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Alltag im Kirchenpavillon: Eberhard Wegner gibt Hilfe zur Selbsthilfe.            (Foto: Joachim Gerhardt)
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Alltag im Kirchenpavillon: Eberhard Wegner gibt Hilfe zur Selbsthilfe. (Foto: Joachim Gerhardt)

Keine Angst vor Formularen 

Sozialberatung im Kirchenpavillon

Unverständliche Antragsformulare, dazu Deutsch als Fremdsprache. Ein Amt verweist an ein anderes und dieses an das erste. Eberhard Wegner hört oft Geschichten wie diese. ...

Geschichten von Menschen, die nicht mehr weiter kommen. Doch er weiß Rat. Fast immer. Es geht um Schulden, Arbeitslosengeld II, Kindergeld, Verbraucherschutz. Wegner bietet „Allgemeine Sozialberatung“ im Evangelischen Kirchenpavillon in der Bonner Innenstadt. Im Kirchenpavillon arbeitet Wegner ehrenamtlich jeden Dienstag für zwei Stunden (oft länger) in einem kleinen, kargen Raum gleich neben dem Cafébetrieb. „Hauptsächlich helfe ich beim Ausfüllen von Formularen und erkläre Behördenbescheide“, erzählt er. Diese seien für viele Menschen schwer verständlich, besonders für ausländische Bürger. „In manchen Kulturen gibt es gar keine Papiere, keine Formulare.“ Darüber hinaus begleitet er Hilfesuchende zu Behördengängen. „Manche haben nur ihr Geburtsjahr im Reisepass, der Tag ist nie erfasst worden.“ Damit fangen die Probleme erst an. Wegners kostenlose Beratung nutzen Menschen zwischen 20 und 80 Jahren. Mit Erfolg. Kürzlich konnte er erreichen, dass ein Mobilfunkanbieter einem seiner Beratungssuchenden 300 Euro erstatten musste.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Ehrenamt des Sozialberaters ist für Wegner sein „vierter Beruf“. Zuerst war der heute 70-Jährige bei der Post, studierte dann Physik und promovierte schließlich in Informatik. Zur Sozialberatung kam er durch einen Kurs des Evangelischen Forums Bonn. Hier lernte er wichtige Grundsätze für seine Arbeit. Einer lautet: Der Berater kann immer nur „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben. „Der Beratene bleibt selbst der Experte für sein eigenes Leben“, erklärt Wegner. 1997 begann er mit Sozialberatung in der evangelischen Kirchengemeinde Holzlar. Kurz darauf riefen ihn Kurskolleginnen in den Kirchenpavillon, um sie dort zu vertreten. Bald löste er sie dauerhaft ab. Viel Wissen für seine Hilfe schöpft er aus der Erfahrung. „Ich war zwei Mal Beamter und kenne mich da aus.“ Wegner hat keine Angst vor Formularen und genau das will er auch seinen Ratsuchenden vermitteln. Seine Motivation für das Ehrenamt nennt Wegner ohne zu zögern: „Eine sinnvolle Arbeit trägt den Dank in sich.“ Mit der Kirche fühlt er sich immer schon verbunden. Seine Überzeugung: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ Wegner selbst sieht sich aber nur als ein Baustein in der vielfältigen Sozialberatung in Bonn und der Umgebung. „Ich bin einer unter vielen.“

Sozialberatung im Evangelischen Kirchenpavillon, Budapester Straße 7, 53111 Bonn, dienstags, 11-13 Uhr.


Sanna Engell 20.04.2006


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