Nachfolge im Pfarramt

 
 

In der Gemeindeversammlung im Januar wurde das Pfarrehepaar El Karsheh als Nachfolger im Pfarramt gewählt (s. unter „Gemeinde“). Da Nadia und Stefan El Karsheh wegen eines laufenden Adoptionsverfahrens ihren Dienst aber erst am 01. März 2013 antreten können, sind wir dankbar, dass Pastor Dirk Römmer die Vakanzvertretung für ein halbes Jahr übernimmt.

„Ich darf mich kurz vorstellen: Schon 1943 in Hamburg geboren, lebe ich mit meiner Frau augenblicklich an der Nordseeküste in einer vergleichsweise kleinen Stadt.
Sie arbeitet als Gemeindepastorin, ich trat 2008 in den Ruhestand. Vier Kinder sind seit Jahren 'aus dem Haus' und haben uns (bisher) mit vier Enkelkindern beschenkt.
Während meiner über 40 Dienstjahre habe ich im Bereich von Hamburg und Schleswig-Holstein in einer Kirche gearbeitet, die jetzt schon den dritten Namen trägt. Von ganz klein (Hamburg) zu riesig (Nordkirche). Die interessantesten Jahre habe ich in der deutschsprachigen evangelischen Kirche in Sydney (German Lutheran Church) verbracht, doch fand ich die Berufsjahre stets abwechslungsreich, da ich als Lehrbeauftragter an der Uni, als stellvertretender Leiter der Telefonseelsorge, als Fernsehmoderator und Rundfunkpastor sowie als Dialektautor und im Bereich des Deutschen Evangelischen Kirchentags interessante Arbeitsfelder 'beackern' durfte. Das liegt nahe, da ich selbst aus dem Hamburgischen Landgebiet stamme und mein Vater als Gemüsebauer lebte und arbeitete.
Vor dem Eintritt in den Ruhestand war ich neun Jahre an einer kleineren Hochschule für sehr unterschiedliche Themenfelder zuständig, die mit Studierenden und Lehrenden zu bearbeiten waren. Jetzt im Ruhestand helfe ich meiner Frau und in der Region mit Predigtdienst aus, gehe leidenschaftlich gern in die Oper oder ins Konzert und schreibe die Bücher, die ich lese, selbst.
In Kairo will ich mich gern mit dem, was ich kann, einbringen.“ 

 
       
 
Nachfolger gefunden
   
 

Seit dem 31. Januar 2012 steht fest, wer nach dem Vertragsende von Pfarrehepaar Busse/Matyba die Pfarrstelle in Kairo übernehmen wird. Die Gemeinde hatte die Wahl zwischen zwei sehr gut qualifizierten Bewerbern und hat sich auf der – übrigens sehr gut besuchten – Gemeinde-versammlung mit einer klaren Mehrheit für das Pfarrehepaar Nadia und Stefan El Karsheh ausgesprochen. Da das Ehepaar noch in einem Adoptionsverfahren steckt und während
dieser Zeit nicht mit dem Adoptionspflegekind ins Ausland ziehen darf, muss die Gemeinde
eine bis zu halbjährige Vakanz mit einer Vertretung überbrücken.
Wir bemühen uns um eine gute Lösung.
Es folgt
ein Brief, mit dem sich das frisch gewählte Pfarrehepaar an die Gemeinde wendet,
so wie eine Vorstellung.
Liebe Gemeinde in Kairo, liebe Mitglieder des Kirchenvorstandes, liebe Andrea, lieber Axel,
die Nachricht von unserer Wahl hat bei uns große Freude ausgelöst. Natürlich haben wir am 31. Januar den ganzen Tag mit Spannung auf die Uhr geschaut! Und als dann abends das Handy klingelte, und Axel Matyba uns "Mabruk" wünschte, konnten wir es kaum fassen! Für uns erfüllt sich damit nach dem lang ersehnten zweiten Kind nun auch der zweite große Wunsch. Unglaublich aber wahr!
Wir danken Ihnen und Euch für das Vertrauen und die Bereitschaft, gerade in diesen Tagen eine Vakanz in Kauf zu nehmen. Wir verstehen die Wahl auch als Auftrag, die guten Wege, die mit den jetzigen Stelleninhabern eingeschlagen wurden, in Zukunft weiterzugehen und mit Ihnen zusammen weiterzuentwickeln. Darauf freuen wir uns sehr!
Was den Zeitraum des Adoptionsverfahrens angeht, haben wir bereits Kontakt mit dem vermittelnden Verein aufgenommen. Wir brauchen jetzt vor allem Transparenz, damit wir gemeinsam daran arbeiten können, die Adoption nicht länger dauern zu lassen als nötig. Wir sind auf einem guten Weg.
Nochmals ein großes Dankeschön für die herzliche Aufnahme des einen Teils der El Karsheh-Familie, der andere Teil wird sehr gerne folgen. Vielleicht bietet sich in diesem Jahr die Möglichkeit zu einem Vorabbesuch - aber diesmal mit der ganzen Familie!
Wir wünschen Ihnen und Euch von hier aus viel Kraft und alles, was nötig ist, in dieser besonderen Situation. Falls es etwas gibt, das wir von hier aus tun können, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf!
Es grüßen Sie herzlich und wünschen Ihnen Gottes Segen
Ihre Nadia und Stefan El Karsheh
mit Junis und Lia

