Generalanzeiger

Presse-Stimmen



General-Anzeiger Bonn, 09.05.2011

Meister der langen Bögen
Werke Anton Bruckners in der Kreuzkirche

Von Barbara Pikullik

Seine Messe in e-Moll konzipierte Anton Bruckner für eine Aufführung im Freien - anlässlich der Einweihung der Votivkapelle des Linzer Mariendomes. Ursprünglich sollten während der Feierlichkeiten noch zwei Motetten Bruckners erklingen. Das Projekt allerdings wurde wieder verworfen. Nicht aber während des Konzertes der Reihe "am 7. um 7" in der Kreuzkirche mit der Kantorei und Bläsern der Kreuzkirche unter der Leitung von Sebastian Breuing. Ein anspruchsvolles Programm, zu dem Stefan Horz noch Erwin Horns Orgeltranskription des Adagios aus Bruckners 7. Symphonie beisteuerte.

Als Meister der langen Bögen erwies sich in dem mäßig besuchten Konzert Sebastian Breuing. Einen langen Atem und unerbittliche Ruhe legte er bereits während der Motetten "Christus factus est" und "Locus iste" an den Tag. Er wählte sehr langsame Tempi, die die Kantorei mit warmem Klang umzusetzen wusste. Die e-Moll-Messe, teilweise achtstimmig, ist ein hoch komplexes Werk, das dem Chor einiges an Konzentration abverlangt. Der naturgemäß volle Bläserklang aber erinnerte daran, dass das Werk ursprünglich für eine Freilichtveranstaltung gedacht war.

In der Kreuzkirche wurde streckenweise die Grenze der Durchhörbarkeit überschritten. Dies allerdings tat dem Spannungsbogen keinerlei Abbruch. Vor der Messe bot Stefan Horz an der Orgel "Sehr feierlich und sehr langsam" das Adagio aus Bruckners 7. Symphonie und demonstrierte zugleich die Grenzen der Transkription. Der Satz gilt als eine der bedeutendsten Trauermusiken des 19. Jahrhunderts. Die Wirkung dieser Musik Bruckners liegt auch in der Instrumentierung. Diese Tiefenwirkung, bei aller Feinsinnigkeit in der Registrierung, ging in der Orgelfassung erwartungsgemäß verloren.



General-Anzeiger Bonn, 17.12.2010

Bachs Weihnachts-Oratorium in der Kreuzkirche

Von Mathias Nofze

Wenn es eine musikalische Grundversorgung gibt, zählt Bachs Weihnachts-Oratorium dazu. Aufführungen sind längst keine Konzerte mehr, sondern Ziele von Pilgerreisen. Welche der sechs ursprünglich für den Zeitraum zwischen Weihnachten und Epiphanias gedachten Kantaten dargeboten werden, spielt kaum eine Rolle, Hauptsache, die erste ist dabei; denn auf den mit festlichen Pauken und Trompeten angekündigten Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" mag niemand verzichten.

Musikalisch lässt sich die Aufteilung damit rechtfertigen, dass Bach jede der Kantaten als selbstständiges Werk konzipiert hat. In der Kreuzkirche hatte man sich entschieden, die Teile eins bis drei zu spielen, und zwar gleich an zwei Abenden. Das "Jauchzet, frohlocket" erklang bei der Kantorei der Kreuzkirche mit der gebotenen Fröhlichkeit und pulsierenden Lebendigkeit.

Unterfüttert wurde der Chorgesang vom federnden Spiel des Orchesters der Kreuzkirche, deren Trompeter sich mit blitzsauberem Spiel sogleich die ersten Pluspunkte verdienten. Die Fäden am Pult hielt Sebastian Breuing mit souveränem, manchmal etwas zu zurückhaltendem Dirigat zusammen.

Auch in den übrigen Chorsätzen gefiel die Kantorei mit kraftvollem Gesang und zeigte rhythmische Sicherheit in kontrapunktischen Finessen. Zu andächtigen Ruhepolen formte man die Choräle. Monika Reinhards gab mit glockenhellem Sopran einen eindringlichen Engel, Elvira Bills Alt verströmte Wärme und erzeugte Intensität. Einen glänzenden Evangelisten (und koloraturengewandten Tenorsolisten) gab Georg Puplutz, während Klaus Mertens die Basspartien souverän und mit markanter Stimme meisterte.



General-Anzeiger Bonn, 14.11.2010

Frevelhafter Babylonier-König
Das neue Bonnbarock-Orchester und die Kreuzkirchen-Kantorei präsentieren "Belshazzar"

Von Mathias Nofze

Bonn und seine Bs, als da sind: Beethoven, Brückenmännchen, Bundeskanzleramt, Bundesjugendorchester etc etc. Seit Sonntag lässt sich die Liste um B wie Bonnbarock-Orchester erweitern. Das Ensemble, bestehend aus professionellen Alte-Musik-Spezialisten, feierte in der Kreuzkirche eine wahrhaft fulminante Premiere. Mit Händels bildgewaltigem Oratorium "Belshazzar" gelang ein rundum gelungener Einstand. Das Orchester verblüffte unter seinem Leiter Sebastian Breuing mit einem geschmeidigen Klang und einer hinreißenden Beweglichkeit.

Die Ouvertüre bereits geriet zum Musterbeispiel für kernigen Klang und lebendiges Musizieren. "Am Siebten um sieben" heißt die Reihe, in der die Geschichte vom frevelhaften Babylonier-König Belshazzar aufgeführt wurde und Sitzfleisch verlangte: erst nach etwas mehr als drei Stunden konnte die fabelhafte Kantorei der Kreuzkirche mit einem friedvollen, inbrünstig gesungenen Amen den Untergang des charakterlosen Belshazzar feiern.

Der Chor ist bei Händel ein Hauptdarsteller. Er muss weise
Männer, außerdem die in babylonischer Gefangenschaft leidenden Juden, die höhnischen Babylonier sowie das Volk der Meder und Perser darstellen. Viel Stoff also für bildhafte Musiksprache, in der sich Händel mit einem staunenswerten Einfallsreichtum auszudrücken weiß. "And ev'ry step he takes" heißt es im Chor der Juden am Schluss des ersten Aktes. Sebastian Breuing dirigierte das Geschehen mit Gelassenheit ausstrahlender Souveränität. Das Solistenensemble agierte auf Augenhöhe, einzig Phillip Langshaw bot zwar einen markanten Bass, blieb aber mancher Koloratur die markanten Umrisse schuldig. Heidrun Kordes' lyrischer Sopran (als Nitrocis) nahm ebenso gefangen wie Elvira Bills volltönender Alt (als Cyrus). Grandios Patrick Henckens in der Tenorpartie des Belshazzar, manchmal etwas zu dezent Franz Vitzthum als Altus in der Rolle des Daniel.






General-Anzeiger Bonn, 30.03.2010

Einstimmung auf die Karwoche
Kantorei und Orchester der Kreuzkirche führen Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion auf

Von Fritz Herzog

Das war sie endlich, die bis zum Sopran-Alt-Duett, "So ist mein Jesus nun gefangen", mit den messerscharfen Choreinwürfen, "Lasst ihn, haltet, bindet nicht!", vermisste Lebendigkeit im Ausdruck; ganz zu schweigen von den hernach beschworenen Naturgewalten: "Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden?".

Ab hier schien das Eis gebrochen, die respektvoll distanzierte Zurückhaltung des jungen Dirigenten Sebastian Breuing vor Bachs Matthäus-Passion endlich überwunden. Mit einer im Ganzen grundsoliden Aufführung dieser "großen" Passion durch Kantorei und Orchester der Kreuzkirche wurde heuer am Kaiserplatz auf die Karwoche eingestimmt.

Es ist freilich eine Gratwanderung, dramaturgische Spannungsbögen zwischen dem Erzählstil des Evangelisten und den reflektierenden Chorälen einerseits, den "handelnden" Soli und den, die aufgebrachten Massen darstellenden Turba-Chören andererseits, zwischen den epischen und den dramatischen Aspekten gleichermaßen überzeugend zu disponieren. Bach hat wirkungsvoll auch opernhafte Affekte vertont, vor deren plastischer Gestaltung man sich auch bei einer liturgischen Aspekten verpflichteten Aufführung in der Kirche nicht scheuen sollte. Die bühnenwirksamen Potenziale dieser Musik hatte der Hamburger Ballettchef John Neumeier bereits 1981 überzeugend aufzuspüren begonnen.

Die zweigeteilte Kantorei sowie das an einigen Schlüssel-Pulten mit Spezialisten historischer Aufführungspraxis besetzte, ebenfalls zweigeteilte Orchester agierten im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchweg präzise, vom Klangbild her aber eher kompakt. Das Solisten-Ensemble aus Theresa Nelles, Sopran, Ingeborg Danz, Alt, Andreas Wagner, Tenor, Rafael Bruck, Jesus-Bass, und Michael Dahmen, koloraturensicherer Arien-Bass, machte gute Figur, wiewohl man sich den in der Tonhöhe schwächelnden Evangelisten akustisch mehr in den Vordergrund gewünscht hätte.

Über jeden Zweifel erhaben zeigte sich Ingeborg Danz, neben jenem Duett, insbesondere im fast erschütternden "Erbarme Dich". Der anhaltende Schlussapplaus war mehr als berechtigt.



General-Anzeiger Bonn, 17.12.2009

Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche

Von Guido Krawinkel

Weihnachten, Weihnachtsoratorium, Kreuzkirche. Diese Trias gehört zusammen, und auch im 56. Jahr, in dem diese Tradition anhält, waren keine Ermüdungserscheinungen festzustellen. Die Kantorei der Kreuzkirche war unter der Leitung von Karin Freist-Wissing wieder in stattlicher Größe angetreten, und auch das Orchester der Kreuzkirche war bestens besetzt.

Auch dieses Mal blieb man dem eigenen Anspruch treu und musizierte auf hohem Niveau. Das wurde gleich im Eingangschor eindrucksvoll bewiesen: Flotte aber nie eilige Tempi, eine präzise Artikulation und deutliche Diktion zeigten, dass die Kantorei ihre Hausaufgaben gemacht hatte.

Auch das Orchester der Kreuzkirche empfahl sich mit einem nicht nur engagierten, sondern auch überaus schwungvollen Spiel, das durch einen stellenweise geradezu musikantischen Duktus geprägt war. Die Hirtenmusik zu Beginn der zweiten Kantate etwa oder der schwungvolle Eingangschor der dritten Kantate zeigten eindrücklich, dass auch hier nicht die alljährliche Routine obwaltete, sondern immer lebendig und frisch musiziert wurde.

Während die warm und satt klingende Altstimme von gerhild Romberger und der sonore und elegante Bariton von Klaus Mertens für vokale Höhepunkte sorgten, reichten der etwas spitze Sopran von Gabriele Hierdeis und der Tenor von Marcus Ullmann nicht ganz an deren Leistungen heran.



Chor-live-Online (ChorVerband Nordrhein-Westfalen e.V.), 03.07.2009

Paulus-Oratorium in der Bonner Kreuzkirche

Von Walter Dohr

Die Kreuzkirche, in der Nähe von Hofgarten und Universität in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn gelegen, ist die städtische evangelische Hauptkirche und gleichzeitig das kulturelle Zentrum. Seit der Einweihung der Kirche im geschichtsträchtigen Jahre 1871 hat die Kirchenmusik in der Kreuzkirche und der Gemeinde eine wesentliche Rolle gespielt. Wenige Jahre nach der erwähnten Einweihung wirkten Arnold Mendelssohn (ein Großneffe des Jubiläumskomponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy) und Friedrich Spitta an der Kreuzkirche und verschrieben sich den Passionen von Heinrich Schütz. Im Nachhinein muss man konstatieren, dass sie damit eine Renaissance der Musik des frühbarocken Komponisten beschworen. Die von Karin Freist-Wissing dirigierte Kantorei der Kreuzkirche, die zur Zeit aus etwa 100 Sängerinnen und Sängern besteht, gehört inzwischen zu den hiesiegen Elitechören und das sogar über Bonn hinaus. Kein Wunder, dass die höchst wirkungsvolle Aufführung des Paulus-Oratoriums von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-47) im Rahmen des "Sommerklang-Festivals" (dabei ist dem Freundeskreis und der Stiftung in besonderer Weise zu danken) in der Kreuzkirche musikalisch und stimmtechnisch bestens aufgehoben war.
Zumal die überaus versierte Dirigentin nichts dem Zufall überließ und die Kantorei zu einer packenden Interpretation des Oratoriums animierte. Karin Freist-Wissing hat an der Hochschule für Musik in Detmold/Westfalen Kirchenmusik (A-Examen) und Orchesterdirigieren studiert. Seit dem Jahre 1990 hat sie der Kantorei, dem Kammerchor "Vox Bona" und dem Sinfonieorchester zu einem guten Ruf verholfen. Zahlreiche Preise bei Wettbewerben, Rundfunk- und CD-Aufnahmen und Konzertreisen im In- und Ausland dokumentieren die herausragende Musik- und Chorarbeit. Das Oratorium wurde im Jahre 1836 beim Rheinischen Musikfest in Düsseldorf uraufgeführt. Es ist von Julius Schubring (Konsistorialrat in Dessau) nach Bibeltexten zusammengestellt und schildert in fesselnden Szenen die Steinigung des Stephanus und die Bekehrung des Paulus durch die Vision von Damaskus. Im zweiten Oratorienteil steht das Wirken des geläuterten Apostels und seine Verfolgung im Mittelpunkt.
Dem Komponisten, der sich ganz besonders um die Wiederentdeckung von J. S. Bachs "Matthäus-Passion" verdient gemacht hat, ist mit diesem dramatisch aufgeladenen Werk wirklich ein großer musikalischer Wurf gelungen. Dabei hat er sich am Vorbild des berühmten J. S. Bach orientiert; aber dennoch seinen persönlichen romantischen Duktus gepflegt. Auf diesen Umstand legte die Dirigentin ihr Hauptaugenmerk und gab dem Oratorium, den Chören und Chorälen ihre Dramatik, Feierlichkeit und Gelassenhait. Das meisterlich auftrumpfende Amadeus-Ensemble Bonn, Orgelspieler Stefan Horz und das Soloquartett Sunja Wehmeier, Charlotte Quadt, Sebastian Kohlhepp und Rüdiger Kasa taten ein Übriges, damit das Oratorium wie aus einem Guß interpretiert war.



