|

Die
deutschsprachige evangelische Gemeinde ist auch nach mehr als 135
Jahren froh und stolz, Träger dieser Begegnungsschule zu sein. Vieles
hat sich im Laufe der Zeit geändert:
am Anfang waren die Pfarrer noch die Direktoren. Heute nimmt der
Schulausschuss im Auftrag der Gemeinde die Trägerinteressen wahr.
Präsent an der Schule sind die Gemeinde und ihre Pfarrer
unter anderem in folgenden Bereichen:
Jeden Sonntag feiern wir um 7.15 Uhr einen
Schulgottesdienst.
Die christlichen Schülerinnen und Schüler sind dazu ebenso eingeladen wie
Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Mitarbeitende der Schule.
Und sie sind nicht nur eingeladen, mit zu feiern, sondern auch die
Gottesdienste
mit zu gestalten – und viele tun es!
Die Fachschaft Musik sorgt für die musikalische Begleitung.
Alle vier bis sechs Wochen verlassen die älteren Schülerinnen
und Schüler nach einem gemeinsamen Beginn den Schulgottesdienst
und feiern in der Kapelle einen von ihnen selbst vorbereiteten
Gottesdienst.
Einmal im Moment besuchen wir zusammen mit unserem Kollegen
Pastor Valentino – einer Handpuppe – den Kindergarten und erzählen
den christlichen Kindern eine biblische Geschichte, singen und beten mit
ihnen.
Dabei spielen die Kirchenjahrfeste immer wieder eine Rolle.
An
Knotenpunkten des Schuljahres werden auch
Gemeinsame Besinnungen
ausgerichtet. Sie werden mit muslimischen und christlichen Schülerinnen
und Schülern gefeiert, zum Beispiel zu Beginn des Schuljahres oder auch
zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Großer Bayram. Interreligiöse
Teams bereiten sie gemeinsam vor – ein herausfordernder, aber lohnender
Weg.
Im Schulalltag sind wir als Pfarrehepaar auch durch die
Erteilung von
Religionsunterricht präsent.
Religiöse Fragen sind im ägyptischen
Umfeld und gerade an einer Begegnungsschule immer hochaktuelle und
oftmals emotional belegte Fragen. In der 11. + 12. Klasse bietet der
kooperative Religionsunterricht mit christlich-muslimischen Lehrerteams
Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einander noch einmal sehr
intensiv zu begegnen und voneinander zu lernen.
Lernen kann nie konfliktfrei ablaufen. Wo es Begegnungen gibt, da gibt
es neben beglückendem Miteinander auch verletzendes und kränkendes
Gegeneinander. Schulseelsorge
will hier ein offenes Ohr haben und Räume schaffen, die
Konfliktbearbeitung ermöglichen. Schulseelsorge geschieht in
interkultureller, interkonfessioneller und interreligiöser Offenheit,
d.h. wir wollen einander in unserem Anderssein wertschätzen. Wichtig ist
für diese Arbeit auch die enge Absprache mit dem Beratungsteam der DEO
(Lernförderung / Mediation / Schulpsychologie).
Diakonische Arbeit, das Engagement für Menschen in Not ist
unserer Gemeinde
ein Herzensanliegen. Die enge Kooperation mit dem Sozialkomitee der DEO
ermöglicht hier abgestimmt und zielgerichtet zu helfen. So können wir
z.B.
gemeinsam das Mädchenheim in Agouza oder die Schule für sudanesischen
Flüchtlinge in Ain Shams unterstützt werden.
Schule für sudanesische Flüchtlinge
„DEO
– AbendGespräche über Religion(en) und Kultur(en)“
bietet unsere Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Institut
an. Sie wollen den interkulturellen und interreligiösen Austausch von
Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern fördern.
Für Rückfragen steht Pastor Axel Matyba (010-9510847;
Axel.Matyba@onlinehome.de)
gerne bereit.
|
|
|
|
Schulseelsorge – warum eigentlich?