Nadia und Stefan El Karsheh
An der St.-Johanniskirche 9
29439 Lüchow
Tel.: 05841-6826
Mobil: 0160-2442521
Email:
el­_karsheh@freenet.de

Vorstellung:
Stefan El Karsheh
Biographie: (Geburtsname: Tütken).
Geboren am 14. September 1972 in Oldenburg/Oldb.,  Abitur 1992,
Studium in Münster und Heidelberg bis 2000, Vikariat im südlichen Hamburger Raum.
Am 19. August 2000 Heirat mit Nadia
El Karsheh in der Peterskirche zu Heidelberg.
2007 Adoption von Junis El Karsheh,
29. 12. 2011 kommt Lia zu uns in Adoptivpflege.
Am 24. Mai 2003 wurden wir gemeinsam in der St.-Johannis-Kirche Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg, Ostniedersachsen, bekannt durch Gorleben) ordiniert. Wir arbeiten seit über acht Jahren als stellenteilendes Pfarrehepaar auf 1,25 Stellen (ein Viertel gehört zur Kreisjugendpastorin).
Theologisches Interesse: Rudolf Bultmann, Wilfried Härle und Gerhard Ebeling, in der Ökumene: Dietrich Ritschl. Altes Testament
und sein religionsgeschichtlicher Hintergrund (hier spielte Ägypten eine wichtige Rolle). Islam in religionswissenschschaftlicher Sicht (Theo Sundermeyer).
Aus einer intensiven Frömmigkeit in der Jugend ist in kritischer Bearbeitung das Interesse an einem mündigen Glauben in dieser Zeit geworden, das nach gelebter Praxis fragt.
Warum Kairo? Durch die Verbindung zur Familie meiner Frau nach Jordanien, die wir seit 1998 regelmäßig besuchen, ist der Wunsch gereift, in diesem Kulturkreis zu leben und zu arbeiten.
Dazu kommt das Interesse an Ökumene, Dialog mit dem Islam, Arbeit an einer Schule
wie der DEO und die Freude an der Kultur und der Sprache.
Qualitäten: Organisation (Geschäftsführung in der Lüchower KG), Kreativität, Teamfähigkeit, Seelsorge, Gottesdienste, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Erwachsenenbildung (Glaubenskurse) Fundraising, Weltanschauungsarbeit.