General-Anzeiger Bonn, 22.06.2009

Kritik des "Paulus"-Konzerts am 20.6.2009

Von Thomas Kirchhoff

Es durfte mitgesungen werden, zumindest die protestantischen Choräle in Felix Mendelssohns Oratorium "Paulus", das unter Leitung der Kantorin Karin Freist-Wissing in der Kreuzkirche eine dauerhaft starke Aufführung erlebte. Sangesfreudige Konzertbesucher konnten am Tag zuvor dafür sogar mitproben. Die Kreuzkirche hätte indes besser gefüllt sein können, angesichts der spannungsvollen Darbietung von der Wandlung des Saulus zum Paulus. Dafür sorgten mit homogener Leistung die Kantorei der Kreuzkirche, das überwiegend aus Mitgliedern des Beethoven Orchesters bestehende Amadeus Ensemble Bonn und ein hervorragendes Solisten-Quartett mit Sunja Wehmeier (Sopran), Charlotte Quadt (Alt), Sebastian Kohlhepp (Tenor) und Rüdiger Lasa (Bass).

Die volle Stimmgewalt der Kantorei entlud sich mit schroffer Begleitung des Ensembles in der Steinigungsszene und vermochte gleichzeitig in den melodiösen Chören "Siehe wir preisen selig, die erduldet haben" innige Hoffnung zu verströmen. Mit kraftvollem und wendigem Bass drückte Lasa als Paulus wütenden Zorn aus. Die mächtigen Chöre zum Ende der beiden Teile werden zu recht mit heftigem Applaus bedacht.



Bonner Rundschau, 22.06.2009

Feierlich-schöne Aufführung des "Paulus"
Kantorei der Kreuzkirche intonierte ein Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Von (ter)

Das Juni-Musikfest in der Kreuzkirche hat mit dem "Paulus"-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy einen großen, schönen Abschluss gefunden. So bot dann der 200. Geburtstag des Komponisten mit Orgel- und Chormusik noch mal Gelegenheit, die Urteile in Sachen Mendelssohn zu überprüfen. Nicht nur die Einschnitte durch die NS-Zeit haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Auch danach hat sich die Mendelssohn-Rezeption schwer getan. Aber man führt die Oratorien zu Recht wieder auf, auch wenn "Elias" und "Paulus" nicht mehr die Wirkung machen wie vor 150 Jahren auf unsere Vorväter.

Auch eine große Kantorei wie die der Kreuzkirche hat das gefordert. Sie hat das "Sommerklang"-Festival nicht zuletzt auch mit Freundeskreis und Stiftung gestemmt. Dazu gehörte immerhin auch ein sehr guter Abend mit Ingeborg Danz und dem Kammerchor Vox bona.

Sicher steht das Oratorium in der Tradition der Bachschen Passionen. Aber es steht auch in ihrem Schatten, weil sich Mendelssohn ihrem Einfluss schwerlich entziehen konnte. Seine Großtat, die Wiederaufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, warf Schatten voraus.

Es gibt dann Ansätze zu Bachs dramatischen Choreinwürfen, etwa in "Steiniget ihn!" (Nr. 8) oder, nun stärker, in Nr. 38. Aber mit dem Vergleich tut sich Mendelssohn schwer. Auch in den Strukturen von Soli, Chor, Choral, wobei das erzählende Rezitativ des Evangelisten fehlt, folgt Felix Mendelssohn-Bartholdy dem großen Vorbild. Aber man gesteht ihm auch zu, dass er mit dem romantischen Chorklang auch ganz Eigenes schafft und den Chören und Solisten höchst einnehmende Aufgaben gibt. Als Hörerservice darf man auch notieren, dass er die endlosen Wiederholungen der Bachschen Arien sich, uns, schenkt.

Karin Freist-Wissing hat alle Ressourcen ihrer Kantorei ausgeschöpft. Da sang also eine veritable Hundertschaft in feierlich-schöner Gelassenheit die großen Choräle, für die Instrumentalparts war das tüchtige Amadeus Ensemble Bonn aufgeboten, Stefan Horz saß an der Orgel. Und Sunja Wehmeier, Charlotte Quadt, Sebastian Kohlhepp und Rüdiger Lasa bildeten ein feines Soloquartett.



Märkische Allgemeine, 25.05.2009

Ein hochkarätiger Auftakt
Start zum 5. Gröbener Musiksommer mit Bonner Gästen

Von Gudrun Ott

Anlässlich des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der mit seiner Schwester Fanny häufig in Gröben zu Gast war, wurde am Sonnabend der 5. Gröbener Musiksommer mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Arnold Mendelssohn und Fanny Hensel Mendelssohn eröffnet. Eingeladen waren Kantorei und Orchester der Kreuzkirche Bonn.

Hunderte Besucher drängten am Sonnabend in die Gröbener Dorfkirche. Die Plätze reichten nicht aus. Bänke und weitere Stühle wurden herangeschafft. Wer keinen Platz im Inneren des Gotteshauses fand, der setzte sich vor die weit geöffnete Tür.

Der Auftakt des Gröbener Musiksommers war hochkarätig. Kantorei und Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche Bonn musizierten. "Sicher haben Chor und Orchester der Bonner Kreuzkirche schon größere Kirchen mit Klang und Publikum gefüllt", sagte Pfarrer Peter Collatz, "aber sicher keine so idyllisch gelegene wie diese."

Sowohl der kleine Flecken Gröben als auch die Kreuzkirche zu Bonn verbindet etwas mit dem Namen Mendelssohn. Nur einen Steinwurf von der Gröbener Kirche entfernt, im Gutshaus derer von Schlabrendorff, waren einst Felix und Fanny Mendelssohn zu Gast. In den Aufzeichnungen der Witwe des damaligen Pastors Jaeger wird besonders das "seelenvolle Spiel" von Fanny hervorgehoben. Arnold Mendelssohn, ein Großneffe von Felix Mendelssohn-Bartholdy, wirkte von 1880 drei Jahre lang an der Kreuzkirche. Von seinem Onkel hielt er zunächst nicht viel. Er sprach ihm Persönlichkeit und Qualität ab. Es sei "viel eleganter Quark", schrieb er über dessen Kompositionen. Bei Arnold Mendelssohn spürt man die ungebändigte, stürmische Vitalität und man hört sein großes Idol Bach heraus. Die Brüche, die Experimentierfreudigkeit Arnold Mendelssohns werde in den Seligpreisungen deutlich, so Karin Freist-Wissing, Leiterin von Chor und Orchester, bevor Chor, Orchester und Solisten das Werk zu Gehör brachten.

In dem zweistündigen, außerordentlich bewegenden Konzert erhielten die Besucher einen Eindruck von dem Schaffen der drei berühmtesten musikalischen Sprosse der Familie Mendelssohn. Sehr verdient der stehende Applaus und die Bravo-Rufe für die Ausführenden.

Peter Collatz dankte auch dem Gröbener Ortsvorsteher Ernst von Glasow, dessen organisatorischer Einsatz dieses Konzert ermöglicht hatte. Bei einem Glas Wein und Gegrilltem auf dem Kirchplatz klang ein großes Konzerterlebnis aus.




General-Anzeiger, Bonn, 25.03.2008

Bachs Johannespassion am Karfreitag, 21.03.2008

Von Mathias Nofze

Die Bachsche Johannespassion ist die Passion der aufwühlenden und mitreißenden Turbaechöre. "Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht berantwortet" wütet in der Pilatusszene die jüdische Volksmenge. Bach zeichnet deren Wahn und Eifer mit bedrohlich auffahrenden, chromatisch glühenden Linien nach. Dass man vor Wut und Erregung aufheult - hier wird es Musik.

In der Kreuzkirche setzten Orchester und Kantorei der Kreuzkirche diesen Moment des Außer-Sich-Seins überaus wirkungsvoll in Szene, im Chor brodelte es - höchst kontrolliert allerdings. Überhaupt bewegten sich die chorischen Leistungen auf sehr hohem Niveau, das Ensemble bestach durch schlackenfreien, fülligen Gesamtklang, hervorragende Artikulation und nuancierte Gestaltung. Genannt seien beispielhaft das lebhaft gestaltete "Bist Du nicht seiner Jünger einer?" oder das drastische, gleichwohl souverän beherrschte "Kreuzige, Kreuzige".

Auffallend bedächtig nahm Freist-Wissing den Eingangschor, und hinter das "Ruht wohl"-Motiv im Schlusschor setzte sie gleichsam Ausrufezeichen, gab dafür allerdings die melodische Einheit preis. Sehr viel Innigkeit und schlichte Frömmigkeit tönte aus den Chorälen, wobei Freist-Wissing es vermied, die Melodien pathetisch breit zu treten oder sich in spitzfindige Wortausdeutung zu verrennen.

Das Orchester der Kreuzkirche spielte auf hohem Niveau, die zahlreichen Instrumentalsoli, die den Arien ihre individuelle Farbe geben, waren in kompetenten Händen. Mit makelloser Diktion und großer Suggestivkraft bestach Thomas Klose als Evangelist, ebenso beispielhaft füllte Bassist Erik Sohn seine Partie aus. Burkard Zass gab einen markigen Jesus, Bettina Pahn gefiel mit leuchtendem Sopran, die Altistin Schirin Partowi schließlich überraschte mit einem Timbre, das mitunter an einen Altus erinnerte. Am Schluss erhob sich das Publikum traditionsgemäß stumm von seinen Plätzen. In den Herzen jedoch dürfte brausender Applaus getost haben.



General-Anzeiger Bonn, 18.12.2007

Bachs Weihnachtsoratorium in Bonner Kreuzkirche
Sechs Teile auf einen Schlag - Zügiges Tempo

Von Fritz Herzog

Als wolle sie einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen, legte Karin Freist-Wissing bei der traditionellen Aufführung des Bach'schen Weihnachtsoratoriums in der Bonner Kreuzkirche ein Tempo vor, dass einem schwindeln mochte.

Freilich galt es, an einem Abend alle sechs Teile (Kantaten) auf einen Schlag aufzuführen, gesplittet allerdings in zwei Etappen, was allen Beteiligten - Ausführenden wie Publikum - ein außergewöhnliches Maß an Kondition und Konzentration abverlangte.

Nicht nur durch zügige Temponahme, vor allem unter weitgehendem Verzicht auf die "Bremswirkungen" der syntaktisch ohnehin bisweilen fragwürdige Atem-Fermate in den Chorälen, sondern auch durch exponiertes, an die Gepflogenheiten historisierender Aufführungspraxis angelehntes, farbreiches Continuo-Spiel mit verlässlicher Basis aus Violoncello (Boris Kuckert), Kontrabass (Wolfgang Platen) und Orgelpositiv (Stefan Horz), gelang ein unerhört frischer, lebendiger Zugriff in einer überaus stimmigen Gesamtdisposition.

Bestens präpariert parierte die Kantorei die stimmtechnischen Herausforderungen mit großer Präzision, blieb dabei stets transparent und textverständlich. Mit angemessen schlanker Körperlichkeit gestaltete Elisabeth Popien ihre Altpartie. Indes hätte die Arie "Schlafe, mein Liebster" ein wenig mehr Innerlichkeit vertragen können. In der Höhe etwas begrenzt, ansonsten aber mit lieblicher Anmut erblühte der helle Sopran von Ulrike Steiner.

Die diversen Höhenakzente des beweglichen, lyrischen Tenors Bernhard Gärtner mochten vielleicht eine Spur manieriert wirken. Grundsolide ergänzte der Bass Daniel Blumenschein das junge Solistenquartett. Das Orchester der Kreuzkirche erwies sich einmal mehr als professionell agierender Klangkörper. Die Begeisterung der Zuhörer entlud sich in stürmischem Schlussapplaus.



General-Anzeiger Bonn, 19.06.2007

Abschluss des Sommerklang-Festes in der Kreuzkirche

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Der letzte Abend des "Sommerklang"-Musikfestes an der Bonner Kreuzkirche bot unter dem Motto "Freude wird sein" ein reizvoll zusammengestelltes Programm aus Chor- und Instrumentalwerken.