Unsere deutschsprachige evangelische Gemeinde als Trägerin der DEO
bietet Schulseelsorge an. Warum eigentlich? Lernen kann nie konfliktfrei
ablaufen. Wo es Begegnungen gibt, da gibt es neben beglückendem
Miteinander auch verletzendes und kränkendes Gegeneinander.
Schulseelsorge will hier ein offenes Ohr haben und Räume schaffen, die
Konfliktbearbeitung ermöglichen.
Schulseelsorge, wie ich sie verstehe, steht allen Mitgliedern der
Schulgemeinschaft offen.
Sie will und kann an einer Begegnungsschule nur in enger Absprache mit
anderen Bereichen wie z.B. Mediation und Schulpsychologie funktionieren.
Interkulturelle und
interreligiöse Schulseelsorge – geht denn das überhaupt?
Ja, das geht! Seelsorge ist eine spezifisch christliche Aufgabe. Ihr
Fundament ist die christliche Überzeugung, dass Gott uns Menschen so
annimmt und liebt, wie wir sind.
Wenn dieses Grundgefühl, angenommen zu sein, in einem Gespräch
erfahrbar wird, dann stärkt das, richtet auf, wirkt befreiend.
Einverstanden! Aber wie geht denn das interkulturell bzw. interreligiös?
Symbolisiere ich als christlicher Seelsorger nicht einen zumindest
versteckten Machtanspruch meiner Religion gegenüber anderen? Kann ich
wirklich offen sein? Und wenn ich als Seelsorger bemüht bin, so neutral
wie möglich zu sein und der anderen Kultur, der anderen Religion
so viel Raum wie möglich lasse – wozu dann noch „christliche“
Seelsorge?
Interkulturelle und interreligiöse Schulseelsorge kennt diese Fragen,
spürt die in ihnen liegende Skepsis. Trotzdem halte ich diese Seelsorge
für eine große Chance, wenn sie von interkultureller Kompetenz getragen
wird, d.h. der Bereitschaft respektvoll und konstruktiv einander zu
begegnen. Solche Begegnungen sind ein Lernprozess, bei dem es darum
geht, sich zunächst einmal der eigenen Gefühle und Handlungsmuster
bewusst zu werden und mit Achtung und nicht-wertend mit verschiedenen
Norm- und Wertesystemen umzugehen. Ziel interkultureller und
interreligiöser Seelsorge ist also ein wirkliches Zuhören und
Wahrnehmen, das den Anderen in seinem Anderssein belässt. So wird das
Seelsorgegespräch zu einem wechselseitigen Kommunikationsprozess. Im
Gespräch kann sich eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den
Gesprächspartnern entwickeln. Christliche Interpretationen werden dabei
mit den Interpretationen des Gesprächspartners / der Gesprächspartnerin
in Beziehung gebracht und als Deutungsmodelle angeboten. So entsteht ein
gemeinsames Interpretationsmosaik, das die beiden Kulturen miteinander
verknüpft, ohne ihre Gegensätze zu nivellieren.
Hat interkulturelle und
interreligiöse Seelsorge eine spirituelle Dimension?
Ja! Je stärker ich in meinem Glauben lebe und ihn reflektiere, desto
stärker beeinflusst er jede Facette meines Lebens und damit auch die Art
und Weise, wie ich Konflikte erlebe und durchlebe. Ich bin froh und
dankbar, dass die DEO einen Moscheeraum und eine christliche Kapelle
hat. So ist es möglich – aber nicht nötig -, dass die Gesprächspartner
vor, während oder auch nach einem Gespräch diese heiligen Räume
(gemeinsam) aufsuchen, um nacheinander bzw. nebeneinander ihr Anliegen
vor Gott zu tragen – in Respekt und Ehrfurcht vor der religiösen
Beheimatung des jeweils Anderen.
Bei Interesse stehe ich als Gesprächspartner gerne zur Verfügung.
Pastor Axel Matyba
(010-9510847;
Email)
|
|