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"Wie eine Zahnlücke", beschreibt Wolfgang Poller das Bild, das sich einem derzeit in der Felsenkirche bietet
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"Wie eine Zahnlücke", beschreibt Wolfgang Poller das Bild, das sich einem derzeit in der Felsenkirche bietet

Gespräch mit Pfarrer Wolfgang Poller über die zerstörte Orgel der Felsenkirche

„Felsenkirche macht Arbeit, aber auch Freude“

Die erst 2002 neu eingebaute Orgel in der historischen Felsenkirche in Oberstein wurde durch einen Wasserschaden schwer beschädigt.

„Die Geschichte der Felsenkirche ist eine Geschichte von Wasserschäden, Felseinbrüchen und Bränden,“ so beginnt Pfarrer Wolfgang Poller das kurze Informationsgespräch über die Zerstörung der Orgel in der Felsenkirche. Er erläutert, dass Fels porös ist und beweglich und daher immer Wasser darin steht. Als 2002 die neue Orgel eingebaut wurde, wurde der Fels darüber mit einem mineralischen Anstrich versehen, der vor Wasserschäden schützen sollte. Diese Schutzsicht hat auch sechs Jahre gehalten, ist aber jetzt wohl porös geworden. Schon seit einiger Zeit tropfte es immer wieder einmal, aber jetzt wurde es so viel Wasser, dass mehrere Orgelpfeifen zerstört wurden. Um die Orgel zu retten, wurde sie als Sofortmaßnahme abgebaut. Schon der Abbau kostete 10.000 Euro, ein Neuaufbau wird wenigstens das Zehnfache kosten. Noch hat das Presbyterium keine Entscheidung getroffen, was mit der Orgel weiter geschehen wird. Bisher gibt es zwei Vorschläge: die Orgel an der gegenüberliegenden Seite erneut aufbauen oder an der alten Stelle eine verkleinerte Orgel mit einem kleinen Dach errichten. Es fehlt aber bisher jegliches Finanzierungskonzept. Die neue Orgel von 2002 wurde mit Spenden und Kollekten finanziert und so eine Orgel hat unter normalen Umständen eine Lebensdauer von 200 – 300 Jahren, sagt Wolfgang Poller. Die Felsenkirche und ihr Inventar kann nicht versichert werden, da durch ihre besondere Lage im Fels Bauschäden nicht unwahrscheinlich sind.
Ein Jahr lang müssen die beschädigten Orgelpfeifen trocknen. Im Jahr 2008 werden die Gottesdienste und Trauungen also mit einer kleinen Orgel begleitet werden müssen.
Wolfgang Poller erzählt noch, was er in den Jahren, in denen er Pfarrer in Oberstein ist, mit der Felsenkirche schon alles erlebt hat: Felsabbrüche, Staubeinbrüche, Wassereintritt und anderes mehr.
Schließlich sagt er: „Die Felsenkirche macht viel Arbeit, aber auch viel Freude!“

 


Auf diesen schönen Anblick müssen die Besucher der Felsenkirche in der nächsten Zeit verzichten.

Aus: „Die Felsenkirche. Das Wahrzeichen der Stadt Idar-Oberstein“, 2004
Die Orgel in der Felsenkirche wurde 1756 von der aus Rhaunen-Sulzbach stammenden und dort 180 Jahre tätigen Orgelbauerfamilie Stumm gebaut. Johann Michael Stumm (1683-1747) hatte den Orgelbau begründet, der in Folge während sechs Generationen über 400 Orgeln im Huns-rück und darüber hinaus geplant, gebaut und geliefert hatte. Von außergewöhnlicher handwerklicher Qualität, aus hervorragenden Materialien hergestellt, haben die meisten Orgeln die Unbilden der Zeiten überlebt, sofern sie nicht zerstört, umgebaut oder verändert worden sind.
Die Stumm-Orgel in der Felsenkirche ist ein Werk der zweiten Generation und hielt bis nach dem 1. Weltkrieg. Wegen des großen Felssturzes, der die Felsenkirche zerstörte, kam nach der Totalrenovierung 1929 eine ganz neue Orgel der Fa. Walcker, Ludwigsburg, in das dennoch noch erhaltene Gehäuse der ursprünglichen Orgel. Verändert wurden dabei der Spieltisch, der auf der unteren Empore stand, während die Pfeifen auf die neu errichtete obere Empore in den Stumm-Prospekt eingebaut wurden. Das elektro-pneumatische System ermöglichte das Spielen vom unteren Spieltisch aus. Nach fünfzig Jahren war die Walcker-Orgel ebenfalls reparaturbedürftig geworden, so dass in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts anlässlich der 500-Jahr-Feier der Felsenkirche 1984, eine Ergänzung durch elektronisch hinzuschaltbare Pfeifen erfolgte. Dieses System erwies sich schon nach kurzer Zeit als nicht beständig, so dass in den neunziger Jahren die Orgel kaum noch spielbar war. Im Zuge der historischen Besinnung auf authentischen Orgelklang, wie ihn die Gebrüder Stumm so vorbildlich geschaffen hatten, erfolgte die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Orgel, zumal der Orgelprospekt noch original erhalten war. Die Orgelbaufirma Rainer Müller in Merxheim (Nahe) erhielt nach der großen Ausschreibung den Zuschlag, hatte sie doch durch historisch werkgetreue Rekonstruktionen auf sich aufmerksam gemacht. 1998 wurde der Auftrag erteilt und bereits 2001 war das im Sinne der Stumms neue Werk fertig und wurde im Jahre 2002 eingebaut.
Elisabeth Jost

Oberstein / lo 22.04.2008


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