Mit der Kantorei und dem Sinfonieorchester der Kirche führte Kantorin Freist-Wissing die 1965 geschriebenen Chichester Psalms von Leonard Bernstein und ein Gloria von John Rutter auf. Die (in Hebräisch gesungenen!) Bernstein-Psalmen beginnen klangmächtig mit reich besetztem Schlagwerk und harten Blech-Attacken und mitreißender Rhythmik, zeigen aber, unter anderem, auch im zweiten Satz ("Der Herr ist mein Hirte") ganz verhalten-zarten und melodiösen Gestus, dem nicht zuletzt die Sopranistin Sigrun Palmadóttir von der Bonner Oper innige Töne verlieh.

Aparte und eingängige Klänge dann ebenfalls gegen Schluss. Die Sängerinnen und Sänger agierten beeindruckend sicher und klangbewusst, ebenso der facettenreich agierende Orchesterapparat. Auch das "Gloria" John Rutters erfuhr von Chor wie Orchester eine sehr markante und exakte sowie stimmungsvolle Wiedergabe, die die opulente und oft grellen Klangballungen ebenso nachvollzog wie die feineren lyrischen Episoden kammermusikalischer Art, bei denen kurz auch wieder Palmadóttirs Sopran berückend zart im Einsatz war.

Das Blechbläserensemble der Kreuzkirche hatte sich für diesen Abend Mozarts "Gran Partita"-Serenade B-Dur KV 361 für 13 Bläser nebst Kontrabass ausgewählt, die sehr präzise und klangschön musiziert war. Eine ausgesprochen reizvolle Besonderheit gab's dann auch noch im Programm, eine Adaption des berühmten a-Moll-Violinkonzertes von Johann Sebastian Bach für Marimba- und Vibraphon.

Die Umsetzung wirkte sehr überzeugend, und der junge Schlagzeuger Albert Kedves imponierte durch überaus präzises und geschmeidiges Spiel, das von den Streichern angemessen zurückhaltend begleitet wurde. Gerade auch hiernach gab's Bravo-Rufe und Trampeln aus dem vollen Kirchenraum.



General-Anzeiger Bonn, 21.12.2006

Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche
Konzert in der Kirche am Kaiserplatz ist fester Bestandteil der Bonner Adventszeit

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Bachs "Weihnachtsoratorium", zumindest die Kantaten I-III, ist seit vielen Jahren beste - und immer wieder auch bestens besuchte - Tradition in der Kreuzkirche am Kaiserplatz. Auch in diesem Jahr hatte Karin Freist-Wissing wiederum Kantorei und Orchester gut vorbereitet für eine klangreiche und ausdrucksvolle Aufführung.

Festlich, mit dem hellen Glanz der Trompeten und der Markanz der Pauken, kamen etwa die großen Eingangschöre der Kantaten I und III heraus; Freist-Wissing ließ dabei das Orchester sehr zügig und recht furios musizieren, so dass sich die Kantorei fast etwas anstrengen musste, um kräftemäßig und im Tempo mithalten zu können.

Besonders schön im eher verinnerlichten Ausdruck erschienen dann die verschiedenen Choralsätze. Das Orchester seinerseits spielte ausgesprochen klangbewusst auf, wobei die Streichergruppen das Vibrato ziemlich reduziert hatten.

Von bezaubernd stimmungsvoller Wirkung war vor allem die Hirtenmusik zu Beginn des II. Teiles. In sehr guten Händen befanden sich die arienbegleitenden Instrumentalparts, so bei Peter Scheerer (Clarin-Trompete), Peter Stein (Violine), Volker Kriegsmann und Gitta Kragh (Oboen) nebst Thomas Dreiseidler (Fagott) und Susanne Knobloch-Ullrich (Flöte). Stefan Horz (Orgel) und Hans-Jörg Zilleken (Violoncello) waren die präzisen Sachwalter des Continuos.

Sehr gut gefiel der genau artikulierende Tenor Thomas Klose als Evangelist und in seiner koloraturenreichen Arie "Frohe Hirten, eilt".

Bei der prachtvollen Bass-Arie "Großer Herr und starker König" hätte man sich vielleicht eine noch profundere Stimme als die eher baritonal gefärbte von Thomas Gropper denken können, beim Duett "Herr, dein Mitleid" mit dem etwas unruhigen Sopran von Judith Decker wirkte sie jedoch recht passend.

Das Timbre, warmtönend und expressiv, des Alts von Gerhild Romberger und ihre fast instrumentale Stimmführung ließen keinerlei Wünsche offen; ohnehin gehören dem Alt ja die schönsten Arien in allen drei Kantaten.



General-Anzeiger, Bonn, 28.11.2006

Beseelte Schwermut
Brahms-Requiem mit der Kantorei in der Bonner Kreuzkirche

Von Von Guido Krawinkel

Bonn. Von Clara Schumann ist der Ausspruch überliefert, sie habe "dieses Requiem ergriffen wie noch nie eine Kirchenmusik". Was die Brahms-Intima über das Deutsche Requiem sagte, mögen auch die Besucher des Konzertes in der Kreuzkirche gedacht haben, nachdem die letzten Takte verklungen waren und erst einmal gesammeltes Schweigen herrschte.

Erst nach einer langen Pause entlud sich die Ergriffenheit des Publikums in der vollbesetzten Kreuzkirche in lang anhaltendem Beifall. Den hatte die Aufführung des Deutschen Requiems durch die Kantorei der Kreuzkirche und das Philharmonische Orchester Köln unter der bewährten Leitung von Karin Freist-Wissing auch allemal verdient.

Freist-Wissing führte mit straffem Dirigat durch die Partitur und das oratorienerprobte Philharmonische Orchester Köln folgte ebenso willig wie sensibel. So gab es einige berückende Momente, wie etwa den von beseelter Schwermut geprägten Beginn des ersten Satzes oder den mit einer gewissen Schneidigkeit angegangenen sechsten Satz.

Schade war nur, dass Chor und Orchester gerade bei diesem Satz im Trubel der wuchtigen Schlussfuge über manche Pianissimo-Schattierung hinwegfegten.

Die Kantorei lieferte trotz Sopran-Dominanz und zuweilen leicht angestrengt wirkenden Männerstimmen, denen es an Stellen wie "Die Erlöseten des Herrn" im zweiten Satz oder "Wohl denen, die in deinem Hause wohnen" im vierten Satz ein wenig an Nachdruck mangelte, eine rundum solide Leistung ab. Als Solisten überzeugten Sibylla Rubens mit einem warm timbrierten Sopran und Sebastian Noack.



General-Anzeiger Bonn, 30.05.2006

Beschwörungsformeln für ein Groß-Ensemble
Das Festival "Cantabonn" startet in der Bonner Beethovenhalle mit einem beeindruckenden Chor-Abend

Von Fritz Herzog

Hart haben sie gearbeitet, der Chor des Collegium musicum der Universität Bonn, die Kantorei der Bonner Kreuzkirche, der Schedrik-Chor aus Oberpleis und nicht zuletzt der Kinderchor des Estnischen Fernsehens Tallinn sowie das Projekt-Orchester aus Mitgliedern des Sinfonie-Orchesters der Kreuzkirche und des Orchesters des Collegium musicum.

Das Ergebnis war beeindruckend: Ein opulentes Eröffnungskonzert des 2. internationalen Vokalfestivals Bonn mit dem imperativen Titel "Cantabonn". Und so gab es zum Schluss in der Beethovenhalle Ovationen für den Dirigenten Sergio Cárdenas, der die musikalischen Fäden weitgehend sicher in Händen hielt.

Drei vom Charakter her völlig unterschiedlichen Werken hatte der mexikanische Dirigent den letzten Schliff gegeben. Umrahmt von Leonard Bernsteins "Chichester Psalms" und Francis Poulencs "Gloria" wurde mit des Esten Urmas Sisaks "Veni Sancte Spiritus" für Sopran-Solo, Kinder- und gemischten Chor und Orchester ein Auftragswerk des Festivals aus der Taufe gehoben, das recht dankbare Aufgaben für alle Ausführenden bereit hält.

Wellenförmig wird die Beschwörungsformel in weit disponierten Crescendi vorgetragen; vom Duktus her volksmusikantisch fallen die von Piccolo-Gezwitscher und Vokalisen der hohen Frauenstimmen begleiteten Ariosi aus. Der üppige Orchestersatz liebäugelt mit dem Effekt, bevor das Werk in der Solo-Violine mit einem finalen Gongschlag zart verklingt.

Bernsteins Psalmen-Vertonungen - ständig gestörte Idyllen einschmeichelnder Melodik mit synkopiertem Rhythmus - werden hingebungsvoll realisiert. Zum Glanzpunkt aber geriet Poulencs doppelbödiges "Gloria", das wegen seiner besonders bei "Laudamus Te" oder "Agnus Dei" ohrenfällig unorthodoxen Betonungen fast ein wenig frivol wirkt. Den Sopran Ingrid Schmithüsens wünschte man sich insbesondere hier, bei den widerborstigen Intervallen Poulencs, noch ein wenig höhensicherer.



General-Anzeiger Bonn, 18.04.2006

Südlich klares Licht in Töne setzen
Werke von Poulenc und Rheinberger überzeugten in der Bonner Kreuzkirche

Von Von Fritz Herzog

Bonn. Ein ebenso unkonventionelles wie anspruchsvolles Programm zeichnete das Passionskonzert zu Karfreitag in der Bonner Kreuzkirche aus: Francis Poulencs Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken und Joseph Rheinbergers Stabat-Mater-Vertonung op. 138 als Schwerpunkte stand eine Reihe A-cappella-Vertonungen des gregorianischen Vexilla-regis-Hymnus gegenüber - aus dem Mittelalter über Palestrina und Bruckner bis zum dreisätzigen op. 2593 für bis zu siebenstimmigen Chor von Peter Bares (Jahrgang 1936), das an diesem Abend aus der Taufe gehoben wurde.

Hinzu kamen noch die Pater-noster-Vertonungen des 1999 verstorbenen Max Baumann und jene von Verdi. Ausführende waren unter Leitung des jungen Michael Otto, der Kantorin Karin Freist-Wissing noch bis zum Sommer vertritt, glänzend vorbereitet Sinfonie-Orchester und Kantorei der Kreuzkirche, sowie mit Stefan Horz deren Organist als Solist.

Baumanns achtstimmiges Pater noster op. 120 ist trotz tonaler Reibungen von großer Sanftheit und entfaltet dabei geradezu meditative Qualitäten, wohingegen der Opernkomponist Verdi melodienselig fünfstimmig südlich klares Licht in Töne setzt. Überzeugend geriet die Realisierung beider Vertonungen nicht zuletzt aufgrund sauberer Intonation und Artikulation sowie einer glänzend disponierten, breit aufgefächerten Dynamik.

Eher säkulären Ursprungs ist das g-Moll-Konzert Poulencs, das in seinem geheimnisvoll spätimpressionistischen, einem gewissen Klangeffekt nicht völlig abholden Grundduktus mit seinem überaus geistvollen Humor augenzwinkernd einen Kontrapunkt setzte zum Ernst des Karfreitags-Geschehen.

Rheinbergers Stabat-Mater-Vertonung aus dem Jahre 1884 wirkt in der Realisierung durch Michael Otto überraschend schlank und damit weitgehend frei von des Komponisten ganz eigenem Pathos, wobei die Binnenspannung des Werkes konsequent auf die Schlussapotheose, das Seelen-Paradies, fokussiert.



General-Anzeiger Bonn, 15.12.2005

Spannendes Weihnachtsoratorium
Fester Bestandteil der Adventszeit in der Bonner Kreuzkirche

Von Von Gunild Lohmann

Bonn. Alle Jahre wieder erklingt das Weihnachtsoratorium von Johannes Sebastian Bach in der Kreuzkirche. Wohl auch, weil das populäre Werk laut Programmheft "ein ebenso fester Bestandteil des Fests ist wie der Weihnachtsbaum und Lebkuchen".

Spannend bleibt es trotzdem: Schaffen es die in Sachen "Oratorium Tempore Nativitatis Christi" routinierten Sänger und Instrumentalisten der Kreuzkirche auch gut 270 Jahre nach der Leipziger Uraufführung noch, den freudigen und feierlichen Grundton der Kantaten I bis III überzeugend zu vermitteln?

Ja, sie schaffen es, trotz eines leicht verunglückten Auftakts: Das erste "Jauchzet, frohlocket!" kommt so zaghaft, als wäre es kein Jubelruf, sondern ein sorgsam gehüteter Geheimtipp.

Doch dann steigert sich die Kantorei unter der Leitung von Michael Otto deutlich, bietet dem gut besetzten Orchester Paroli und entwickelt nach und nach das Strahlen und die Klangkraft, die der Größe des Chors entsprechen. Intonation, Phrasierung und Artikulation der Turba-Chöre sind gestochen scharf - gelegentlich fast ein wenig zu akademisch -, die Choräle mit großer Ruhe und Empfindung ausgestaltet.

Auch das Orchester präsentiert sich hellwach und flexibel; besonders hervorzuheben sind die von einem phänomenalen Peter Scheerer angeführten Trompeten sowie die gut abgestimmte Arienbegleitung durch die Holzbläser. Altistin Alexandra Thomas spielt zu Recht die solistische Hauptrolle. Ihre harmonisch timbrierte Stimme verleiht allen drei Alt-Arien eine innige Wärme.

Das gilt auch für Achim Hoffmann, dessen Bass für den "Großen Herrn und starken König" genau die richtige Mischung aus Majestät und Beweglichkeit bereithält. Dass sein Duett mit Cosima Seitz ("Herr, dein Mitleid") weniger gut gelingt, liegt auch daran, dass die beiden Stimmen nicht gut zusammenpassen.

