
Die Felsenkirche in Oberstein
von der Reformation bis heute
Zur Geschichte des Kirchenkreises Birkenfeld
Viele historische Unterlagen zur Geschichte des Kirchenkreises Birkenfeld, unter anderem die Akten des Birkenfelder Konsistoriums und des Kirchenkreises, befinden sich in der Evangelischen Archivstelle in Boppard.Zur Geschichte des Kirchenkreises Birkenfeld
Von Andreas Metzing
Die Einführung der Reformation
Das Gebiet des heutigen Kirchenkreises Birkenfeld ist altes evangelisches Kerngebiet. Bereits im 16. Jahrhundert nahmen praktisch alle hier regierenden Landesherren das lutherische Bekenntnis an. In vielen Gemeinden predigten die Pfarrer sogar noch vor dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 evangelisch, zu einem Zeitpunkt also, als das Luthertum reichsrechtlich noch gar nicht anerkannt war.
Am frühesten, nämlich bereits in den 1530er Jahren, ging das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zur Reformation über, zu dem in unserem Gebiet die Pfarreien Wolfersweiler, Achtelsbach und das erst später selbständig gewordene Nohfelden gehörten. In den 1540er Jahren wurden die beiden Pfarreien in der Reichsherrschaft Oberstein, nämlich Idar (mit Kirschweiler) und Oberstein, lutherisch. Gleiches galt wahrscheinlich auch für die wild- und rheingräflichen Pfarreien Georg-Weierbach, Bergen, Veitsrodt und Wickenrodt, wenngleich dieses Territorium offiziell erst nach 1555 die Reformation annahm. In der Hinteren Grafschaft Sponheim, die im Reformationsjahrhundert – gemeinsam mit den Markgrafen von Baden – zunächst von Pfalz-Simmern, seit 1559 von Pfalz-Zweibrücken regiert wurde, hielt die Reformation 1557 Einzug; zu diesem Territorium zählten die Pfarreien Birkenfeld, Nohen (Filial von Reichenbach), Niederbrombach (mit Leisel und Siesbach), Niederwörresbach (mit Fischbach), Herrstein (mit Mörschied) und Niederhosenbach. Um 1561 schließlich ging auch die Herrschaft Sötern (mit Bosen) zur Reformation über.
Lutheraner und Reformierte
Von der Spaltung der reformatorischen Bewegung in Lutheraner und Reformierte blieb auch das Gebiet des heutigen Kirchenkreises Birkenfeld nicht verschont. 1588 ging der damalige Herzog von Pfalz-Zweibrücken, Johann I., und mit ihm auch die Gemeinden Wolfersweiler und Achtelsbach von der lutherischen zur reformierten Konfession über. Die übrigen Gemeinden im Gebiet des heutigen Kirchenkreises Birkenfeld blieben lutherisch. Als jedoch Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Pfalz-Zweibrücken die Mitglieder einer lutherischen Linie regierte – sie waren zugleich auch Könige von Schweden –, wurde das bisher zur reformierten Gemeinde Wolfersweiler gehörige Nohfelden eigenständig und erhielt einen lutherischen Pfarrer; in Achtelsbach entstand ein Filial dieser neuen lutherischen Gemeinde.

Siegel des Kirchenkreises Birkenfeld
Die Franzosenzeit
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Jahr 1792 änderten sich die territorialen und damit auch die kirchlichen Verhältnisse vollkommen. Frankreich annektierte das gesamte linksrheinische Gebiet und führte in der napoleonischen Zeit eine grundlegende Neustrukturierung der staatlichen und kirchlichen Verwaltungsgliederung durch. Unser Gebiet gehörte nun zum Saar-Departement. Die lutherischen und reformierten Gemeinden wurden zu so genannten Konsistorialkirchen zusammengefasst. Die Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Kirchenkreises Birkenfeld gehörten zu den lutherischen Konsistorialkirchen Idar und Birkenfeld. Die reformierten Gemeinden Wolfersweiler und Achtelsbach waren dem reformierten Lokalkonsistorium Kusel (heute in der Evangelischen Kirche der Pfalz gelegen) zugeordnet.
Neuordnung im 19. Jahrhundert
Mit der nach der Niederlage Napoleons erforderlich gewordenen Neuordnung der politischen Landkarte 1814/1815 begann die eigentliche Vorgeschichte des Kirchenkreises Birkenfeld. Dem Herzog von Oldenburg sprach man auf dem Wiener Kongress als Entschädigung für die Unterstützung Preußens im Kampf gegen Napoleon ein Distrikt von 20.000 Einwohnern im ehemaligen Saardepartement zu. Die territoriale Ausdehnung dieses zwischen Nahe, Hochwald und Idarwald gelegene Landstrichs, den der Herzog im April 1817 als Fürstentum Birkenfeld in Besitz nahm, spiegelt sich noch heute in den Grenzen des Kirchenkreises Birkenfeld wieder. Das kleine Fürstentum bildete eine eigene birkenfeldische Landeskirche mit Konsistorium und Synode.
