Losung

für den 23.10.2018

Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.

5.Mose 29,28

Kirchenkreiskarte
Kirchenkreiskarte mehr
Kontakt

Diakonisches Werk im
Evangelischen Kirchenkreis Wied
Rheinstraße 69
56564 Neuwied
Telefon: 02631 / 39 22 0
Fax: 02631 / 39 22 40

mehr
Projekte
mehr
Service

Ernst Barlachs 'Schwebender' ist in der Kölner Antoniterkirche zuhause. Ernst Barlachs "Schwebender" ist in der Kölner Antoniterkirche zuhause.

Vor 80 Jahren starb der Künstler Ernst Barlach

"Allertiefste Menschlichkeit"

"Kunst ist eine Sache allertiefster Menschlichkeit." Dieser Satz des Bildhauers, Zeichners und Schriftstellers Ernst Barlach steht gleichsam als Überschrift über seinem künstlerischen Schaffen. Zeitlos gültig sollte seine Kunst sein. Dabei sparte der 1870 geborene Arztsohn eine kritische Sicht auf die Gegenwart nicht aus.

Seine Plastiken, Zeichnungen und auch seine nicht so bekannten zahlreichen Dramen spiegeln die soziale Not der Zeit wider und widersetzen sich bürgerlichen Konventionen. Viele Barlach-Plastiken befinden sich heute in katholischen oder protestantischen Kirchen, unter anderem in Köln, Marburg, Bremen, Lübeck, Kiel, Münster, Magdeburg - und natürlich im mecklenburgischen Güstrow, wo Barlach seit 1910 lebte. Vor 80 Jahren, am 24. Oktober 1938, starb er in Rostock an den Folgen eines Herzinfarkts.

Im Kirchenschiff des Güstrower Doms hängt eine seiner bekanntesten Bronzeplastiken, der "Schwebende", die Barlach ursprünglich als Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges geschaffen hatte. Bei dem Werk in Güstrow handelt es sich mittlerweile um einen Abguss: Das Original war 1937 aus der Kirche geholt und während des Zweiten Weltkriegs für neue Kanonen eingeschmolzen worden.

In Köln hängt ein Zweitguss

Doch die Nationalsozialisten, die 1937 ein Ausstellungsverbot verhängten und Barlachs Kunst als "entartet" verfemten, schafften es nicht, Barlachs Werk zu vernichten. Das Original-Werkmodell seines "Schwebenden" überstand versteckt die Wirren des Krieges.

Seit 1952 hängt in der evangelischen Antoniter-Citykirche in Köln ein Zweitguss. Ein von diesem abgenommener weiterer Guss wurde 1953 der Domgemeinde in Güstrow als Geschenk der Evangelischen Gemeinde Köln übergeben. Der "Schwebende" trägt die Gesichtszüge von Barlachs Künstlerkollegin Käthe Kollwitz (1867-1945) und gilt als eines seiner Schlüsselwerke. Als Plädoyer gegen Krieg und Gewalt geschaffen, war diese Arbeit eine revolutionäre Neuerung.

Unheroisch

Damals gängige Kriegerdenkmale dienten der Glorifizierung der Gestorbenen und sollten für weitere Generationen Anreize zum "Heldentod" geben, wie die Kölner Kirchenführerin Antje Löhr-Sieberg erklärt. Es sei kein Wunder gewesen, dass die Nationalsozialisten 1937 Barlachs unheroischen "Schwebenden" und viele andere seiner Werke entfernen ließen.

Zwar hatte Barlach noch 1934 in einem von ihm unterzeichneten Bekenntnis betont, er gehöre "zu des Führers Gefolgschaft". Doch für die Nationalsozialisten war er ab diesem Jahr ein Schöpfer "entarteter Kunst" - nicht zuletzt durch seine damals entstandene Plastik des niedergeschlagenen "Wanderers im Wind", mit der er sich gegen die nationalsozialistische Ideologie stellte.

Versehrte, Geächtete, Notleidende

Überhaupt passten der NS-Kulturideologie Barlachs Darstellungen von Bauern und Bettlern nicht. Viele prägende Motive hatte er 1906 auf einer Reise mit seinem Bruder nach Russland gesammelt. Seine künstlerische Arbeit setzte Barlach auch nach dem Ausstellungsverbot fort, und er wandte sich weiter der existenziellen Einsamkeit des Einzelnen zu. Versehrte, Geächtete und Notleidende, Randfiguren der Gesellschaft, blieben seine Hauptmotive.

"Gott verbirgt sich hinter allem, und in allem sind schmale Spalten, durch die er scheint - scheint und blitzt", erklärte Barlach einmal. Doch hat er sich nie von der Kirche vereinnahmen lassen, wie Jürgen Doppelstein von der Ernst-Barlach-Gesellschaft betont.

Größter Bestand in Güstrow

Der größte zusammenhängende Werkbestand an bildhauerischen, grafischen und schriftlichen Arbeiten, Skizzen und Entwürfen Barlachs befindet sich heute in Güstrow. Dazu zählen etwa 320 plastische Arbeiten, 1.400 Zeichnungen, 200 Druckgraphiken sowie jeweils mehr als 100 Skizzenbücher und literarische Manuskripte. 1953 wurde in Güstrow in der Gertrudenkapelle ein Ausstellungsraum eröffnet, in dem etwa der "Lesende Klosterschüler" von 1930 oder die 1937 entstandene Holzfigur "Der Zweifler" stehen.

Ein Ernst-Barlach-Museum wurde 1987 im Geburtshaus des Künstlers in Wedel in Schleswig-Holstein eröffnet. Es wird wie das Barlach-Museum Ratzeburg von der Hamburger Ernst-Barlach- Gesellschaft betrieben. In Ratzeburg - der Stadt seiner Kindheit - ist der Künstler auch begraben.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

epd / Andreas Rehnolt; ekir.de-Foto: Anna Siggelkow / 19.10.2018



© 2018, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


© 2018, Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenkreis Wied
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung