Kritiken
General-Anzeiger Bonn, 25.06.2010
Konzentriert: Kammerchor Vox bona in der Kreuzkirche
Von Fritz Herzog
Der Beitrag von VOX BONA, Kammerchor an der Bonner Kreuzkirche, zum CantaBonn-Festival 2010 stand unter dem ökumenischen Motto "Allen Menschen guten Willens". Karin Freist-Wissing hatte mit ihren, beim diesjährigen Chorwettbewerb in Dortmund mit dem zweiten Preis bedachten Sängern ein reizvolles Programm zusammengestellt. Bachs fünstimmige Motette "Jesu meine Freude" (BWV 227) und Rheinbergers berühmtes Abendlied, "Bleibe bei uns", bildeten den Rahmen um ein Marienlob aus drei Motetten von Heinz Werner Zimmermann (Jahrgang 1930) aus dem Jahre 2003 und "Juppiter" von 20007 des 1975 in Castrop-Rauxel geborenen Michael Ostrzyga. Stefan Horz sekundierte an der Ott-Orgel differenziert mit Bachs a-Moll-Concerto (BWV 593), mit Präludium und Fuge über "B-A-C-H" von Liszt sowie der Nr. 10, "Abendfriede" aus Rheinbergers Charakterstücken für Orgel op. 156. Vor allem aber bestach er mit einer unerhört dichten, an Ostrzygas rhythmisch komplexen A-capella-Satz unmittelbar angefügten Improvisation.
Die Homogenität der Einzelstimmen von VOX BONA ist ebenso vorbildlich wie Intonation, Artikulation und Timing. Der Dynamik steht ein weites, bis ins piano pianissimo hinein klanglich tragendes Spektrum zur Verfügung. Für die mittlere der Zimmermann-Motetten teilte sich der Chor zwischen Altar und Empore und band so den Zuhörer ins Klanggeschehen (respektve in die theologische Aussage) verbindlich mit ein. Die Terzette bei Bach wurden souverän solistisch aus dem Chor gestaltet. Schade nur, das das Fußball-WM-Getöse die Konzentration immer wieder auf eine harte Probe stellte.
(Quelle: Druckausgabe General-Anzeiger Bonn vom 25.06.2010, S. 9)
Bonner General-Anzeiger online, 19.05.2010
Bundeswettbewerb: Zwei Bonner Chöre erfolgreich
Von Bernhard Hartmann
Bonn. Nur alle vier Jahre treffen sich die besten Chöre der Republik zum Deutschen Chorwettbewerb, um ihre vokalen Kräfte zu messen. Aufs Siegertreppchen durften diesmal gleich zwei Bonner Chöre: Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, hat beim 8. Deutschen Chorwettbewerb in Dortmund den 2. Preis in der Kategorie "gemischte Chöre" gewonnen, und der Konzertchor BonnSonata errang unter der Leitung von Markus Karas den dritten Platz bei den Frauenchören.
Vox Bona hatte die Jury sowohl mit dem weitgefächerten, von Rartitäten bis zu zeitgenössischer Literatur reichenden Programm beeindruckt, wie auch durch die künstlerische Darbietung unter Leitung von Karin Freist-Wissing.
Mit zeitgenössischer Musik macht der Kammerchor auch bei seinem nächsten Bonenr Auftritt weiter. Beim Cantabonn-Festival interpretiert Vox Bona am 23. Juni in der Kreuzkirche das "Marienlob" von Heinz-Werner Zimmermann (2005). Im Juli geht Vox Bona auf Konzertreise nach Riga.
BonnSonata überzeugte die Jury beim Wertungssingen und einem Konzert im Dortmunder Schauspielhaus mit blitzsauberer Intonation, großer dynamischer Flexibilität und einer außerordentlichen Vielfalt des durchweg auswendig und lebendig vorgetragenen Repertoires, das von der Renaissance bis zu achtstimmigen Werken zeitgenössischer Komponisten reichte.
Bonns renommierter Frauenchor und mehrfacher Landessieger (zuletzt 2005 und 2009) hatte vor vier Jahren beim Bundeswettbewerb in Kiel ebenfalls einen dritten Platz belegt.
In Bonn tritt der Frauenchor am 22. Juni, wieder auf. Das Konzert im Rahmen des Festivals Cantabonn findet in der Alten Kirche des Collegium Leoninum zum Thema "Im Mondlicht" statt.
Bonner General-Anzeiger , 13.04.2010
Zwei Könige auf den Fluten
Wassermusik im Familienkonzert und ...
Von Matthias Nofze
Opernhaus.
Was verbindet das Oratorium "Israel in Ägypten" und die "Wassermusik", außer dass sie von Georg Friedrich Händel stammen?
Antwort: Hauptfiguren sind Flüsse und Könige, hier der Nil, da die Themse, hier der hasserfüllte Ramses, da der zu einer Aussöhnung fähige George I. in London.
"Auf den Fluten von Themse und Nil" lautete der Titel des jüngsten Familienkonzerts, und Konzertpädagoge Thomas Honickel und sein Team hatten wieder alles dafür getan, um auf der Bühne der Oper das Geschehen möglichst bildhaft zu gestalten.
Vorne fielen drei niedliche Pyramiden ins Auge, hinter ihnen ein in tiefblauen Stoff gehülltes Podest, auf dem Moritz Honickel die Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten vortrug.
Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, und das Wuppertaler Vokalensemble sangen Ausschnitte aus dem Oratorium und beeindruckten dabei unter Leitung von Thomas Honickel mit kraftvoll gespanntem und elastischem Gesang.
Sehr bildhaft lässt es Händel zugehen, plastisch und zupackend geschildert wurde es vom Beethoven Orchester und dem eindringlich gestaltenden Soloalt von Damaris Unverzagt.
Bildhaft war auch die Szene: Die Verwandlung der Nilfluten in Blut symbolisierte ein tiefrotes Tuch, auch Heuschrecken und Frösche hatten ihren Auftritt.
Der zweite Teil war "Zwei Königen auf den Fluten der Themse" vorbehalten. Anna Feichtinger als Erzählerin und Moritz Honickel als Händel ließen die Geschichte vom verstoßenen Hofkomponisten aufleben, der den Groll seines Herrn, King George I., durch die "Wassermusik"-Suiten wieder besänftigen konnte. Musikalische Feinarbeit leisteten hier vor allem die Bläser des BOB.
Mathias Nofze
(Quelle:
Generalanzeiger vom 13.04.2010)
Bonner Generalanzeiger, 16.03.2010
Der Fall Judas
Chor-Improvisation in der Kreuzkirche
Von Guido Krawinkel
Improvisierende Chöre haben Seltenheitswert. Das liegt nicht zuletzt in der Natur der Sache, denn spontan und aus dem Augenblick entstehende Musik und die Koordination eines aus vielen Individuen bestehenden Klangkörpers vertragen sich nach traditionellem Verständnis nur schwerlich.
Einen experimentellen Ansatz zeigte jetzt der Kammerchor Vox bona, der zusammen mit Karin Freist-Wissing Improvisationen zu Auszügen aus Walter Jens' Text "Der Fall Judas" erarbeitet hatte. Der Text wurde von dem Schauspieler Christoph Amrhein in sehr nachdrücklicher Weise in Szene gesetzt. Amrhein legte die Ambivalenz der Judas-Figur offen und arbeitete die unterschiedlichen Aspekte des Jens-Textes heraus.
Das allein hätte - wenn man vom Text ausgeht - schon ausgereicht. Schließlich ist "Der Fall Judas" schon von sich aus ein so dramatischer und starker Monolog, dass er eigentlich keiner weiteren Zutaten bedarf.
Schaden tut ihm dieses Procedere freilich auch nicht, denn als Kunstwerk ist er selbst herausragend genug, um so etwas im besten Sinne aushalten zu können. Nur gelegentlich war die unterlegte Klangtapete etwas zu dominant oder die verwendeten Effekte zu plakativ, etwa wenn Judas von permanenten "schuldig"-Rufen geradezu in die Knie gezwungen wird. Wenn das auch noch von Synthesizer (Michael Gees) und Orgel (Stefan Horz) mit melodramatischen Clustern und gewaltigen Eruptionen untermalt wird, ist die Grenze zum Kitsch nicht mehr fern.
Im besten Sinne unterstützend vermochten eher die leisen, unaufdringlichen Gesten zu wirken. Die Gregorianischen Gesänge, die die von dem Benediktinermönch Pater Michael Hermes in semiologischer Manier angeleiteten Männerstimmen beisteuerten, waren wertvolle Akzente für diesen Abend.
General-Anzeiger Bonn online, 09.12.2009
VOX BONA stimmt auf die Weihnachtszeit ein
Konzert des Kammerchors der Kreuzkirche gibt es ab sofort auch auf CD
Von Mathias Nofze
Bonn. Das "Mysterium der Geburt Christi" betrachten - es war ein hoher Anspruch, den sich "Vox Bona", der Kammerchor der Kreuzkirche, gestellt hatte. Die Sänger und Sängerinnen unter Leitung von Karin Freist-Wissing erfüllten ihn auf faszinierende Weise. Das Programm erwies sich als ein erhellender Gang durch die Jahrhunderte fern ab von rührseliger Besinnlichkeit.
Als roter Faden zog sich der Choral "Es ist ein Ros' entsprungen" durch den Abend: in der bekannten vierstimmigen Version von Michael Praetorius (zügig, entschlackt und eindringlich gesungen), als Linienkunst einer Brahms-Motette (wunderbar geschmeidig ausgeführt), in der herben Tonsprache Distlers, schließlich auch in einer feinsinnigen Deutung durch Organist Stefan Horz, der einfallsreiche Improvisationen beisteuerte.
Gegenwart und Vergangenheit schließlich reichen sich die Hände bei Jan Sandström. Er taucht Praetorius' Choral in ein Klangbad aus gesummten, sich aufschichtenden Vokalisen. Der Chor hatte sich für dieses Klangwunder auf Empore und Galerien postiert.
Auch in Kaminskis "Maria durch ein Dornwald", Lauridsens "O magnum mysterium" und anderen konnte man einen kraftvollen, geschmeidigen Chorklang, organische Phrasenbildung und ausgezeichnete Aussprache bewundern.
Schlichte Innigkeit berührte in Bachs "Ich will dich mit Fleiß bewahren". Und nun die frohe Botschaft: Dieses Konzert ist als CD ab sofort im Handel erhältlich. Info: www.voxbona.de.
General-Anzeiger Bonn online, 17.11.2009
Kleiner Chor entfacht großes Drama
Bewegende Aufführung von Mendelssohns "Elias" in der Kreuzkirche
Von Bernhard Hartmann
Kreuzkirche. An der Uraufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" wirkten am 22. August 1846 im englischen Birmingham nicht weniger als 400 Musiker mit, davon allein 271 Sängerinnen und Sänger.
Auch wenn der anglophile Komponist mit dieser Aufführung einen Riesenerfolg feierte, darf man doch annehmen, dass die Hörer wohl nicht jedes Detail aus der sicherlich überwältigenden Klangmasse herausfiltern konnten.
In der Bonner Kreuzkirche, wo das Oratorium jetzt das an diesem Ort begangene Konzertjahr "Das Glück der Mendelssohns" zum 200. Geburtstag des Komponisten beschloss, war das völlig anders. Obwohl das Kölner Orchester "Concerto con Anima" auf Instrumenten der Mendelssohn-Zeit begleitete, ging es Kantorin Karin Freist-Wissing gerade nicht darum, die Üppigkeit der Uraufführung zu reproduzieren.
Sie entschied sich im Gegenteil dazu, den Klang zu verschlanken, durchsichtiger zu machen.
Mit dem relativ klein besetzten Kammerchor der Kreuzkirche, "Vox Bona", stand ihr dafür ein ideales Vokalensemble zur Verfügung, das zugleich auch dramatische Durchschlagskraft zu demonstrieren vermag.
