Evangelische Kirchengemeinde Cochem









Geschichte


1821-1841

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein bis zwei mal im Jahr in den Gottesdienst gehen und es findet keiner statt! So oder so ähnlich fühlten sich 1841 die etwa 20 evangelischen Einwohner von Cochem, die zu der im Jahre 1821 gegründeten Evangelischen Kirchengemeinde Mayen gehörten. Was heute angesichts einer nach oben offenen PS-Skala unter der Motorhaube keine Distanz mehr darstellt, einmal Cochem - Mayen und zurück, kam seinerzeit per pedes oder bestenfalls bei maximal ein bis zwei Pferdestärken vor oder unter dem Hintern einer "Weltreise" gleich.


1842

Nach langem Bitten stimmte daraufhin 1842 das Konsistorium Koblenz zu, dass wenigstens zwei Gottesdienste pro Jahr in Cochem stattfinden sollten. So machte sich Pfarrer Bechtel zwei bis vier mal pro Jahr mittels Pferdepostkutsche an die Mosel auf, um in einem von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellten Schulsaal im alten Klostergebäude Gottesdienst zu halten. Dieser Zustand war für beide Seiten auf Dauer nicht befriedigend. Und so wie in der "großen Weltgeschichte" durch "Völkerwanderungen" Umbrüche bewirkt wurden, halfen auch unserer noch nicht existierenden Kirchengemeinde "Zuwanderungen", sich zu entwickeln und zu wachsen.


1846

Durch "Zuwanderung" im wesentlichen evangelischer Beamte mit ihren Familien, stieg die Gemeindegliederzahl derart an, dass 1846 die Gründung eines "Vikariates Cochem-Carden" und die Entsendung eines Pfarrvikars möglich wurde.


1857

Die Gemeinde erwarb einen ehemaligen Tanzsaal in Cochem, der umgebaut bis 1893 als evangelischer Betsaal diente. In Carden konnte 1857 die alte St. Georgskapelle von der preußischen Staatsregierung käuflich erworben werden.


1877-1882

In diesen Jahrzehnten stieg die Gemeindegliederzahl nicht über 350, was angesichts damals unvorstellbarer Konfessionsgegensätze nicht nur einer religiösen sondern auch sozialen Isolation gleich kam. Dementsprechend häufig wechselten die meist jungen Pfarrvikare. Erst mit Ernst Fliederer blieb von 1877 bis 1882 ein Pfarrvikar für längere Zeit. Er schuf die Fundamente, diese Stelle in eine Pfarrstelle umzuwandeln.


1884

Seinem Nachfolger, Ernst Wuppermann, gelang es dann am 05. Mai 1884 dank wiederholter Hilfe durch das Gustav-Adolf-Werk und die Pastoral-Hülfsgesellschaft eine Verfügung des Königlichen Konsistoriums zur Gründung einer selbständigen Evangelischen Kirchengemeinde Cochem zu erhalten.


1893

Da der Betsaal allmählich zu klein wurde, wuchs das Bedürfnis nach einer eigenen Kirche. Es dauerte jedoch noch neun Jahre, bis am 19. November 1893 die feierliche Einweihung der neu erbauten Evangelischen Kirche Cochem durch den Generalsuperintendenten der preußischen Rheinprovinz stattfand.


1911

Um den Fortzug von evangelischen Familien mit schulpflichtigen Kindern zu verhindern, gelang es am 16. Mai 1911 eine evangelische Privatschule zu gründen. Erst die Schulreform 1969/70 machte allen evangelischen und katholischen Konfessionsschulen der Region ein Ende.


1914-1939

Der starke Konfessionsgegensatz zur katholischen Umwelt änderte sich nach dem 1. Weltkrieg und im Zuge des "Kirchenkampfes" während des Dritten Reiches. Den eigentlichen Durchbruch erzielte jedoch das zweite Vatikanische Konzil in den Jahren 1963 bis 1965 mit seinen Folgeerscheinungen. Die wachsende Zahl der Gemeindeglieder bedingte die Errichtung und Einweihung weiterer Kirchengebäude in der Gemeinde:

am 31. Mai 1914 der evangelische Betsaal in Hatzenport,
am 30. Juni 1933 die Gustav-Adolf-Kapelle in Kaisersesch.


1942-1945

Der 2. Weltkrieg ging auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorüber. 1942 wurde Pfarrer Dr. Koch zur Wehrmacht eingezogen, so dass regelmäßige Gottesdienste nicht mehr gesichert waren. Wie bereits im 1. Weltkrieg mußte der Kirchturm, bis auf eine, seine Glocken hergeben. Am 1. Januar 1945 wurde bei einem Luftangriff das Gemeindehaus in der Jahnstraße total zerstört, wobei auch der evangelische Lehrer Meffert ums Leben kam. Die Kirche konnte nicht mehr genutzt werden, da sämtliche Fenster rausgeflogen waren. Auch das Pfarrhaus in der Oberbachstraße trug schwere Schäden davon.


