h-Moll Messe

Die h-Moll Messe am 18.11.2007 in der Kreuzkirche
Das war er dann, der absolute Höhepunkt! Es begann schon im Herbst 2006:

"Wollt Ihr im kommenden Jahr eine der großen Bachkantaten oder lieber die h-Moll Messe, vielleicht sogar mit concerto Köln?"

So fragte die beste aller Dirigentinnen vor Jahr und Tag.

Welch eine Frage! Wann kann man schon mal die h-Moll Messe singen, und dann auch noch mit concerto Köln. Zwar war unklar, ob concerto Köln mitmachen würde, ob wir die Finanzierung stemmen könnten und wie so oft bei größeren Projekten waren die Fragen noch nie so offen wie dieses Mal. Aber DIE Antwort war klar: Alle (oder fast alle) wollten die h-Moll Messe. Allerdings brachte die Sponsoren-Suche nicht den erwünschten Erfolg. Schon da hätte es aus sein können mit der h-Moll Messe. Aber die beste Dirigentin von allen zeichnet sich auch in dieser Situation aus und findet einen Ausweg.

Irgendwann kam auch positive Kunde von concerto Köln, und pünktlich zu den Sommerferien kamen die Noten und die Bitte, diese bis zum Probenanfang nach den Sommerferien gut zu lernen. Gott sei Dank war das Wetter im Sommer nicht so heiß, dass man wegen des Wetters nicht hätte üben können. Die interne Homepage hielt auch bald eine Sammlung von Übestücken für jede Stimme bereit. Nur war die Homepage nach einem Umzug eine ganze Zeitlang nicht erreichbar. Auch das hat den Lern-Eifer nur unwesentlich gebremst.

Und dann die Proben: sie waren von Anfang an begeisternd. Natürlich kannten etliche die Musik noch aus dem "Planetenjahr 2000". Und viele haben tatsächlich über die Ferien Töne gepaukt.

Zwischenzeitlich entdeckten wir, dass es sinnvoll sein könnte, Sitzplatz-Karten zu verkaufen. Man hat ja sonst nichts zu tun. Und ein zweitägiges Probenwochenende knapp vor dem Konzert-Termin motiviert noch einmal zusätzlich, zumal wenn auch unser Tenor nicht nur einfach schön, sondern auch einfach richtig singt. Und dann das absolute Bass-Solo "et iterum venturus est" ...

Im Oktober: Alles sieht gut aus. Der Vorverkauf läuft super. Nahezu alle Platzkarten sind verkauft. Die neuen Scheinwerfer kommen rechtzeitig und die Proben mit concerto Köln finden in einer sehr freundlichen und konstruktiven Atmosphäre statt.

Am Konzertabend dann ist alles wieder ganz anders: Zunächst kommen eine Reihe von Besuchern an die Abendkasse und behaupten, sie hätten Karten reserviert. Dummerweise weiß davon niemand etwas. Und dann fällt auch noch der Strom aus: Damit scheinen nicht nur die neuen Scheinwerfer nicht mehr, auch die Orgel schweigt. Wäre das während des Konzert geschehen, wäre es das dann gewesen.

Und während Karin schon den Einsatz zum allerersten Kyrie geben will, wollen noch ein paar Zu-spät-Kommende sich in die allererste Reihe neben die Solisten setzen, weil ihre Plätze von anderen Besuchern besetzt wurden.

Aber dann geht es wirklich los und die Kirche ist voll, und all die Anspannung aus der Vorbereitung fällt ab. Es ist fast noch voller als bei "Bach meets Jazz". Die ersten vier adagio-Takte (das majestätische "Kyrie") sind die Ankündigung von zwei Stunden ergreifender Musik! Diese Messe bietet einfach alles, die kleinen stillen und in sich gekehrten Momente im "qui tollis", das fast brutale "crucifixus", das vorweihnachtliche "et incarnatus" oder nachher das großartige "sanctus" - ein Höhepunkt nach dem andern. Die Solisten haben alle ihre großartigen Momente, aber die Krönung ist das "agnus dei" von Ingeborg Danz. Last not least das schon erwähnte ultimative Chor-Bass-Solo "et iterum venturus est" im "et resurrexit" (Dieser Satz muss sein, der Verfasser singt im Bass, und alle Bässe werden seine Meinung teilen...)

Alle Mitwirkenden, aber wohl auch das gesamte Publikum, werden einen Eindruck davon bekommen haben, dass es eigentlich keine großartigere Musik gibt als diese Messe. Und VOX BONA hat es geschafft, die Musik lebendig werden zu lassen. Nicht zuletzt dank concerto Köln, einem Orchester, das natürlich Weltruhm besitzt, dem man aber zu jeder Zeit sein Engagement und seine Begeisterung für gerade dieses Konzert abnimmt.



Und das war es dann wirklich.
Verfasser: Christian Böcker

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