Logo

Geleitwort 2012




„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Diese tröstliche Zusage Gottes ist die Losung für dieses Jahr 2012. Sie möchte uns auf allen unseren Wegen durch das Jahr begleiten und uns des Beistandes unseres Herrn gewiss werden lassen.
Das möchte auch unser Bild zum Ausdruck bringen. In seinem Mittelpunkt steht eine Schale. Sie scheint leer zu sein und hat zudem auch noch einen Sprung. Hat das einen Bezug zu uns? - mögen Sie vielleicht fragen. Denn wer ist schon gerne schwach? Das heißt doch, von anderen abhängig zu sein. Wie schwer fällt es uns, eigene Schwächen einzugestehen – und dann erst recht, sie vor anderen zuzugeben?!  Denn wir wollen gerne stark sein und alles aus eigenen Kräften vollbringen. Das ist überall gefragt und im täglichen Überlebenskampf  entscheidend, ob im Beruf oder in der Politik,  im Sport oder sonst wo. Ja keine Schwäche zeigen, ja nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sein, sonst hat man verspielt.

Und doch - oder vielleicht gerade darum - kommen wir uns manchmal wie eine solche leere Schale vor: müde und öde, lustlos, mut- und kraftlos, angeschlagen, ausgebrannt, resigniert. Weil wir mit unseren Kräften am Ende sind. Wer kennt das nicht, wer hat das nicht schon erlebt?! - Dafür stehen die dunklen, bedrohlichen Farben auf der linken Seite des Bildes.

Doch von oben her strömt helles, warmes Licht ins Bild. Es erfüllt die Schale und vertreibt die Dunkelheit. Sogar durch den Sprung dringt es durch und erhellt was dunkel ist.

Das ist das Licht der Liebe Gottes, die zu Weihnachten zu uns, in unsere dunkle Welt gekommen ist - in einem hilflosen Kind in der Krippe. Und die ihre Vollendung in der Ohnmacht des am Kreuz Hängenden gefunden hat. Gottes Kraft ist aber gerade an ihm in besonderer Weise wirksam geworden. Er hat ihn aus Ohnmacht und Tod zu neuem, unvergänglichem Leben erweckt. Die Dunkelheit der Todesnacht ist durch das Licht des Ostermorgens überwunden worden, der Tod musste dem Leben weichen.

Darauf weist uns das Kreuz auf dem Bild hin. In seinen verschiedenen Rot-Tönen umfängt es die ganze Schale, auch ihre dunklen Stellen; es trägt sie geradezu und hält sie dem Licht entgegen - damit es sie erfülle.

Was möchte uns das alles sagen? Vor Gott darf ich leer und angeschlagen und kaputt sein. Ich muss nicht andauernd mir und den anderen etwas vormachen. Ich muss nicht länger meine Schwachstellen und Verletzungen verbergen. Ich darf  zu meiner Schwachheit stehen und sie vor Gott bringen. Denn Gottes Kraft wird gerade dort wirksam, wo wir mit unseren Kräften und Möglichkeiten am Ende sind.

Dann erfahren wir, wie Gott mit der Kraft seiner Liebe in uns wirkt und uns mit neuem Mut und neuer Kraft, mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt. Freilich nicht im Übermaß, so dass wir nun Berge versetzen könnten. Wohl aber so, wie es D. Bonhoeffer in seiner Gefangenschaft selbst erfahren hat und es uns bezeugt: Gott gibt uns soviel Kraft, wieviel wir gerade brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

Solche Kraft erwächst uns aus der Verbundenheit mit ihm im Glauben, im Gebet und aus seinem lebendigen Wort.

Möge Sie und uns alle Gottes Kraft immer aufs Neue erfüllen und uns Mut und Hoffnung für dieses Jahr 2012 schenken und möge sein Segen uns auf allen unseren Wegen begleiten.


 

                                                                                                Ihr Pfarrer Dr. Berthold W. Köber

Bild: Stefanie Bahlinger © Verlag am Birnbach, 57612 Birnbach
            




Dies ist eine Druckversion. Die Originalseite finden Sie hier