Die "Hilf, Herr!"-Rufe nach dem Fluch des Elias und der Ouvertüre müssen nämlich bei aller Transparenz des Klangbildes vor allem eines: überwältigen.
Gerade der erste Teil des Oratoriums lebt ja über weite Strecken von der außerordentlichen Dramatik, wie Mendelssohn sie auch in der Baal-Szene mit erstaunlichem Gespür für musikalische Theatralik inszeniert. Tatsächlich
erfüllten die Rufe das Kirchenschiff auf markerschütternde Weise.
Dann wieder gibt es viele Momente von berührender Zartheit wie etwa den Chor "Wohl dem, der den Herrn fürchtet", den die Vox-Bona-Sängerinnen und -Sänger mit zu Herzen gehender Innigkeit vortrugen.
Aus den Chorreihen waren auch einige kleinere Solopartien besetzt, in denen Stephanie Watin, Ulrike Steiner, Anja Barker, Damaris Unverzagt, Maria Meyer und Christoph Behrens-Watin eine gute Figur machten.
Für den guten Ruf der Kreuzkirchenkonzerte spricht, dass gleich zwei krankheitsbedingte Absagen von Solisten durch hochkarätigen Ersatz vertreten werden konnten. Für die Sopranistin Sigrun Palmadottir kam Julia Kamenik - beide Mitglieder des Bonner Opernensembles.
Die leichte und doch sehr präsente Stimme der Sopranistin harmonierte in idealer Weise mit dem Klang des Orchesters. Und die Altistin Elisabeth Graf, die für Gerhild Romberger gekommen war, beeindruckte mit warmen, emotionsgeladenen Tönen.
Knut Schoch verlieh der Tenorpartie vor allem in den mittleren Lagen Glanz. Als Elias schließlich beeindruckte der Bassist Sebastian Noack, dessen Stimme zornige Kraft ebenso zu vermitteln weiß wie die melancholische Resignation in der Arie "Es ist genug".
Die Musiker von "Concerto con Anima" begleiteten diese Arie mit sehr schön ausbalanciertem Spiel. Karin Freist-Wissing achtete in ihrer Interpretation immer darauf, dass der Ausdruck nicht ins allzu Sentimentalische abgleitete.
Selbst das Doppelquartett "Denn er hat seinen Engeln befohlen" blieb unter ihrer Leitung sehr lyrisch und absolut kitschfrei. Das Publikum in der voll besetzten Kreuzkirche war begeistert.
General-Anzeiger Bonn online, 11.11.2009
Hochkarätig: Mendelssohns "Elias" in der Kreuzkirche
Karin Freist-Wissing dirigiert die Zeitreise in die Klangwelt der Romantik
Von Bernhard Hartmann
Bonn. Der großartige Erfolg beim Landes-Chorwettbewerb am vergangenen Wochenende, wo man sich mit der Höchstpunktzahl für den Bundeswettbewerb in Dortmund qualifizierte, war für den Kammerchor der Bonner Kreuzkirche, der unter dem Namen "Vox bona" auftritt, eigentlich nur ein Intermezzo.
Denn eigentlich sind die Sängerinnen und Sänger derzeit ganz und gar mit den Vorbereitungen zur Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" beschäftigt. Am kommenden Sonntag, 15. November, 19 Uhr, ist es in der Kreuzkirche soweit.
Für das Ereignis, das zugleich Höhepunkt und Abschluss des Konzertjahres "Das Glück der Mendelssohns" ist, hat Chorleiterin Karin Freist-Wissing sozusagen handverlesene musikalische Mitstreiter gewonnen. Sigrun Palmadottir, derzeit in der Bonner "Rigoletto"-Inszenierung als Gilda zu erleben, übernimmt den Sopranpart, die international erfahrene Konzert- und Oratoriensängerin Gerhild Romberger die Altpartie und Kurt Schoch ist als Tenor zu hören.
Die Titelrolle singt der in Berlin geborene Bariton Sebastian Noack, der bereits mit vielen renommierten Dirigenten wie Christoph Eschenbach oder Semyon Bychkov zusammengearbeitet hat und zuletzt häufig gemeinsam mit dem Alte-Musik-Spezialisten Philippe Herreweghe aufgetreten ist. Karin Freist-Wissing orientiert sich bei ihrer Interpretation an historischen Vorbildern: Das Ensemble "Concerto con Anima" (früher Johann Christian Bach-Akademie) begleitet auf Instrumenten aus der Zeit Mendelssohns.
Zusammen mit dem Kammerchor "Vox bona" wird so ein im Vergleich zu den meisten traditionellen, sehr groß besetzten Aufführungen des Werks ein ganz anderes Klangbild entstehen. Karin Freist-Wissing möchte dies nutzen, um manche musikalischen Feinheiten deutlicher herauszuarbeiten, als dies sonst möglich ist.
Kreuzkirche, Sonntag, 15. November, 19 Uhr: "Elias", Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy, Vox Bona, Concerto con Anima, Solisten, Karin Freist-Wissing (Ltg.),
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Generalanzeiger Bonn online, 16.06.2009
Sommerliche Konzerte in Bonn
Märchen in der Kreuzkirche,...
Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Bonn. Kreuzkirche.
Dieser Abend gehörte dem Kammerchor "Vox Bona" und der Altistin Ingeborg Danz mit ihrem exzellenten Klavierpartner Michael Gees. Im zweiten Teil des diesjährigen Sommerklang-Musikfests an der Kreuzkirche ging es um "Märchen und Fabeln" und deren musikalische Interpretation durch Komponisten vornehmlich der Romantik.
Gelesen wurde freilich auch, und zwar von Christoph Amrhein. Der "Vox Bona"-Kammerchor der Kreuzkirche stellte sich unter Leitung von Kreuzkirchenkantorin Karin Freist-Wissing erneut ein ganz hervorragendes Zeugnis aus.
An A-cappella-Chorsätzen waren Vertonung des balladesken Goetheschen "Hochzeitsliedes" durch Gustav Schreck, drei Gesänge op. 42 von Johannes Brahms, Max Regers "Es waren zwei Königskinder" sowie drei der ausgesprochen klangapart-modernen und auch witzigen "Five Ariel Songs" aus Shakespeares "Tempest" von Frank Martin zu hören.
"Vox Bona" trat zudem noch einmal mit sehr reizvollen, von Clytus Gottwald gesetzten Chor-Versionen einiger Solo-Lieder in Erscheinung: Liszts "Es muss ein Wunderbares sein", Wolfs "Der Gärtner" und Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen".
Die jeweiligen Originale dazu wurden gesungen von Ingeborg Danz, die trotz der nicht gerade idealen Akustik des Kirchenraumes all ihre reichen stimmlichen Abschattierungen einsetzte und mit betörend sanften und edlen Piani beeindruckte. Ganz zauberhaft geriet ihr der Eichendorff-Liederkreis op. 39 von Robert Schumann.
Lieder wie "Die Stille", "Mondnacht", "Auf einer Burg" oder "Zwielicht" gingen regelrecht unter die Haut. Die Sängerin und ihr Begleiter wurden denn auch in besonderem Maße gefeiert, aber auch "Vox Bona", Karin Freist-Wissing und Christoph Amrhein erhielten begeisterten Applaus für diesen stimmungsvollen Abend.
(Quelle:
Generalanzeiger Bonn online)
General-Anzeiger Bonn vom 24.03.2009, S. 15, 22.04.2009
Gartenidylle mit Sonntagsmusikern
Das dritte Familienkonzert in der Beethovenhalle war Fanny und Felix Mendelssohn gewidmet
Von Fritz Herzog
"Fanny & Felix", oder "Fenchel" und "Flix", wie sich die musikalisch hochbegabten Geschwister Franziska und Felix Mendelssohn durch ihre Spakespeare-Lektüre inspiriert in romantischer "Sommernachtstraum"-Idylle selbst nannten, war das dritte der Familienkonzerte des Betthoven Orchesters Bonn gewidmet.Seit der Amtsübernahme von Generalmusikdirektor Stefan Blunier und seines Konzertpädagogen Thmas Honickel haben sie mit der Bonner Oper eine endlich geeignete Spielstätte gefunden. Das neue Konzept, das Honickel unter dem Motto "Bobbys Klassik" zusammen mit den Musikerinnen und Musikern des Beethoven Orchesters verfolgt, scheint zu greifen.
Nicht zuletzt liegt das auch daran, dass Honickel auf Synergie-Effekte durch Chancen setzt, die gleichsam vor der Haustür liegen, bislang aber - aus welchen Gründen auch immer - unberücksichtigt blieben. Die Exponenten der prosperierenden Bonner Chorlandschaft ebenso nutzend wie die reichen Potenziale der Bonner Musikschule, hat der Konzertpädagoge Karin Freist Wissings wettbewerbsausgezeichneten Kreuzkirchen-Kammerchor "VOX BONA" ebenso mit eingebunden, wie mit Nicola Schieferdecker und Johannes Michel Klavier-Schüler der Klassen von Birgit Oprean und Dorothee Broichhausen. Ergänzend hatte Honickel sein Wuppertaler Vokalensemble mitgebracht.
In fünf, musikangereicherten Spiel-Szenen wurde die Vita der Geschwister mit besonderem Augenmerk auf Schaffen und Verdienste von Fanny, die als Frau zu damaliger Zeit nur geringe Chancen zu künstlerischer Selbstverwirklichung hatte, dramaturgisch überzeugend, eindrucksvoll markiert. Von "Kindheit" und "Jugend" im Garten des Berliner Palais mit seinen berühmten "Sonntagsmusiken", über Fannys Hochzeit mit dem Hofmaler Wilhelm Hensel und die Italienreise der beiden, bis hin zu Fannys und Felix' frühem Tod 1847: die jungen Zuhörer lauschten der fortwährenden Verbundenheit gebannt, denn die Darsteller auf der Bühne waren (fast) gleichen Alters.
Bestens aufgelegt zeigten sich alle Protagonisten. Die Mezzo-Sopranistin Charlotte Quadt steuerte, am Klavier begleitet von Thomas Honickel, einige Lied-Vertonungen von Fanny bei, Anja Barker, Stefanie Watin und Damaris Unverzagt das Engels-Terzett aus dem Oratorium "Elias" und "VOX BONA" schließlich, dynamisch wunderbar abschattiert, das Doppelquartett der Engel. Den Rahmen mit Pro- und Epilog bildeten die Konzert-Ouvertüre C-Dur von Fanny und der berühmte Hochzeitsmarsch aus "Ein Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn. Die Begeisterung der jungen Zuhörer war riesig.
Bonner Generalanzeiger, 23.12.2008
Weihnachtsoratorium für Kinder und Chorkonzerte in Bonner Kirchen
Von Matthias Nofze
Opernhaus. "Krippe mit Kuscheltieren" - so heißt nicht etwa ein aktueller Weihnachtsblockbuster. Vielmehr geriet das letzte Familienkonzert anno 2008 im Rahmen von "Bobbys Klassik" zum munteren Stelldichein von Plüschtieren. Viele der jungen Zuhörer hatten ihre Stoff-Lieblinge mit ins Opernhaus gebracht.
Dort stand das Bachsche Weihnachtsoratorium auf dem Programm: alle sechs Kantaten, vom Konzertpädagogen Thomas Honickel auf kindgerechte 90 Minuten gekürzt. Beim Chor "Jauchzet, frohlocket" waren Stall und Krippe auf der Bühne noch verwaist.
Doch schon bald durften die Kinder die Knuddeltierchen rings um die Krippe drapieren und danach Maria, Josef und das Jesuskind an ihre Plätze bringen. Die wurden fortan also von einem eindrucksvollen Streichelzoo bewacht, darunter Hunde, Schafe, eine Biene, ein Stier und - ein schwarzes Schaf.
Auch Engel wechselten vom Parkett auf die Bühne. Zwei Erzählerinnen trugen die Weihnachtsgeschichte in geraffter Form vor, an den jeweiligen Höhe- oder Wendepunkten erklangen Chöre und Arien aus dem Oratorium.