Die neue Grenzziehung erfolgte ohne Rücksicht auf gewachsene Traditionen und machte deshalb einige Umgemeindungen erforderlich. So lagen die bisher zur Gemeinde Veitsrodt gehörigen Orte Wildenburg, Kempfeld und Katzenloch jetzt im preußischen “Ausland” und wurden aus diesem Grund von ihrer bisherigen Muttergemeinde getrennt. Veitsrodt selbst war nun ein Filial von Niederwörresbach. Im Gegenzug erhielt das bisher zu Niederwörresbach gehörige Fischbach den Status einer selbständigen Gemeinde mit Georgweierbach und Kirnsulzbach – dessen alte Muttergemeinde Kirn jetzt ebenfalls im Ausland lag – und Hintertiefenbach als Filialen. Verwaist war auch die Gemeinde Nohen. Bis zum Wiener Kongress war sie ein Filial von Reichenbach gewesen, das jetzt im zu Sachsen-Coburg gehörigen Fürstentum Lichtenberg lag. Man machte Nohen deshalb in oldenburgischer Zeit zum Filial von Birkenfeld.

Kirche und Freizeitheim in Heiligenbösch
Die Birkenfelder Union
Das bedeutendste kirchengeschichtliche Ereignis im Fürstentum Birkenfeld des 19. Jahrhunderts war die Einführung der Union zwischen den etwa 12.500 Lutheranern und den knapp 2.000 Reformierten im Jahr 1843. Schon die Kirchenordnung von 1823 hatte für eine gewisse administrative Vereinheitlichung gesorgt, und seit den späten 1820er Jahren wurde der Wunsch nach einer Union nach pfälzischem oder preußischem Vorbild zunehmend spürbar. Das galt vor allem für den Südwesten des Fürstentums, für den Raum Wolfersweiler-Nohfelden-Achtelsbach, wo eine stark gemischtkonfessionelle Bevölkerung lebte. Ellweiler bei Nohfelden beispielsweise war zur einen Hälfte lutherisch, zur anderen Hälfte reformiert und deshalb teils der lutherischen Gemeinde Nohfelden, teils der reformierten Gemeinde Achtelsbach zugeordnet. Vor allem für die gemischtkonfessionellen Familien war dies ein sehr unbefriedigender Zustand. Die im Sommer 1843 feierlich vollzogene Union schaffte hier endlich Abhilfe.
Der Übergang in die Rheinische Kirche
An der Spitze der Birkenfelder Landeskirche stand das vom Großherzog – seit 1829 führte der Oldenburger Landesherr diesen Titel – eingesetzte Konsistorium. Die Landessynode hatte erst seit dem Kirchenverfassungsgesetz von 1875 entscheidende Mitspracherechte. Viele Pfarrer liebäugelten deshalb mit einem Anschluss an die Provinzialkirche der preußischen Rheinprovinz, in der das synodale Element eine wesentlich größere Rolle spielte. Vor allem nach der Abdankung des Großherzogs 1918 wurden diese Stimmen immer lauter. Doch erst im Jahr 1934 – drei Jahre bevor der oldenburgische Landesteil Birkenfeld auch politisch zur preußischen Rheinprovinz kam – hörte die Birkenfelder Landeskirche auf zu existieren und schloss sich der preußischen Landeskirche an. Als Kirchenkreis Birkenfeld gehörte sie fortan zur Rheinischen Provinzialkirche.
Kirche im Dritten Reich
Die Vereinigung Birkenfelds mit der Rheinprovinz fiel in die Zeit der NS-Diktatur und des Kirchenkampfes, der auch im Kirchenkreis Birkenfeld eine schwere Belastungsprobe darstellte. Viele Pfarrer tendierten zu den nationalsozialistisch geprägten Deutschen Christen und begrüßten vor allem in den Jahren 1933/34 das neue politische Regime. Seit 1933 dominierten die Deutschen Christen die Kreissynode. Doch es gab auch Pfarrer und Presbyterien, die das deutschchristliche Gedankengut offen ablehnten. Mit dem in Idar-Oberstein geborenen, später in Wuppertal tätigen Lehrer Georg Maus ist eine Symbolfigur des kirchlichen Widerstandes aus unserem Gebiet hervorgegangen.
Der Kirchenkreis Birkenfeld zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland
Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte durch die Abtrennung des Saargebiets erneut – wie schon 1815 – eine Grenzziehung, die keine Rücksicht auf die bestehenden Strukturen nahm. Die auf dem Wiener Kongress festgesetzten Grenzen des Fürstentum Birkenfeld waren damals zwar ebenfalls recht willkürlich gezogen worden, wurden aber nach 130 Jahren von vielen Menschen als “historisch gewachsen” empfunden. So blieb der Kirchenkreis Birkenfeld in seiner hergebrachten territorialen Ausdehnung bestehen, obwohl die Gemeinden Sötern-Bosen, Nohfelden und Wolfersweiler im zunächst französisch verwalteten Saargebiet und seit 1957 im neuen Bundesland Saarland lagen und liegen. Bis heute stellt deshalb der Kirchenkreis Birkenfeld, in dessen Grenzen das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld des 19. Jahrhunderts weiterlebt, ein lebendiges Bindeglied zwischen dem rheinland-pfälzischen und dem saarländischen Teil der rheinischen Landeskirche dar.
Birkenfeld / Andreas Metzing
© EKiR.de 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung




