Nadia El Karsheh
Biographie: Geboren am 18. Juni 1973 in Stade. 1993 Abitur in Buxtehude, Studium in Bethel und Heidelberg bis 2000, Vikariat in Nenndorf/Rosengarten.
Hochzeit, Kinder und derzeitige Beschäftigung siehe oben
Theologisches Interesse: Martin Luther und "Die Freiheit eines Christenmenschen", Dietrich Ritschl in der Ökumene, Christian Möller in der "seelsorglichen Predigt". Großes Interesse am Islam,
am Verhältnis zu Judentum und Israel, an der orthodoxen Kirche (griechisch-orthodox getauft, Familie in Amman ist orthodox). Ein in der Tradition verwurzelter und zugleich in der gesellschaftlichen Realität anknüpfender, engagierter Glaube, ist für mich das Zeichen für lebendiges Christentum in der Gegenwart.
Warum Kairo? Aufenthalt als Schülerin in Amman und Sprachenstudium haben für die arabische Kultur und den islamischen Kontext sensibilisiert. Ein Gemeindepraktikum in Bethlehem während der 2. Intifada haben das Interesse an den Themen Israel, Palästina, Dialogarbeit und Ökumene noch stärker ausgeprägt. Der familiäre Hintergrund mit den Verwandten in Amman bietet seit je her eine lange Bindung an den Nahen Osten. Außerdem ist das Konzept der DEO ansprechend, die Arbeit in der KiTa macht neugierig. Der Versuch, 2003 ein Auslandsvikariat in Kairo zu absolvieren, ist an der Hannoverschen Landeskirche gescheitert.
Qualitäten: Aufgeschlossenheit, Teamfähigkeit, viele Jahre Verantwortung für eine große Kindertagesstätte (mit Gottesdiensten, Fortbildungen und Planungen für ein Familienzentrum), Jugendarbeit (Jugendfreizeiten, Teamschulungen, Jugendgottesdienste), Gottesdienste, Seelsorge, Kreativität, Arabische Sprache.

   
       
 
Fremde Heimat Kirche - Heimatkirche in der Fremde
   
 

Die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde (DEG) in Kairo und ganz Ägypten wurde
am 03. 11. 1864 gegründet.

Zentraler Auftrag und Verortung
Die DEG gibt als Auslandsgemeinde deutschsprachiger Prostestantinnen und Protestanten in Ägypten eine Heimat in der Fremde. Die zentrale Aufgabe der Gemeinde ist
die Verkündigung des Evangeliums durch Wort und Tat. Das geschieht durch das Feiern von Gottesdiensten und Festen im Kirchenjahr, durch Kasualien, Seelsorge und die Bereitstellung diakonischer sowie kultureller Angebote.

Allgemeine Bestimmungen der Gemeindesatzung
beschlossen am 25.04.1993 und abgeändert am 14. 01. 2007:
§ 1 In der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Kairo und ganz Ägypten haben sich evangelische Christen und Christinnen zusammengeschlossen, damit das Evangelium gepredigt, die Sakramente verwaltet, die Jugend unterwiesen, Seelsorge geübt und der Dienst christlicher Liebe verwirklicht werde.
§2 Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich auf Kairo und Alexandria und ferner, solange sich da selbst keine eigenständigen Gemeinden gebildet haben, auf weitere Gouvernorate.

Zielgruppe und Mitglieder

Die DEG erfasst eine heterogene Zielgruppe an deutschsprachigen Protestantinnen und Protestanten. Die Gemeinde  erlebt eine hohe Fluktuation ihrer Mitglieder, die temporär in Ägypten leben und arbeiten. Eine längerfristige Anbindung an die Gemeinde besteht u.a. für protestantische Frauen in bi-religiösen Ehen, deren Kinder muslimisch sind.  Ebenso ermöglicht die DEG säkularisierten Deutschen in einem stark religiösen Umfeld, in dem Agnostizismus und Atheismus auf völliges Unverständnis stoßen,  sich erstmals oder erneut mit der christlichen Botschaft und Tradition auseinander zu setzen.

