Dem Glauben Raum geben (2015)

Neue und renovierte evangelische Kirchen und Gemeindehäuser: die Multimediastory "Dem Glauben Raum geben"

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Richtlinien für die Beheizung von Kirchen

I. Allgemeines

1. In Kirchen könne durch falsche Beheizung Schäden entstehen, deren Beseitigung fortlaufende und kostspielige Instandsetzungen erfordert.

Einrichtungs- und Kunstgegenstände aus Holz schwinden und reißen; ihre Farbfassungen blättern ab. Pigmenttragende Putzschichten der Fresken trocknen aus; die Farben verblassen. Das Holzwerk der Orgeln reißt; viele Orgeln werden unbespielbar.

In vielen Kirchen kommt es zu Schwitzwasserbildung, besonders bei starkem Kirchenbesuch. Diese Feuchtigkeit zerstört Anstrich, Putz und Wandgemälde und führt zu Schimmelbildung. Außerdem quillt und verzieht sich das Holzwerk an Einrichtungsgegenständen und Orgel.

Metalle erwärmen sich aufgrund ihrer guten Wärmeleitfähigkeit schnell und dehnen sich mit steigender Temperatur aus. Holz ist ein schlechter Wärmeleiter, jedoch als hygroskopisches Material gegen Feuchteschwankungen besonders empfindlich. Da viele Einrichtungsgegenstände und Kunstwerke aus verschiedenen Materialien zusammengefügt sind, führen schnelle und häufige Schwankungen von Temperatur und Feuchte, zu großen inneren Spannungen, die völlige Zerstörung zur Folge haben können.

Besonders Holz hat die Eigenschaft, bei Änderungen des Raumklimas seine Form zu verändern. Dies zeigt sich durch Quellen oder Schwinden oder, wenn die durch Trocknung erzeugten Schwindungsspannungen die Querzugsfestigkeit des Holzes überschreiten, durch Rissbildung. Bei diesen Vorgängen spielen die relative Luftfeuchte und die Holzfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Es besteht ein gesetzmäßiger Zusammenhang zwischen der relativen Feuchte der Luft und der Holzfeuchtigkeit. Schnelle Temperaturwechsel und die damit zwangsläufig verbundene Änderung der relativen Luftfeuchte bilden also eine Gefahr für das Holzwerk. Bei zu starker Erwärmung der Raumluft über eine längere Zeit sinkt die relative Feuchte zu stark ab, so dass es zu Austrocknungsvorgängen kommt. Es ist schädlich, wenn die Kirche zwischen den Gottesdiensten oder für längere Zeit unbeheizt bleibt. Die Kirche soll, auch wenn sie nicht benutzt wird, temperiert werden. Da Zusammenhänge zwischen der Art des Wandanstriches und der Schwitzwasserbildung bestehen können, dürfen nur Anstriche gewählt werden, die eine ungestörte Dampfdiffusion der Wände gewährleisten (in der Regel Kalk- oder Mineralfarbenanstriche, immer in Abstimmung mit dem zuständigen Bauamt).

Mangelnde Wärmedämmung und das Vorhandensein von Wärmebrücken gestatten in vielen alten Kirchen nicht die Aufrechterhaltung der erforderlichen Luftfeuchte bei Heizbetrieb. Sollte dies zu Schäden führen, müssen die erforderlichen Gegenmaßnahmen mit der Fachfirma oder dem Fachingenieur besprochen werden. Bei Kirchen-Neubauten muss der erforderliche Wärmeschutz bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

2. Außerdem sind baurechtliche Bestimmungen zu beachten.

3. Auftretende Schäden an der Heizungsanlage, vor allen Dingen an der Regelanlage, Störungen des Heizbetriebes oder die Nichterreichung der zugesagten Heizwirkung sind sofort der Lieferfirma zu melden, damit möglichst schnell ein einwandfreier Heizbetrieb sichergestellt wird.

4. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften müssen Öl- und Gasfeuerungen mindestens einmal im Jahr durch eine Fachfirma auf Betriebssicherheit überprüft werden. Das gleiche ist für die gesamte Heizungsanlage und für die Wartung bestimmter Teile, z.B. Öllagertank und Luftfilteranlage, erforderlich. Die Überprüfung und Wartung sollten durch die Lieferfirma der Heizungsanlage erfolgen. Für diese Arbeiten sollten Wartungsverträge im Einvernehmen mit der Kirchlichen Oberbehörde abgeschlossen werden.

5. An der Orgel könne auch Schäden entstehen, die nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der Beheizung stehen. Diese Schäden treten auf, wenn die Luft für das Pfeifenwerk aus einem unbeheizten Raum entnommen wird. Nach DIN 1317 muss die Luft für die Orgel aus dem Raum angesaugt werden, in dem das Pfeifenwerk steht.

6. Maßnahmen zur Trockenlegung von Kirchen können zum Absinken der Luftfeuchte führen. Diese Arbeiten müssen mit der Kirchlichen Oberbehörde abgestimmt werden.

II. Richtlinien für die Planung der Kirchenheizungen

1. Beim Neubau einer Kirche muss schon im Stadium der Vorplanung eine Fachfirma oder ein Fachingenieur für die Planung der Heizungsanlage hinzugezogen werden, damit die baulichen Voraussetzungen für den Einbau der Heizungsanlage geschaffen werden können. Im Rahmen dieser Planung ist auch der erforderliche Wärmeschutz festzulegen. Sinngemäß ist beim Einbau von Heizungen in bestehende Bauten zu verfahren.

2. Die Leistung der Heizungsanlage ist so zu bemessen, dass unter Zugrundelegung der tiefsten Außentemperatur entsprechend der Klimazonenkarte eine Raumlufttemperatur von + 12° bis 15° C erreicht wird. Der Anheizvorgang soll langsam erfolgen. Die Berechnungen sind sorgfältig durchzuführen, damit unbegründete Sicherheitszuschläge, die zu einer ungünstigen Überdimensionierung der Anlage führen, vermieden werden.

3. Öl- und gasbefeuerte Heizungsanlagen müssen den gesetzlichen Vorschriften entsprechen und sind baupolizeilich genehmigungspflichtig. Elektroheizungen und –anschlüsse sind gemäß VDE-Vorschriften auszuführen. Vor dem Einbau einer Elektroheizung müssen mit dem zuständigen Elektrizitätswerk die Schaffung des Stromanschlusses sowie die entstehenden Kosten für den Anschluss geklärt werden.

4. Bei der Planung von Schornsteinen ist darauf zu achten, dass an deren Mündung Rauchgase frei ausströmen können. In diesem Zusammenhang wird auf die Gefährdung der Bauwerke durch Rauchgasemission hingewiesen, wenn die Schornsteinmündung zu nahe am Baukörper vorgesehen wird.

5. Wenn eine Kirche mit wertvoller Ausstattung mit einer Heizungsanlage ausgerüstet werden soll, müssen zuvor raumklimatische Messungen vorgenommen werden, damit die Heizungsanlage entsprechend den Anforderungen geplant werden kann.

6. Die Oberflächentemperatur des Fußbodens soll bei einer Fußbodenheizung in der Regel + 25° C nicht überschreiten. Die Unterbodenkonstruktion aller Fußbodenheizsysteme muss mit besonderer Sorgfalt geplant werden, wobei vor allen Dingen auf die Feuchteisolierung und Wärmedämmung sowie auf die sinnvolle Anordnung der Dehnungsfugen geachtet werden muss. Elektro-Fußbodenheizungen müssen in jedem Heizfeld mit einem Temperaturfühler ausgerüstet werden.

7. Luftheizungs- und Lüftungsanlagen sollten mit einem Luftfilter mindestens der Güteklasse A ausgerüstet werden. Es ist darauf zu achten, dass der Luftfilter leicht zugänglich ist. Die Filter sollten mit einem geeigneten Warngerät ausgerüstet werden, das den Verschmutzungsgrad des Filters anzeigt.

