
Mit Kindern die Bibel entdecken
Zehn Tipps für Eltern und Großeltern1) Seien Sie Vorbild: Lesen Sie selbst in der Bibel. Machen Sie sich mit ihr vertraut. So entsteht Neugierde.
2) Wählen Sie eine altersgemäße Kinderbibel aus. Achten Sie auf ansprechende Bilder, eine ausgewogene Auswahl der Texte und eine einfache Sprache. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie Ihre Pfarrerin, Ihren Pfarrer.
3) Stellen Sie die Kinderbibel in das Bücherregal neben die anderen Kinderbücher. Lassen Sie Ihr Kind auswählen, was es gerne lesen möchte.
4) Gehen Sie unvoreingenommen an die biblischen Texte heran. Lernen Sie von Ihrem Kind. Lassen Sie einfaches Denken zu.
5) Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die biblischen Geschichten. Geben Sie dabei den Fragen und Erkenntnissen Ihres Kindes Raum.
6) Weichen Sie auch schwierigen Themen nicht aus. Sie müssen nicht auf alle Fragen Ihres Kindes eine Antwort haben. Geben Sie zu, wenn Sie selbst unsicher sind oder wenn Sie keine Antwort wissen.
7) Trauen Sie sich, biblische Geschichten auch zu erzählen. Lassen Sie dabei Ihrer eigenen Fantasie freien Lauf. Nicht alles, was Sie sagen, muss theologisch korrekt sein.
8) Binden Sie das gemeinsame Bibellesen in ein Ritual ein. Lesen Sie beispielsweise Texte aus der Kinderbibel als Gute-Nacht-Geschichten vor. Beziehen Sie auch das Kirchenjahr mit ein, wenn Sie die Texte auswählen.
9) Akzeptieren Sie, wenn Ihr Kind das Angebot zum gemeinsamen Bibellesen nicht annehmen möchte. vielleicht hat es die Geschichten zu oft gehört, oder der Stil passt nicht mehr zum Alter.
10) Empfehlen Sie Ihrem Kind Bibelcomics, wenn es älter wird. Die bieten noch einmal einen anderen Zugang zu den biblischen Geschichten.
Welche Bibeltexte eignen sich für Kinder?
chrismon plus rheinland: Frau Werth, Sie erklären Besuchern im Bibelwerk, wie die Bibel entstanden ist. Was fasziniert Sie persönlich an der Bibel?
Elisabeth Werth:

Elisabeth Werth, pädagogische
Mitarbeiterin des Evangelischen
Bibelwerks im Rheinland, Mutter
von drei Kindern.
(Foto: Uwe Schinkel)
Lesen Sie mit Ihren eigenen Kindern in der Bibel?
Als sie noch kleiner waren, haben wir viele biblische Geschichten als Gute-Nacht-Geschichten gelesen. Vor kurzem haben die beiden Größeren Bibelcomics entdeckt, die sie jetzt alleine lesen. Der Elfjährige liest inzwischen sogar selbst in einer einfachen Bibelübersetzung. Er findet die Geschichten sehr spannend und liest oft nachts noch weiter, wenn er eigentlich schlafen soll.
Warum ist es für Sie als Mutter wichtig, mit Ihren Kindern in der Bibel zu lesen?
Weil ich dadurch selber etwas lerne. Besonders mein jüngster Sohn stellt ganz tolle Fragen, beispielsweise: Warum hat der blinde Bartimäus seinen Mantel und sein Geld liegen gelassen, als er zu Jesus lief? Das dringt für mich zum Kern der Geschichte vor.
Sollten Eltern biblische Geschichten vorlesen oder eher erzählen?
Kinder lassen sich gerne vorlesen, auch wenn sie selbst schon lesen können. Aber die Eltern dürfen auch gerne erzählen! Das zieht die Kinder noch stärker in die Geschichten hinein. Gerade bei Kindern verschiedenen Alters bietet es sich an, die Geschichten zu erzählen.
Welche Bibeltexte eignen sich für Kinder?
Kinder im Grundschulalter interessieren Geschichten, in denen auch wirklich etwas passiert. Prophetische Texte und Briefe sind dagegen eher etwas für das Konfirmandenalter. Problematische Themen sollten nicht ausgespart werden. Es gibt heute Kinderbibeln, die Tabuthemen sensibel aufgreifen. Wenn Kinder dann nachfragen, sollten Eltern darauf eingehen.
Wie sieht es aus mit Texten, in denen Gott strafend eingreift, beispielsweise in der Sintflutgeschichte?
Nach meiner Erfahrung haben Erwachsene damit viel mehr Probleme als Kinder. Kinder wissen, dass sie mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie sich falsch verhalten. Doch auch bei diesen Texten sollten Eltern keine Scheu vor den Fragen der Kinder haben. Es kommt nicht darauf an, immer theologisch korrekte Antworten zu geben. Auch können Eltern mit ihren Kindern über eigene Unsicherheiten und Schwierigkeiten sprechen.
Nach welchen Kriterien sollten Eltern eine Kinderbibel auswählen?
Sie sollte schöne Bilder haben, die jedoch nicht zu anspruchsvoll sind. Die Texte sollten aussagekräftig sein, reduziert auf das Nötigste. Ich empfehle, Texte anzuschauen, die man selbst als schwierig empfindet. Ein Beispiel wäre die Passionsgeschichte Jesu. Weniger geeignete Kinderbibeln sind an zu langen Erklärungen und einem komplizierten Satzbau zu erkennen. Außerdem wird in ihnen das Alte Testament nicht angemessen berücksichtigt.
Elisabeth Werth, pädagogische Mitarbeiterin des Evangelischen Bibelwerks im Rheinland, Mutter von drei Kindern
Text und Interview: Katrin Keita