Die Alt-Arien "Bereite dich Zion" und "Schlafe, mein Liebster" waren vertreten, die Bassarie "Großer Herr und starker König", oder die berühmte "Echoarie" für Sopran, daneben viele Choräle und Chorsätze. Doch auch wichtige Rezitative wurde gegeben, so dass die Darbietung nicht zum reinen "Best of" verkam.
Steffanie Patzke, Sopran, Cordula Hörsch, Alt, und Marcus Matheis, Bass, hinterließen dabei einen hervorragenden Eindruck, ebenso das vital aufspielende Beethoven Orchester und ein biegsam und klar singender Chor (Kammerchor der Kreuzkirche und Wuppertaler Vokalensemble).
Und Honickel absolvierte mit leichter Hand den Spagat zwischen Dirigent und Moderator, machte aus Kindern Kurzzeitdirigenten und den kleinen Jan zum lebenden Hirten.
Mathias Nofze
(Quelle:
Bonner Generalanzeiger online)
Bonner Generalanzeiger, 10.12.2008
Konzerte in Bonn:
Weihnachtliches in Kreuzkirche ...
Von Fritz Herzog
Der Zufall wollte es, dass das Weihnachtskonzert zum 2. Advent "am 7. um 7" stattfand. Unter dem Motto "Licht, Leben, Freud' und Wonne" stand das Konzert von Vox Bona, dem unter Karin Freist-Wissing zu überregionalem, ja internationalem Ansehen gelangte Kammerchor der Bonner Kreuzkirche.
Fast zu seinem Markenzeichen ist Morten Lauridsens "O Magnum Mysterium" geworden, und das nicht zuletzt, weil der Chorsatz - über seinen religiösen Charakter hinaus - über die menschliche Stimme das Mysterium "Musik" auf wunderbare Weise zur Wirkung bringt.
Dem kann man sich - nicht nur zur Weihnachtszeit - kaum entziehen, zumal wenn es in solch absoluter Makellosigkeit intoniert wird. Dieser Chor verfügt über eine geradezu plastische Präsenz - egal, in welchem extremen Dynamik-Bereich er sich gerade ausdrückt: Einsätze wie Übergänge gelingen stets punktgenau, die Intonation ist ebenso perfekt wie die (auch schwedische) Artikulation.
Mit zwei Werken von Jan Sandström gelang den im Kirchenschiff verteilten Sängerinnen und Sängern ein nahezu Breitwandsound-verdächtiger Raumklang. Ein weiterer Höhepunkt: die Uraufführung der Wolfgang-Seifen-Bearbeitung von "Die Nacht ist vorgedrungen" mit ihren immer wieder zu tröstendem Dur findenden Reibungen. Stefan Horz steuerte neben anderem wunderbar atomisierte, bisweilen Messiaen verpflichtete Orgelimprovisationen bei.
(Quelle:
Generalanzeiger online
Bonner General-Anzeiger, 02.06.2008
Virtuos und klangverliebt
BONNER KONZERTE
Der Chor Vox Bona präsentiert ein "Best of", die Cellistin ...
Von Guido Krawinkel
"Best of" hatte Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche sein Programm kurzerhand genannt. Eine Untertreibung war der schlichte Titel gewiss nicht, hat sich der mehrfach preisgekrönte Chor in den Jahren seines Bestehens doch zu einem europaweit renommierten Ensemble entwickelt, das den Vergleich nicht zu scheuen braucht. Das hat auch der WDR erkannt, der den Chor für den Wettbewerb der Europäischen Rundfunkanstalten "Let the peoples sing" nominiert hat. Das Konzert in der Kreuzkirche war gewissermaßen die öffentliche Generalprobe für den Konzertmitschnitt, der für die erste Runde des Wettbewerbs eingesandt wird.
Aus diesem Anlass hatte Karin Freist-Wissing sich der Tugenden "ihres" Chores besonnen und die schönsten Stücke aus dem Repertoire zusammengestellt. Das ermöglichte die Begegnung mit einigen "Klassikern", wie etwa Robert Schumanns "Sommerlied", das nicht erst seit der CD "MondNachtTraum" zu den Erkennungsmelodien des Ensembles gehört. Auch bei anderen Werken zeigte sich die Klangkultur des Chores, etwa in Felix Mendelssohn Bartholdys Motette "Warum toben die Heiden". Auch die ausnehmend virtuose Motette "Jesus und die Krämer von Zoltán Kodály bestach durch die stets intonationssichere Auslotung dynamischer Extreme.
Nur selten geriet der Chor auch mal an Grenzen, etwa in Clytus Gottwalds Mahler-Bearbeitung "Ich bin der Welt abhanden gekommen, dessen dichtem Klangband einfach das letzte Quäntchen Selbstverständlichkeit fehlte, oder Jan Sandströms klangverliebtem Gloria, bei dem die Soli der Tenöre deutlich gegenüber denen der Soprane abfielen. Höchst eindrucksvoll war indes Moses Hogans Spiritual "Battle of Jericho". Insgesamt dürfte man bei Vox Bona guten Mutes dem Wettbewerb entgegensehen."
Bonner General-Anzeiger vom 2.6.2008, S. 17 der Papierausgabe
Bonner Generalanzeiger , 10.03.2008
Seelenqualen
Konzert "VOX BONA" zur Passionszeit
Von Mathias Nofze
Der Figur des Petrus wandte sich Orlando di Lasso am Ende seines Lebens zu, dem Petrus jedoch, der Jesus dreimal verleugnete und von Schuldgefühlen innerlich zerrissen wurde. Dessen Seelenqualen inspirierten ihn zum Zyklus "Lagrime di San Pietro", bestehend aus 21 expressiv aufgeladenen Madrigalen. Das dritte, das den Moment des Verrats nachzeichnet, hörte man im Passionskonzert, das Vox Bona", der Kammerchor der Kreuzkirche, in der Reihe "Am Siebten um sieben" gestaltete.
Dank der wunderbar geschmeidigen Gesangskultur der rund 45 Choristen erlebte man die Musik in all ihrem Nuancenreichtum und ihrer einfallsreichen Farbigkeit. Dirigentin Karin Freist-Wissing erzielte genau den richtigen Mittelweg zwischen Klagfülle und Transparenz. Auch in Motetten von Johann Christoph Bach, Johann Schein oder zwei "Sprüchen" von Leonhard Lechner konnte man bewundern, wie "Vox Bona" Renaissance-Polyphonie in atmendes Gewebe verwandelt. Über welchen Fundus an solistisch geschulten Stimmen der Chor verfügt, erlebte man in Duetten von Monteverdi oder diversen Soloensembles von Schütz und Lechner.
Stelllvertretend sei Ulrike Steiner genannt, die in Monteverdis "Piante della Madonna" eine fabelhafte Leistung bot. Nicht zu vergessen schließlich Organist Stefan Horz, der die elf Variationen der Bachschen Partita über "Sei gegrüßet, Jesu gütig'" in drei Teile ins Programm einfügte.
Bonner Generalanzeiger, 11.12.2007
Weihnachtskonzert der Deutschen Welle
Von Barbara Pikullik
"Sein Name wird daher ... allen wahren Tonkünstlern jederzeit verehrungswürdig sein und bleiben." Die Rede ist von Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749), den L.C. Mizler in einem Nekrolog mit diesen Worten bedachte. Es kam anders: Stölzel geriet in Vergessenheit und erlebte erst anlässlich seines 250. Todestages ein Art Renaissance.
Karin Feist-Wissing führte mit Vox Bona, dam Kammerchor der vollbesetzten Kreuzkirche, zwei Weihnachtskantaten dieses Komponisten auf. In ihrer intimen, unaufdringlichen Tongebung bildeten sie einen reizvollen Kontrast zur grandiosen Kantate "Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen" von Georg Philipp Telemann und dem festlich und freudig musizierten "Gloria in excelsis Deo" von J.S. Bach. Mit Christiane Rost (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Markus Schäfer (Tenor) und Thomas Laske (Baß) hatte Freist-Wissing hochkarätige Solisten gewonnen. Wieder einmal bestach der Chor mit seinem runden Klang und seiner enormen Präzision. Die Neue Düsseldorfer Hofmusik mit der Konzertmeisterin Mary Utinger begleitete auf historischen Instrumenten einfühlsam und engagiert und fügte mit Bachs 5. Brandenburgischen Konzert ein virtuoses instrumentales Intermezzo hinzu.
Bonner Generalanzeiger, 20.11.2007
Virtuos: Kammerchor der Kreuzkirche singt Bachs Messe
Bewegende Aufführung unter Leitung der Kantorin Freist-Wissing - Zusammenarbeit mit Concerto Köln
Von Bernhard Hartmann
Bonn. Nachdem der letzte Ton des "Dona nobis pacem" aus Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der Bonner Kreuzkirche verklungen war, herrschte in den vollbesetzten Reihen lange ergriffenes Schweigen.
Vorausgegangen war eine grandiose Aufführung des großen Sakralwerks, die der Kammerchor der Kreuzkirche "Vox bona" sowie das renommierte, auf authentischem Instrumentarium der Bachzeit spielende Ensemble "Concerto Köln" sowie eine fabelhafte Solistenriege unter der Leitung von Kreuzkirchenkantorin Karin Freist-Wissing vollbracht hatten. Dass hier ein hochengagierter Laienchor auf ein hochprofessionelles Orchester traf, mag Ansporn für beide Parteien gewesen sein.
Zu Bachs Zeiten wäre eine solche Aufführung schlichtweg undenkbar gewesen. Tatsächlich war dies für die kompositorische Arbeit des in die Jahre gekommenen Komponisten auch nicht immer das entscheidende Motiv. Das gilt für die h-Moll-Messe ebenso wie etwa für "Die Kunst der Fuge" oder das "Musikalische Opfer".
An seinem protestantischen Arbeitsplatz, der Thomaskirche in Leipzig, war die Aufführung des weitgehend nach römischem Messritus komponierten Werks ebensowenig möglich wie innerhalb einer katholischen Eucharistiefeier, da sich Bach einige kaum tolerierbare liturgische Freiheiten erlaubt hatte. Für den Bachforscher Christoph Wolff liegt es daher nahe, dass Bach mit dem Beitrag zu der traditionsreichsten Gattung der Kirchenmusik beispielhaft die Summe der Möglichkeiten seiner Vokalkunst demonstrieren wollte. Die Anforderungen an den Chor sind entsprechend hoch.
Der Eingangschor ("Kyrie eleison") erklang spannungsvoll getragen, wobei Karin Freist-Wissing Chor und Orchester mit allergrößter Genauigkeit zusammenführte. Die Dirigentin legte viel Wert auf scharfe Kontraste in Tempo und Dynamik, wo Bach sie einfordert. Beispielhaft hierfür im "Gloria" der Übergang vom verhaltenen "Crucifixus" zum extrovertierten Jubel des "Et resurrexit". An solchen Stellen verlieh sie der barocken Rhetorik eine mitreißende Plastizität. Ergreifend schön, intonationssicher und von großer Expressivität gestaltete man zuvor den "Et incarnatus"-Chorsatz.
Die Besetzung, mit welcher der Kammerchor in der Kreuzkirche angetreten war, war sicher etwas größer als der "Normalchor", den Bach in der Thomaskirche zur Verfügung hatte. Die Orchesterstärke dürfte für Bach hingegen eine vertraute Größe gewesen sein. Die Verpflichtung von Concerto Köln war unter dem Gesichtspunkt historisch authentischer Aufführungspraxis natürlich ein besonderer Glücksfall.
Das Ensemble spielte präzise, ohne unterkühlt zu wirken. Das zeigten auch die vielen Einzelleistungen: Das Geigensolo des Konzertmeisters Florian Deuter in der "Laudamus te"-Arie ebenso wie Alayne Leslies Oboen-Solo ("Qui sedes ad dextram Patris"). Das auf einem ventillosen Originalinstrument schwer ausführbare Horn-Solo in der Bass-Aria "Quoniam tu solus sanctus" bewältigte Andrew Hale auf bemerkenswerte Weise. Und die Trompeten verbreiteten festlichen Glanz.