Seitz' ansprechend hellem und sauber geführtem Sopran fehlt es noch an Substanz. Markus Franckes schlanker Tenor dagegen kommt mit der Rolle des Evangelisten gut zurecht.



General-Anzeiger Bonn, 31.10.2005

Inbrünstiges Lob Gottes
Hommage an Heinz-Werner Zimmermann in der Bonner Kreuzkirche

Von Von Mathias Nofze

Bonn. Die Reihe der Sänger wollte kein Ende nehmen. Doch schließlich hatten sich die Kantorei der Kreuzkirche und die Kantorei der Erlöserkirche in München-Schwabing auf dem Podium der Kreuzkirche zu einem gewaltigen Chor vereint.

Der Komponist Heinz-Werner Zimmermann durfte sich geehrt fühlen, war diese Sängerschar doch zusammengekommen, um aus Anlass seines 75. Geburtstags dessen "150 Psalm" aufzuführen. Der 150. Psalm ist ein inbrünstiges Lob Gottes, und Zimmermann gestaltet das mit orchestraler Opulenz.

Eine eindringliche Wirkung erzielt er durch die Verwendung eines Koloratursoprans, der die Klangmassen mit "Hallelujah-Rufen" überkrönt. Sigrún Palmadottír absolvierte diese Höhenflüge mit Mühelosigkeit. Kantorin Karin Freist-Wissing motivierte das Orchester der Kreuzkirche zu klarem, pastosen und konturierten Spiel.

Als hervorragend disponiert erwiesen sich Chor und Orchester auch im Psalm 42 von Mendelssohn (Solistin: Ingrid Schmithüsen) und im "Te Deum" von Bruckner. In den Solopartien waren neben Sigrún Palmadottír die Altistin Schirin Partowi, der Tenor Christoph Scheeben und der Bass Raimund Fischer zu hören.



Ganeral-Anzeiger Bonn, 27.10.2005

Das Jazz-Fieber hat ihn noch immer fest im Griff
Kantorei der Bonner Kreuzkirche führt Heinz Werner Zimmermanns opulente Vertonung des 150. Psalms auf

Von Von Bernhard Hartmann

Bonn. Als er sich Mitte der 50er Jahre in der kirchenmusikalischen Szene umgesehen habe, erinnerte sich Heinz Werner Zimmermann anlässlich seines 70. Geburtstag vor fünf Jahren, sei er vor allem von der Musik Hugo Distlers fasziniert gewesen.

Damals war Zimmermann gerade Nachfolger seines Kompositionslehrers Wolfgang Fortner am Kirchenmusikalischen Institut in Heidelberg geworden, eine Stadt, die sich dank der dort stationierten US-Streitkräfte im musikalischen Jazz-Fieber befand.

Das Virus hatte auch bald Zimmermann fest im Griff, der es für seine eigene Musik fruchtbar zu machen verstand. Seither ist das Jazz-Idiom ihm zur zweiten Natur geworden.

Die Bonner Kreuzkirche stellt den bedeutenden Komponisten nun aus Anlass seines 75. Geburtstag am Samstag, 29. Oktober, mit seiner Vertonung des 150. Psalms vor, die 1978 unter Helmuth Rilling beim Bach-Fest im amerikanischen Iowa uraufgeführt wurde.

Auffällig an diesem Stück ist vor allem die Besetzung der Hauptpartie mit einem Koloratursopran, der die zwei Chöre (Kantorei der Kreuzkirche und Kantorei der ev. Kirche München-Schwabing) und das Orchester der Kreuzkirche zu überstrahlen hat. In Bonn übernimmt den anspruchsvollen Part Sigrún Pálmadóttir.

Als weitere Solisten des von Karin Freist-Wissing geleiteten Abends, an dem auch Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms ("Wie der Hirsch schreit") sowie Bruckners "Te Deum" zur Aufführung kommen, sind Shrin Partowi (Alt), Christoph Scheeben (Tenor) und Raimund Fischer (Bass). Heinz Werner Zimmermann gibt um 18.30 Uhr im Gemeindehaus eine Einführung in sein Werk.

Das Konzert am Samstag in der Kreuzkirche beginnt um 20 Uhr. Karten: Konzertkasse im Kaufhof, Gildebuchhandlung, Musikhaus Tonger und in den GA-Ticket-Shops.




General-Anzeiger Bonn, 20.06.2005

Großer Erfolg für die lange Mendelssohn-Nacht
Konzerte in der Kreuzkirche, (...)

Von Von Bernhard Klaaßen, Katrin Gerber und Fritz Herzog

Bonn. Ein Konzerterlebnis ganz besonderer Art bot die "Große Mendelssohn-Nacht", die aus Anlass des 150. Geburtstags von Arnold Mendelssohn in der Kreuzkirche veranstaltet wurde. Karin Freist-Wissing hatte sich die Mühe gemacht, das Kirchenarchiv zu durchforsten und die zahlreichen Originalhandschriften des ehemaligen Kreuzkirchenkantors - eines Neffen 2. Grades von Felix Mendelssohn Bartholdy - für eine Aufführung aufzubereiten.

Sie hatte auch die Gesamtleitung des eindrucksvollen Events von fast acht Stunden Dauer, bestehend aus Kompositionen der Familie Mendelssohn mit mehreren Uraufführungen unter Beteiligung sämtlicher Ensembles der Kreuzkirche und ausgewählter Gastsolisten, dazu Lesungen aus historischen Briefen und einer begleitenden Ausstellung.

Es herrschte eine angenehm gelockerte, fast festivalartige Atmosphäre: Man konnte sich frei bewegen und zu den einzelnen Programmteilen immer wieder neu platzieren. Erfreulich auch die Möglichkeit, sich zwischendurch im Vorraum mit einem Imbiss zu stärken. Insgesamt wurden 15 größere Werke unterschiedlichster Besetzung (mit insgesamt vier Gesangs- und sechs Instrumentalsolisten, einem Streichquartett, zwei Chören sowie einem Sinfonieorchester) aufgeführt.

Die Kompositionen von Arnold Mendelssohn sind stilistisch deutlich an historischen Vorbildern orientiert, so werden in seiner Kirchenmusik barocke Elemente hörbar, ohne direkt historisierend zu sein. Am musikalisch eigenständigsten wirkte sein Liedzyklus "Lieder einer Frau" von 1922, der von einer für sein Spätwerk typischen Chromatik geprägt ist. Gerhild Romberger, eine der herausragenden Interpretinnen des Abends, arbeitete die herbe Schönheit dieser Lieder mit ihrem warmen, weich-fülligen Mezzospran eindrucksvoll heraus.

Besonders am Herzen lag Freist-Wissing die Erstaufführung der 2. Sinfonie Arnold Mendelssohns. Furtwänglers Urteil über die kurze Zeit später entstandene 3. Sinfonie, dass sie nämlich für eine Sinfonie der aufkommenden Moderne zu sehr an vergangenen Werten festhalte, mag sicher auch für die zweite gültig sein. Hervorzuheben sind aber der Reichtum an musikalischen Ideen und vor allem die Weise, die Blechbläser zu besonderer Geltung zu bringen, engagiert umgesetzt durch das für ein Kirchenorchester auf erstaunlichem Niveau musizierende "Orchester der Kreuzkirche".

Ein weiteres Highlight des Abends war die Darbietung je eines Streichquartetts von Fanny Hensel und Arnold Mendelssohn durch das großartig musizierende Rubin-Quartett mit seiner klangzauberischen Tongebung und Beweglichkeit in den teilweise rasant schnellen Sätzen. Erwähnt werden muss auch der berührende A-capella-Vortrag des Ensembles Vox Bona, vor allem in den teils harmonisch überraschenden Kompositionen von Fanny Hensel. Das Publikum dieser Nacht ging begeistert mit und brachte seine Zustimmung ungehemmt mit Händen und Füßen zum Ausdruck.

(...)



General-Anzeiger Bonn, 20.12.2004

"Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken"
Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche ...

Von Barabara Kaempfert Weitbrecht

Bonn. Zum ersten Mal in der traditionsreichen Geschichte der Weihnachtsoratorium-Aufführungen (seit 1953) in der Kreuzkirche am Kaiserplatz waren nun am selben Tag (nachmittags und abends) alle sechs Kantaten des beliebten Werkes zu hören.

Obschon von Bach so nicht gedacht, war dieses Großunternehmen dann höchst eindrucksvoll, von durchgängiger starker Ausdrucksintensität erfüllt und ohne jeden Spannungsabfall im Chorischen (Orchester der Kreuzkirche eingeschlossen) wie auch bei den Gesangssolisten, koordiniert durch die sorgsam mitgehenden Direktiven Karin Freist-Wissings.

Sie wählte sehr oft recht zügige Tempi für die großen, festlich repräsentativen Eingangschöre und für die meisten der Arien. Bemerkenswerterweise konnten die Kantorei - kräftig und voll im Volumen im Tutti und sicher in den fugierten Passagen und Koloraturenketten - und das klangintensiv aufspielende Orchester gut mithalten.

Das galt auch für die durchweg stimmschönen und ausdrucksbewusst artikulierenden Solisten. Thomas Klose als Evangelist war mit seinem klaren Tenor und dezidierter Diktion ein Glücksfall für die Aufführung, und auch seine koloraturenreichen Arien wie "Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken" hinterließen vorzüglichen Eindruck.

Recht imponierend auch der kraftvolle Bass von Wolfgang Newerla, vor allem natürlich bei der von Peter Scheerer auf der hohen Trompete strahlend umspielten Arie "Großer Herr und starker König". Einen glockenhellen und bestechend reinen Sopran wusste Judith Hoff ins Feld zu führen. Die Altistin Elisabeth Popien schließlich ging ihre Arien der Teile 1-3 mit sehr schlankem, fast instrumental geführtem Organ und verhaltenem Espressivo an.

Sehr schön gerieten auch alle arienbegleitenden Soli, die einfühlsam-differenziert gespielte Solo-Geige von Peter Stein, die bukolischen Holzbläser-Partien von Flöte (Susanne Knobloch-Ulrich), Oboen (Volker Kriegsmann, Jörg Spennemann und Brigitta Kragh) sowie Fagott (Thomas Dreiseidler) nebst den Rezitativ-Begleitungen von Violoncello (Boris Kuckert) und Orgel-Positiv (Stefan Horz). Die drei ersten, besonderen vertrauten und beliebten Kantaten, aber dann auch der zweite Komplex lösten nahezu ovationalen Beifall aus.



Eigener Bericht, 14.12.2004

Christen ätzet diesen Tag
Bach-Kantate zum Mitsingen am 27./28. November 2004 in der Kreuzkirche

Von Claudia Wallendorf

„Christen ätzet diesen Tag in Metall und Marmorsteine ...“ Diese Worte erklangen im Gottesdienst zum ersten Advent in der Bonner Kreuzkirche aus etwa 100 Kehlen. Unterstützt vom Orchester der Kreuzkirche und Solisten führten die Kantorei der Kreuzkirche und zahlreiche Gast-ChorsängerInnen unter der Leitung von Kantorin Karin Freist-Wissing Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 63 „Christen ätzet diesen Tag in Metall und Marmorsteine“ auf.

Nach alter Tradition der Bonner Kreuzkirche hatten die Ensembles das Werk an einem Samstagnachmittag einstudiert. Die Aufführung von Bach-Kantaten zum ersten Advent steht unter dem Motto „Bach zum Mitsingen“ und erfreut sich Jahr um Jahr großer Beliebtheit bei Bonner Sänger und Sängerinnen. Kinder ab zehn Jahren können ebenfalls teilnehmen. Neben intensiven Proben gehören dabei immer ein Vortrag über die jeweilige Kantate und ein gemeinsames Kaffeetrinken und Kuchenessen im Gemeindehaus zum Programm.

In diesem Jahr hatte sich Karin Freist-Wissing etwas Besonderes für „ihre“ Musiker überlegt: Die Kantate BWV 63 fällt schon durch ihre große Besetzung (Streicher, drei Oboen, vier Trompeten, Pauken, vier Solisten und Chor) aus dem üblichen Rahmen. Ihre Entstehungsgeschichte liegt in vieler Hinsicht im Dunkeln. Die Forschung – so etwa der Musikwissenschaftler Dr. Alfred Dürr in seinem zweibändigen Werk „Die Kantaten von Johann Sebastian Bach“ – geht mittlerweile davon aus, dass sie bereits aus Bachs Weimarer Zeit datiert. Inhaltlich fällt an der Kantate auf, dass sie zwar einen festlichen Charakter, aber kein betont weihnachtliches Gepräge aufweist. Ihr fehlen alle diejenigen Stücke, die für eine Weihnachtsmusik typisch sind, die Hirtenmusik, das Wiegenlied, das „Ehre sei Gott in der Höhe“ der Engel, Weihnachtslieder, ein Choral. Das kann Zufall sein. Es gibt allerdings auch die Hypothese, dass die Kantate als Parodie eines weltlichen Urbildes entstanden ist.

