinsichtlich des Übergangs zu konsekutiven Studienstrukturen in Lehramtsbereich zu übernehmen.

Fazit: Das festgestellte Defizit (1.) soll durch strukturelle Maßnahmen - Orientierung am Arbeitsmarkt (2.) und hochschulpolitische Zielsetzung (3.) - behoben werden.

Der von der Politik so umgehend zur Realisierung aufgegriffene Vorschlag widerspricht in seinem Verzicht auf die am Berufsfeld ausgerichtete inhaltliche Füllung allen Grundsätzen, die derzeit im Blick auf eine Reform der Lehramtsstudien nahezu generell Anerkennung finden - in Übereinstimmung z.B. mit den Vorschlägen der NRW-Bildungskommission aus 1995, dem Antrag der Fraktion von SPD und Bündnis 90/Die Grünen 1999 im Landtag NRW und der Stellungnahme der Kultusministerkonferenz zum Thema aus dem gleichen Jahr.

Sie aufgreifend und in unseren Überlegungen zuallererst vom späteren Umgang der Lehrenden mit Kindern und Jugendlichen geleitet stimmen wir mit gleichermaßen Orientierten überein:

Die universitäre Phase der Lehrerbildung ist verstärkt auf das spätere Berufsfeld auszurichten.
Deshalb sind erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Studien den fachwissenschaftlichen zumindest gleichzustellen und ihrer Bedeutung wegen auch der Beliebigkeit zu entziehen.
Die spätere berufliche Tätigkeit erfordert darüber hinaus qualifizierte Studien zum Verständnis des Menschen und den Grundfragen und Bedingungen des In-der-Welt-seins (Psychologie, Anthropologie, Religion, Philosophie).
Praktika in der Schule sind während des Hochschulstudiums deutlich auszuweiten.
Die Abschottung zwischen den drei Phasen der Lehrerbildung muss mittels eines Kerncurriculums durchbrochen werden.
Die 3. Phase der Lehrerbildung, die Lehrerfortbildung als kontinuierliches Weiterlernen und Motivieren im Beruf erhält zunehmend Gewicht und Bedarf der Erweiterung.

Es ist zumindest zweifelhaft, ob die äußere Struktur der Lehramtsstudiengänge - hier der vorgeschlagene konsekutive Aufbau - unabhängig von den genannten Inhalten gedacht und geplant werden kann. Die ebenfalls angeregte Organisation in Modulen dagegen könnte zusätzliche Chancen eröffnen.

Hinsichtlich des Lehramtsstudiums für die Primarschule hält es der Expertenrat für erwägenswert, weiterhin eine grundständige Lehrerbildung anzubieten, "sofern dieses Lehramt in der bisherigen Form bestehen bleiben soll". Die Herausnahme des Lehramtes für die Primarstufe aus dem Gesamt der Lehramtsstudiengänge bedeutet einen Sonderweg, vor dem im Hinblick auf weitere - hier möglicherweise nicht intendierte - Konsequenzen gewarnt werden muss.

Juni 2001
 

Gemeinschaft Evangelischer Erzieher e.V.
Franzstr. 9
47166 Duisburg