8. Luftheizungsanlagen sollen mit einem Außenluftanschluss ausgerüstet werden, wenn nach Bauart und Größe der Kirche, nach der Besucherzahl und nach der Anzahl und Größe der vorhandenen Lüftungsöffnungen dies als notwendig erscheint. Auf eine günstige Lage der Ansaugöffnung ist zu achten.

9. Wenn die Lüftung der Kirche nur über Lüftungsöffnungen in den Fenstern erfolgt, ist darauf zu achten, dass die Öffnungen genügend groß bemessen werden. Eine Querlüftung ist anzustreben. In Kirchen mit Seitenschiffen und hochliegenden Hauptschiff-Fenstern sollten unten und oben Lüftungsflügel vorgesehen werden. Die Lüftungsflügel müssen dicht schließen und leicht bedienbar sein.

10. Boden- und Wandgitter sind so anzuordnen, dass die Architektur der Kirche nicht beeinträchtigt wird und Kirchenbesucher nicht belästigt werden. Eine Gefährdung von Einrichtungen und Kunstwerken muss vermieden werden.

11. Die Austrittsgeschwindigkeit der Luft soll bei Fußbodengittern im Mittel 2 m/s nicht überschreiten, wobei eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Luft über die gesamte Gitterfläche gewährleistet sein soll. Dies gilt insbesondere, wenn die Luft zur Erreichung kleinerer Kanalquerschnitte mit höherer Geschwindigkeit durch die Kanäle geführt wird.

12. Die Austrittstemperatur der Luft an den Gittern darf + 45° C nicht übersteigen. Die Einhaltung dieser Temperatur soll durch einen geeigneten Thermostaten überwacht werden.

13. Bezüglich der Geräuschentwicklung soll der Schalldruckpegel von 40 dB (A) nicht überschritten werden.

14. Es ist sorgfältig zu prüfen, ob eine Luftbefeuchtungseinrichtung erforderlich ist oder durch regeltechnische Maßnahmen das gewünschte Ergebnis erreicht werden kann. Im Zweifelsfall müssen raumklimatische Messungen über einen längeren Zeitraum vorgenommen werden. Nach dem derzeitigen Stand der Technik sind Dampfluftbefeuchter zu bevorzugen.

15. In Kirchen mit wertvoller Ausstattung muss die Heizungsanlage mit einer automatischen Regelanlage ausgestattet sein, die den An- und Abheizvorgang der Heizungsanlage und die die Grundtemperierung der Kirche steuert. Die max. Temperaturveränderung beim An- und Abheizvorgang darf 1,0 C/h nicht überschreiten.

16. Heizungsanlagen in Kirchen ohne wertvolle Ausstattung können über zwei Raumthermostate gesteuert werden, die die Grundtemperierung und die hohe Temperatur während des Gottesdienstes überwachen.

17. Die Bedienung der Heizungsanlage und die Überwachung des jeweiligen Betriebszustandes sollen von zentraler Stelle in der Sakristei aus möglich sein. Es muss eine Zeitschaltuhr mit Wochenprogramm und Gangreserve vorgesehen werden, damit der Heizbetrieb auch nach einem einstellbaren Programm gesteuert werden kann.

18. Die Aufstellung von Heizgeräten aller Art im Kirchenraum bedarf aus gestalterischen und versicherungstechnischen Gründen der Beratung und Genehmigung der Kirchlichen Oberbehörde.

III. Richtlinien für die Bedienung von Kirchenheizungen

Durch falsche Bedienung der Heizungsanlage können in der Kirche Schäden entstehen, deren Beseitigung fortlaufende und kostspielige Instandsetzungen erfordert.

1. Die Betriebsanleitung der Lieferfirma muss beachtet werden. Wenn Unklarheiten über die Bedienung der Heizungsanlage bestehen, ist es unerlässlich, durch einen Sachverständigen der Lieferfirma eine neue Einweisung vornehmen zu lassen.