1949-1959

Die zweite "Zuwanderung" erfuhr unsere Gemeinde durch die Flüchtlingsbewegungen von Ost nach West in den Jahren 1949 bis 1959. In dieser Zeit stieg die Gemeindegliederzahl von 450 auf ca. 2200. Damit einher ging die "perfekte" Zerstreuung der Gemeindeglieder in der Diaspora. Es gab nun kein einziges Dorf mehr ohne evangelische Bürger, was jedoch ernorme Betreuungsprobleme mit sich brachte, die zum Teil auch heute noch gegeben sind.


1961-1967

Neben dem personellen Aufbau schritt auch der bauliche voran. Das Grundstück mit dem total zerstörten Gemeindehaus wurde gegen ein daneben liegendes Grundstück getauscht, auf dem 1961/62 das neue Pfarrhaus errichtet wurde. Das alte Pfarrhaus in der Oberbachstraße wurde zum Gemeindehaus umgebaut und erweitert. Die Einweihung erfolgte am 25. April 1964. 1962 konnten die Kirche in Cochem renoviert, 1965 die Georgskapelle in Karden und 1967 die Gustav-Adolf-Kapelle in Kaisersesch erweitert werden.


1961

Die dritte "Zuwanderung" ließ nicht lange auf sich warten. Mit der Aufstellung eines Jagdbombergeschwaders in Büchel, seiner Kaserne in Cochem-Brauheck, einer Flakartillerieeinheit in Ulmen und einem Munitionsdepot in Kaisersesch strömten viele Bundeswehrangehörige mit ihren Familien in unsere Region. Die sich durch die Bundeswehrsiedlungen in Brauheck, Kaisersesch und Ulmen bildenden "evangelischen Inseln" auf einem "Diasporateich" stellten die Gemeinde vor ein erhebliches Problem hinsichtlich seelsorgerlicher Arbeit und Betreuung. Erst mit Errichtung einer Pfarrstelle durch die Militärseelsorge, die am 01. August 1961 mit Militärpfarrer Erich Helmer besetzt wurde, kam es zu einer gewissen Entlastung. Er übernahm auch die neugegründete Predigtstelle in Ulmen, wo sich mittlerweile der evangelische Anteil größtenteils aus Bundeswehrfamilien zusammensetzte.


1964-1967

Alsbald wurde in Brauheck der Bau einer Kirche, umfangreicher Gemeinderäume und eines Pfarrhauses notwendig. Zu diesem Zwecke kam es am 01. Juli 1964 zur Gründung der "Militärkirchengemeinde Büchel-Brauheck" mit der Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle. Am 04. Oktober 1964 weihte der Landeskirchenrat aus Düsseldorf eine sogenannte Schwedenkirche in Fertigbauweise als Notkirche ein. Zur Grundsteinlegung des Gemeindezentrums Brauheck am 18. März 1967 wurde diese Faltkirche nach Ulmen auf ein neu erworbenes Grundstück verlagert. Am 17. Dezember 1967 konnten sowohl die Martin-Luther-Kirche in Brauheck eingeweiht, als auch die Kirche in Ulmen der dortigen Gemeinde in festlicher Weise übergeben werden.


1973-1980

Am 01. Januar 1973 erfolgte die Zusammenlegung des Verwaltungsbereiches beider Kirchengemeinden. Strukturelle Änderungen im militärischen Bereich führten in den folgenden Jahren zu weiteren Umstellungen. Nach 15 Jahren Militärkirchengemeinde Büchel-Brauheck übernahm am 01.Januar 1980 die Evangelische Kirchengemeinde Cochem alle Soldaten mit ihren Familienangehörigen und sämtliche Gebäude und Liegenschaften.


1970-1982

Die Lage der Gemeinde drängte bereits Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auf Errichtung einer 2. Pfarrstelle. Die Zunahme der Gemeindeglieder um das Fünffache gegenüber der Situation nach dem 2. Weltkrieg verdeutlicht diese Notwendigkeit. Da zu dieser Zeit jedoch akuter Pfarrermangel herrschte, behalf sich die Gemeinde zuerst mit Predigthelfern und ab 1970 mittels einer sogenannten Gemeindemissionarsstelle. Zum 1. August 1976 konnte eine 2. Pfarrstelle bewilligt werden. Diese wurde jedoch erst am 5. Dezember 1982 dauerhaft mit einem Pfarrer besetzt.



[Aus:"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Cochem/ Mosel 1846-1984" von Pfarrer i.R. Gerd Graf, Koblenz.]






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