Struktur und Bedingungen vor Ort und Auswirkung in der Gestaltung unseres kirchlichen Auftrages

Die Umsetzung des Auftrages der DEG und die Struktur der Gemeinde sind stark geprägt durch die gesellschaftlichen, politischen, religiösen und urbanen Bedingungen der Megacity Kairo. Ein nachhaltiger Gemeindeaufbau ist schwer. Ungewohnte Faktoren wie eine stark religiös geprägte Kultur, ein anderer Wochen- und Jahresrhythmus, mannigfaltige Familienstrukturen, Alltagsrituale- und regeln in der Gesellschaft, ein uns fremdes Frauen- und Männerbild und die Diasporasituation spiegeln sich im Gemeindeleben wider.

·        Gemeinde sein in Kairo und ganz Ägypten bedeutet, in einem mehrheitlich muslimischen Kontext gemäß des Selbstverständnisses der DEG zu handeln, zu wirken und
in der Fremde zu bestehen. Der  christliche Missionsauftrag  ist an die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes gebunden.

·       Da es der arabischsprachige Kontext vielen deutschsprachigen Protestantinnen und Protestanten faktisch unmöglich macht, sich in einer einheimischen koptischen Kirche zu verorten, heißt Heimat sein auch, dem Glauben eine sprachliche Heimat zu bieten.

·        Die Vielzahl der in Kairo ansässigen christlichen Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen und Nationen eröffnet zahlreiche Möglichkeiten der Ökumene und beschränkt zugleich die faktische Zusammenarbeit. Interreligiöser Dialog auf institutioneller Ebene ist schwierig, auf persönlicher, alltäglicher Ebene aber ständig präsent. Dieser Herausforderung gilt es im Gemeindeleben Rechnung zu tragen. So eingeübte interreligiöse Kompetenz   befähigt Rückkehrende für die Gemeindearbeit in der sich differenzierenden religiösen Landschaft in deutschsprachigen Ländern.

·         Die große Schere zwischen arm und reich, die in Ägypten sehr ins Auge fällt,  führt zu einer engagierten diakonischen Arbeit unserer Gemeinde. Neben der Sorge um Menschen aus Ägypten kümmern wir uns auch um ausländische Gefangene und sudanesische Flüchtlinge.  


Besonderheit der DEG: Trägerschaft der
Deutschen Evangelischen Oberschule (DEO)

Der Bildungsauftrag der DEG manifestiert sich neben gemeindlicher Erziehungsarbeit in der Trägerschaft der DEO, einer 1873 gegründeten, traditionsreichen
  Begegnungsschule ,
die dadurch im Kreis der Deutschen Auslandsschulen eine organisatorische und auch inhaltliche Sonderposition inne hat.
 Aus evangelischer Tradition heraus will die DEO Ort der interkultu­rellen Begegnung sein,
bei der die Vergewisserung der eigenen kulturellen wie religiösen Identität zugleich Schlüssel ist für die Offenheit im Kontakt mit dem Anderen, dem Nächsten wie dem Fremden.“

(Präambel des Leitbildes der DEO).

Unsere Trägerschaft zeigt sich im Religionsunterricht, sonntäglichen Schulgottes­diensten, biblischer Unterweisung im Kindergarten, gemeinsamen besinnlichen Feiern für Schülerinnen, Schüler und Lehrkrätfe aller Religionen, interreligiöser Seelsorge, der starken Gewichtung
Sozialen Lernens, der Zusammenarbeit mit dem Sozialkomitee der Schule sowie in Vortragsabenden zu interkulturellen und interreligiösen Themen.
Seit dem Jahr 2000 gestalten christliche und muslimische Religionslehrer gemeinsam den Religionsunterricht für alle Schüler und Schülerinnen der Oberstufe
(Kooperativer Religionsunterricht).

