
"Das kann es nicht sein"
Moderatorin Lisa Ortgies warnt vor dem geplanten Gesetz zur Familienpflege: Frauen müssen davor geschützt werden, dass die Belastung an ihnen hängenbleibt
80 Prozent der pflegenden Angehörigen in Deutschland sind derzeit Frauen,
und daran wird auch das geplante Familienpflegegesetz von Familienministerin
Kristina Schröder nichts ändern, befürchtet frauTV-Moderatorin Lisa Ortgies.
Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Menschen zugunsten von familiärer Pflege
zwei Jahre lang nicht mehr ganztags, sondern halbtags arbeiten – für drei
Viertel des Gehalts. Danach arbeiten sie wieder Vollzeit – allerdings
weiterhin für drei Viertel des Gehalts, bis der Vorschuss abgearbeitet ist.
„Das ist nicht anders als beim Elterngeld oder dem neuen Unterhaltsrecht: In
der Theorie ist alles geschlechterneutral, in der Realität der Familien aber
sind die Frauen die Leidtragenden“, kritisiert sie in der Augustausgabe von
chrismon plus rheinland. „Nach der Doppelbelastung durch Kinder und Beruf
soll nun also die Dreifachbelastung für die Frauen kommen? Das kann es
wirklich nicht sein.“ In Deutschland seien die Familien immer noch
traditionell geprägt. Bereits bei den „neuen Vätern“ könne man das sehen:
„Nicht mal jeder fünfte Mann geht in Deutschland in Elternzeit. Das ist
lächerlich wenig im Vergleich zu anderen Ländern“, sagt Ortgies, die bereits
drei Bücher zum Thema Geschlechterrollen veröffentlicht hat. Anders sehe es
etwa in Schweden aus, hier liege die Quote der Väter in Elternzeit bereits
bei 85 Prozent. Der Grund, warum die meisten Frauen in Deutschland nicht
gegen ihre Ungleichbehandlung protestieren würden, liege an der „typisch
weiblichen Sozialisation“: „Frauen sind es gewohnt alles runterzuschlucken.“
Das komplette Interview mit Lisa Ortgies lesen Sie in der aktuellen August Ausgabe.
chrismon plus rheinland Ausgabe August 2010
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