Das Gesangsquartett war an diesem Abend ebenfalls handverlesen: Gabriele Hierdeis klare Sopranstimme, Ingeborg Danz` warmer, runder Alt, der mit einer schönen, nie orgelnden Tiefe aufwartet, die helle Tenorstimme von Lothar Odinius und der balsamische Bass von Dominik Wörner verliehen den Arien und Duetten Schönheit und Würde.
(Quelle:
Bonner Generalanzeiger)
Bonner Generalanzeiger, 16.05.2007
Sommerklang: Musikfest an der Kreuzkirche
Von Thomas Kirchhof
"Friede wird sein" - mit diesem Konzertprojekt startete "Sommerklang", das neue Musikfest an der Bonner Kreuzkirche. Es bündelt Chormusik, Bilder, Geschichten und Diskussion. Zur Ausstellung "Gewaltkonflikte - Krisenprävention - Friedenskonsolidierung" hielt Thomas Held, der Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Friedensforschung, den Eröffnungsvortrag. Der Kammerchor der Kreuzkirche, Vox Bona, bot unter der präzisen Leitung von Karin Freist-Wissing ein spannendes A-cappella Programm von Schütz bis Milhaud.
Schönbergs Spiel mit den Dissonanzen in seinem Chorwerk "Friede auf Erden" op. 13 von 1907 wurden die Sänger gut gerecht. Auf Schütz "Verleih uns Frieden" und Kiel "Die mit Tränen säen" folgte die erste von drei "Friedensgeschichten", die der Journalist Heiner Wember zu Bildern erzählte. Die Fotografien entstanden im Rahmen der Expeditionen von "Peace Counts" - seit 2002 sind Fotografen und Journalisten in über 25 Konfliktregionen gereist, um über die "Faszination Frieden" zu berichten. Heinrich von Herzogenbergs ruhiger Choral "Ich hab dich einen Augenblick" geriet ebenso eindringlich wie Kodalys turbulentere Schilderung der Tempelreinigung "Jesus a kufarok".
Orbans Vertonung von Psalm 50, "Cor mundum", sang der Chor leidenschaftlich; das galt auch für das von Moses Hogan mitreißend arrangierte Spiritual "Joshua fit the battle of Jerico". Nach Mauersbergers "Wie liegt die Stadt so wüst" machte die musikalische Reise Station in Frankreich mit Milhauds "Cantate de la Guerre" sowie in Großbritannien mit Brittens Appell "Advance Democracy". Die klangliche Innigkeit von Mendelssohns Motette "Denn er hat seinen Engeln befohlen" ließ das Konzert hoffnungsvoll ausklingen.
Bonner Generalanzeiger, 11.12.2006
Weihnachten mit der Deutschen Welle
Von Robert Kirchhoff
Kreuzkirche. Das bereits zur Tradition gewordene Weihnachtskonzert der Deutschen Welle begeisterte in diesem Jahr unter dem Motto "Willkommen, Erlöser der Erden" in der Kreuzkirche mit Werken der Familie Bach, Jacobi und Du Grain. Die Leitung lag bei Karin Freist Wissing, die ihren Kammerchor "Vox Bona" ausgezeichnet vorbereitet hatte, in bewährt guten Händen.
So wurde die Kantate "Meine Seele erhebt den Herrn" von Johann Ernst Bach zum Erlebnis. Den weichen Gesamtklang vervollständigte dabei vorzüglich das auf Barockmusik und historische Aufführungspraxis spezialisierte Kammer-Orchester "Neue Düsseldorfer Hofmusik". Auch die vier Solisten Christiane Rost (Sopran), Elisabeth Popien (Alt), Knut Schoch (Tenor) und Thomas Laske (Bass) machten ihre Sache hervorragend.
Traversflötist Michael Schmidt-Casdorff überzeugte in Bachs Suite für Flöte, Streicher und Basso continuo Nr. 2; der zarte Flötenton verschmolz mal mit dem Orchester verschmolz oder hob sich, wie in der berühmten "Battinerie", luftig leicht hervor. In Christian August Jacobis Kantate "Der Himmel steht uns wieder offen" sorgten Trompeteneinsätze für einen feierlichen Charakter im Kontrast zu liedhafteren Passagen. Die Kantate "Willkommen, Erlöser der Erden" von Johann Jeremias Du Grain war ein glanzvoller Abschluss.
(Quelle:
Generalanzeiger online vom 11.12.2006)
Bonner Generalanzeiger, 24.10.2006
Mozart und Schumann
Vox bona zeigen in der Bonner Kreuzkirche ihre Klasse
Von Gunild Lohmann
Bonn. Angeregt durch den Musikliebhaber Gottfried van Swieten, setzte sich Mozart ab 1782 intensiv mit der Musik Bachs und Händels auseinander.
Seine neu gefundene Meinung über Kirchenmusik formulierte er 1783 in einem Brief an den Vater: "Baron van suiten, und Starzer, wissen so gut als sie und ich, daß sich der Gusto immer ändert - und aber - daß sich die Veränderung des gusto so gar bis auf die kirchenMusik erstreckt hat; welches aber nicht seyn sollte - woher es dann auch kömmt, daß man die wahre kirchenMusic - unter dem dache - und fast von würmern gefressen - findet."
Mozarts Rettungsversuche mündeten in das großartige Fragment der c-Moll-Messe, das der Chor Vox bona unter der Leitung von Karin Freist-Wissing in der Kreuzkirche aufführte.
Das zu Beginn gespielte Sinfonie-Fragment op. 52 von Robert Schumann war weniger Einstimmung als Kontrastprogramm: Das Sinfonieorchester der Kreuzkirche beschwört in der Ouvertüre den ritterlichen Geist der Romantik herauf; das mitreißend jubelnde Finale ist nach dem vom stolpernden Grundrhythmus bestimmten Scherzo ein wahrer Befreiungsschlag.
Mit der c-Moll-Messe demonstrieren Orchester und Vox bona einmal mehr ihre Klasse. Der in den Unterstimmen hervorragend besetzte Chor - der Sopran wirkt manchmal etwas blass und könnte eine Extradosis Strahlen vertragen - intoniert und deklamiert tadellos, gestaltet die bildhafte Dramatisierung des liturgischen Textes, etwa im Qui tollis, mit hohem Engagement. Da ist kein Crescendo, kein Konsonant, den Karin Freist-Wissing dem Zufall überlassen würde.
Die diffizile Doppelfuge "Cum sancto spirito" wird nicht einfach atemlos durchgehechelt, sondern in allen Stimmen und an allen Pulten musiziert, zelebriert - und wenn die Tenöre im Übereifer zuweilen etwas drücken, stört das kaum. Schließlich ist auch der strahlende Solo-Tenor Jörg Nitschke im Benedictus hin und wieder zu laut.
Im Domine Deus gelingt den beiden Sopranistinnen Christiane Rost und Christiana Jordan ein wundervoll geschmeidiges und kontrastreiches Duett. Aber so richtig es ist, die Sopran-Soli mit einer hellen und einer dunkler timbrierten Stimme zu besetzen, das Laudamus te hätte die Dirigentin Rost überlassen sollen.
Die freudig funkelnden Koloraturen verlangen nach ihrem offenen, schlanken und in der Höhe leuchtenden Sopran, so wie er im ätherischen Et incarnatus est zu hören ist. Christiana Jordan ist zwar auch eine exzellente Sängerin, aber für das Laudamus te nicht die richtige.
Quelle:
Bonner Generalanzeiger online vom 23.10.2006
Köln-Bonner Musikkalender September 2006, 01.09.2006
Vokal-Festival "CantaBonn" zum zweiten Mal erfolgreich
... [Dieser Abend ... wartete noch mit weiteren Überraschungen auf, ... wobei die Gratwanderung entlang der gefährlichen Grenze zur Trivialisierung eines der kostbarsten Stücke klassischer Provenienz erstaunlich gut gelang gemäß dem Motto des gesamten Festivals "Spiegelungen".]
So auch beim Gemeinschaftskonzert von VOX BONA, dem Kammerchor der Kreuzkirche sowie dem Jazzchor der Kreuzkirche, der zeigte, dass auch in Chorsätzen aus Bachs Johannes-Passion rhythmnische Kräfte verborgen sind, die durch ein jazziges Arrangement an Intensität gewinnen können. Dieser Abend in der Kreuzkirche, der die Qualitäten beider Formationen in vorteilhaftestem Licht zeigte, gipfelte in einer opulenten Jazz-Version von Händels-"Halleluja" aus dem Messias-Oratorium. Nicht zuletzt waren es besondere Angebote an die jungen und jüngsten Zuhörer, die diese weitgehend des Singens entwöhnte Generation wieder mit dessen Wert und Schönheit konfrontieren sollte, ...
...
Bleibende Eindrücke hinterließ zweifellos auch eine "Nacht der Poesie" in der Kreuzkirche, wo man die Altistin Ingeborg Danz mit exzellenten Interpretationen romantischer Lieder erlebte ...
Bonner Generalanzeiger, 13.06.2006
Lange Chornacht zum Cantabonn-Abschluss
Von Guido Krawinkel
Das
erste Cantabonn-Festival war keine Eintagsfliege. Drei Jahre nach der erfolgreichen ersten Auflage ging die zweite wieder mit einer großen Chornacht in der Universität zu Ende. Gut sechs Stunden Programm verteilt auf Aula, Schlosskirche und Festsaal gab es zu hören. Zwischen zwei Highlights zu Beginnn und Schluss der Chornacht gab es etliche Kurzkonzerte, die zum Wechseln zwischen den verschiedenen Veranstaltungssälen einluden.
...
Die Kurzkonzerte wurden vornehmlich von Bonner Chören bestritten, lediglich der Tartu Youthchoir war als Gast mit dabei und punktete mit einem interessanen Repertoire mit Komponisten seines Heimatlandes und ausgesprochen exzellenten chorischen Leistungen. Für weitere Höhepunkte sorgten Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, mit von Tono Wissing vertonten Texten Hanns Dieter Hüschs oder der Bonner Jazzchor unter Tono Wissings Leitung ...
... Zu wünschen wäre es Cantabonn, dass das Festival auch im öffentlichen Leben noch präsenter wäre.
Bonner Generalanzeiger, 06.06.2006
Bonner Konzerte am Wochenende
Bei Cantabonn trifft Bach den Jazz in der Kreuzkirche
Von Mathias Nofze
Kreuzkirche. "Bach meets Jazz" - da würde man vieles erwarten, Menuette in "Swingle-Singers"-Manier etwa, kaum jedoch den Chorsatz "Lasset uns den nicht zerteilen" aus des Meisters "Johannes-Passion". Der erklang beim Programm "Bach meets Jazz" in der Kreuzkirche allerdings in einer Fassung, in der sich afrikanische Vitalität und barocke Strenge die Hand reichten.
Dem Bachschen Chorsatz wurde rhythmisch packende, percussiv grundierte Chormusik gegenüber gestellt. "Vox Bona", der Kammerchor der Kreuzkirche, sang unter Karin Freist-Wissing seinen Bach fabelhaft klar, ebenso mitreißend präsentierten der Bonner Jazzchor unter Tono Wissing und diverse Instrumentalisten die Klangwelt des schwarzen Kontinents.
Es war einer von vielen Höhepunkten, die das Publikum in der zum Bersten gefüllten Kreuzkirche erlebte. Passend zum Thema "Spiegelungen" des "Cantabonn"-Festivals enthielt das Programm weitere Dialoge zwischen Originalen aus Barock und Renaissance und jazzigen Neu-Interpretationen. So wurden auch die Chorsätze "He shall purify" und "For unto us a child is born" von Händel in die rhythmisch pointierte Welt des Jazz transportiert.
Neben den beiden glänzend aufgelegten Chören waren noch die Bigband der Universität unter Leitung von Oliver Pospiech sowie das Orchester der Kreuzkirche mit von der Partie. Subtil und raffiniert fielen Frazer Gartshores Jazz-Interpretationen von drei englischen Madrigalen der Renaissance aus.
