Predigttext: Matthäus 6, 7 – 13
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Die Jünger haben ihren Herrn gefragt, wie sie recht beten sollen. In der Bergpredigt gibt Jesus ihnen (und der Menge derjenigen, die ihm zuhören) die Antwort: Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Heute soll es um diese dritte Bitte gehen: Vater, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Uns fällt unmittelbar ein, dass Jesus in entscheidender Stunde genau so gebetet hat. Er war mit seinen Freunden nach dem letzten gemeinsamen Passahmahl von Jerusalem aus zum Ölberg gegangen. Matthäus berichtet: 36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete. 37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. 38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!
Jesus weiß, welches schwere Schicksal auf ihn zukommt. Er wendet sich an seinen Vater im Himmel, dem er vertraut: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Jesus liefert sich dem Vater aus.
Das macht diese Bitte ja auch für uns so schwer, dass wir uns dem Willen Gottes voller Vertrauen ausliefern sollen. Manche Bibelausleger schreiben: das ist die schwerste der Bitten im Vaterunser.
Jesus kann auch in schwerer Stunde, oder gerade in schwerer Stunde, so beten, weil er den Vater kennt. Er liefert sich dem Willen des Vaters aus, weil er dem Vater vertraut.
Das eben ist die entscheidende Voraussetzung für uns, wenn wir so beten: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Verlassen wir uns darauf, dass Gottes Wille für uns gut ist, einfach nur gut?
Haben wir Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, als unseren Vater angenommen, wie er uns als seine Kinder angenommen hat? Haben wir uns auf eine innige Beziehung zu ihm eingelassen? Gehen wir Schritte des Vertrauens auf ihn zu? Haben wir gelernt, ihm das zuzutrauen, dass er uns liebt, wie ein Vater seine Kinder liebt (lieben sollte)?
Jesus formuliert: Ich und der Vater sind eins. Und Jesus lädt uns ein, die gleiche Gotteskindschaft zu leben. Nicht Knechte, sondern Söhne, Kinder, Erben seines Vaters. Was für ein Angebot!
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Im Himmel – in Gottes erlöster Welt – da geschieht Gottes Wille, da ist alles in Ordnung, in Gottes guter Ordnung. Und so soll es auch auf Erden sein, das ist unser Gebet. Wir wissen, wir erleben, dass auf dieser Erde vieles geschieht, was nicht so von Gott vorgesehen ist, was er eben nicht will. Gottes gute Ordnung hat sich um uns herum auf der Erde nicht, (noch) nicht durchgesetzt.
Es bleiben bei uns Bedenken. Wie sollen wir wissen, was Gottes Willen für uns ist. Wenn wir von Herzen so beten: Herr, Dein Wille (für mich) geschehe! Nicht nur im Himmel sondern jetzt hier auf Erden, dann müssen und dürfen wir damit rechen, dass Gott solches Gebet erhört. Was wird dann geschehen? Was wird dann mit mir geschehen?
Im Evangelium berichtet Lukas (Lk 11), dass Jesus sagt: 9 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
Habe ich Vertrauen zu diesem Vater im Himmel? Er hat mich geschaffen, er hat für mich Gutes im Sinn. Die kleinen Erdenbürger und Gotteskinder, die mit mir am Frühstückstisch sitzen (3 und 6 Jahre), die wissen manchmal sehr genau, was sie wollen. Ob das dann immer gut für sie ist? Vater und Mutter müssen manchmal sagen: Nein, denn das ist nicht gut für dich! Das gibt dann schon einmal Tränen, weil es nicht nach dem eigenen Willen laufen soll. Was wir selber uns wünschen, wonach wir uns sehnen, wissen wir, ob es immer gut für uns ist? Gott, der mich liebt, hat den besten Weg für mich, er weiß, was wirklich gut für mich ist. Ich darf ihn bitten: Lass doch das Gute für mich geschehen, auch wenn ich das gerade nicht erkenne, auch wenn ich mir aktuell das Gegenteil wünsche. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!
Im Vorbereitungsteam dieses Gottesdienstes fiel der Begriff: Glaubenspubertät. Ist es nicht so, dass wir noch in einer Glaubenspubertät stecken, die uns hindert, bedingungslos zu glauben: Gott weiß den besten Weg für mich, ihm kann ich mich überlassen, ihm kann ich mich anvertrauen. Bei ihm kann ich mich „einklinken“ wie der Kletterer am Sicherungsseil. Wenn ich bei Gott meine Sicherheit weiß, dann kann ich von Herzen beten: Herr, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!
Amen.
Rüdiger Lancelle | Cochem und Karden, 24 und 25.04.2010