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Badische Zeitung vom Montag, 14.06.2004
Wunderbar dynamische Abstufungen "Vox Bona" begeistert Von Robert Ullmann
OFFENBURG. Großer Beifall und Bravo-Rufe für ein packendes, begeisterndes Kirchenkonzert: "Vox Bona", der Kammerchor der Kreuzkirche Bonn, geleitet von der Offenburgerin Karin Freist-Wissing, gastierte am Freitagabend in der gut gefüllten Evangelischen Stadtkirche Offenburg mit einem Programm, das von Bach bis zur jüngsten Musik reichte.
Herzstück und Schlusspunkt des Konzerts war ein "Credo" des 1924 geborenen Norwegers Egil Hovland, 1991 komponiert. Das Werk ist sehr dicht und bewegend, am Anfang steht ein kraftvolles, selbstbewusstes einstimmiges "Credo in unum Deum", Hovland durchschreitet weite Tonräume, wir hören whispernde Frauenstimmen in den höchsten Lagen wie erschütterte und doch in die Zuversicht sich wendende Bässe (". . .begraben und am dritten Tage auferstanden. . .").
Wagnerische Dreiklänge münden in romantische Sphären, Sekundenreibungen künden vom Gericht über Lebende und Tote, barocke Mehrstimmigkeit verbindet sich mit Atonalität - und doch wirkt das Werk ganz vollkommen organisch.
Durch wunderbare dynamische Abstufungen - welche Vox bona bis zur höchsten Perfektion beherrscht - und besondere Kompositionstechniken (die Fuge bei der "einen heiligen katholischen Kirche") hebt Hovland bestimmte Textstellen hervor. "Vox Bona" erweist sich als geschmeidiger, vollkommen intonationssicherer Chor mit einer großen Ausdruckskraft, die den Zuhörer geradezu anspringt. So in der achtstimmige Mottete "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir. . ." (zugleich der Titel des Programms) aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, voller Zuversicht. Dramatik dagegen bei "Warum toben die Heiden" vom selben Komponisten: Mächtig tobt es da im Chor bei "Dienet dem Herrn mit Furch und freut euch mit Zittern", ganz der alttestamentarische Herr-Gott mit eisernem Zepter entsteht hier.
Spannend drei Psalmvertonungen von Darius Milhaud (1892 - 1974): mit ihrem stetem Wechsel von einstimmiger Gregorianik und mehrstimmige, sehr melodische Miniaturen, in denen Milhaud gern Jazzharmonien einsetzt und manche der lateinischen Silbenfolgen wie im Scat-Gesang rhythmisiert. Seine Geschlossenheit erhält das Werk durch eine starke lyrische Grundstimmung. Etwas zu sehr auf meditative Wirkung à la "Koyannisquatsi" angelegt: "Drei gregorianische Fragmente" des 1952 geborenen Henning Sommerro. Viel Schwellen und Verebben.
Karin Freist-Wissing hat in Offenburg Abitur gemacht, danach Kirchenmusik studiert, seit 1990 leitet sie "Vox Bona". Unbedingt zu loben Stefan Horz an der Orgel für eine strenge und doch bewegte Toccata in C (BWV 564) jenseits von gefälligem Orgelbrausen.
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