Der Aufbau des Werkes ist symmetrisch: Um ein zentrales Secco-Rezitativ „So kehret sich nun heut das bange Leid“ (Satz 4) gruppieren sich zwei Duette (Satz 3, 5), zwei Accompagnato-Rezitative (Satz 2, 6) und schließlich zwei Chöre in Tuttibesetzung (Satz 1, 7). Auch in den Einzelsätzen überwiegt die (gleichfalls symmetrische) Dacapo-Form: Die Sätze 1, 3 und 7 zeigen sie in ihrer reinen Ausprägung (A B A), Satz 5 begnügt sich mit einer freien Wiederholung des Anfangsteils (A B A’). Dass die Rezitative sich streckenweise immer wieder rhythmisch und motivisch zum Arioso verfestigen, entspricht dem Stil des Weimarer Bach.

Kantorei und Gast-SängerInnen waren bei dieser Komposition entsprechend gefordert. Die Chorstimmen liegen generell sehr hoch, ausgedehnte Koloraturen sowie motivische und rhythmische Feinheiten verlangten den SängerInnen überdies gute (Atem-)Technik und flexible Stimmführung ab. Als Solisten wirkten mit: Anja Barker (Sopran), Dominique Engler (Alt) und Christoph Scheeben (Tenor und Bass).

Während des Gottesdienstes, den Pfarrer Gerhard Schäfer feierte, wurde diese anspruchsvolle Aufgabe von Orchester, Chor und Solisten sehr gut gelöst. Konzentriert und mit angemessener Dynamik gingen die Musiker zu Werke, sie intonierten sicher und brachten die Struktur der Kantate klangvoll zu Gehör: ein gelungener musikalisch-festlicher Rahmen zum ersten Advent und eine eindrucksvolle Werbung für die Kreuzkirchen-Tradition „Bach zum Mitsingen“.




General-Anzeiger Bonn, 22.07.2004

Schöne Werbung
Romantische Musik für die "Stiftung Kreuzkirchenmusik"

Von Angela Leinen

Eine "Stiftung Kreuzkirchenmusik" soll das Musikangebot der Bonner Kreuzkirchengemeinde in Zukunft sichern und ausbauen helfen. Das Gründungskapital von 100 000 Euro bereitzustellen, diesem Zweck diente jetzt ein großes Benefizkonzert. Und so wurden die Zuhörer mit einer kleinen Entschuldigung für die hohen Eintrittspreise begrüßt. Eigentlich unnötig, zeigten Kantorin Karin Freist-Wissing, Organist Stefan Horz und die Ensembles der Kreuzkirche doch eindrucksvoll, was die Musik an dieser Kirche wert ist.

"Denn er hat seinen Engeln befohlen", mit dieser Motette von Mendelssohn begann der Kammerchor "Vox bona" das Konzert. Auswendig und mit voller Aufmerksamkeit sangen die 40 Sänger dieses Stück. Eine gute Einstimmung in das romantische Programm. Es ist erstaunlich, dass von Felix Mendelssohn Bartholdy immer wieder Stücke auftauchen, die kaum zum üblichen Repertoire gehören. Die Ouvertüre zum Singspiel "Heimkehr aus der Fremde" gehört zu diesen Werken. Das Orchester der Kreuzkirche spielte durchsichtig und klangschön, die Bläser sicher, sauber und dezent bis zum überraschend lakonischen Schluss des Stücks. Für Joseph Gabriel Rheinbergers romantisches Orgelkonzert op. 177 zog das Orchester auf die Empore zu Organist Stefan Horz. Die Schwierigkeiten der unterschiedlichen akustischen Reaktionszeit von Orgel und Orchester meisterten alle Beteiligten souverän, ohne den Schwung zu verlieren.

Als Entdeckung gerade für einen großen Chor wie die bestens vorbereitete Kreuzkirchenkantorei mit 75 Mitgliedern erwies sich Mendelssohns "Lauda Sion". Ein durch und durch katholisches Werk von einem protestantischen Komponisten, mit Anklängen an gregorianische Themen und viel Klang-Schwelgerei. Die vier Solisten Dorothea Craxton (Sopran), Cordula Hörsch (Alt), Thomas Klose (Tenor) und Nobert Keßler (Bass) harmonierten hervorragend. Eine schöne Werbung für die Musik an der Kreuzkirche!



General-Anzeiger Bonn, 12.04.2004

Berührende Aufführung
Am Ende verharrt das Publikum stumm auf seinen Plätzen - Bachs Johannes-Passion unter Reiner Schuhenn in der Bonner Kreuzkirche

Von Fritz Herzog

Einer ganz eigenen historischen Lesart hatte sich die Aufführung von Bachs Johannes-Passion in der Bonner Kreuzkirche verschrieben: Das Werk aus seinem längst säkularisierten (Konzert-)Status auf den im Jahre seiner Entstehung (1724) zugrunde liegenden theologisch-liturgischen Kontext zurückzuführen, war das Anliegen Reiner Schuhenns, der für die musikalische Leitung verantwortlich zeichnete.

Die Heimkehr des Gottessohnes zu seinem himmlischen Vater bildet das gedankliche Zentrum und nicht - wie in der späteren Matthäus-Passion - das menschliche Leiden und Sterben.

Dieser Abstraktion trug Schuhenn mit einer konsequent zurückgenommenen, ja geradezu verinnerlicht wirkenden Darstellung Rechnung, die indes ebensowenig spröde wie blutarm ausgefallen war; hierzu zählten neben grundsätzlich straffen Tempi vor allem vitale Phrasierungen und eine Reihe außergewöhnlich dynamischer Akzente, insbesondere in den Turba-Chören.

Die indes, und das mag der einzige leise Vorbehalt gegenüber einer im übrigen musikalisch überzeugenden Aufführung sein, hätten etwas konturenschärfer in der Artikulation ausfallen dürfen.

Exemplarisch für die eindringlich reflektierende Auseinandersetzung Schuhenns war die chordurchwirkte Bass-Arie "Mein teurer Heiland" ausgefallen. Hier mischte sich die Kantorei der Kreuzkirche in sanftem Duktus mit dem wundervoll warmen Timbre des Arien-Basses Marco Vasalli. Vielleicht ein wenig zu schlank wirkte der Christus-Bass vonNorbert Keßler.

Die Mezzo-Sopranistin Christine Wehler fand in der Arie "Es ist vollbracht!" zu einem ruhig fließenden Duktus, wohingegen die vibratofreie Sopranistin Christiane Rost von Anbeginn an zu überzeugen vermochte: Ihre Arien gerieten zum Muster geradlinig unprätentiöser Darstellung. Angemessen schlank im Timbre, aber dennoch ausdrucksstark der Evangelist und Arien-Tenor Thomas Klose.

Schuhenn hatte sich jeden Applaus am Schluss verbeten. Wie berührend seine Bach-Exegese indes ausgefallen war, war daran abzulesen, dass das Publikum in der überfüllten Kreuzkirche minutenlang stumm stehend auf seinen Plätzen verharrte.




General-Anzeiger Bonn, 22.07.2003

Lyrische Momente und wahre Jubel-Hymnen
Bonner Kreuzkirche wirbt für ihre Stiftung

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Bonn. Die in Sachen Musik rührige Kreuzkirche hat mit einem großen Stifterkonzert um Unterstützung der "Stiftung Kreuzkirchenmusik" geworben. Das Oratorien- und Sinfoniekonzert, das man mit den hauseigenen Ensembles präsentierte, konnte sich wahrhaftig hören lassen.

Begonnen wurde, mit der Motette "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" aus "Drei geistliche Gesänge" op. 35 von Josef Rheinberger. "Vox Bona" (Einstudierung Harald Jers) unter der Leitung von Karin Freist-Wissing stellte sich mit der subtilen Wiedergabe ein gutes Zeugnis aus.

Rheinberger stand dann noch einmal auf dem Programm mit seinem markanten F-Dur-Orgelkonzert op. 137, dessen zwischen Noch-Klassik und romantischem Gestus wechselnder Zuschnitt von Organist Stefan Horz und dem Orchester der Kreuzkirche unter der Leitung von Lorenz Luyken nachgezeichnet wurde.

Das Kreuzkirchen-Orchester hatten sich zuvor schon mit einer Darbietung von Schuberts "Unvollendeter" (Sinfonie Nr. 8 h-Moll) bewährt und waren dann auch noch mit von der Partie bei Mendelssohns pittoresk-skurriler Vertonung op. 60 von Goethes Ballade "Die erste Walpurgisnacht".

Textlich ist dies eine Satire auf Bigotterie und Aberglauben christlicher Heiden-Missionierung und ein Plädoyer für religiöse Toleranz. Im Musikalischen gelang der Wechsel zwischen lyrischen Stimmungsbildern, Jubel-Hymnen und grotesken Szenerien vorzüglich, die große Kantorei war gut vorbereitet (Einstudierung Reiner Schuhenn).

Auch die drei Gesangssolisten - Christine Wehler (Alt), Jens Lauterbach (Tenor) und Erik Sohn (Bass) - trugen das Ihre bei zur Aufführung, die langen Beifall auslöste.



General-Anzeiger Bonn, 07.04.2003

Klagegesänge von ergreifender Wirkung
"Matthäus-Passion" in der Bonner Kreuzkirche

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Bonn. Welch hohen Stellenwert beim Publikum die Aufführung von Bachs "Matthäus-Passion" in der Kreuzkirche am Kaiserplatz hat, das bewies einmal mehr der große Andrang, der bis auf den letzten Platz besetzte Kirchenraum.

Ein Glücksfall für die von Karin Freist-Wissings mit großem Engagement geleitete Aufführung war der Tenor Max Ciolek. Selten hört man einen derart lyrischen, dazu so feinsinnig textauslegenden und artikulierenden Evangelisten, dessen Arien ebenfalls von dieser Intelligenz und Sensibilität profitierten.

Franz Gerihsen mit seinem profunden Bass auf der anderen Seite legte gleichfalls seine Partie (als Christus) facettenreich an, spiegelte Hoheit und Selbstbewusstsein ebenso wie Verzweiflung und Wut.

Viel vornehme Expressivität und Innigkeit verliehen Christiane Rost (Sopran), Ingeborg Danz (Alt) und Thomas Laske (Bass-Arien) ihren wunderbaren, affektuosen Rezitativen und Arien, die übrigens von Freist-Wissing meist recht zügig genommen wurden. Schließlich konnte auch Norbert Kessler als Judas, Petrus und Pilatus überzeugen.

Bewundernswert auch die Ausdrucksvielfalt und Markanz der Kantorei der Kreuzkirche, die wie auch das Instrumental-Ensemble doppelchörig aufgeteilt postiert war. Vor allem die erregten, ja brutalen Turbae-Chöre waren von großer Schlagkraft. Aber auch die Choräle und die ergreifenden Rahmen-Sätze "Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen" (unter Beteiligung des Schedrik-Kinderchores Oberpleis) und "Wir setzen uns mit Tränen nieder" verfehlten ihre Wirkung nicht.

Bleibt noch das feinnervige, im Ganzen eher verhaltene Klangbild der Johann-Christian-Bach-Akademie zu rühmen, inklusive der sehr versiert gespielten Solo-Violinen von Gudrun Höbold und Verena Schoneweg und die Solo-Gambe von Rainer Zipperling. An der Continuo-Orgel saß Johannes Geffert, am Continuo-Cembalo Stefan Horz. Begeisterter Beifall.



General-Anzeiger Bonn, 18.12.2002

Jauchzet, frohlocket
Bachs Weihnachtsoratorium in der Bonner Kreuzkirche

Von Fritz Herzog

Bonn. Die Tradition, an der Bonner Kreuzkirche alljährlich Bachs Weihnachtsoratorium aufzuführen, reicht bis zu Hans Geffert selig zurück. Bedenken hinsichtlich historischen Verstaubens musste man gleichwohl auch in diesem Jahr am Kaiserplatz nicht hegen.

Karin Feist-Wissing hatte Orchester und Kantorei der Kreuzkirche für die ersten drei Kantaten des BWV 248 ordentlich vorbereitet, ein überwiegend homogenes Sängerquartett eingebunden und die Arien instrumentalsolistisch delikat umspielen lassen.

Die Kantorei klingt freilich nicht so filigran wie der aus ihren Reihen rekrutierte Kammerchor Vox bona: Hier müssen mehr Stimmen "bewegt", Schwung muss unter höherem Energie-Aufwand erzeugt werden. Dennoch gelingen selbst in den Chorälen durchweg flüssige Tempi, ohne das meditative Moment dabei zu vernachlässigen.

Zügig sind auch die Rezitative angelegt, die Chöre, von beeindruckender Präsenz, geraten nahezu sportiv. Einzig der Tenor zu Beginn von Nr. 24, "Herrscher des Himmels", könnte in seiner Höhe etwas markanter klingen. Für sicheres Continuo sorgte die Allianz von Stefan Horz, Orgel, und Wolfgang Platen, Kontrabass, angereichert um Violoncello (Hans-Jörg Zilleken) und Fagott (Thomas Dreiseidler).

Neben Anja Barker, einem jungen, recht hohen, aber etwas farbarmen Sopran, stand mit Gerhild Romberger ein warm timbrierter lyrischer Mezzo zur Verfügung Arie "Schlafe, mein Liebster" fast schon eine Spur erotisch über kam. Albrecht Pöhls kerniger Bass verfügt gleichfalls über lyrische Qualitäten. Thomas Kloses Evangelist schließlich war bereits in der Schlosskirche aufgefallen: Hier wächst ein sehr natürlich klingender Tenor mit heller Strahlkraft heran.