In den originalen a-cappella-Versionen bezauberte "Vox Bona" mit quicklebendiger Artikulation, konsequent textorientierter Gestaltung und ergreifend schönen Linien (in "Weep o mine eyes"). Und welch erregende Vitalität der Bonner Jazzchor an den Tag legen kann, bewies er unter anderem in einem Kabinettstückchen namens "Sabsylma". Zum Schluss des Abends schließlich riss eine opulente Jazz-Version des Händelschen "Hallelujah" die Zuhörer von den Sitzen.
(Quelle:
Bonner Generalanzeiger online)
Generalanzeiger Bonn, 12.12.2005
Weihnachtszeit ist Chorzeit
In der Kreuzkirche singt der Kammerchor
Von Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Zum dritten Mal schon veranstaltete die Deutsche Welle ihr traditionelles Weihnachtskonzert in Bonn, und die Kreuzkirche am Kaiserplatz, sehr gut besucht, war der Veranstaltungsort. Vox Bona, der preisgekrönte Kammerchor der Kreuzkirche, und die Johann Christian Bach-Akadamie Köln mit ihrer Konzertmeisterin Ingeborg Scheerer richteten zusammen mit einer Gruppe hörenswerter Solisten das festliche Konzert aus, dessen gewohnt engagierte Leitung bei Kreuzkirchen-Kantorin Karin Freist-Wissing lag.
Das Programm dieses Abends bestand zur Gänze aus Werken der Familie Bach. Zwei Mal erklangen dabei Vertonungen des "Magnificat", zunächst das sehr knapp gefasste in C-Dur des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian und zum großen und großartigen Beschluss des Abends das D-Dur-"Magnificat" des Johann Sebastian.
Dazwischen hörte man eine Orchester-Suite e-Moll des Bach-Vetters Johann Bernhard Bach (1676-1749). Die Johann Christian Bach-Akademie realisierte sie sehr fein und geschmeidig auf ihrem historischen Instrumentarium. Unter dem sorgsamen Dirigat Freist-Wissings war Vox Bona wieder ein ganz vorzüglicher Chor-Sachwalter, sicher, präzise und ausdrucksstark. Auch die Gesangssolisten überzeugten durch stimmschöne, klar konturierte Interpretationen: Bettina Pahn, Anja Barker, Elisabeth Popien, Bernhard Gärter und Thilo Dahlmann.
Bonner Generalanzeiger, 09.11.2005
Zwei Chöre auf dem Weg zur Spitze
Der Kammerchor an der Kreuzkirche und der Bonner Jazzchor präsentierten in der Kreuzkirche ihr Wettbewerbsprogramm für den Landeschorwettbewerb
Von Mathias Nofze
Bonn. Die Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen - doch "Vox Bona", der Kammerchor an der Kreuzkirche, und der Bonner Jazzchor können mit großer Zuversicht zum Landeschorwettbewerb fahren, der am kommenden Wochenende in Siegen stattfindet. In Bonn jedenfalls gehören die beiden Ensembles mit zum Besten, was die hiesige Chorszene zu bieten hat.
Das unterstrich ein Konzert in der Kreuzkirche, in dem beide Chöre ihr Wettbewerbsprogramm präsentierten. Mit einem fabelhaft homogenen Klangbild, einem gleichermaßen disziplinierten wie entspannten Singen, einer sicheren Intonation, glänzend ausgefeilten Interpretationen hinterließen beide Ensembles einen ausgezeichneten Eindruck.
In Fanny Hensels "O Herbst" betörte "Vox Bona" mit weitgespannten Bögen und atmenden Phrasierungen, mit geschliffenen Koloraturen in Bachs "Lobet den Herrn, alle Heiden", mit samtig abgefedertem Klang in Brahms' "Bei nächtlicher Weil" und mit suggestiver Kraftentfaltung in György Orb ns "Cor mundum". Karin Freist-Wissing gebührt das Verdienst, den Chor stets wie einen lebendigen Organismus klingen zu lassen. Nur ganz selten waren Ausrutscher wie nicht ganz schlackenfreie Vokale zu vernehmen.
Mit hinreißender Leichtigkeit präsentierten anschließend Tono Wissing und sein Ensemble raffinierte Jazz-Arrangements. Der Chor sang sehr wendig, mal swingend, mal schmelzend. Ein fantastisch vibrierendes Klangbild mit witzigen Effekten aus der Abteilung Vokaldrums hörte man in "A Cappella in Acapulco", butterweiche, cremige Harmonien bezauberten in "Still crazy" oder "I'll be seeing you", und zu einer Bigband ohne Instrumente wandelte sich der Chor im mitreißend dargebotenen "Sabsylma". Fazit: Die Qualifikation für den 7. Deutschen Chorwettbewerb 2006 in Kiel winkt.
(09.11.2005)(Quelle:
Bonner Generalanzeiger)
Bonner Generalanzeiger, 18.06.2005
Großer Erfolg für die lange Mendelssohn-Nacht
Konzert in der Kreuzkirche
Von Von Bernhard Klaaßen, Katrin Gerber und Fritz Herzog
Bonn. Ein Konzerterlebnis ganz besonderer Art bot die "Große Mendelssohn-Nacht", die aus Anlass des 150. Geburtstags von Arnold Mendelssohn in der Kreuzkirche veranstaltet wurde. Karin Freist-Wissing hatte sich die Mühe gemacht, das Kirchenarchiv zu durchforsten und die zahlreichen Originalhandschriften des ehemaligen Kreuzkirchenkantors - eines Neffen 2. Grades von Felix Mendelssohn Bartholdy - für eine Aufführung aufzubereiten.
Sie hatte auch die Gesamtleitung des eindrucksvollen Events von fast acht Stunden Dauer, bestehend aus Kompositionen der Familie Mendelssohn mit mehreren Uraufführungen unter Beteiligung sämtlicher Ensembles der Kreuzkirche und ausgewählter Gastsolisten, dazu Lesungen aus historischen Briefen und einer begleitenden Ausstellung.
Es herrschte eine angenehm gelockerte, fast festivalartige Atmosphäre: Man konnte sich frei bewegen und zu den einzelnen Programmteilen immer wieder neu platzieren. Erfreulich auch die Möglichkeit, sich zwischendurch im Vorraum mit einem Imbiss zu stärken. Insgesamt wurden 15 größere Werke unterschiedlichster Besetzung (mit insgesamt vier Gesangs- und sechs Instrumentalsolisten, einem Streichquartett, zwei Chören sowie einem Sinfonieorchester) aufgeführt.
Die Kompositionen von Arnold Mendelssohn sind stilistisch deutlich an historischen Vorbildern orientiert, so werden in seiner Kirchenmusik barocke Elemente hörbar, ohne direkt historisierend zu sein. Am musikalisch eigenständigsten wirkte sein Liedzyklus "Lieder einer Frau" von 1922, der von einer für sein Spätwerk typischen Chromatik geprägt ist. Gerhild Romberger, eine der herausragenden Interpretinnen des Abends, arbeitete die herbe Schönheit dieser Lieder mit ihrem warmen, weich-fülligen Mezzospran eindrucksvoll heraus.
Besonders am Herzen lag Freist-Wissing die Erstaufführung der 2. Sinfonie Arnold Mendelssohns. Furtwänglers Urteil über die kurze Zeit später entstandene 3. Sinfonie, dass sie nämlich für eine Sinfonie der aufkommenden Moderne zu sehr an vergangenen Werten festhalte, mag sicher auch für die zweite gültig sein. Hervorzuheben sind aber der Reichtum an musikalischen Ideen und vor allem die Weise, die Blechbläser zu besonderer Geltung zu bringen, engagiert umgesetzt durch das für ein Kirchenorchester auf erstaunlichem Niveau musizierende "Orchester der Kreuzkirche".
Ein weiteres Highlight des Abends war die Darbietung je eines Streichquartetts von Fanny Hensel und Arnold Mendelssohn durch das großartig musizierende Rubin-Quartett mit seiner klangzauberischen Tongebung und Beweglichkeit in den teilweise rasant schnellen Sätzen. Erwähnt werden muss auch der berührende A-capella-Vortrag des Ensembles Vox Bona, vor allem in den teils harmonisch überraschenden Kompositionen von Fanny Hensel. Das Publikum dieser Nacht ging begeistert mit und brachte seine Zustimmung ungehemmt mit Händen und Füßen zum Ausdruck.
Generalanzeiger Bonn, 08.03.2005
"Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine"
Von Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht und Mathias Nofze
Bonn. Die zweite Aufführung in Bonn der Johannespassion in der diesjährigen Passionszeit fand in der Kreuzkirche am Kaiserplatz statt und war rundum von beeindruckender Qualität und starker Aussagekraft.
Kantorin Karin Freist-Wissing, hoch engagiert und fordernd wie stets, konnte sich dabei voll und ganz auf den bekanntermaßen vorzüglichen Kammerchor der Kreuzkirche "Vox bona" und auf die renommierte Johann Christian Bach-Akademie mit ihrer historisch stilgerechten Spiel-, Klang- und Artikulationsweise verlassen. Beide Ensembles wurden allen Stimmungen und Charakteristika der einzelnen Stationen der Passion mit scharfer Prägnanz gerecht.
So kamen die ausladenden Rahmenchöre, das großartige "Herr, unser Herrscher" und das wunderbare "Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine" eindringlich heraus. Auch die Solisten-Riege der Aufführung hatte hohes stimmliches und interpretatorisches Niveau.
Marcus Ullmann war ein ausdrucksreicher Evangelist und Arien-Sänger, Eric Sohn ein hoheitsbewusster Christus und Thomas Laske ein nachdenklicher Pilatus und kraftvoll-klarer Arien-Gestalter. Große Stimmschönheit ist auch dem lichten Sopran von Christiane Rost und dem edlen Alt von Ingeborg Danz zu bescheinigen.
Badische Zeitung vom Montag, 14. Juni 2004, 14.06.2004
Wunderbar dynamische Abstufungen
"Vox Bona" begeistert
Von Robert Ullmann
OFFENBURG. Großer Beifall und Bravo-Rufe für ein packendes, begeisterndes Kirchenkonzert: "Vox Bona", der Kammerchor der Kreuzkirche Bonn, geleitet von der Offenburgerin Karin Freist-Wissing, gastierte am Freitagabend in der gut gefüllten Evangelischen Stadtkirche Offenburg mit einem Programm, das von Bach bis zur jüngsten Musik reichte.
Herzstück und Schlusspunkt des Konzerts war ein "Credo" des 1924 geborenen Norwegers Egil Hovland, 1991 komponiert. Das Werk ist sehr dicht und bewegend, am Anfang steht ein kraftvolles, selbstbewusstes einstimmiges "Credo in unum Deum", Hovland durchschreitet weite Tonräume, wir hören whispernde Frauenstimmen in den höchsten Lagen wie erschütterte und doch in die Zuversicht sich wendende Bässe (". . .begraben und am dritten Tage auferstanden. . .").
Wagnerische Dreiklänge münden in romantische Sphären, Sekundenreibungen künden vom Gericht über Lebende und Tote, barocke Mehrstimmigkeit verbindet sich mit Atonalität - und doch wirkt das Werk ganz vollkommen organisch.
Durch wunderbare dynamische Abstufungen - welche Vox bona bis zur höchsten Perfektion beherrscht - und besondere Kompositionstechniken (die Fuge bei der "einen heiligen katholischen Kirche") hebt Hovland bestimmte Textstellen hervor. "Vox Bona" erweist sich als geschmeidiger, vollkommen intonationssicherer Chor mit einer großen Ausdruckskraft, die den Zuhörer geradezu anspringt. So in der achtstimmige Mottete "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir. . ." (zugleich der Titel des Programms) aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, voller Zuversicht. Dramatik dagegen bei "Warum toben die Heiden" vom selben Komponisten: Mächtig tobt es da im Chor bei "Dienet dem Herrn mit Furch und freut euch mit Zittern", ganz der alttestamentarische Herr-Gott mit eisernem Zepter entsteht hier.
