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Ostdeutschland
Schulschließungen und Kündigungen

Die teils drastisch gesunkenen Schülerzahlen verändern die Schullandschaft in Ostdeutschland: Eine Reihe von Schulen in den neuen Ländern werden wegen zu geringer Auslastung nach den Sommerferien nicht mehr öffnen oder sind mittel- bis langfristig von Schließungen bedroht Aber auch für die Lehrer hat die Entwicklung in einigen Ländern zum Teil deutliche Konsequenzen. So hat Thüringen mit Kündigungen reagiert, in anderen Ländern wird beispielsweise über Aufhebungsverträge für die Pädagogen nachgedacht, ergab eine dpa-Umfrage.
Nachdem es im Schuljahr 200012001 noch rund 660.000 Schüler in Sachsen gab, rechnet das Kultusministerium im kommenden Jahr mit etwa 30.000 weniger. Der Tiefpunkt werde 2011 erreicht sein, sagte ein Ministeriumssprecher: „Dann gibt es voraussichtlich 421.000 Mädchen und Jungen an Sachsens Schulen.« In Sachsen-Anhalt sollen nach den großen Ferien nur noch rund 294.000 statt der bisher 306.000 Schüler die Schulbank drücken. Dramatisch sinken die Zahlen auch in Brandenburg: Vom kommenden bis zum Schuljahr 2005/06 rechnet man dort mit einem Rückgang von rund 408.000 auf 305.000 Schüler. Wenig anders sieht es auch in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin aus.
Der Freistaat Thüringen geht angesichts dieses Trends mit 29 Schulen weniger in das neue Jahr. In Sachsen-Anhalt mussten zu Beginn der Sommerferien rund 80 der 1.374 allgemein bildenden Schulen ihre Pforten schließen. Bis zu 200 Schulen stehen in Brandenburg bis zum Jahr 2004 zur Disposition, und auch Sachsen sieht fast ein Drittel der etwa 640 Mittelschulen sowie rund 50 der 187 Gymnasien mittelfristig in ihrer Existenz gefährdet.
Nicht überall wirkt sich die Situation auf die Lehrerschaft aus. So will Berlin die Zahl der Pädagogen halten, um eine Verbesserung des Bildungsangebotes zu erreichen. Nach wie vor herrsche dort sogar hoher Einstellungsbedarf, sagte ein Sprecher der Senatsschulverwaltung. Anders dagegen Thüringen, wo 380 Lehrer und Erzieher gekündigt wurden. Die meisten von ihnen hatten dagegen geklagt, ein Großteil davon wiederum bekam in den ersten Prozessen Recht. Das Land will im Laufe des kommenden Jahres 1314 Stellen abbauen, teils über geringere Arbeitszeiten im Rahmen von Teilzeitmodellen.
Brandenburg hatte — anders als andere neue Länder — so gut wie alle Lehrer nach der Wende im Dienst belassen. Dort sind zurzeit rund 27.000 Pädagogen tätig, die jedoch zum Großteil keine Vollzeitstellen haben und befristet beschäftigt sind. Im Zuge von Verwaltungsstrukturreform und Haushaltskonsolidierungen sollen mehrere tausend Stellen wegfallen. In Mangelfächern wie Fremdsprachen außer Russisch, Informatik, Musik oder auch Naturwissenschaften werden dort aber neue Kräfte gesucht

Inhaltlich sieht Sachsen-Anhalt vor allem für die Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften negative Auswirkungen des Schülerrückgangs. Die Pflichtfächer sollen aber nach Ministeriumsangaben weiterhin komplett abgedeckt werden. In Mecklenburg-Vorpommern sieht ein neues Modell „Regionale Schule« vor, Haupt- und Realschüler zusammen in teilweise verschiedenen Kursen zu unterrichten. Vor allem auf dem flachen Land könnten künftig nicht mehr überall eigene Haupt- und Realschulen gehalten werden, hieß es zur Begründung.
 

dpa 13.8.2001     aus: Schulkorrespondenz 4/2001