Zum Singen ist es nie zu früh. Doch Eltern sollten nicht zu ehrgeizig sein. Kinder singen nicht, um eine Castingshow zu gewinnen. (Foto: Markus J. Feger)

Mit Kindern singen   

Zehn Tipps für Eltern und Großeltern

1) Kinder haben eine natürliche Freude am Singen. Üben Sie deshalb keinen Zwang aus und entwickeln Sie keinen falsch verstandenen Ehrgeiz: Kinder singen um des Singens Willen und nicht, um eine Castingshow zu gewinnen.  
2) Kinder singen spontan und nehmen dabei zuweilen auch wenig Rücksicht auf Ihre Bedürfnisse. Haben Sie Geduld! Mit einem Satz wie „Sei doch mal still!“ können Sie ihrem Kind die Freude am Singen verleiden.  
3) Seien Sie ein Vorbild: Singen Sie selbst mit. Musikkonserven können die Eltern nicht ersetzen.  
4) Entmutigen Sie Ihr Kind nicht durch abwertende Bemerkungen, wenn es brummt und Töne nicht trifft. Es sollte mit Freude bei der Sache bleiben, denn das Ohr lernt mit.  
5) Kinder entdecken ihre Stimme spielerisch. Beispielsweise indem sie Geräusche von Maschinen und Tierstimmen imitieren. Ihre Mitwirkung ist dabei sicherlich gern gesehen.  
6) Wecken Sie die Phantasie Ihres Kindes: Erfinden Sie gemeinsam Liedtexte und Melodien. Dabei können Sie mit Ihrem Kind viel entdecken.  
7) Kinder singen mit dem ganzen Körper. Deshalb gibt es zu vielen Kinderliedern Gesten und Bewegungen. Anregungen finden Sie im Kindergarten oder auch im Kindergottesdienst.  
8) Ihr Kind sollte den Anfangston angeben, wenn Sie gemeinsam ein Lied singen. Denn Erwachsene stimmen in der Regel zu tief an.  
9) Zum Singen ist es nie zu früh. Ab einem Alter von zwei Jahren können Kinder schon eine kleine Melodie nachsingen.  
10) Mit anderen zusammen singen macht mehr Spaß. In vielen Kirchengemeinden finden Sie einen Chor für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.    

Was macht ein gutes Kinderlied aus?  

 
chrismon plus rheinland: Immer weniger Kinder singen. Was läuft schief? Horst Bischoff: Eltern fordern ihre Kinder zu wenig heraus. Sie sollten häufiger etwas mit ihnen unternehmen, dazu könnte auch das Singen
Horst Bischoff, Liedautor und Chorleiter aus Neuss (Foto: Markus J. Feger)
Horst Bischoff, Liedautor und
Chorleiter aus Neuss
Foto: Markus J. Feger      
gehören. Das setzt voraus, dass Eltern ihre Kinder auch zu einem sinnvollen Umgang mit moderner Unterhaltungselektronik erziehen. Sonst fehlen Zeit und Lust, die eigene Stimme auszuprobieren.
Das ist bei den Kindern in Ihren Chören anders?
In meine Kirchenchöre kommen Kinder, weil sie singen wollen. Sie nehmen sich die Zeit. Bei Proben, die ich für Grundschüler in der Offenen Ganztagsschule anbiete, muss ich allerdings schon mal besondere Anstrengungen unternehmen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Gibt es auch Kinder, die nicht singen können?
Ja. Sie singen von Probe zu Probe mit wachsender Begeisterung, hören dabei aber nicht, dass sie falsch singen. Ein ähnliches Phänomen ist beim Rhythmus zu beobachten: Es gibt Kinder, die völlig neben dem Takt klatschen.  
Sie schicken diese Kinder nicht nach Hause?
Nein, sie wären auch bestürzt, wenn ich sie ausschließen würde. Sie sollen ruhig mitmachen. Kindern lernen sich zu konzentrieren, weil sie Texte und Melodien beherrschen müssen. Sie entwickeln ein Gemeinschaftsgefühl, weil sie mit anderen etwas auf die Beine stellen. Sie bekommen ein Gefühl für Verantwortung, wenn sie einen Auftritt vorbereiten. Und sie lernen, sich mit anderen zu freuen, wenn es auf der Bühne geklappt hat.
Was macht ein gutes Kinderlied aus?
Ein Lied ist gut, wenn Kinder es gern singen, der Text Wortwitz hat oder zum Nachdenken anregt. Kinder sind an allem interessiert – man muss sie nur damit in Berührung bringen. CDs für Kinder sind zu einem lukrativen Geschäft geworden.
Worauf sollten Eltern beim Kauf achten?
Sie sollten keine CD unbesehen kaufen, nur weil sie den Künstler vielleicht kennen, sondern vorher hineinhören und die Texte lesen.  

Horst Bischoff, Liedautor und Chorleiter aus Neuss

Text und Interview: Wolfgang Beiderwieden