
Von Luthers Überzeugungskraft weiter anstecken lassen: Vizepräses Petra Bosse-Huber. Foto: Andre Zelck
Kirche im Aufbruch
"Ich wünsche mir Aufbruchstimmung"
Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) beteiligt sich am EKD-Reformprozess. Ein Interview mit Vizepräses Petra Bosse-Huber über "Kirche im Aufbruch".Der Reformationstag 2008 ist ein besonderer Tag für die Evangelische Kirche in Deutschland. Er ist der Beginn einer „Lutherdekade“. Im Jahr 2017 wird zum 500. Mal an Martin Luthers Thesenanschlag erinnert. Und hier besteht der innere Zusammenhang der Entwicklungsstränge: Luther hat damals die Reform der damaligen Kirche eingeleitet. Und wir sind bis heute überzeugt: Reform und Reformation ist fortwährend nötig, die Kirche Jesus Christi ist dauerhaft auf Erneuerung angewiesen – strukturell und mit ihren inhaltlichen Aussagen und Angeboten. Und genau daran arbeiten wir – von nun an unter dem Leitwort „Kirche im Aufbruch“.
Muss alles anders werden?
Nicht alles. Aber: Wir arbeiten an der Schärfung des evangelischen Profils, wir wollen erkennbar heute lebendig evangelisch Kirche sein. Das heißt: Wir müssen prüfen, was auf Zukunft hin Bestand hat, was zu verbessern ist, um die Mitmenschen in unserer medial bestimmten, stärker säkularisierten und an Kosten-Nutzen-Analysen orientierten Gesellschaft zu erreichen. Kooperation ist dabei ein wichtiges Stichwort: sich Anregungen holen, mit anderen zusammen etwas Neues beginnen.
Was passiert konkret und praktisch in Sachen Erneuerung?
Nun, nicht zuletzt hier, in diesem Medium Internet entsteht eine für alle zugängliche Ideenbörse. Ich bin froh, dass meine eigene Landeskirche mit guten Beispiel voran geht und sich mit dem Webprojekt www.ekir.de/aufbruch ganz eng mit dem EKD-Prozess verknüpft. Und so finden alle Interessierten die Vorschläge und Erfahrungsberichte für zukunftsweisende Gemeindeprojekte – good practice – leicht und nutzwertorientiert.
Muten Sie den Menschen, die in den Kirchengemeinden mitarbeiten, nicht zu viel zu?
Natürlich kostet es auch Kraft, Gewohntes in Frage und Neues auf die Beine zu stellen. Aber ich bin überzeugt: Es gibt in der Gesellschaft wieder so viel Aufmerksamkeit für religiöse Fragen, für Kirche und für das, was sie zu bieten hat. Lasst uns diese Aufmerksamkeit nutzen! Und noch ein Gedanke: Luthers Überzeugungskraft hat Menschen angesteckt. Bis heute leben wir von diesem Impuls. Ich wünschte mir, dass diese Aufbruchstimmung die Menschen in unseren Gemeinden motiviert.
ekir.de/neu 30.10.2008
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