Werbung für einen
Raum der Stille in allen Schulen
Arbeitsgemeinschaft evangelischer Lehrerinnen
und Lehrer
an weiterführenden Schulen in Bayern
(ARGE)
Christliche Meditation im Rahmen des
Religionsunterrichtes
als Kraftquelle im Schulalltag
Ein Erfahrungsbericht aus der Berufsschule
Junge Menschen eine Zeit lang begleiten,
sich mit ihnen auf den Weg machen und dabei alle Lebensthemen zur Sprache
bringen, einander zuhören lernen, Zusammenhänge erkennen, Vertrauen
entwickeln und tragende Erfahrungen einüben — und dies alles unter
dem bunten Regenbogen des christlichen Glaubens:
So, erlebe ich, kann heute in der Berufsschule
Religiosität entstehen bzw. eingeübt, erfahren - oder zur Diskussion
gestellt werden.
Auch eine kritische Auseinandersetzung
hat hier ihren Platz.
Religion, sicher auch der Religionsunterricht,
will dem Leben Halt und Orientierung geben, sich der Wurzeln erinnern und
daraus Kraft fürs Leben schöpfen.
Oder ganz einfach: Religion will unserem
Leben einen Sinn geben.
Hierbei helfen intensive Gespräche,
konkrete Informationen und ganz praktische Erfahrungen.
Die christliche Meditation
Die christliche Meditation ist wohl eine
Methode, die Begegnung mit dem Urgrund des Lebens, mit Gott oder dem Göttlichen,
Erfahrungen mit dem Wesentlichen, ermöglichen oder anbahnen möchte.
Meditation war und ist eine bewährte
Methode im weltweiten Christentum:
nachsinnen, nachspüren, sich einlassen
und auf sich wirken lassen, früher meist auf den biblischen Text.
Meditation hat wohl viel mit „in die Mitte
gehen", „nachsinnen" oder „ins Zentrum vorstoßen" zu tun.
Nicht selten geht es darum, etwas zuzulassen:
ich lasse mich in meinem Innersten von
etwas treffen oder berühren.
In einer oft hektischen Welt werden meditative
Techniken wiederbelebt und als hilfreich empfunden.
Obwohl viele unserer jungen Erwachsenen
dem Trend des modernen Lebens — immer mehr, immer schneller, immer größer,
oftmals erliegen, sind sie doch zunehmend aufgeschlossen für Wege
in die Meditation, in die Ruhe, in die Stille.
Im Idealfall sind das Ziel aller methodischen
Schritte „Wege in die Stille vor Gott".
Neben dem Denken ist uns Menschen noch
eine andere Dimension vertraut, die tief in uns ruht und zur Wirkung kommen
will:
Das Leben aus der Stille.
Kraft schöpfen aus der Stille und
aus der Erfahrung, alles los zu lassen, sich ganz auf sich selbst
- und Gott - einzulassen.
So können in der Stille Erfahrungen
gemacht werden, die über viele Formen des Gewahrseins oder Besinnens
zu neuem oder vertieftem Glauben fuhren.
In der Meditation kann konkrete Orientierung
über eine wichtige christliche Tradition, eine Lebensäußerung
der Christenheit als konkrete Lebenshilfe, erfahren werden.
Lebenshilfe, damit der junge Mensch zu
sich selbst findet und verantwortlicher handeln lernt. Gleichzeitig kann
in der christlichen Meditation eine attraktive und offene Begegnung mit
dem biblischen Wort stattfinden.
Meditation spricht den jungen Menschen in seiner Ganzheit an.
Stilleübungen, Bildmeditationen, meditatives Malen oder meditativer Tanz sind Lernwege zu einem handlungsorientierten und erlebnisorientierten Unterrichtsstil, der die Entwicklung und Entfaltung der individuellen Persönlichkeit zum Inhalt und Ziel hat.
Als einer, der über einen längeren Zeitraum mit Schülerinnen und Schülern in einer Berufsschule in einem eigens dafür ausgestalteten Meditationsraum immer wieder meditieren konnte, kann ich von folgenden positiven Erfahrungen berichten:
Positive Auswirkungen
1.
Da durch Meditationen oft ein spürbarer
Spannungsabbau erzielt wird, kommt es insgesamt zu entspannteren Momenten,
die sich positiv auf das Unterrichtsgeschehen auswirken.
Meditation führt zu einem spürbaren
Streß- und Angstabbau.
2.
Die Rückwirkungen in den klassischen
Unterricht ist äußerst positiv, da die Erfahrungen im Meditationsraum
öffnenden Charakter haben, was sich in einer zunehmenden Gesprächsbereitschaft
äußert.
3.
Es entsteht in einer Gruppe hin und wieder
mehr Offenheit und Empfindsamkeit: das Interesse an der eigenen Entwicklung
und der Probleme und Interessen der anderen nimmt zu.
4, Meditation kann das persönliches Wachstum positiv beeinflussen, ist als ein sinnvoller Weg der Suchtprävention zu begrüßen, stärkt das Selbstbewusstsein, führt zu kreativer Arbeit, stärkt die Ausdauer, zeitigt eine größere Offenheit für andere und wirkt sich äußerst positiv auf das gesamte Schulleben aus.
5.
Langfristig erlernen die jungen Menschen
eine Technik, die sie zu Hause selbst anwenden und erweitern können
und die ihr gesamtes Leben positiv beeinflussen kann.
Ich möchte dafür werben, dass grundsätzlich an Schulen ein Raum der Stille zur Verfügung gestellt wird, in welchem auch christliche Meditationen durchgeführt werden können. Das beträfe langfristig wohl auch das Schulbauprogramm.
Überlegungen zur Konzeption
Folgende technischen Voraussetzungen sollten für einen Meditationsraum erfüllt sein:
Der Raum sollte im Schulhaus an einer ruhigen
Stelle platziert sein und bewusst anders gestaltet sein als ein durchschnittliches
Klassenzimmer:
z.B. Bemalung der Fenster und Wände
(z.B. ein großes Mandala oder ein christliches Symbol), größere
Blumentöpfe/Grünpflanzen, indirekte Beleuchtung, Wandbehänge,
Installation einer guten Musikanlage, Teppichboden, bequeme Stühle
für einen Sitzkreis, Meditationskissen, Meditationshocker, kleine
Kissen als Kopfunterlage, Decken und Kerzen. Ein Klassensatz Bibeln und
Gesangbücher (auch dort sind geeignete Texte zu finden) sollte vorhanden
sein. Nützlich sind ein Tageslichtprojektor (Bildmeditation) und einige
Rhythmusinstrumente (Orff).
Gottfried Fauser,
Diplom-Religionspädagoge (EH)
Hedwig-Fichtel Straße 17
97616 Bad Neustadt