Gemeindeentwicklung und Planung
Als zukünftige Herausforderungen sieht die DEG

·       Förderung des interreligiösen und ökumenischen Dialogs und Positionierung unserer evangelischen Gemeinde in einer politischen Umbruchsituation,

·      verstärkte Öffentlichkeitsarbeit unter Deutschsprachigen und Ägypterinnen und Ägyptern (Öffentlichkeitsauftrag des Evangeliums) vor allem im Rahmen der anstehenden Jubiläen (2012:  100-jähriges Kirchenjubiläum,
2014: 150-jähriges Gemeindejubiläum),
z.B. mit Großprojekten wie  der Renovierung der historischen Walckerorgel,

·        die verstärkte Einlösung des Anspruches, deutschsprachige evangelische Christinnen und Christen in ganz Ägypten zu betreuen (eventuell durch personelle Verstärkung im Bereich Rotes Meer: Dahab, Hurghada),

·         die Betreuung der wachsenden Gruppe älterer deutschsprachiger Menschen.

 
Kairo, Mai 2011

   
       
 
Wer
   
 

Seit 2006 teilen sich das Pfarrehepaar Andrea Busse und Axel Matyba die Pfarrstelle an der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Kairo. Sie haben zwei Kinder:
Levke (geb. 2004 in Kiel) und Ben (geb. 2006 in Kairo)
und bringen ganz unterschiedliche Vorerfahrungen mit:

 

  Pfarrer Axel Matyba hat zunächst sechs Jahre
  als Gemeindepastor in Kiel-Holtenau
  gearbeitet. Später sind die Aufgaben des
  Kieler Seemannspastors hinzugekommen,
  die Betreuung von Seeleuten,
  ihren Familien und den in den Häfen
  Beschäftigten. Zuletzt war er im
  Ökumenedezernat des Kieler Kirchenamts
  tätig und für Kontakte zu evangelischen
  Gemeinden in den Niederlanden,
  Kaliningrad und St. Petersburg einschließlich
  des Dialoges mit der russisch-orthodoxen
  Kirche zuständig.

Pfarrerin Andrea Busse war von 1999 bis 2006 als Journalistin im kirchlichen Bereich tätig. Sie hat als Rundfunkredakteurin für unterschiedliche Sender in Hamburg und Schleswig-Holstein gearbeitet, Kirchensendungen produziert und live moderiert – zuletzt für den NDR. Parallel hat sie ehrenamtlich als Pastorin in einem ökumenischen Gemeindezentrum in Kiel-Mettenhof gearbeitet.

 

Der Kirchenvorstand:

Hiltrud Barsoum
  0100 56 50 031
Pfarrerin Andrea Busse

stellvertretende Vorsitzende 273 546 73  /
0100  95 10 843
Julia Gerlach
  0127  38 93 930
Reinhard Grätz
Vorsitzender 16 24 79 119
Lisa Heermann
Schriftführerin, Kirchendienst 0100  7006404
Deborah Helmbold
  0127  58 77 788
David Henen
  0100  38 05 119
Silke Malachias
Schatzmeisterin 33475797
Angelina Marks
  0109  23 79 875
Pfarrer Axel Matyba

 

273 546 73 /
0100  95 10 847
Dr. Gisela Fock
0127 0 435886
Katrin Scholz
0100  70 02 933
Rita Schröder
Diakonieausschuss 33371435



Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes
Mein kirchliches Engagement erwuchs früh aus der Jugendarbeit des Evangelischen Jugendwerkes Wiesbaden und seiner Pfadfinderarbeit. Bereits mit 15 hatte ich „meine“ eigene erste Gruppe. Mit 21 Jahren war ich lange der jüngste Kirchenvorsteher meiner Gemeinde. Ich studierte Germanistik, Theologie und Politikwissenschaft und wurde Lehrer. 1989 führten die Wege von meiner Frau und mir uns in den Auslandsschuldienst, nach Rom. Hier wurden unsere beiden Kinder, Fabio und Elena, geboren. Acht Jahre lebten wir in dieser einmaligen Stadt, die doch so manches mit Kairo gemeinsam hat. Hier arbeiten wir nun im dritten Jahr an der Deutschen Schule der Borromäerinnen. Etwas Programmatisches zum Schluss: In dem „ontologischen Misstrauensvotum“ (Arnold Gehlen), in dem wir alle als Kinder der Moderne mehr oder weniger leben, sehe ich die Aufgabe der Arbeit der Gemeinde in Gottesdienst, Diakonie, Hauskreis und Vortrag darin, vielfältige Begegnung zu ermöglichen: Begegnung mit sich selbst, mit anderen, mit dem gültigen Anspruch des Christentums und seiner befreienden Botschaft.  



Anita Bokor  Unsere Gemeindehelferin Anita Bokor lebt seit 2000 in Kairo,
  ist mit einem Ägypter verheiratet und hat einen kleinen Sohn, Karim.
  Sie hat in Deutschland studiert (Integrierter Handeslfachwirt)
  und in Kairo dann eine Parfüm-Filiale geleitet, wo sie vor allem schnell
  Arabisch gelernt hat. Seit 2006 ist sie Gemeindehelferin der deutschen
  evangelischen Gemeinde, verwaltet unser Büro und betreut während
  des Gottesdienstes die Kinder.

   
       
 

Willkommen in Kairo - Werden Sie Gemeindemitglied!

   
 

Die deutschsprachige evangelische Gemeinde Kairo lebt für und von Menschen, die sich ihr nicht nur zugehörig fühlen, sondern ihr aktiv beitreten. In Deutschland ist das anders: Wer Mitglied einer evangelischen Landeskirche ist, bleibt in der Kirche, auch wenn er umzieht. Protestanten, die nach Kairo ziehen, sind dagegen – anders als die Katholiken übrigens – nicht automatisch Mitglieder der Gemeinde. So kommt es, dass von schätzungsweise 2000 deutschen Protestanten in Ägypten nur rund hundertfünfzig Mitglieder der DEG Kairo sind. Wir brauchen aber Ihre Beteiligung, Ihre Ideen, Anregungen und Ihr Engagement für eine lebendige Gemeindearbeit. Und wir benötigen auch Ihre finanzielle Unterstützung.
Die Gemeinde braucht Geld für ihr Personal, den Erhalt der Kirche, für ihre Aktivitäten (Gottesdienste, Angebote für Kinder, Frauenfrühstücke, Ge­sprächsabende, etc.) und ihr soziales Engagement. Den größten Anteil des Haushalts finanzieren wir aus Kollekten und Spenden. Mitgliedsbeiträge tragen rund 8% zum Haushalt bei, die EKD (Evangelische Kirche Deutschland) unterstützte uns im letzten Jahr mit 25.000 Euro, ca. 18% des Haushalts. Allerdings werden streng genommen nur diejenigen Auslandsgemeinden gefördert, an deren Gemeindeleben sich mindestens 10% der evangelischen Residenten aktiv und kontinuierlich beteiligen und deren Mitgliederzahl steigt. Deswegen ist es für uns so wichtig, dass alle, denen das Angebot der Gemeinde gefällt, Mitglied werden.
Über die Höhe Ihres Beitrages bestimmen Sie selbst.
Diejenigen, die ihren Wohnsitz in Deutschland behalten haben, zahlen ja weiterhin dort Kirchensteuer. Um nicht doppelt zu bezahlen, hat eines unserer Gemeindemitglieder bei seiner Landeskirche erreicht, dass er von der deutschen Kirchensteuer befreit wurde und seinen Beitrag nun ganz uns zukommen lassen kann. In einem anderen Fall hat die Landeskirche diesen Antrag abgelehnt. Das Mitglied hat daraufhin die radikale Lösung gewählt: Ist in Deutschland ausgetreten und zahlt nur noch hier.
Wenn Sie ihren Wohnsitz in Deutschland abgemeldet haben und hier in Ägypten Steuern zahlen, ist die Sache einfacher. Sie müssen nur noch die Höhe des Beitrags festlegen.
Eine Orientierung: In den meisten Bundesländern beträgt die Kirchensteuer 9% der Lohn- bzw. Einkommenssteuer. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit 5000 Euro Bruttolohn monatlich zahlt gut 80 Euro Kirchensteuer im Monat. Mit einem Kind knapp 70 Euro. Sie können den Gemeindebeitrag jährlich oder monatlich bezahlen, bar, in Euro oder Pfund, oder per Überweisung auf das deutsche Konto der Gemeinde.
Mitglied werden ist ganz einfach: Drucken Sie sich das Formular aus, füllen Sie es aus und geben Sie es unterschrieben dort ab, wo Sie am besten hinkommen: entweder an der Pforte der DEO (mit dem Hinweis: Pfarrer Matyba / Pfarrerin Busse), in der Pfarrwohnung oder bei einem Gottesdienstbesuch.
Wir freuen uns über neue Mitglieder!

