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für den 16.12.2017

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Tag des Religionsunterrichts mit Rabeya Müller und Rainer Möller

Im Unterricht Toleranz und Verständnis entwickeln

„Religiöse Orientierung gewinnen" war die Überschrift zum diesjährigen „Tag des Religionsunterrichts“ im Evangelischen Schulreferat am Mittwoch. Kurz nach den Pariser Anschlägen war das Thema für die über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch aktueller.

"Und was glaubst Du?": Religiöse Vielfalt ist unter Jugendlichen Alltag. Rainer Möller während seines Vortrags (Foto: Uta Garbisch) Lupe"Und was glaubst Du?": Religiöse Vielfalt ist unter Jugendlichen Alltag. Rainer Möller während seines Vortrags (Foto: Uta Garbisch)

Mit Dr. Rainer Möller und Rabeya Müller hatte das Schulreferat einen protestantischen Theologen und eine muslimische Theologin eingeladen. Ihr gemeinsames Anliegen: Pluralitätsfähigkeit. Denn auch im evangelischen Religionsunterricht gehören Kinder und Jugendliche mit einer anderen Religion oder keiner Konfession zum Schulalltag. Das Einüben von Pluralitätsfähigkeit ist daher zentrale Aufgabe des Unterrichts. Gemeint ist, nicht nur den eigenen Glauben kennenzulernen, sondern Toleranz und Verständnis für Andersglaubende zu entwickeln.

Kritik übte Möller an der EKD-Denkschrift zu diesem Thema. Sie ginge von falschen Voraussetzungen aus. „Denn identifizieren sich Jugendliche noch mit der eigenen Religion? Ist sie ihnen nicht längst ziemlich fremd geworden?", fragte der Pädagoge und wissenschaftliche Mitarbeiter am Comenius-Institut in Münster. Daher stellte Möller zwei alternative Schulmodelle vor. Erstes Beispiel: Die Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück. Das Modell dieser Privatschule, das konfessionellen Unterricht und viel gemeinsames Lernen im Schulalltag vorsieht, lasse sich jedoch leider nicht auf Regelschulen übertragen. Zumal Nordrhein-Westfalen vom flächendeckenden islamischen Religionsunterricht noch weit entfernt sei. Zweites Modell ist ein gemeinsamer Religionsunterricht für alle, wie er in Hamburg und Bremen praktiziert wird. Ziel ist das „Lernen mit und von den Religionen". Das geschehe im Dialog und persönlicher Begegnung mit Lehrkräften aus verschiedenen Religionen. Dass hier nicht die eigene religiöse Identität Voraussetzung sei, entspreche genau der heutigen Realität.

Fragen stellen, weiter denken: Rabeya Müller will selbstständiges Denken fördern (Foto: Uta Garbisch) LupeFragen stellen, weiter denken: Rabeya Müller will selbstständiges Denken fördern (Foto: Uta Garbisch)

Das Interreligiöse entdecken

Eine „Patchwork-Identität" beobachtet Rabeya Müller auch bei vielen muslimischen Schülerinnen und Schülern. Diese seien nicht nur von ihrem Elternhaus und der Moschee geprägt, sondern auch mit innerislamischer Pluralität konfrontiert, sei sie konfessionell oder ethnisch-national begründet. Zum Beispiel müsse mancher türkische Schüler lernen, dass der afghanische Banknachbar oder die marokkanische Mitschülerin auch Muslime sind. Diese innerislamische Distanz sei nicht absichtlich, sondern „sie sind es nicht gewohnt", sagte die Religionspädagogin und Schulbuchautorin.

Oftmals werde Religion auch missbraucht, um kulturelle Unterschiede zu legitimieren. Weil ein gelungener Religionsunterricht auch gesellschaftliche Fragen zulassen muss, sei ihr Ziel eine Entnationalisierung und Enttheologisierung von Themen, die eigentlich nichts mit Religion zu tun haben. Jeder Absolutheitsanspruch sei fehl am Platz. So ist das Entdecken des Interreligiösen in der eigenen Religion eines ihrer Unterrichtsziele. „Natürlich ist es nicht einfach, gegen die religiöse Sozialisation Stellung zu beziehen, ohne dass es die Familie und die Gemeinde verletzt", weiß die Kölner Imamin. Auch innerislamisch müsse das pluralistische Weiterdenken angeleitet und angeregt werden. „Es muss möglich sein, nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch Dinge in Frage zu stellen."

Im Dialog: Schulreferentin Beate Sträter (Mitte) mit Rainer Möller und Rabeya Müller (Foto: Uta Garbisch) LupeIm Dialog: Schulreferentin Beate Sträter (Mitte) mit Rainer Möller und Rabeya Müller (Foto: Uta Garbisch)

Gemeinsame Unterrichtsmodelle als Chance

Möller wie Müller plädierten für gemeinsame Unterrichtsmodelle. „Machen Sie Ihren islamischen Kollegen Mut", ermunterte Müller die Lehrerinnen und Lehrer, die aus allen Schulformen ins Bonner Haus der Kirche gekommen waren. Doch muslimische Lehrkräfte sind rar. In ganz NRW gibt es derzeit nur 176 Schulen mit islamischem Religionsunterricht. Zum Vergleich: Allein im Gebiet der drei Bonner Kirchenkreise liegen 400 Schulen. Vor diesem Hintergrund empfahl Müller den Pädagogen, sich mit Blick auf interreligiöse Klassen fortzubilden: „Sie sind möglicherweise die einzige Chance für Schülerinnen und Schüler, um auch bei religiösen Fragen in eigenständigem reflektierenden Denken unterstützt zu werden."

Am Nachmittag wurde in fünf schulformspezifischen Workshops konkret, was Pluralitätsfähigkeit für die Gestaltung von Unterricht und Schulleben bedeutet. Besonders gefragt waren die Familiengeschichte von Abraham, Hagar und Sarah als Eltern der christlich-muslimischen Religionsfamilie und die Frage „Glauben wir an denselben Gott?" und deren Bedeutung für Schulgottesdienste und Schulfeiern.

In seiner Andacht zum Abschluss stellte Schulreferent Helmut Siebert das Berliner Projekt „House of one" vor. Jüdische und christliche und muslimische Gemeinden wollen dort gemeinsam ein Haus errichten, unter dessen Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee vereint sind. „Ein tolles Ziel für den nächsten Berlin-Besuch, zumal Berlin dort am Petriplatz gegründet wurde und hier Berlins erste Kirche stand."

Der Tag des Religionsunterrichts findet unter der Regie von Beate Sträter und Helmut Siebert alljährlich am Buß- und Bettag zu einem Schwerpunktthema im Haus der Evangelischen Kirche Bonn statt. Er ist Treffpunkt der evangelischen Religionslehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen in den Kirchenkreisen An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn.

 

Uta Garbisch / 19.11.2015



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