Spannend drei Psalmvertonungen von Darius Milhaud (1892 - 1974): mit ihrem stetem Wechsel von einstimmiger Gregorianik und mehrstimmige, sehr melodische Miniaturen, in denen Milhaud gern Jazzharmonien einsetzt und manche der lateinischen Silbenfolgen wie im Scat-Gesang rhythmisiert. Seine Geschlossenheit erhält das Werk durch eine starke lyrische Grundstimmung. Etwas zu sehr auf meditative Wirkung à la "Koyannisquatsi" angelegt: "Drei gregorianische Fragmente" des 1952 geborenen Henning Sommerro. Viel Schwellen und Verebben.
Karin Freist-Wissing hat in Offenburg Abitur gemacht, danach Kirchenmusik studiert, seit 1990 leitet sie "Vox Bona". Unbedingt zu loben Stefan Horz an der Orgel für eine strenge und doch bewegte Toccata in C (BWV 564) jenseits von gefälligem Orgelbrausen.
Köln-Bonner Musikkalender, Nr. 184, Januar 2004, (Ausschnitt, S. 25), 30.12.2003
Erstes Bonner Chorfestival wurde ein voller Erfolg
Von Gunter Duvenbeck
...
Die große Kompetenz, die Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, auf dem Sektor historischer Wiedergabe besitzt, zeigte sich in einer mustergültigen Darstellung des "Messias"-Oratoriums von Händel in der Kreuzkirche, die unter der Mitwirkung der Kölner Johann Christian Bach Akademie und dem Dirigat von Karin Freist-Wissing zugleich das wohl repräsentativste Ereignis dieses Festivals markierte, das zugleich einen Qualitätsmaßstab setzte, an dem sich andere Aufführungen (wohlgemerkt: mit Amateur-Choristen) messen lassen müssen; auch das Solisten-Quartett entsprach allen Erwartungen ...
General-Anzeiger Bonn, 23.11.2003
Das soll's nicht nur einmal geben
Eine lange Chornacht in der Bonner Universität zum Abschluss von Cantabonn
Von Guido Krawinkel
Bonn. Mit einer langen Chornacht in der Universität ging Cantabonn, das erste Internationale Vokalfestival, in Bonn zu Ende. Anderthalb Jahre hatte eine Arbeitsgemeinschaft Bonner Chorleiter auf dieses Ereignis hingearbeitet, das zwei Wochen lang mit Konzerten und Workshops Vokalmusik vom Feinsten bot und dank eines Netzwerks von Sponsoren und organisatorischen Partnern von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.
Davon zeugte auch der große Besucherandrang bei der langen Nacht, die netto über fünf Stunden Musik von zehn verschiedenen Ensembles in drei Sälen des Hauptgebäudes der Bonner Universität bot. Der gut durchdachte Konzertplan war so angelegt, dass die Ensembles ihre Programme mehrmals sangen, so dass man bei geschickter Planung alles einmal hören konnte.
Mit den Wise Guys und den Vivid Voices waren die Highlights des Abends am Anfang und am Ende platziert. Die herzensbrechenden "Besserwisser" aus Köln waren stimmlich alles andere als in Bestform, boten aber mit ihren flotten Songs und Ohrwürmern immerhin eine kurzweilige Stunde Unterhaltung.
Mit den Vivid Voices stand ein beim Deutschen Chorwettbewerb ausgezeichneter Chor am Ende des Abends, der unter der Leitung von Anne Kohler Jazz, Pop und Gospel mit viel Groove und stimmlicher Brillanz bot. Anne Kohler brachte auch das Kunststück fertig, mit dem Publikum in der vollbesetzten Aula ein offenes Singen zu veranstalten - Jazz für alle, mit einfachsten aber durchaus wirkungsvollen Mitteln.
Das in drei Blöcken gestaffelte Konzertprogramm war auf die Aula, den Festsaal und die Schlosskirche verteilt, zwischen denen die Besucher hin- und herpendeln konnten.
Ein Großteil des Programms wurde naturgemäß von den Bonner Chören bestritten: Vox bona (Karin Freist-Wissing) mit Volksliedern aus verschiedenen Epochen, der Schedrik-Chor (Pavel Brochin) mit bunten Zugabestücken, der Bonner Kammerchor (Peter Henn) und Bonn Sonata (Markus Karas) mit je gleich zwei verschiedenen Programmen und der Chor des Collegium Musicum (Walter Mik) mit einem gemischten Programm.
Der internationale Akzent der Chornacht kam Osteuropa. Vom Kammerchor "Cantus Juventae" (Halina Tsmyh) aus Minsk und dem Chor des Akademischen Kollegs am Moskauer Tschaikowskij-Konservatorium (Leonid Pavlov) wurde russische Chormusik auf höchstem Niveau geboten.
Am Ende des langen Abends und des Festivals blieb ein ausgesprochenen positives Fazit: "Das gibt's nur einmal" sang die Auerberger Kantorei (Thomas Neuhoff) in ihrem Programm mit Liedern der 20er Jahre, doch es bleibt zu hoffen, dass das nicht so sein wird und Cantabonn - wie die Bezeichnung als erstes Internationales Vokalfestival andeutet - keine Eintagsfliege bleiben wird.
Bonner Rundschau, 22.11.2003
Händels großer Wurf
"Messias" in der Kreuzkirche
Beethoven hat den "Messias" mit einigen gewichtigen Worten hochlobend kommentiert, Mozart hat ihn 1789 kräftig bearbeitet, und selbst Händel passte sein Werk den verschiedenen Aufführungssituationen immer wieder neu an. Ein richtiges Oratorium ist es nicht, dafür fehlen die szenische Komponente und die Charaktere. Ein rein geistliches Werk auch nicht, dafür sind zuviele der Bibeltexte eher kunstvoll-poetisch in Töne gekleidet.
Trotzdem ist dieses um Advent/Weihnachten, die Leidensgeschichte Christi sowie die heilsgewisse Zukunft der Christenheit "behandelnde" Großwerk an Lebendigkeit, Vielfalt und geistlicher Innigkeit schwer zu überbieten. Das Ensemble "Vox Bona" hat Händels Messias in englischer Sprache in der Kreuzkirche aufgeführt, unterstützt von der Johann-Christian-Bach-Akademie Köln. Geleitet wurde die Aufführung von Karin Freist-Wissing, es sangen Stephanie Stiller (Sopran), Yosemeh Adjej (Altus), Marcus Ullmann (Tenor) und Franz Gerihsen (Bass).
Entstanden ist dabei eine für die Dimensiionen des Werkes beachtlich gute und klanglich sehr überzeugende Aufführung. Der opulent singende, gleichwohl straff geführte Chor bewies seine Qualitäten nicht nur in den großen Partien, sondern auch bei musikalisch komplexeren Passagen wie der Nr. 22 "All we like sheep". Und wurde dabei bestens von einem klanglich aparten Ensemble begleitet. Zumindest drei der Solisten rundeten den positiven Eindruck ab. Denn Stephanie Stiller bewies nicht immer Gespür für die Gestimmtheiten und gestalterischen Anforderungen ihrer Partie.
Dafür überzeugte Marcus Ullmann mit klarer Diktion und schön geführten Linien. Franz Gerihsen brillierte regelrecht in hochvirtuosen Partien wie der Nr. 39 "Why do the nations". Und der Counter-Tenor Yosemeh Adjej überraschte mit feinen, innigst gestalteten Lamenti wie der Nr. 20 "Thou are despised".
General-Anzeiger Bonn, 17.11.2003
Ein Klassiker mit ganz neuen Facetten
Händels "Messias" in der Bonner Kreuzkirche
Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Bonn. Die Konzerte der Bonner Chöre im Rahmen der "Cantabonn"-Veranstaltungen können sich nun wirklich hören lassen! Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieses hohen Niveaus war in der Kreuzkirche am Kaiserplatz zu erleben, wo Händels "Messias" zur Aufführung gelangte.
Zwar herrscht an Darbietungen dieses einzigartigen Werkes gerade in Bonn ja kein Mangel, doch war die jetzige unter Karin Freist-Wissing mit dem Kammerchor "Vox bona" und der Johann-Christian-Bach-Akademie Köln sowie einer beeindruckenden Solisten-Crew eine Besonderheit.
Denn zum einen wurde hier die englische Originalfassung präsentiert, zum anderen agierten Ensembles, die nach Art der "historischen Aufführungspraxis" so zu musizieren bestrebt waren, wie es zu Zeiten Händels geklungen haben könnte. Also weg von den opulenten "romantischen" Riesenbesetzungen und hin zu Kammerchor und Kammerorchester, wozu natürlich ganz wesentlich ein Instrumentarium alter Bauweise mit seinen Klang-Eigenschaften gehört.
Und so bewirkten das barocke Englisch in all den vertrauten Chorsätzen, Rezitativen und Arien und vor allem eben auch der Klang- und Spielgestus des Orchesters, dass man an diesem Abend so manches wieder wie neu hörte und erlebte.
"Vox bona" stellte sich dabei einmal mehr ein vorzügliches Zeugnis aus in Bezug auf Sicherheit, dynamische Abschattierung und lebendigen Ausdruck. Kraftvoll und sehr präzise gelungen etwa das berühmte "Halleluja". Die besondere Klarheit und Differenziertheit, aber auch Leuchtkraft der Johann-Christian-Bach-Akademie kann gleichfalls nicht genug gelobt werden.
Bei Karin Freist-Wissing war das alles in ebenso stilkundig-genauen wie hoch engagierten Händen. Was sich sehr deutlich auch der ausgesprochen stimmschönen Solisten-Gruppe mitteilte: Stefanie Stiller mit subtil, oft fast instrumental geführtem Sopran, Yosemek Adjei mit edlem Altus, Marcus Ullmann mit hellkräftigem Tenor und Franz Gerihsen mit profund-sonorem Bass.
Allen vier Solisten gemeinsam war dann ein imponierendes Stil-Empfinden, das sich sowohl in der Tongebung als solcher wie in der reichen Auszierung niederschlug.
Alle drei Teile des Werkes (das außer den Nummern 34 und 35 im II. Teil und einer verkürzten Nr. 44 im III. Teil ungekürzt aufgeführt wurde, nach der Hallischen Händel-Ausgabe) waren so überzeugend realisiert, dass es unmöglich ist, einzelne Arien oder Chorsätze besonders herauszustellen. Der Beifall am Ende nahm nahezu ovationalen Charakter an.
Bonner Rundschau, 05.05.2003
Punktlandung des Chors
Exzellentes Konzert des "Vox bona"-Ensembles
Von Niels Rühe
Bonn. Es ist schon eine besondere Lust, diesem Chor zuzuhören: Ein klarer Klang, stets wohl kultiviert, in jeder Stimme geführt, ausgezeichnet intoniert, ohne Rauheiten; selbst die schwierigen, instrumental erfundenen Melismen Bachs in seiner Motette „Jesu, meine Freude“ fließen praktisch unangestrengt, locker-leicht daher, wandern nahtlos, homogen durch die Stimmen: Eben eine Freude, diese Motette zu Beginn des Konzerts vom Kammerchor „Vox bona“ in der Kreuzkirche.
Nahtlos übertragen wurden diese Qualitäten auf die drei gregorianischen Fragmente des zeitgenössischen Komponisten Henning Sommerro, dessen aparte Klänge bis hin zu Clusterbildungen zart erblühten; bei mystischer, getragener Grundstimmung stieg der Sopran schwerelos in ekstatische Höhen, grundierte der Bass mit dunkelsten Tiefen. Mit Francis Poulencs „Exultate Deo“ endete der geistliche Teil des Abends mit wuchtigem Jubel.