General-Anzeiger Bonn, 17.11.2002

Farbenpracht von unerhörter Dichte
Chor der Kreuzkirche brilliert mit Verdis Requiem - "Musik in der Kreuzkirche" mausert sich immer mehr zu einer festen Größe im Bonner Konzertleben

Von Fritz Herzog

Bonn. Was sich lapidar "Musik in der Kreuzkirche" nennt, mausert sich immer mehr zu einer festen Größe im Bonner Konzertleben. War im vergangenen Herbst Schuberts h-Moll-Sinfonie in einer ungemein packenden Interpretation zu hören gewesen, hat man sich mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem nun einem Werk zugewandt, das in der Gattung "Totenmesse" eine Ausnahme darstellt.

Alessandro Manzoni gewidmet und 1874 zu seinem ersten Jahresgedächtnis uraufgeführt, hat Verdi zwar den lateinischen Text komponiert, sich dabei aber einer außergewöhnlich bildreichen Tonsprache bedient, mit einer ganzen Reihe unüberhörbarer Reminiszenzen an die drei Jahre zuvor aus der Taufe gehobene Oper "Aida".

Bei aller Diskussion darüber, wohin das Werk damit gehöre, aufs Konzert-Podium oder in die Kirche, wird meist außer acht gelassen, dass jenseits der Alpen anders mit dem Tod umgegangen wird.

Diesem Phänomen trug Karin Freist-Wissing auf geradezu sensationelle Weise Rechnung. Indem sie sich dem Werk vollkommen unprätentiös nähert, gewinnt sie Farbenpracht und Ausdruckstiefe von unerhörter Dichte, von einer Lebendigkeit, wie sie selten nur erfahrbar ist. Dabei folgt sie der Dramaturgie Verdis bis in kleinste Details, ohne die übergeordneten Spannungsbögen verlieren.

Bereits der Beginn gerät atemberaubend: Mit sanft fließender Ruhe setzen die Streicher im pianissimo ein, folgt seidenweich und völlig transparent der Chor mit sauber mitgeatmeten Generalpausen. "Schöner" ist ein Jenseits kaum vorstellbar. Beim "Dies irae" wird dann regelrecht ein Feuerwerk abgebrannt mit Pauken-Attacke und Fern-Posaunen das jüngste Gericht angekündigt.

Man glaubt es kaum: Zu dem Unternehmen hatten sich der Chor der Erlöserkirche München-Schwabing mit der Kantorei der Kreuzkirche auf nahezu 200 Sängerinnen und Sänger vereint. Dennoch schwimmt der Chorklang niemals auf, bleibt selbst im Affekt noch durchsichtig. Blitzsaubere Intonation und deutliche Artikulation scheinen hier selbstverständlich.

Mit dem Philharmonischen Orchester Köln, dem eine ganze Reihe von Musikern des WDR Sinfonieorchesters angehören, stand Freist-Wissing zudem ein außergewöhnlich homogener Klangkörper von großer Präsenz zur Verfügung. Höchste Qualität beim Solistenquartett lieferte die Mezzosopranistin Gerhild Romberger, die ihrer Stimme beim Agnus Dei-Duett mit dem Sopran fast tenorales Timbre abzugewinnen vermochte.

Die Sopranistin Ingeborg Herzog überzeugte durch gerade Linienführung und größte Innigkeit. Kaum weniger ausdrucksstark der schlank geführte Tenor Berhard Gärtners und der warm fließende, aber noch junge Bass Timo Zimmers. Manche Opernpartitur wünscht man sich so sensibel ausgehört, wie es Freist-Wissing jetzt mit diesem Requiem gelungen ist - die Kreuzkirche auf dem Weg zu einer Ersten Adresse.



General-Anzeiger Bonn, 29.10.2002

200 Sänger und ein Requiem
Bonner Kreuzkirche startet mit Bach und Strawinsky ins neue Konzertprogramm

Bonn. (ks) Mit "Tänzen für Sinfonieorchester und Solisten" beginnt das Orchester der Kreuzkirche am Mittwoch, 20 Uhr, das zweite Musikhalbjahr in der Bonner Kreuzkirche. Zur Aufführung kommt die h-Moll-Suite für Flöte und Orchester von Bach, die "Pulcinella-Suite" von Strawinsky und Mussorgskijs "Lieder und Tänze des Todes". Karten gibt es um 19.30 Uhr an der Abendkasse. Motetten von Bruckner sowie deutsche und russische Chormusik präsentieren der Kammerchor der Kreuzkirche, Vox bona, und der Domchor Minsk am 6. November, 19 Uhr, beim Endenicher Herbst in der Maria Magdalena-Kirche in Endenich.

Einen besonderen Höhepunkt bietet die Aufführung des Requiems von Verdi am 16. November, 20 Uhr, in der Kreuzkirche mit insgesamt 200 Sängern. Ausführende des monumentalen Werks sind die Kantorei der Erlöserkirche München-Schwabing, das Philharmonische Orchester Köln und die Kantorei der Kreuzkirche. Den Kartenvorverkauf haben das Musikhaus Tonger, Bouvier, die Gilde-Buchhandlung und die Konzertkasse im Kaufhof übernommen.

Am 1. Advent findet das traditionelle Bachwochenende zum Mitsingen statt. Interessierte treffen sich am 30. November, 14 Uhr, zum gemeinsamen Proben der Bachkantate "Nun komm der Heiden Heiland" in der Kreuzkirche. Alte und neue weihnachtliche Chormusik singen und spielen Vox bona, der Kinder- und Jugendchor der Thomaskirche aus Röttgen und Stefan Horz (Orgel) am 7. Dezember, 19 Uhr. Auf das Fest der Feste stimmt am 17. und 18. Dezember, jeweils 20 Uhr, das Bach'sche Weihnachtsoratorium ein. Karten sind bei Bouvier, im Musikhaus Tonger, der Gilde-Buchhandlung und an der Konzertkasse im Kaufhof erhältlich.



General-Anzeiger Bonn, 14.07.2002

Letzter Probelauf vor der Schwedenreise
Kantorei und Orchester der Bonner Kreuzkirche präsentierten das für die Reise präparierte Programm

Von Fritz Herzog

Bonn. Bevor Kantorei und Orchester der Bonner Kreuzkirche Ende der Woche nach Schweden aufbrechen, wurde das für die Reise präparierte Programm noch einmal zu Hause präsentiert: Mendelssohn-Bartholdys 1846, ein Jahr vor seinem Tode uraufgeführtes, bis heute im Konzertleben äußerst rares Lauda Sion und Heinz Werner Zimmermanns sogenanntes Berliner Te Deum von 1998 bilden die zentralen Werke der Tournee mit Konzerten in Hyby, Stockholm, Uppsala und Örebro.

In "singakademischer" Bestform zeigten sich alle Mitwirkenden beim letzten Probelauf: Mendelssohns einen Thomas von Aquin zugeschriebenen und also katholischen Text vertonender, stilistisch dabei ein wenig an Cherubini angelehnter Psalm für Soli, Chor und Orchester op. 73 wird unter dem die Klang-Balancen sorgsam austarierenden und bei aller Emphase stets Luftigkeit bewahrenden Dirigat von Karin Freist-Wissing zu einem kleinen Oratorium um das Mysterium der Eucharistie. Dass aus dem im übrigen sehr homogenen Solistenquartett, Cordula Hörsch, Alt, Christian Neuendorff, Tenor, und Paul Möllmann, Bariton, Stefanie Kunschke doch ein wenig herausragt, mag daran liegen, dass die Glockenhelle ihres Soprans sie als eine Schülerin von Barbara Schlick verrät; womöglich kündigt sich hier sogar eine zukünftige Zerbinetta an.

Zimmermanns Te Deum ist dem Mauerfall im November 1989 gewidmet. Das knapp halbstündige Werk für Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester erinnert mit seinen synkopierten Rhythmen bisweilen ein wenig an Bernsteins schwungvolle Chichester Psalms. Freist-Wissing disponiert zielstrebig auf das furiose Finale hin: "Laudamus! Halleluja!". Zwischen den beiden Chorwerken kam aus den Reihen des Orchesters ein Bläser-Oktett mit Scherzo und Finale aus Franz Lachners op. 156 sauber artikulierend ebenso zum Zuge, wie Stefan Horz, der mit "Promenade", "Die Hütte der Baba Yaga" und "Das große Tor von Kiew" eigene Orgel-Bearbeitungen von Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" vorstellte.



General-Anzeiger Bonn, 09.07.2002

"Berliner Te Deum" von Zimmermann
Als deutsche Zweitaufführung nach der Uraufführung mit dem Philharmonischen Chor Berlin ist das zeitgenössische Werk am Samstag in der Bonner Kreuzkirche zu hören

Von Sandra Kreuer

Bonn. Dvorák hat es getan, Verdi, Bizet und auch Berlioz: Alle haben als Komponisten ein Te Deum geschrieben. Mit seinem Jazzoratorium "Berliner Te Deum" reiht sich Heinz-Werner Zimmermann in diese musikalische Tradition ein. Als deutsche Zweitaufführung nach der Uraufführung mit dem Philharmonischen Chor Berlin ist das zeitgenössische Werk am Samstag, 13. Juli, um 20 Uhr in der Kreuzkirche am Kaiserplatz zu hören. Ausführende sind die Kantorei und das Orchester der Kreuzkirche unter Leitung von Karin Freist-Wissing. Der Komponist wird selbst am Donnerstag, 11. Juli, mit einem Vortrag in der Kreuzkirche in das "Te Deum" einführen. Beginn ist um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Komponiert hat Zimmermann sein Anfang April 1998 fertiggestelltes Oratorium unter dem Eindruck des Mauerfalls von 1989. Schließlich - so der Komponist - sei die Dichtung des Te Deum nicht wegen ihrer gottesdienstlichen Funktion so bekannt geworden, sondern aufgrund ihrer Verwendung bei weltlich-politischen Feierlichkeiten. Musikalisch ist das Werk für einen vier- bis achtstimmigen Chor, zwei Solisten und ein großes Orchester deutlich von der Jazzmusik geprägt.

So erinnern Blechbläser-Arrangements, die Verwendung der verschiedenen Instrumente und die Rhythmik an Big-Band-Satztechniken.

Das zweite oratorische Werk im Konzert am Samstag ist das "Lauda Sion" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Nach dem Auftritt in Bonn planen Kantorei und Orchester eine Konzertreise nach Schweden (19. Juli bis 2. August), die vom Deutschen Musikrat und der Staatskanzlei Wolfgang Clement unterstützt wird.

Auf dem weiteren Programm der Kantorei steht am 16. November das Requiem von Verdi, das zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Köln in der Kreuzkirche aufgeführt wird. Bachs Matthäuspassion ist am 4. April 2003 mit der Johann-Christian-Bach-Akademie, einem Spezialensemble für Alte Musik, zu hören.

Konzertkarten sind bei Bouvier, in der Gildebuchhandlung und an der Konzertkasse im Kaufhof erhältlich.



General-Anzeiger Bonn, 18.03.2002

Besinnliche Lyrik und Musik zur Passion
Konzert der Kantorei und Lesung in der Bonner Innenstadt

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Bonn. Eine Passionsveranstaltung besonderer Art konnte man in der Kreuzkirche am Kaiserplatz erleben: Die Kantorei unter der Leitung von Karin Freist-Wissing hatte A-cappella-Sätze zur Passion vorbereitet und Renate Gerhard las dazwischen jeweils Abschnitte aus dem Matthäus-Evangelium, rezitierte jedoch auch, recht eindringlich, eigene Texte ("judas isch-karioth", "homo homini lupus" und "nachtmahrgefieder") sowie passionsbezogene freie Lyrik von Hilde Domin ("ecce homo") und Kyrilla Spieker ("Dieser Tag ist still").

An Chorstücken hörte man, von der Kantorei gewohnt sicher und ausdrucksvoll gestaltet, den Choral "O Lamm Gottes" von Michael Praetorius, die expressiv-barocke Motette "Der Gerechte" des Bach-Vorfahren Johann Christoph (1642-1703), des Weiteren verschiedene Choralsätze Bachs selbst aus der Matthäus- und der Johannes-Passion, dann aber auch ein besonders anspruchsvolles und auch beeindruckendes geistliches Lied ("Ergebung") von Knut Nystedt (geb. 1915) und abschließend "Tod und Leben" von Hans Friedrich Micheelsen (1902-1973), das dieser als "ein deutsches Requiem" bezeichnet hatte und das in Klangbild und Faktur deutlich archaisierende Züge trug. Insgesamt war dies ein durchaus anrührender, besinnlicher Abend zur Passion Christi, der mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.



General-Anzeiger Bonn, 18.01.2002

Wo Gospel auf Barock trifft
Die Bonner Kreuzkirche legt ihr Halbjahres-Programm vor

Von Sandra Kreuer

Bonn. Ludwig Güttler war da, ebenso der Schwarzmeer-Kosaken-Chor - und der nächste Höhepunkt in der Bonner Kreuzkirche steht bevor. "The Black Gospel Singers" geben am Samstag um 20 Uhr ein Konzert mit traditionellen und zeitgenössischen Gospels. Dabei sollte sich das Publikum möglichst nicht nur auf das Zuhören, sondern auch auf das Mitmachen einrichten.

