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Verpachtung kirchlicher Dächer für PV-Anlagen

Die Bereitstellung von Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen ist für Kirchengemeinden eine gute Gelegenheit, zum Klimaschutz beizutragen, ohne selbst investieren zu müssen. Mit dieser Maßnahme bekundet sie ihren energiepolitischen Willen.

Kirchendach Kirchendach

Zusätzlich kann sie einen Imagegewinn erzielen. Durch die Verpachtung an Bürgersolaranlagen wird die Signalwirkung noch erhöht. Potentielle Investoren für die Errichtung der Photovoltaik-Anlagen finden sich meist. Allerdings muss sicher gestellt sein, dass die Dachflächen geeignet sind. Auch technische, vertragliche und versicherungstechnische Fragen sind zu regeln.

Vorgehensbeschreibung

Am Anfang steht – wie so oft – der Beschluss. Die Gemeinde dokumentiert damit den grundsätzlichen Willen zum Klimaschutz und die Bereitschaft, die Dachnutzung für Photovoltaik-Anlagen in Betracht zu ziehen. Zu prüfen ist die Eignung der Dächer für die Nutzung mit Photovoltaik-Anlagen, zu entwerfen sind Rahmenbedingungen für die Dachverpachtung inkl. Gestattungsvertrag im Detail.

Folgende Gesichtspunkte sollten bei einer ausführlichen Untersuchung der Dächer berücksichtigt und dokumentiert werden:
• Nutzung des Gebäudes: Da die Photovoltaik-Anlage mindestens 20 Jahre betrieben werden soll, ist entscheidend, dass das Gebäude auch noch die nächsten zwanzig Jahre existiert. Ist die Schließung oder der Verkauf des Gebäudes absehbar, sollte es nicht weiter untersucht werden.
• Denkmalschutz: Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, sind sämtliche Maßnahmen, die das äußere Erscheinungsbild verändern, kaum zu realisieren. Diese Gebäude sind daher für eine Photovoltaik-Anlage i.d.R. nicht geeignet.
• Dachart und Ausrichtung der Dachflächen: Optimal sind Dachausrichtungen gen Süden (von Südost bis Südwest) und eine Dachneigung zwischen 20° und 50°. Für eine schnelle Einschätzung der Dachausrichtung „vom Schreibtisch aus“ können Luftbilder im Internet sehr hilfreich sein. Auf Flachdächern kann man die Module durch die Aufständerung optimal ausrichten.
• Zustand der Dachflächen: der wirtschaftliche Betrieb einer Photovoltaik-Anlage erfordert einen langfristigen Betrieb, in der Regel über mindestens 20 Jahre. Wird eine Sanierung fällig und die Anlage muss ab und wieder aufgebaut werden, hat der Betreiber schnell einen Ertragsausfall, der den wirtschaftlichen Betrieb gefährdet. Daher sollten optimalerweise nur Dächer angeboten werden, die frisch saniert sind, oder bei denen in absehbarer Zeit keine Sanierung ansteht.
• Statische Eignung der Dachflächen, Sichtung der Statik-Unterlagen: Reichen die Lastreserven unter ausreichender Berücksichtigung von Schneelasten? Ein ausführlicher Nachweis der statischen Eignung wird in der Regel vom zukünftigen Betreiber der Anlage erbracht.
• Verschattung: Große Verschattungen können den Ertrag einer Photovoltaik-Anlage entscheidend verringern, demgegenüber können kleinere Schattenwürfe – z.B. von Schornsteinen oder am späten Nachmittag – ggf. toleriert werden.
• Größe der Dachflächen: Betreiber von Photovoltaik-Anlagen und Investoren interessieren sich überwiegend für größere Dachflächen. Bei kleinen Flächen kann es sinnvoll sein, diese gebündelt oder zusammen mit einzelnen größeren Flächen als „Pool“ anzubieten, um trotzdem eine Verpachtung zu erreichen.
• Kabeltrassen: Wo liegt der nächste Einspeisepunkt für die Photovoltaik-Anlage? Wo würde das Kabel von der Photovoltaik-Anlage zum Einspeisepunkt verlegt werden? Bei großen Photovoltaik-Anlagen liegt der nächste Einspeisepunkt nicht immer auf demselben Grundstück und die Kabeltrasse kann mehrere andere Grundstücke kreuzen, was einen erhöhten Abstimmungsaufwand bedeutet.

Unter Berücksichtigung der genannten Gesichtspunkte ist üblicherweise nur ein Teil der kirchlichen Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen gut geeignet.

Die wesentlichen Rahmenbedingungen und Vorgaben für die Verpachtung der kirchlichen Dachflächen werden in einer Richtlinie zusammengefasst und ebenfalls dem Presbyterium vorgelegt. Dazu gehören:
• Angabe der Gebäudetypen, die zur Verfügung gestellt werden sollen (alle Gebäudetypen oder nur Schulgebäude o.ä.)
• Höhe des Nutzungsentgelts für die Dachflächen, ggf. gestaffelt nach Bürgersolaranlagen und sonstigen Investoren
• Pflicht des Betreibers der Photovoltaik-Anlage, eine Anzeigetafel zu errichten
• Vorgaben zur Laufzeit des Gestattungsvertrags, zur Erbringung statischer Nachweise, zur Installation eines Blitzschutzes o.ä.

Für die Gestaltung des Gestattungsvertrags kann auf das hilfreiche Muster im EKD-Bauhandbuch zurückgegriffen werden.

