Mit Kindern ins Internet gehen. Tipps für Eltern und Großeltern (Foto: photocase.de)

Mit Kindern ins Internet gehen  

Zehn Tipps für Eltern und Großeltern


1) Üben Sie mit Ihrem Kind den Umgang mit dem Computer, genauso wie Sie es mit ihm beim Schulweg tun. Denn auch dort lauern Gefahren.  
2) Schärfen Sie Ihrem Kind ein, dass es niemals seine Telefonnummer oder seine Adresse preisgeben darf. Auch Fotos von sich sollte es nicht ins Netz stellen. Andere Nutzer könnten diese Informationen missbrauchen.  
3) Menschen geben sich im Internet oft als jemand anderes aus. Erklären Sie deshalb Ihrem Kind den Unterschied zwischen virtueller und realer Welt.
4) Setzen Sie sich mit Ihrem Kind an den Rechner. Lassen Sie sich zeigen, wofür sich Ihr Kind interessiert. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber.  
 5) Stellen Sie den Computer in die Küche. Oder an einen anderen Ort in der Wohnung, den Sie einsehen können, ohne dass sich Ihr Kind ständig kontrolliert fühlt.  
6) Das Internet kann Spaß machen. Spielen Sie deshalb gemeinsam ein Internetspiel, das Ihrem Kind gefällt.  
7) Verstehen Sie nicht mehr, was Ihr Kind im Internet macht? Dann legen Sie keine falsche Scham an den Tag, sondern informieren Sie sich. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus, suchen Sie das Gespräch mit der Schule.  
 8) Kinder brauchen Geheimnisse – auch beim Internet. Akzeptieren Sie diese Grenze im Rahmen des Verantwortbaren. Machen Sie Ihrem Kind dabei zugleich deutlich, dass es immer zu Ihnen kommen kann, wenn es etwas Unangenehmes im Netz erlebt.  
9) Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu lange vor dem Computer sitzt. 30 Minuten am Tag sind für Kinder im Grundschulalter die Grenze.  
10) Bewegung schafft einen Ausgleich. Unternehmen Sie deshalb etwas mit Ihrem Kind. Und motivieren Sie es, sich mit seinen Freunden zu treffen.    

 

Welche Gefahren lauern für Kinder im Internet?  


chrismon plus rheinland: Frau Hölscher, ab welchem Alter interessieren sich Kinder für das Internet?
Jutta Hölscher, Diplom-Pädagogin (Foto: Markus J. Feger)
Jutta Hölscher, Diplom-Pädago-
gin, zuständig für Medienpäda-
gogik im Amt für Jugendarbeit
 der Evangelischen Kirche im
Rheinland, Mutter von drei
erwachsenen Kindern     

Jutta Hölscher: Das Interesse fängt meist an, wenn die Kinder in die Schule kommen. Sie entdecken, dass sie im Internet etwas lernen können. Oft gibt es in den Grundschulen schon Computerecken, die die Kinder für Recherchen oder Hausaufgaben nutzen können.
Wie viel Prozent der Kinder im Grundschulalter nutzen das Internet?
In der Altersgruppe der 6- bis 13-Jährigen sind es fast 60 Prozent. In den letzten Jahren hat die Internetnutzung besonders der jüngeren Kinder stetig zugenommen.
Was klicken Kinder im Internet vor allem an?
Sehr häufig Suchmaschinen, von denen einige sich speziell an Kinder richten. Auch Seiten von Fernsehserien besuchen Kinder oft. Ältere Kinder loggen sich in so genannte „Social Networks“ wie „Facebook“ oder „schülerVZ“ ein, wo sie sich mit virtuellen oder echten Freunden treffen.

Nutzen Jungen und Mädchen das Internet unterschiedlich?
Ja, Jungen verbringen durchschnittlich etwas mehr Zeit im Internet als Mädchen. Jungen fasziniert die Technik, sie drücken gerne Knöpfchen. Mädchen legen eher Wert auf Beziehungen. Deshalb chatten sie lieber.
Welche Chancen bietet das Internet Kindern im Grundschulalter?
Sie können auf eigene Faust spezielles Wissen abrufen, beispielsweise wenn sie sich für Dinosaurier interessieren. Das lässt sie selbstständig werden. Und das Internet eröffnet Kindern ganz neue Möglichkeiten zu kommunizieren, auch mit Menschen, die weit entfernt leben.
Welche Gefahren lauern für Kinder im Internet?
Kinder können Fotos oder persönliche Daten von sich preisgeben. Kinderschänder versuchen, über das Internet Kontakt aufzunehmen. Manchmal geraten Kinder auf Seiten mit pornografischem oder gewalttätigem Inhalt, die sie erschrecken. Und: Wenn Kinder jeden Tag viel Zeit im Netz verbringen, bewegen sie sich zu wenig.
Wie können Eltern ihre Kinder wirksam davor schützen?
Das Wichtigste ist, dass Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben. Sie sollten sich interessieren und wissen, wo sich ihre Kinder im Netz herumtreiben. Wenn es möglich ist, sollten sie gemeinsam mit dem Kind online gehen. Doch einen vollständigen Schutz gibt es nicht. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern die Gefahren im Internet bewusst machen.
Befürworten Sie Filter-Programme, die bestimmte Seiten sperren?
Nein. Sie lösen die Probleme nicht. Kinder lernen schnell, diese Programme zu umgehen.
Was halten Sie von so genannten „Internet- Führerscheinen“ für Kinder?
Sie können helfen, Kindern die Gefahren des Internets aufzuzeigen. Sie vermitteln kindgerechte Regeln, um diese Gefahren möglichst gering zu halten. Doch ein solcher Schein darf kein Freibrief für Eltern sein, ihr Kind stundenlang allein im Internet surfen zu lassen. Das Internet darf Kindern nicht schaden.
Was tut die kirchliche Jugendarbeit dafür?
Das Amt für Jugendarbeit bietet Fortbildungen für kirchliche Mitarbeiter in diesem Bereich an. Eine Kollegin von mir setzt sich dafür ein, dass das Thema Neue Medien in das neue Jugendschutzgesetz aufgenommen wird.  

Jutta Hölscher, Diplom-Pädagogin, zuständig für Medienpädagogik im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland, Mutter von drei erwachsenen Kindern  

Text und Interview: Katrin Keita