Auch in puncto Karnevals-Alternative lässt die Kreuzkirche Konzertfreunde an Weiberfastnacht, 7. Februar, nicht im Stich. In der Reihe "am 7. um 7" singt Constanze Backes von Hexen und Nachtigallen und rezitiert aus Friedrich von Spees "Cautio Criminalis". Beteiligt sind auch Katharina Hess (Blockflöte) und Stefan Horz (Cembalo). Werke von Kod ly, Schütz, Casals und das Requiem von Fauré in der Fassung für Chor, Orgel und Solisten präsentiert der 1979 gegründete Landesjugendchor NRW am Sonntag, 17. Februar, am Kaiserplatz. Titel des Abends: "Vom Tod zum Leben."

Händels Geburtstag begeht das Orchester der Kreuzkirche am Samstag, 23. Februar, mit festlicher und virtuoser Musik der Barockzeit von Vivaldi, Arne und natürlich Händel. Johannes Geffert, Professor für Orgel an der Musikhochschule Köln, der bis 1998 auch als Kirchenmusikdirektor an der Kreuzkirche wirkte, gibt am Freitag, 7. Juni, ein Orgelkonzert zu Pfingsten. Auf dem Programm stehen Werke von Buxtehude, Duruflé und Bach.

Das "Te Deum" von Heinz Werner Zimmermann, das im Oktober 2000 in Berlin vom Philharmonischen Chor Berlin uraufgeführt wurde und dessen erste Skizzen unter dem Eindruck des Mauerfalls entstanden, wird am Samstag, 13. Juli, von der Kantorei und dem Orchester der Kreuzkirche und Solisten aufgeführt. Zu hören ist auch das "Lauda Sion" von Felix Mendelssohn Bartholdy und Musorgskijs "Das große Tor von Kiew".

Das Örebro Musikhögskolas Vokalensemble gastiert am Mittwoch, 17. Juli, in der Bonner Kreuzkirche. Zusammen mit dem Bonner Kammerchor Vox Bona gibt das Ensemble ein Deutsch-Schwedisches Chorkonzert mit Motetten von Bach, Rheinberger und Sandström.



General-Anzeiger Bonn, 19.12.2001

Bachs Weihnachtsoratorium in der Bonner Kreuzkirche

Von Robert Fontani

Bonn. Wie ein einziges großes Freudenlied erschien die Darbietung des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach in der bis auf den letzten Platz besetzten Bonner Kreuzkirche. Kantorei und Orchester der Kreuzkirche gaben unter der Leitung von Karin Freist-Wissing den bisweilen himmlischen Klängen einen erdverbundenen, zutiefst menschlichen Anstrich.

Dargeboten wurden die ersten drei Teile des Werks. Die Tempi waren rasch, das Klangbild ausgewogen und sehr transparent. Nicht gemütliche Besinnlichkeit, sondern reine und hörbare Freude wollte die Aufführung vermitteln. Entscheidenden Anteil am Gelingen dieses musikalischen Konzepts hatte die Kantorei der Kreuzkirche. Der jüngst vom Deutschen Musikrat beim Landeswettbewerb mit einem guten zweiten Platz bedachte Chor sang seine Partie souverän mit einem sehr homogenen Ensembleklang.

Aus dem Solistenquartett ragte der warme Alt von Gerhild Romberger heraus. Mit dem spürbar innig gesungenen Wiegenlied "Schlafe, mein Liebster" und der Arie "Schließe mein Herze" verlieh sie der Aufführung eine weitere Dimension der sanft empfundenen Freude und meditativer Momente.

Max Ciolek hielt als Evangelist mit sicherem Ton und außerordentlich beweglicher Stimme den Gang des Geschehens fest in der Hand. Dorothea Craxton, Sopran, und Wolfgang Newerla, Bass, rundeten den durchweg guten Eindruck der solistischen Darbietungen ab.

Das Orchester der Kreuzkirche hatte nach verhaltenem Beginn in der spannungsvollen Darbietung der Sinfonia zu Beginn des zweiten Teils einen klangvollen Auftritt und bot dem Gesang insgesamt ein sicheres Fundament. In den Darbietungen der Insturmental-Solisten gefiel der strahlende Klang der von Peter Scheerer famos gespielten Trompete, während die Holzbläser im dritten Teil bisweilen mit den rhythmischen Tücken ihrer Partien zu kämpfen hatten. - Langer Beifall in der Kreuzkirche.



General-Anzeiger Bonn, 29.10.2001

Gut vorbereitet gehen die Bonner Chöre nach Hamm
Kreuzkirchen-Ensembles vor dem Wettbewerb

Von Von Barbara Kaemfert-Weitbrecht

Die Kreuzkirche am Kaiserplatz war gut besetzt, als dort die große Kantorei und der Kammerchor "Vox bona" unter der Leitung von Karin Freist-Wissing ihre Programme für die Landesausscheidung des Deutschen Chorwettbewerbes NRW in Hamm am kommenden Wochenende präsentierten. Dass beide sehr gut vorbereitet sind, wurde dabei erfreulich deutlich.

Die Kantorei eröffnete mit einem Querschnitt durch die Epochen, der die Vielseitigkeit des Ensembles sehr schön demonstrierte. Unter anderem sang man Johann Christian Bachs fünfstimmige Motette "Der Gerechte", das anspruchsvolle, oft eng geschichtete geistliche Lied Ergebung" (1990) von Knut Nystedt und Mendelssohns lebens-und klangvolles "Auf dem See" op. 41.

"Vox bona", bereits mehrfach preisgekrönt, beeindruckte mit der geschmeidig schwingenden Interpretation von Max Regers Volksliedbearbeitung "Wie kommt's, dass du so traurig bist". Auch Hugo Wolfs .Resignation" und Heinrich Schütz' doppelchöriges Geistliches Konzert "Stehe auf, meine Freundin" wurden sehr differenziert wiedergegeben. Die neue Musik war schließlich mit einem pointiert ausgeführten, witzigen "Armen jungen Hirten" von Karlheinz Stockhausen vertreten. Stürmischer Beifall für beide Ensembles und ihre Dirigentin. Zwischen den Chor-Blöcken hatte es noch ein recht reizvolles instrumentales Intermezzo mit dem Bonner Fagott-Quartett gegeben.



General-Anzeiger Bonn, 08.10.2001

Wettbewerb: Erfolge für Bonner Chöre

Von Guido Krawinkel

Mit "hervorragendem Erfolg" hat der Bonner Kammerchor unter Peter Henn beim Landeschorwettbewerb in Hamm abgeschnitten. In der Kategorie für gemischte Chöre wurde dem Bonner Kammerchor der erste Preis und außerdem der Sonderpreis es TÜV zuerkannt. Der Chor hatte sich durch den ersten Platz für den Bundes-Chorwettbewerb qualifiziert, der im Mai 2002 in Osnabrück stattfindet.

Insgesamt waren fünf Bonner Chöre nach Hamm gereist, drei davon kehrten mit Preisen zurück. Gleich mit zwei Ensembles vertreten war die Kreuzkirche. In der Erwachsenenkategorie für Gemischte Chöre errang die Kantorei unter der Leitung von Karin Freist-Wissing einen zweiten Platz. Der Kammerchor Vox Bona erreichte in der Offenen Kategorie einen fünften Platz. Bei den Kinderchören wurde der Schedrik-Chor des Gymnasiums am Ölberg, Oberpleis, unter der Leitung von Irina und Pavel Brochin mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Bei insgesamt elf Kategorien traten 83 Chöre gegeneinander an.



General-Anzeiger Bonn, 01.04.2001

Große Wucht und zarte Innigkeit
KREUZKIRCHE Ein Abend mit Mozarts späten Werken

Von Guido Krawinkel

Mozarts Requiem und sein Klarinettenkonzert tauchen häufig im Doppelpack auf. Grund dafür ist vor allem die gemeinsame Entstehungszeit im letzten Lebensjahr Mozarts. Auch bei einem Konzert in der Kreuzkirche waren jetzt beide Werke zu hören. Ihrer angenommen hatten sich Kantorei und Orchester der Kreuzkirche unter der Leitung von Karin Freist-Wissing.

Die ohnehin schon äußerst fragile Transparenz der Musik Mozarts scheint sich sowohl im Requiem als auch im Klarinettenkonzert noch zu potenzieren, ja zu einem transzendenten Gehalt zu verdichten. An manchen Stellen der Aufführung in der Kreuzkirche schien dieser transzendente Gehalt aufzublitzen, wenn etwa eine vermeintlich schlichte Pause im ersten Satz des Klarinettenkonzertes (Solist: Lorenz Luyken) regelrecht aufhorchen ließ oder die krassen Gegensätze im "Confutatis" des Requiems mit großer Wucht beziehungsweise Innigkeit gegeneinander ausgespielt wurden. In diesen Momenten gelang es Freist-Wissing, die im übrigen durch eine eher entschlackte und unsentimentale Interpretationslinie glänzte, alle Ausführenden mitzureißen und Energien synergetisch zu bündeln.

Über weite Strecken zeigte sich jedoch auch, dass vor solch inspirierten Mai Momenten der Transzendenz erst einmal- harte Arbeit steht. So ließ außer intonatorischen Details innerhalb des Orchesters, die besonders im Klarinettenkonzert offensichtlich waren, des öfteren die rhythmische Koordination innerhalb des Orchesters, aber auch das Zusammenspiel von Orchester und Chor zu wünschen übrig.

Der Chor überzeugte durch eine konsequent gestaltete und sehr deutliche Deklamation, wiewohl der besonders im Tenor von Einzelstimmen geprägte Ensembleklang zunächst noch reichlich disparat schien und erst im Laufe des Requiems wachsen musste.

Im ansonsten mittelmäßigen Solistenquartett überzeugte am ehesten noch Thomas Klose mit einer sehr kultivierten und eng umrissenen, aber nicht sonderlich flexiblen Stimme.



31.03.2001

Kreuzkirchen-Kantorei führte Mozarts Requiem auf
Ergreifend schön

Von Niels Rühle

Bonn. Endlich blühen die Bäume - liturgisch gesehen aber ist karge Fastenzeit. Vielleicht hing es damit zusammen, dass die Kantorei der Kreuzkirche Mozarts Requiem aufführte. Das Konzert startete zunächst mit Mozarts Klarinettenkonzert in der durchaus frühlingshaften Tonart A-Dur: Klarinettist Lorenz Luyken schöpfte die lyrischen Momente des Werkes voll aus, immer rund und geschmeidig phrasierend, den farbenreichen Ton seine Instruments meisterhaft formend, mal dunkel und samtig, mal metallisch glänzend.

Glänzend auch die Leichtigkeit und Souveränität, mit der er die zahlreichen virtuosen Partien gestaltete. Dirigentin Karin Freist-Wissing sorgte für ein zügiges, schwungvolles Tempo, dem allerdings die Streicher des Orchesters nicht ohne kleinere Unsauberkeiten folgen konnten.

Nach der seltener zu hörenden, von Mozart für seine Logenbrüder -komponierten (Frei)-Maurerischen Trauermusik KV 477 dann der Höhepunkt des Abends. Einmal mehr schlug einen Mozarts Requiem in Bann: Ergreifend schön, wie sich aus dem fast ruhigen, resignativen Flehen des Beginns in immer dichteren Bögen eine intensive Klage entfaltet, Die Kantorei der Kreuzkirche unter der stets fordernden und auffordenden Leitung von Karin Freist-Wissing überzeugte mit exakt deklamierten Text, gerade darum stets lebendiger Phrasierung, dynamischer Flexibilität und durchsichtigem, tonschönen Klang in allen Lagen. Exzellent, weich präzise ausbalancierte Wucht etwa der Satz "Dies irae" entwickelte. Auch die Solisten, Judith Hoff, Sopran, Uta Grundewald, Alt, Thomas Klose, Tenor, und Georg Heckel, Bass, trugen ihren Teil zu dieser rundum gelungenen Wiedergabe bei,

Fastenzeit hin oder her, - das stundenlange, pausenlose Sitzen in den Kirchenbänken mag der nötige asketische Anteil des Abends gewesen sein -musikalisch gesehen war es ein Fest: Erst ergriffene Stille dann stürmischer Beifall in der brechend vollen Kreuzkirche.



General-Anzeiger Bonn, 14.12.2000

Ein Ensemble mit vorzüglichen Solisten
Konzert Bachs "Weihnachtsoratorium" in der Kreuzkirche

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Orirginal Artikel aus der Zeitung



General-Anzeiger Bonn, 20.10.2000

Zwischen Himmel und Erde
Reihe In drei Konzerten stellen sich die Ensembles der Keuzkirche vor

Von Bernhard Hartmann

Original Artikel aus der Zeitung



General-Anzeiger Bonn, 26.06.2000

Planetennacht mit Klanggewittern
Kreuzkirche: Musik-Marathon zwischen Obertongesang und "Engelsflügen"

Von Guido Krawinkel

Original Artikel aus der Zeitung



General-Anzeiger Bonn, 16.12.1998

Die Anziehungskraft ist ungebrochen
Jens Bingert dirigiert Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche

Von Guido Krawinkel

"Alle Jahre wieder..." kommt nicht nur der Weihnachtsmann, sondern wird auch das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Kreuzkirche aufgeführt. Alle Jahre wieder strömen auch viele Bonner in die gut gefüllte Kreuzkirche, in der dieses Werk vor 45 Jahren zum ersten Mal nach dem Krieg wieder erklungen ist. Von seiner Anziehungskraft hat es mithin nichts verloren, als traditioneller Bestandteil der Adventszeit scheint es nicht nur hier ganz unverzichtbar zu sein.