   
       
                           Und wie alles begann    
 

Gemeindegeschichte

Die Deutsche Evangelische Gemeinde in Kairo besteht seit 1864. Bis zu diesem Jahr gehörten die Evangelischen in Kairo zur Deutschsprachigen Gemeinde in Alexandria. Am 28. Februar 1864 wurde dann das Gründungsprotokoll unterschrieben, am 3. November 1872 die erste Kirche eingeweiht. Nach langen Debatten wurde Anfang des letzten Jahrhunderts beschlossen, diese Kirche aufzugeben und eine neue zu bauen. Am 21. April 1912 fand der erste Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Boulak statt.

Nach dem 1. Weltkrieg war von der einst blühenden Gemeinde nicht mehr viel übrig. Dass die Gemeinde zwischen 1914 und 1926 „de jure“ überhaupt bestehen blieb, war nicht-deutschen Gemeindegliedern, besonders einem Schweizer Kirchenvorstand zu verdanken. Der Gemeindebesitz war einem Sequester unterstellt. Erst nach langjährigen Verhandlungen gelang es der Gemeinde ihren Besitz zurück zu erhalten. Mit der Amtszeit von Pfarrer Karrig (1926 – 1935) weitete sich das Gemeindegebiet auf Alexandria aus, da die deutsche Gemeinde dort während des 1. Weltkrieges in einer internationalen protestantischen Gemeinde aufgegangen war. 

1935 wurde Pfarrer Schreiner vom Leiter des Kirchlichen Außenamtes nach Kairo geschickt, obwohl von dort ein Schreiben eingegangen war: „Berufung Schreiners im Namen von Partei, Gesandtschaft und Gemeinde abgelehnt.“ Eine Gruppe von Nationalsozialisten wollte die deutsche evangelische Gemeinde verstanden wissen als eine Gemeinde, in der das „Deutschtum“, und zwar im Sinne des Nationalsozialismus, bestimmend sei. Durch Gespräche innerhalb der Gemeinde gelang es Pfarrer Schreiner den Einbruch der deutsch-christlichen Ideologie in die Deutsche -Evangelische Gemeinde Kairo auf Dauer abzuwehren.

Bei Kriegsausbruch 1939 wurde die Verantwortung über das kirchliche Eigentum Schwester Hanna Freitag übertragen. 1949 wurde mit 25 Mitgliedern die erste Gemeindeversammlung abgehalten und  der ägyptische Generalsquester um Rückgabe der Kirche an die Gemeinde gebeten. Erst 1951 durften das erste Mal Gemeindeglieder die Kirche wieder betreten, die sich in einem total verwahrlosten Zustand befand. In den vielen kirchenlosen Jahren war der Gemeinde das Haus in Fagalla für gemeindliche Aktivitäten geblieben.