In dem Gestattungsvertrag sollten die vom Dachpächter zu erbringenden Leistungen festgeschrieben werden. Dies können z.B. sein:
• Die Pflicht, eine Anzeigetafel zu errichten
• Die Erbringung statischer Nachweise,
• Erweiterung des Blitzschutzes o.ä.: Welche zusätzlichen Blitzschutzmaßnahmen erforderlich sind ist mit der Gebäudeversicherung zu klären und ggf. – nach der Umsetzung – vom TÜV zu prüfen.
• Zum Schutz vor Schneeabgängen sollten Schneefallgitter verlangt werden. Dachbereich über Eingängen sollten ggf. nicht mit PV-Anlagen bestückt werden.
• Die Vorlage des Inbetriebnahmeprotokolls und zukünftiger Prüfprotokolle der Photovoltaik-Anlage oder weiterer Systemdokumentation wie z.B. des (freiwilligen) Photovoltaik-Anlagenpass
• In einigen Kommunen hat es sich bewährt, die RAL Güte- und Prüfbestimmungen nach RAL GZ-966 zur Qualitätssicherung zu nutzten, z.B. indem bei der Auftragsvergabe ein Passus „Lieferung und Ausführung nach RAL-GZ 966“ gefordert wird.
• Um sich gegen etwaige Montageschäden abzusichern, ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung durch den Errichter der Photovoltaik-Anlage bereits vor Baubeginn erforderlich und nachzuweisen.

Insbesondere bei großen Dachflächen sollte eine Frist für die Errichtung der Anlage nach Vertragsabschluss gesetzt werden, da Dächer sonst auf längere Zeit blockiert werden können.

Aus Sicht des Betreibers der Photovoltaik-Anlage soll der Gestattungsvertrag einen möglichst langfristigen Betrieb der Photovoltaik-Anlage gewährleisten, um die Wirtschaftlichkeit der Investition sicherzustellen. Vertragliche Regelungen, die einen unvorhersehbaren vorzeitigen Abbau der Anlage zur Folge haben könnten, werden daher als Risiko gesehen.

Das Nutzungsentgelt für die städtischen Dachflächen wird in der Regel als jährlicher Betrag vereinbart, es ist aber auch eine Einmalzahlung zu Vertragsbeginn denkbar. Die Höhe des Entgelts kann auf unterschiedliche Arten festgelegt werden: In Euro pro kWp installierter Nennleistung, in Euro pro m2 genutzter Dachfläche oder als prozentualer Anteil der jährlichen Einnahmen aus der gesetzlich geregelten Einspeisevergütung. Grundsätzlich gilt aber, dass mit der Verpachtung der Dachflächen keine großen Einnahmen für die Kirche erreicht werden können.
Für die Veröffentlichung der aktuell verfügbaren, angebotenen Dächer hat sich die Bekanntgabe über Internetseiten bewährt. Am komfortabelsten ist es, das Angebot in Form einer Solardach-Börse im Internet zu präsentieren. Dabei wird zu einem Dach ein kurzer Steckbrief hinterlegt mit Zusatzinformationen wie Luftbildern, Größe der Dachflächen, Baujahr, Sanierungszustand, Dachausrichtung, Anmerkungen zu Denkmalschutz und Verschattung und ersten überschlägigen Berechnungen des möglichen Stromertrags.
Auch die direkte Ansprache von Zielgruppen wie z.B. Bürgerinitiativen oder eine Bekanntgabe über die Lokalpresse kann sinnvoll sein.
Der Personalaufwand für die Vorbereitung und Begleitung der Dachflächenverpachtung sollte nicht unterschätzt werden. In der folgenden Tabelle hat die Gemeinde Kall eine Abschätzung des Personalaufwands vorgenommen.
Gfs. sind Ämter in den Gesamtprozess hinzuzuziehen, z.B. Rechnungsprüfungsamt. Abschließend sollte die Feuerwehr über die errichtete Photovoltaik-Anlage und deren genaue Lage informiert werden, um die elektrischen Gefahren bei Feuerwehr-Einsätzen soweit möglich zu minimieren. Es hat sich bewährt, der Feuerwehr Standortkarten mit Lage der Anschlüsse und Wechselrichter zur Verfügung zu stellen.

Warum verpachten?

Kirchengemeinden fragen sich möglicherweise, ob es nicht lohnenswerter ist, selbst als Betreiberin einer PV-Anlage aufzutreten. Dies kommt grundsätzlich auch in Betracht, allerdings sind folgende Punkte zu bedenken und zu prüfen:
 
-          Die steuerliche Handhabung der Erträge der PV-Anlage sind  schwierig darstellbar   Eine saubere Trennung der Geschäftsbereiche  ist notwendig.  Der finanzielle Gewinn der PV-Anlage stünde dann der Gemeinnützigkeit der Kirchengemeinde möglicherweise nicht im Weg.
-          Eine PV-Anlage bindet sehr hohe Finanzmittel. Eine berechtigte Frage ist, ob die Finanzierung einer PV-Anlage zur Kernaufgabe einer Kirchengemeinde gehört.
-          Eine PV-Anlage hat Betreuungsaufwand. Andererseits baut Kirche auf die Ehrenamtlichkeit. Der Baukirchmeister hat als Ehrenamtler erfahrungsgemäß reichlich mit der Betreuung der Gebäude zu tun. Andererseits kennen wir viele Anlagen, die vor Jahren an Kirchen oder Schulen auf Anregung und Bemühen einzelner Personen installiert worden sind. Zieht jemand jedoch weg oder hat aus welchen Gründen auch immer keine Zeit mehr für die Photovoltaik-Anlage, kümmert sich niemand mehr um ihre korrekte Funktionsweise. Man darf nicht vergessen, man redet über eine Betriebsdauer der Anlagen von mehr als zwanzig Jahren.
 

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9. August 2013



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