Passend zum Mai standen im zweiten Teil unterschiedlichste Volksliedsätze von Brahms bis Kodály auf dem Programm: Hier exzellierte der Chor vor allem durch seine deklamatorische Präzision. Selten hört man so deutlich und doch natürlich gesprochene Texte; der Traum jeden Chorleiters, nämlich einheitlich abgesprochene Schluss-‚T’s, Schlusslaute, hier wurde er fast immer wahr, wurden die Schlussakkorde punktgenau beendet, hier setzte der Chor als organische Einheit jederzeit die von Leiterin Karin Freist-Wissing schwungvoll gegebenen Impulse und Spannungsbögen um. Spontaner Beifall des öfteren, zum Beispiel nach dem Barbershop-artig gesetzten „Sur le pont d’Avignon“ von Antonius Streichardt. Großer Beifall war der rechte Lohn für diese Darbietungen.
General-Anzeiger Bonn, 02.05.2003
Chormusik zum Mai-Beginn
Vox Bona in der Bonner Kreuzkirche
Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Bonn. Mit einer der großartigsten Motetten der Musikgeschichte, Bachs "Jesu, meine Freude", begann in der Kreuzkirche am Kaiserplatz ein ebenso anspruchsvolles geistliches wie weltliches A-Cappella-Chorkonzert, das vom preisgekrönten Kammerchor der Kreuzkirche, Vox Bona, unter der Leitung von Karin Freist-Wissing gestaltet wurde.
Schon zu Beginn zeigten sich die Klangschönheit und das dynamische Abschattierungsvermögen des gemischten Chores. Karin Freist-Wissing dirigierte ihn auf feine Ausdifferenzierungen dringend. Der geistliche erste Teil des Programms umfasste noch drei stimmungsvolle "gregorianische Fragmente" von Henning Sommerro und eine spätromantisch gehaltene Vertonung des Psalms 81, "Exultate Deo", von Poulenc.
Der zweite Programm-Teil war Volkslied-Bearbeitungen romantischer und modernerer Provenienz gewidmet. Neben Reger- und Brahms-Bearbeitungen sowie Stücken von Walter Rein/Henk Badings und Gunther Erdmann gab es auch eine launige Version des französischen Liedes "Sur le pont d'Avignon", einen Zigeunergesang Kod lys und, als Schluss-Bonbon, tanzeslustige Lieder aus Schweden zu hören.
General-Anzeiger Bonn, 06.01.2003
"Die dunkle Seite des Lebens"
Chormusik: Vox bona beeindruckt mit neuer CD
Von Guido Krawinkel
"Mond - Nacht - Traum", unter diesem Titel hat sich Vox bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, unter der Leitung von Karin Freist-Wissing an Chormusik aus den letzten beiden Jahrhunderten gewagt, die die im Wortsinn "dunkle" Seite des Lebens beleuchtet. Eine düstere Sache ist diese CD deshalb aber noch lange nicht. Das Programm ist von ausgesuchter Stringenz, das Booklet eloquent und kenntnisreich. In musikalischer Hinsicht zeigt Vox bona gewohntes Format.
Vor allen Dingen die romantischen Werke auf dieser CD vermögen Dank des runden und ausgewogenen Chorklangs zu überzeugen: Die zahlreichen dynamischen Abschattierungen werden mit beeindruckender Flexibilität wiedergegeben, so dass selbst ein schlichter Choral wie "Der Mond ist aufgegangen" von Max Reger bis zur siebten Strophe spannend bleibt und Höhepunkte wie in Zoltán Kódalys "Este" von geradezu umwerfender Wirkung sind.
General-Anzeiger Bonn, 07.11.2002
Musikalischer Wettstreit mit Herz und Verstand
Chöre aus Bonn und Minsk in Endenich
Von Fritz Herzog
Bonn. Der bereits zehn Jahre gepflegten kulturellen Partnerschaft zwischen Bonn und Minsk ist ein deutsch-russisches Chorprojekt zu danken, zu dem sich der orthodoxe Kathedralchor von Heilig Geist der weißrussischen Hauptstadt und Vox bona, der Kammerchor an der evangelischen Bonner Kreuzkirche, in der Endenicher Pfarrkirche Sankt Maria Magdalena zusammengefunden hatten.
Gotteslob stand auf dem Programm, das auf russischer Seite mit Werken unter anderem von Tschaikowsky, Rachmaninow, Kalinnikow, Tschesnokow oder Turenkow, auf deutscher Seite von Schütz, Hauptmann und Martin sowie zu Anfang und beschließend vereint mit Bruckner und Rachmaninow bestritten wurde.
Aber selbst wenn die Gemeinsamkeiten im Vordergrund stehen sollten - die beiden jungen, technisch zweifelsohne souveränen und im Übrigen brillant klingenden und dabei noch deutlich artikulierenden Chöre zeigten doch erhebliche Unterschiede, die nicht nur der jeweils ausgewählten Literatur geschuldet waren. Es war ein spannender ästhetischer Vergleich.
Mit etwa zwanzig Sängerinnen und Sängern der Vox bona unter Karin Freist-Wissing an Köpfen um die Hälfte unterlegen, verfügt der Kathedralchor Minsk unter Juri Schamko doch über deutlich markantere Farben und einen insgesamt kräftigeren Ausdruck.
Während die Bonner sich schlank und fast ein wenig aristokratisch, ja unterkühlt gaben, brodelte bei den Minskern selbst unter einer kontemplativen Oberfläche die schiere Lebensfreude. Hier wurde mit Herz gesungen, wohingegen die Bonner dem Verstand den Vorzug zu geben schienen. Faszinierend wirkten beide Ansätze, zeigten sie doch völlig verschiedene Facetten ein und derselben Themenbereiche auf.
Goslarsche Zeitung, 11.05.2002
"Vox bona": feinste Musikalität und Spannung
Kammerchor der Bonner Kreuzkirche gastierte in der Pfalz und zeigte Glanzlichter in künstlerischer Bestform
Von Carsten Jelinski
"Du meine Seele singe" - so überschrieb der Kammerchor der Kreuzkirche Bonn unter Leitung der Ex-Goslarerin Karin Freist-Wissing sein exzellent ausgeführtes Programm. Auf dem Wege von Bonn nach Berlin machte der Chor in der Kaiserpfalz Station. Schon zu Beginn entfaltete sich in Johann Christoph Bachs fünfstimmiger Motette "Der Gerechte" ein fülliger, weicher Chorklang voller Stimmkultur und Klarheit.
Sonore Bässe, strahlende Tenöre, warme Altstimmen und Spitzensoprane ließen das Publikum ahnen, auf welchem hohen Niveau der "Vox Bona"- Kammerchor arbeitet. Feinste Musikalität bewiesen die gut 30 Sängerinnen und Sänger in Griegs Friedenswunsch "Dona nobis pacem"; in Frank Martins, von modernen Kompositionstechniken geprägten "Sanctus" erfüllte der Chor alle Kriterien, die ein gutes, nein, ein sehr gutes Gesangsensemble zu erfüllen hat.
Gute Textverständlichkeit gepaart mit absoluter Sicherheit in Intonation und dem Aufeinanderhören untereinander ließen dieses Werk zu einem wahren Hörgenuss werden. Schwingend-intensiv, in harmonischen Rückungen sicher und eine sanfte, dem Text gemäße Abendstimmung zaubernd gelang Zoltan Kodalys "Este". Klangschwelgerisch und immer wieder weitertreibend bis zum kräftigsten Fortissimo in Hugo Wolffs "Resignation" aus den "Sechs geistlichen Liedern": Eine adäquate, den Text ausdeutende Interpretation, ein gemeinsames Tun voll von innerer Spannung.
Mit "Die hohe Schule der Chormusik' war das Konzert beworben worden, diesem Anspruch wurde das Ensemble gerecht. Egil Hovlands schwieriges "Credo" zeigte, was Chor-Kunst ist. Welche Freude, im regen Chorleben der Kaiserstadt einmal solche Glanzlichter aufgezeigt zu bekommen, mit Einblicken, was es neben Bach, Verdi, John Rutter und Otto Groll noch gibt. Der zweite Teil des Konzertes war leidenschaftlich-dramatische Liebesliedern und fröhlich- munteren Chorwerken gewidmet. Prachtvoll und majestätisch Heinrich Schütz "Stehe auf, meine Freundin", kontrastreich-impressionistisch die Klangwelt dazu im folgenden "Tanz der Tiere" und "Totengesang" von Darius Milhaud.
Gleich ob Schumann oder Fanny Hensel zu gestalten war, der Chor reagierte auf kleinste Zeichen seiner Leiterin, sie trug die innewohnende Spannung zwischen ihren Händen und vermittelte diese. Überall nicht nur Handwerk, sondern reine künstlerische Gestaltung. Abschließend Josef Gabriel Ritter von Rheinbergers "Abendlied op. 69, Nr.3". Dazu nur so viel: So muss es der Komponist vor seinem inneren Ohr gehört haben, als er das Werkchen verfasste. Genau so und nicht anders.
General-Anzeiger Bonn, 12.06.2001
Kammerchor "Vox bona" in der Kreuzkirche
Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Unter dem Motto "Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden" hatte der Kammerchor "Vox bona" der Bonner Kreuzkirche unter der Leitung von Kantorin Karin Freist-Wissing ein stimmungsvolles A-cappella-Programm zu den Themenkreisen Liebe und Tod, Nacht und Traum zusammengestellt. Dass diese rund vierzig Sängerinnen und Sänger umfassende Chorformation unter Freist-Wissings inspirierender Führung inzwischen ein bemerkenswertes Niveau erreicht hat, davon legte auch dieser Abend beredtes Zeugnis ab. Der homogene Gesamtklang, die Sicherheit und Intonationsgenauigkeit in den einzelnen Stimmgruppen wie im Tutti und die dynamische Differenzierungsfähigkeit von "Vox bona" sprachen für sich.
Das Programm bot Lieder der Romantik und Spätromantik, teilweise als Volkslied-Bearbeitungen wie bei Brahms ("Verstohlen geht der Mond auf") oder Reger ("Der Mond ist aufgegangen", "Ich hab' die Nacht geträumet" und "Wie kommt's, dass du so traurig bist") oder dann auch als typische Nachtstücke mit friedlichen, ängstlichen oder resignativen Stimmungen (Brahms: Nachtwache I und II nach Rückert und "Darthulas Grabesgesang" nach Ossian, Schumann "Ungewisses Licht", Hugo Wolf: "Komm, Trost der Welt" nach Eichendorff und schließlich Rheinberger: "Bleib bei uns, denn es will Abend werden").
Zum anderen aber waren auch modernere Stücke zu hören von besonders anspruchsvollen Intervall-Strukturen und sehr hoher Espressivo-Dichte wie bei drei Gesängen nach südamerikanischen Texten von Harald Genzmer ("Tristissima nox", "Schwarzer Mond", "Weiße Verlassenheit"), bei Zoltán Kodálys "Abend" und Brittens "The long night". Ob romantischer oder neuerer Provenienz, jeder Gesang wurde klanglich und in Stimme und Ausdruck so feinfühlig und so intensiv nachgezeichnet, dass es kaum verwunderte, als die langanhaltende Beifallsbegeisterung am Ende auch noch von Getrampel akzentuiert wurde.
General-Anzeiger Bonn, 18.12.2000
Musik zur Marktzeit
Konzert Advent mit Vox Bona
Schlichtweg sensationell fiel der Beitrag des Vox Bona Kammerchores der Bonner Kreuzkirche unter Leitung von Karin Freist-Wissing zur adventlichen "Musik zur Marktzeit" aus. Die kleine Reihe trägt nach ihrem fulminanten Antritt durch Thomas Neuhoffs Philharmonischen Chor ohnehin schon fast den Charakter eines Chorfestes. Karin Freist-Wissing hatte klug disponierend Werke wie geschaffen für den akustisch nicht unbedenklichen Raum der Bonner Remigius-Kirche ausgewählt und war hierbei einer dramaturgisch ausgewogenen Struktur gefolgt, die "Altes" in der Diktion des 20. Jahrhunderts wiedergab.