In diesem Jahr standen die Teile I bis III auf dem Programm, doch bei aller Vorfreude auf diesen musikalischen Fixpunkt einer jeden Vorweihnachtszeit ist die Gefahr eines gewissen Gewöhnungseffektes kaum zu übersehen. Auf der schmalen Gratwanderung zwischen Routine und Vitalität schlug das Stimmungsbarometer in diesem Jahr ein wenig mehr in Richtung Routine aus, da trotz allen Engagements und grundsolider Leistungen ein relativ blasser Eindruck zurückblieb. Zum Beispiel verfügte die Kantorei nicht über die stimmliehe Durchschlagskraft der Vorjahre, was sich vor allen Dingen in einem stellenweise matten Chorklang, deutlichen Intonationsproblemen im Sopran und einem verstärkungsbedürftigen, sich gleichwohl äußerst tapfer schlagenden Tenor äußerte.

Keine Frage, die Kantorei der Kreuzkirche ist nach wie vor einer der traditionsreichsten und besten Bonner Chöre, doch in Bestform war er diesmal nicht. Sehr schön gelangen trotz allem die Choräle, die Dirigent Jens Bingert in zumeist gemäßigten Tempi nahm. Ansonsten setzte er auf einen federnden Puls in der Musik, etwa im bekannten Eingangschor der ersten Kantate, der recht forsch daher kam, und hielt das solide agierende Orchester zu einer pointierten Leistung an. Insbesondere die Holzbläser ließen durch ihr sensibles Spiel aufhorchen.

Von den Solisten konnte Max Ciolek als ungemein lebendig erzählender Evangelist mit zuweilen dramatischen Impetus und modulationsreicher Stimme am meisten überzeugen. Diese Dramatik bekam bei Ulrich Schütte, Baß, der mangelnde stimmliche Kraft durch betonten Körpereinsatz und eine hyperkorrekte Aussprache zu kompensieren versuchte, einen wenig überzeugenden Einheitsausdruck. Mit ihrem warm timbrierten Alt und einem noch an genehmen Vibrato hinterließ Diana Rehbock einen weitaus besseren Eindruck als Susanne Duwe, Sopran, deren Stimme eng und gepreßt klang.



General-Anzeiger Bonn, 21.06.1998

Matinee in der Kreuzkirche

Von Norbert Stich

Eine Matinee in der Kreuzkirche:
Unter der Leitung von Jens Bingert und Lorenz Luyken wurde in großer Besetzung mit Solisten. Chor und vollem Orchester Musik aus Böhmen gespielt. Den Rahmen bildeten je ein je ein "Te Deum" von Jan Dismas Zelenka und Antonin Dvorák. Die Musik Zelenkas, jenes Zeitgenossen Bachs, dessen Hinterlassenschaft lange wenig Beachtung fand, erstrahlte hier in prachvollem Glanz. Das Sanctus, chromatisch und querständig komponiert, reichte an manche Teile von Bachs h-Moll-Messe heran. Ausdrucksstark und affektgeladen sang der Chor der Kreuzkirche das "Tu ad liberandum", nach Art einer Collage wurde eine gregorianische Melodie ein gefügt. Natürlich fanden sich gefälligere Teile, die schon auf die Kirchenmusik Haydns und Mozarts hinweisen. Sanft leuchtend über den Streicherfiguren schwebend gestaltete Martin Brock die Arie "Te gloriosus Apostolorum chorus". In der abschließenden Fuge mit ihren synopischen Strukturen wuchsen Chor und Orchester zu virtuoser Form auf.

Dvoráks Vertonung des Ambrosianischen Lobgesanges (G-Dur, op. 103) wurde zur Sternstunde der Sopranistin Susanne Duwe, die ihren Part glockenrein darstellte. Ihr zur Seite stand der Bariton Christian Palm, der auch bei Zelenka schon durch sein hell gefärbtes Timbre aufgefallen war. Chor und Orchester entwickelten romantisch volltönende Klangwelten, optimistisch zu Beginn, zum Schluß in triumphaler Überhöhung, zwischenzeitlich auch still, rezitativ. Die mittlere Position des Programms nahm Dvoráks Tschechische Suite (D-Dur, op. 39) ein, in der das Orchester sich weitgehend einem lyrischen Grundton verschrieb, aber auch volkstümliches Kolorit hervorbrachte und sich zum Ende zu sinfonischer Dichte steigerte.




22.03.1998

Passionsmusik

Von Roland Pfeiffer

Als instrumentale Passionsmusik mag man wohl von Haydns 49. Sinfonie verstanden haben, als man ihr im 19. Jahrhundert den Beinamen "La passione" gab. Ihr schwungvoll-leidenschaftlicher Impetus wurde vom Orchester der Kreuzkirche unter der Leitung von Lorenz Luyken konturenscharf umgesetzt. Im instrumentalen Teil des Konzerts zur Passion standen ferner die Orgelstücke für eine Uhr KV 594 und 608 von Mozart auf dem Programm, die - in Bearbeitungen - von einem Bläserquintett aus Orchestermitgliedern mit Präzision ausgeführt wurden. Der von Jens Bingert geleitete Chor der Kreuzkirche präsentierte sich in Werken von Rheinberger und Reger überaus intonationsrein und vokal ausgewogen. In Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms "Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser" gestaltete Konstanze Ruttloff (Sopran) den Solopart mit schlanker melodischer Linie. Mit souveränem Dirigat gelang es Jens Bingert, Chor, Solisten und Orchester zu einem dynatisch ausgewogenen Gesamtklang zu vereinen.




General-Anzeiger Bonn, 16.12.1997

Rasche Tempi, schlanke Festlichkeit
Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche - Johannes Geffert leitete die Kantaten I-III

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Der schönen langen Tradition gemäß gab es auch in diesem Jahr das so beliebte Bachsche "Weihnachtsoratorium" in der Kreuzkirche am Kaiserplatz, und der Andrang zur Aufführung der Kantaten I-III war auch heuer wieder gewaltig.

Aus alter Verbundenheit war Johannes Geffert diesmal für die Kantorin Karin Freist-Wissing eingesprungen, und er erzielte mit bevorzugt raschen und schwingend-motorischen Tempi - etwa bei den großen Huldigungschören von Teil I und III und bei fast allen Arien - eine gewissermaßen schlanke Festlichkeit beziehungsweise feingliedrig-fließende Lyrizität, die alle "dickere" Opulenz und Emphatik konsequent vermied.

Die dynamisch adäquat flexible, in den Chorälen ausgesprochen klangschöne und auch in polyphonen Geflechten sichere und agile Kantorei der Kreuzkirche und das mit differenziertem Klangsinn aufspielende Kreuzkirchenorchester - das beispielsweise mit der bezaubernd stimmungsvollen Hirtenmusik besonders gefiel, aber auch mit den obligaten Arien-Begleitparts von Oboen, Flöte, Violine und Trompete bestes Niveau zeigte - kamen Gefferts Intentionen sehr wohl nach.

Ebenso auch die vier Gesangssolisten, an deren erster Stelle der schöne und klare Alt von Gerhild Romberger genannt sei, die ihren so affektuosen Arien mit einem vornehmen Espressivo begegnete. Zu rühmen auch der wendige Tenor Bernhard Gärtner, der den Evangelientext dezidiert durchgestaltete. Judith Hoffs lichter Sopran paßte sehr fein zur Engelsverkündigung und entfaltete auch im zärtlich-innigen Duett mit dem Baß "Herr, dein Mitleid" viel Wohllaut. Beim Baß Raimund Fischer freilich hätte man sich gelegentlich doch noch etwas mehr Kraft und Volumen wünschen mögen.

Insgesamt aber war es eine in sich sehr stimmige und überzeugende Aufführung, die denn auch viel nachdrücklich artikulierte Zustimmung fand.



General-Anzeiger Bonn, 04.11.1997

Elias, die Musik und die Psychiatrie
Eine kulturelle Veranstaltungsreihe der evangelischen Kirche über den Propheten

Von Claudia Wallendorf

Elia zwischen Himmel und Hölle" so lautet der Titel eines gemeinsamen Projekts von Kunst, Kultur und Kirche in den evangelischen Kirchenkreisen Bad Godesberg, Bonn und an Sieg und Rhein, das in den nächsten Tagen anläuft. Ausgehend von der biblischen Figur und ihrer Wirkungsgeschichte, betonen die Initiatoren die Aktualiät der Elias-Geschichten. Zugleich soll das Projekt zu einem gleichberechtigten Dialog von Kultur und Kirche beitragen. Dementsprechend beinhaltet es neben einer Reihe kirchlicher Veranstaltungen wie Vorträge, Diskussionen, Gottesdienstreihen und Kinderbibeltage künstlerische Auseinandersetzungen aller Art mit dem Propheten Elias.

Aufführungen des "Elias"-Oratoriums von Felix Mendelssohn-Bartholdy stehen am Anfang der sich gut über ein halbes Jahr hin erstreckenden Veranstaltungen.

Die englische Originalversion des "Elijah" ist unter der Leitung von Thomas Neuhoff am Sonntag, 31. August, 16 Uhr, in St. Maria Magdalena, Magdalenenstraße, zu hören. Es singen der Philharmonische Chor, die Oxford Harmonie Society, und es spielt das Philharmonische Orchester Köln. Am 150. Todestag des Komponisten, am 4. November, erklingt der "Elias" in der Kreuzkirche, Am Kaiserplatz. Unter Leitung von Karin Freist-Wissing musizieren Kantorei und Orchester der Kreuzkirche.

Ein Oratorium ganz anderer Art steuert der Bonner Komponist Friedhelm Aufenanger zum Elias-Projekt bei. Es handelt sich um ein Werk für größeres Kammerensemble, Solisten und Chor. Textliche Grundlage ist eine Bearbeitung des Bibelstoffes durch Psychiatriebetroffene. Die Uraufführung ist am 10.Mai unter der Leitung von Berthold Wicke in der Lutherkirehe, Reuterstraße. Jazz, Kleinkunst und Theater haben den Propheten im Rahmen des Projekts ebenfalls zum Thema.

Auch die bildende Kunst ist vertreten. So laufen im Frauen Museum die Vorbereitungen für eine Ausstellung über Elias´ Gegenspielerin Isebel auf Hochtouren. Zur künstlerischen Auseinandersetzung tritt die kritische Beleuchtung der religionsgeschichtlichen Seite durch Matriarchatsfor- scherinnen hinzu. Die Isebel-Ausstellung ist vom 22. Februar bis 26. April zu sehen. Auch auswärtige Künstler beteiligen sich an dem Projekt. So zum Beispiel das Choralgraphische Theater Berlin unter der Leitung von Heinz Grasmück und der Flensburger Künstler Uwe Appold, der ab März seinen Elias-Zyklus (24 Acrylbilder) in sechs Kirchen zeigt.

Das Elias-Projekt ist aus einer Privatinitiative hervorgegangen, die von den Superintendenten der regionalen Kirchenkreise unterstützt wird. Gefördert wird es durch die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche der Union, die Sparkasse Bonn und den Kunstdienst der Evangelischen Kirche in Berlin.



General-Anzeiger Bonn, 04.11.1997

Zwischen Sentiment und Dramatik
Zum 150. Todestag: Mendelssohns "Elias"-Oratorium mit der Kantorei der Kreuzkirche

Von Bernhard Hartmann

Original Artikel aus der Zeitung



08.03.1996

Reife Leistung
Brahms Requiem in der Kreuzkirche

Von Annerose Bittmann

Original Artikel aus der Zeitung



General-Anzeiger Bonn, 08.11.1995

Starke Stilkontraste
Puccini und Janácek in der Kreuzkirche

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Größer hätten die stilistischen Unterschiede bei der Programmzusammenstellung gar nicht sein können als beim Chor-Orchesterkonzert in der Kreuzkirche: auf der einen Seite die opernhafte Italianità des jungen Puccini mit seiner "Messa di Gloria" von 1880, auf der anderen der radikal subjektive Gestus von Janáceks "Glagolitischer Messe" von 1926.

Die Kantorei der Kreuzkirche wurde unter der sorgfältigen Leitung Karin Freist-Wissings den sehr spezifischen Anforderungen beider Werke eindrucksvoll gerecht. Sowohl der schmelzend melodiöse Satz Puccinis als auch die kurzmotivische, ostinatoreiche Faktur des Janácek wurden sicher und intonationsgenau gemeistert. Unterstützt wurde der Chor von Mitgliedern des Orchesters der Beethovenhalle, die in bester Spiellaune waren. Johannes Geffert gestaltete souverän den Orgelpart. Während der Tenor Stefan Wincke seine Puccini-Partie ein wenig gleichförmig herausschmetterte, beeindruckte der Baß Paul Möllmann durch kultivierte Stimmführung. Bei Janácek überzeugte der lichte Sopran Stefanie Stillers ebenso wie das schöne Alttimbre von Claudia Darius.



General-Anzeiger Bonn, 16.12.1993

Pulsierende Musik und rasche Tempi
Die ersten drei Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche

Von Bernhard Hartmann

Original Artikel aus der Zeitung



General-Anzeiger Bonn, 20.12.1991

In festliche Stimmung versetzt
Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche

Von Heide Volckmar-Waschk

Original Artikel aus der Zeitung