Pfarrer Höpfner (1951 – 1959) musste nach dem 2. Weltkrieg einen Neuanfang bewältigen, wobei alle kirchlichen Gebäude (bis auf das Haus in Fagalla) während seiner Amtszeit unter ägyptischer Verwaltung blieben. Der Kampf um die Rückgabe des Gemeindeeigentums beschäftigte auch seinen Nachfolger Pfarrer Kremkau (1959 – 1965) weiter. Außerdem gab der Kirchenvorstand 1961 der BRD seine Zustimmung zum Kauf eines Geländes in Dokki für den Neubau der Schule.

1962 wird in Zamalek eine Gemeindewohnung als Pfarrwohnung und für kleinere Veranstaltungen angemietet; auch heute wird diese Wohnung wieder so genutzt.

Als die Sozialistische Republik Ägypten die DDR anerkennt, brechen 1965 die diplomatischen Beziehungen zur BRD ab. Dadurch sinkt die Zahl der Deutschen in Kairo und auch der Gemeindeglieder. Einen Umschwung gibt es erst wieder mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen 1972. Dies wirkt sich aber nicht positiv auf Gemeindegliederzahlen aus, vermutlich wegen der Säkularisierung, die Ende der 60er Jahre in Deutschland einsetzt.
Nach dem 7-Tage -Krieg sinkt die Zahl der Deutschen und auch der Gemeindeglieder noch einmal drastisch.

1967 zwang eine Gesetzesänderung die Gemeinde das Haus in Fagalla aufzugeben. Eine „gemischte“ Nutzung (alte und kranke Menschen sowie junge Durchreisende) war nicht mehr möglich, die Finanzierung nicht gesichert. So verkaufte die Gemeinde das Haus, um mit dem Erlös die Renovierung der Gebäude in Boulak vorzunehmen.

Das Grundstück in Boulak mit der alten Schule, dem Pfarrhaus und der Kirche war der Gemeinde zwar zuerkannt, aber weiterhin mit ägyptischen Behörden belegt. Die offizielle Übergabe erfolgt erst am 30.4.1969. Weder Schule noch Pfarrhaus war für Gemeindezwecke verwendbar, so dass Ende des Jahres 1969 an Al Ahram verkauft wurde. Ein Teil der Summe wurde für den Neubau der DEO bereit gestellt.

Aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg gab es noch in Heluan eine Deutsche Kapelle, die in desolatem Zustand war. Sie wurde im März 1970 der koptischen Kirche übergeben.

Nach dem Verkauf des Hauses in Fagalla musste neuer Wohnraum für die Gemeindeschwestern gefunden werden. Deswegen wurde für die Pfarrfamilie ein Pfarrhaus in Dokki angemietet, die Schwestern zogen ins Gemeindezentrum nach Zamalek. Während des Baus der Hochstraße in der Sharia Galaa 1976/77 wird das Gemeindezentrum auch für Gottesdienste genutzt. 

1975 wird das 100-jährige bestehen der DEO gefeiert und eine neue Schulordnung verabschiedet. Im Dezember 1976 zieht die DEO von Zamalek nach Dokki, die Einweihung erfolgt am 12.2.1977.

Ende der 70er Jahre finden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an der Kirche statt, mit den Gottesdiensten weicht man in die DEO aus. 1982 ist der Innenraum wieder instand gesetzt, 1983 das Außengelände.

Ab 1988 wird die Gemeindearbeit im Sudan durch Verweigerung entsprechender Visa unmöglich gemacht. Bürgerkrieg und Islamisierungstendenzen sind die Gründe.

Leider wurde die Gemeindechronik in den letzten 20 Jahren nicht weitergeführt, so dass darüber wenige Informationen vorliegen.

Wir freuen uns darauf, im Jahr 2012 das hundertjährige Bestehen unserer evangelischen Kirche in Boulak zu feiern.

   
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
linie grau