Francis Poulenc, dem bedingten Neuerer, hatte sie Morten Lauridsen an die Seite gestellt, dessen Klangsprache gerade das Progressive gregorianischen Ausdrucks deutlich unterstreicht. Dabei schien der Chor Lauridsens "O Magnum Mysterium" nahezu verinnerlicht zu haben, so entrückt gelang hier die Darstellung, die zugleich etwas vom Mysterium um die menschliche Stimme preisgab. Saubere Intonation, deutliche Artikulation, rhythmische Sicherheit, ein stets kontrolliertes Aufblühen und ein im Rahmen dynamischer Feinabstufung überirdisch schwebendes Pianissimo sind die Eigenschaften eines Chores, der sich anschickt, in der Spitze mitzusingen.
Bonner Rundschau, 06.11.2000
Konzert Kreuzkirche
"Goldene Mitte gefunden"
Bach hat in diesem Jahr überall Saison. Manchmal zieht sich dabei das Interesse an einem Punkt zusammen . Dann hört man innerhalb von wenigen Wochen dreimal die h-moll-Messe: erst beim Beethovenfest, jetzt in der Kreuzkirche und am kommenden Sonntag dann in der Beethovenhalle. Aber Bachs Großwerk hält das aus. Für zwanzig Mark traf man es auf der Kirchenbank nicht schlechter an als für 130 bei der Gächinger Kantorei auf den Polsterstühlen der Beethovenhalle. Karin Freist-Wisssing durfte sich getrost unter die Subventionierten mischen mit ihrem Großereignis in der vollen Kirche. Wir haben lange nicht mehr ein so begeistertes Publikum gesehen. Auch zu recht begeistert: in den zehn Jahren als Kantorin hat Karin Freist-Wissing nicht nur die Gemeinde auf ihre Seite gezogen, sondern auch mit ihrem Kammerchor Vox Bona ganz Exquisites erfolgreich in der Kreuzkirche etabliert und zusammen mit der Johann-Christian-Bach-Akademie unter Ingeborg Scheerer der historischen Aufführungspraxis Freunde gewonnen. Sie hat dabei eine praktikable Mitte eingehalten, die zwischen Romantikern und Reformern Platz ließ für Atem und Ausdruck.
Wo man früher satt der modernen Böhmflöte oft lieber eine Geige konzertieren ließ, kommt in solchen Aufführungen mit historischen Instrumenten die barocke Querflöte dem erwünschten Klang näher. Im durchweg guten Solistenquartett mit Max Ciolek und Jan von der Crabben hat die Altistin Elisabeth Popien nicht merken lassen, daß sie für Ingeborg Danz eingesprungen war. Die Sopran-Alt-Duette mit der strahlenden Stephanie Stiller klangen schön, mit der Erbarmensbitte "Agnus Dei" rührte die Altstimme ihre Zuhörer, bevor mit dem "Dona-nobis-Pacem"-Chor alles endete. Die Frage, ob Kirche oder Konzertsaal, entschied sich nicht theologisch, sondern musikalisch. Sicher, in Sachen Textverständlichkeit steht die Akustik hinten, auch die heiklen alten Blechblasinstrumente verwirren manches. Aber was wog das gegen die leuchtenden Klanghöhen in die die Kirchenakustik diese Aufführung hob mit einem Chor, der zwischen "Kyrie" und "Agnus Dei" auch so große, schöne Gelegenheiten fand, sich zu zeigen.
General-Anzeiger Bonn, 06.11.2000
Zwingende Dramaturgie
Bachs h-moll-Messe in der Kreuzkirche
Von Fritz Herzog
Bachs Messe in h-moll gehört ebenso wie seine beiden Passionen und das Weihnachtsoratorium zum Repertoire fast jeder Kantorei. Das ist auch an der Bonner Kreuzkirche, für deren Chorarbeit Karin Freist-Wissing verantwortlich zeichnet, nicht anders. Dennoch hat sich hier ein Musiziergestus ausgeprägt, der deutlich über den bloßen Gemeinde-Gedanken hinausweist, eine Entwicklung, die von Johannes Geffert eingeleitet wurde. Die von ihm 1991 begründete und sich als weitgehend aus Mitgliedern der Alt-Musik-Szene Kölns rekrutierende Johann-Christian-Bach-Akademie hat sich bereits einige Meriten als klangschönes Spezial-Ensemble erworben.
Weitere Voraussetzungen für einen historisch orientierten, sich um Authentizität bemühenden Ansatz: Vox bona, der mit seinen rund vierzig durchweg jungen Sängerinnen und Sängern stets stimmschlanke Kammerchor der Kreuzkirche. Und da sich mit Stephanie Stiller (Sopran), Elisabeth Popien (Mezzo), Max Ciolek (Tenor) und Jan van der Crabben (Bass) schließlich auch das Solistenquartett als ausgesprochen homogen erwies, setzte diese Aufführung neue Maßstäbe. Denn Karin Freist-Wissing gelingt das Kunststück, einerseits die nicht ganz unkomplizierten Strukturen der Satztechnik deutlich zu machen, ohne hierbei den musikalischen Fluß zu hemmen, andererseits eine geradezu zwingende Dramaturgie umzusetzen, die das Werk als lebendige Kirchenmusik begreift, darüber hinaus aber auch seine universellen Züge unterstreicht. Gefahrlos kann sie sich in stark zurückgenommene Tempi wagen, ohne dass die Spannungsbögen abreißen und die natürliche Fröhlichkeit wie im schwungvoll musizierten zweiten "Credo" wirkt geradezu ansteckend.
General-Anzeiger Bonn, 17.08.1999
Liebesglück und Liebesleid
Vox Bona unter Leitung von Karin Freist-Wissing in der Krypta der Kreuzkirche
Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht
Es hätte ein Novum sein sollen im Rahmen der musikalischen Veranstaltungen der Kreuzkirche am Kaiserplatz. Der Kammerchor "Vox bona" unter der Leitung von Karin Freist-Wissing, drei Gesangssolisten und Kantor Stefan Horz (Cembalo) hatten ein spätabendliches Freiluft-Konzert im Garten hinter der Kreuzkirche geplant, eine "Mondschein-Serenade" bei Kerzenlicht. Die in diesen Tagen mehr als unsichere Witterung hatte diesem ohne Zweifel reizvollen Unternehmen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, und so musste das sehr ansprechend aus italienischen und englischen Madrigalen, Canzonen, Arien und Duetten der Renaissance und des Frühbarock zusammengestellte Programm - das wechselweise Liebesglück und Liebesleid zum Gegenstand hatte - dann doch in die Krypta der Kirche verlegt werden. Karin Freist-Wissing hatte ihre sechs Männer- und acht Frauenstimmen umfassende "Vox bona" wieder sorgsam vorbereitet.
A-cappella-Sätze von Gastoldi, Marenzio, Desprez ("El grillo"), Bennet, Pilkington, Wilbye ("Adieu sweet Amaryllis"), Gibbons und Monteverdi waren ausgewählt worden sowie ein anonymer Tourdion aus Frankreich, der dann, wiederum prächtig präzise und agil gesungen, als Zugabe wiederholt wurde. Die Sopranistinnen Julia Forwick und Anja Barker brachten hübsch, zart und fein Arien sowie Duette zu Gehör. Der Tenor Thomas Klose, wohlerfahren in barocken Koloraturen, Auszierungen und Affekten, war für vier eindrucksvolle Purcells gewonnen worden. Stefan Horz begleitete die Drei stilkundig auf dem Cembalo.
General-Anzeiger Bonn, 16.05.1998
Ein Laienchor mit hohem Niveau
Gelungene Generalprobe für den Deutschen Chorwettbewerb: Vox Bona in der Kreuzkirche
Von Guido Krawinkel
Es war gewissermaßen eine öffentliche Generalprobe, die der Kammerchor Vox Bona der Kreuzkirche absolvierte. Vom 17. bis 24. Mai findet in Regensburg der Deutsche Chorwettbewerb statt, für den sich der Chor mit einem Sieg beim Landeswettbewerb NRW im Oktober letzten Jahres qualifiziert hat.
Das Programm mit Werken von der englischen Renaissance bis hin zu zeitgenössischer Musik präsentierte er unter der Leitung von Karin Freist-Wissing im Rahmen eines Konzertes in der Kreuzkirche, bei dem auch Stefan Horz, künftiger Nachfolger von Johannes Geffert als Organist der Kreuzkirche, einen Vorgeschmack seines Könnens gab. Der Kammerchor zeigte wieder seine Qualitäten: eine klare Deklamation, sehr flexible, bis ins Extreme reichende Dynamik und saubere Intonation. Meistens jedenfalls, denn auch wenn Vox Bona auf einem für Laienchöre hohen Niveau singt, wird man einige, teilweise winzige Details wie Vokalfärbung nachbessern müssen.
Bei Stücken von Wilbye ("Adieu sweet Amaryllis") und Farmer ("Fair Phyllis") war es vor allen Dingen der Baß, dessen Intonation eine Tendenz nach unten zeigte. Bei Carlo Gesualdos Motette "Tristis est anima mea" - wegen seiner gewagten Harmonik ohnehin ein Alptraum für jeden Chor - drückte insbesondere der Sopran die Intonation. Auffällig war auch, daß die auswendig gesungenen Stücke des Programms einen wesentlich frischeren Eindruck hinterließen. Doch genug der Haarspalterei, schließlich überwog eindeutig das Positive. Die rhythmische Komplexität von Hugo Distlers "Im Maien" oder György Ligetis "Reggel" meisterte der Chor mit bemerkenswerter Präzision. Bei dem Stück von Ligeti war es zudem sehr eindrucksvoll, wie sich aus einem heillosen Tohuwabohu langsam ein sauberer Dreiklang herausschälte. Die romantischen Werke von Schumann und Reger zeichneten sich in erster Linie durch eine große Spannung aus, insbesondere bei Schumanns Sommerlied, das eine beeindruckende Ausdruckskraft hatte.
Als Cembalist und Organist gab Stefan Horz einen Einstand nach Maß und zeigte, daß er in vielen Stilen zu Hause ist. "Pavane & Galliarda" von William Byrd spielte er am Cembalo mit großer Versiertheit und Detailversessenheit, drei Sätze aus der Orgelsonate Nr. 4 über den Tonus peregrinus von Joseph Rheinberger sehr souverän und gefühlvoll.
General-Anzeiger Bonn, 13.05.1998
Bonner Chor in Regensburg
Der Kammerchor der Kreuzkirche, Vox bona, reist nach der erfolgreichen Landesausscheidung im vergangenen Jahr nun zum Deutschen Chorwettbewerb auf Bundesebene, der vom 17.-24. Mai in Regensburg stattfindet. Vox bona wurde als bester Chor seiner Kategorie gemeldet. Das Programm für den Wettbewerb stellt der Chor bei in einem Konzert am heutigen Mittwoch um 20 Uhr in der Kreuzkirche am Kaiserplatz dem Bonner Konzertpublikum vor. In diesem Konzert ist auch zum ersten Mal der neue Kreuzkirchenorganist Stefan Horz, der Nachfolger von Johannes Geffert, mit Werken von Byrd und Rheinberger zu hören.
Die rund 40 jungen Sängerinnen und Sänger haben in den letzten Jahren unter der Leitung von Karin Freist-Wissing ein professionelles Niveau erreicht, das sich auch in der ersten CD des Chores, "Marienlieder, Liebeslieder" dokumentiert. Durch intensive Stimmbildung und Einzelförderung der Sänger leistet Vox bona nicht nur auf seinem Schwerpunktgebiet der Alten Musik hervorragendes, sondern auch in der Musik der Romantik und Moderne. Im Verlauf der nächsten Monate widmet sich der Chor einigen weiteren Großprojekten. So plant man für den April 1999 eine Konzerttournee durch die USA. Sie erfolgt auf Einladung des Riemenschneider-Bach-Institutes am Baldwin-Wallace-Colege in Berea, wo man am 100. Bachfest beteiligt sein wird. In New York und einigen weiteren Aufführungsorten gestaltet der Chor Konzerte zum Thema "deutsche Emigranten in Amerika".
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