
Vor uns, ein herrlicher Strauß voller Ähren. Ähren von Weizen, von Roggen, von Hafer, von Gerste�Er ist prächtig anzublicken, und er erfreut unser Auge und unser Herz. Er lässt uns an so manches denken.
Die Ähren sind geneigt - von der Last der Frucht, die sie tragen, den reifen Körnern. Vielleicht auch als Zeichen von Demut angesichts der geschenkten Reife und Fülle.
Dieser Ährenstrauß -
er erinnert uns an den Herbst, dem wir nun entgegengehen. Den Herbst mit seinen schönen bunten Farben. Und mit den vielen reifen Früchten. Mit der Süße und der Fülle. Mit der Klarheit der Luft und der Nähe des Sternenhimmels.
Er erinnert uns daran, dass Herbstzeit Erntezeit ist. Zeit der Freude über eine reiche Ernte. Denn wir leben noch immer von der Ernte. Oder auch Zeit der Sorge? Um ein Zuwenig? Oder um ein Zuviel?
Dieser Ährenstrauß -
er erinnert uns daran, dass Erntezeit auch Zeit der Rechenschaft ist. Der Rechenschaft darüber: Was haben wir investiert an Mühe und Arbeit, an Zeit und Geld, an Bangen und Hoffen - und was ist daraus geworden? Hat es sich gelohnt? Oder war alles vergeblich? Oder war es so irgendwie?
Dieser Ährenstrauß -
er erinnert uns daran, dass der Herbst eine Jahreszeit ist. Aber auch eine Lebenszeit. Denn wir gehen alle auch dem Herbst unseres Lebens entgegen. Oder wir stehen schon mittendrin. Herbstzeit ist Zeit der Rechenschaft. Wie sieht die Ernte unseres Lebens aus? Ist es ein erfülltes Leben, ein Leben, das Frucht gebracht hat? Und Freude? Was haben wir investiert an Zeit, an Verständnis, an Liebe füreinander? Und für Gott? Und was ist daraus geworden?
Dieser Ährenstrauß -
er erinnert uns daran: Wachsen und Reifen - ist ein Geschenk. Der Sonnenschein, der Wind und der Regen, der blaue Himmel, - ein Geschenk. Die Früchte, ihre Süße und Fülle - ein Geschenk. Unser tägliches Brot - ein Geschenk. Erfüllung und Freude - ein Geschenk. Ein Geschenk von dem, der das alles reichlich gibt, Gott, unserem Herrn.
Wie die Ähren aus diesem Strauß wollen wir uns neigen vor Gott in Demut und in Dank.
Pfarrer Dr. Berthold Köber