2. Die Heizungsanlage darf während der Heizperiode nicht ausgeschaltet werden. Wenn kein Gottesdienst stattfindet, soll in der Kirche eine Grundtemperatur von etwa + 8° C gehalten werden. Die Temperatur während des Gottesdienstes soll + 12° bis höchstens + 15° C betragen.

3. Bei totaler Auskühlung der Kirche, bei Anhebung der Raumlufttemperatur über + 15° C oder bei zu schneller Anhebung der Raumlufttemperatur kann es zu Schäden am Bauwerk und an der Einrichtung kommen. Zudem führt eine solche Heizweise zu erhöhten Betriebskosten.

4. Wenn in der Kirche eine wertvolle Einrichtung oder Orgel vorhanden und die Heizungsanlage mit einer Heizautomatik ausgerüstet ist, darf die Automatik nicht ausgeschaltet werden.

5. Luftfilteranlagen müssen ständig kontrolliert und nach Bedarf und Betriebsanleitung gereinigt werden.

6. Die Lüftungsöffnungen in der Kirchendecke sind zur Vermeidung unkontrollierbarer Wärmeverluste während der Heizperiode geschlossen zu halten.

7. Wenn die Heizungsanlage mit einem Außenluftanschluss ausgerüstet ist, kann mit Außenluft geheizt oder gelüftet werden. Dies soll jedoch nur kurzzeitig und soweit erforderlich erfolgen. Während des Winters muss darauf geachtet werden, dass die Außenluftklappe möglichst geschlossen bleibt, da die Außenluft nach der Erwärmung zu trocken wird, was zum Absinken der Luftfeuchte in der Kirche führen kann.

8. Die Lüftungsöffnungen in den Fenstern sind aus dem gleichen Grunde während der Heizungsperiode nur kurzzeitig zu öffnen.

9. Der Heizraum und die Luftkanäle unterhalb der Bodengitter müssen sauber gehalten werden. Im Heizraum dürfen keine brennbaren Gegenstände lagern. Die Zu- und Abluftöffnungen des Heizraumes dürfen nicht verschlossen werden. Der Heizraum soll gut beleuchtet sein.

10. Es ist darauf zu achten, dass die gesamte Heizungsanlage mindestens einmal jährlich durch die Lieferfirma gewartet und überprüft wird. Es wird empfohlen, Wartungsverträge abzuschließen.

11. Es soll möglichst nur eine Person nach gründlicher Einweisung für die Heizungsanlage verantwortlich sein. Diese soll mit darauf achten, dass die jährlich notwendige Wartung durchgeführt wird.

 

Weitere Hinweise können aus den Richtlinien für die Beheizung von Kirchen

I Allgemeines
II Richtlinien für die Planung der Kirchenheizungen

entnommen werden.

Anmerkung:
Der hier vorgelegte Richtlinientext ist das Ergebnis der Tagung der Diözesan-Baumeister und Baureferenten vom 24. – 27.05.1972 in Mainz. Vergleiche hierzu Zeitschrift „Das Münster“ Jg.; Heft 4, 1972, S. 257 – 271.

Dem Redaktionsteam, das am 24.11.1972 unter dem Vorsitz von Diözesan-Oberbaurat Dr.-Ing. Paul Schotes in Mainz tagte, gehörten an:

Diözesan-Baudirektor Atzberger, Speyer
Ordinariatsrat Dipl.-Ing. Horn, München
Diözesan-Oberbaurat J. Ruchauver, Paderborn
Erzdiözesan-Baudirektor Triller, Freiburg
Erzdiözesan-Oberbaurat E. Valder, Köln, Herr Stapper, Köln
sowie Baudirektor Brischke, Ev. Landeskirche Hessen und Nassau, Darmstadt, Ing. H. Gossens, Aachen, Ferdinand Mahr, Aachen

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01.07.2010



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