Was uns bewegt
Johannes 17, 21; "Alle sollen eins sein."
Wir - die Mitglieder der beiden christlichen Gemeinden auf dem Dönberg, der evangelischen Gemeinde und der katholischen Gemeinde St. Maria Hilf - wollen unsere nachbarschaftlichen Beziehungen festigen und in Zukunft noch enger gestalten als bisher.
Wir wissen uns hierzu verpflichtet im Auftrag Jesu Christi, unseres Herrn. Auf seinen Namen sind wir alle getauft. Er hat den Vater inständig gebeten, dass alle, die zu ihm gehören, eins sein mögen, wie er mit dem Vater eins ist (Johannes 17,21).
Es genügt unseren beiden Gemeinden deshalb seit einiger Zeit nicht mehr, nebeneinander zu leben. Ein für die Umwelt glaubwürdiges Zeugnis unseres gemeinsamen Bekenntnisses können wir katholischen und evangelischen Christen nur geben, wenn wir trennende Grenzen überwinden und uns einmütig zu Christus, unserem Herrn und Bruder bekennen. Denn er will nicht Distanz, sondern Einigkeit.
Uns verbindet das Geschenk des gemeinsamen christlichen Glaubens an den Vater, an den Sohn und an den Heiligen Geist. Wir gehen zwar auf verschiedenen Wegen mit Christus zu Gott, unserem Vater, aber dennoch können wir viele Wegstrecken gemeinsam gehen. Wenn Christus die Mitte unseres Lebens ist und wenn wir uns von ihm leiten lassen, können verschiedene Traditionen und Glaubenshaltungen uns nicht mehr trennen. Wir wollen gemeinsam bekennen, beten und handeln.
Was uns schon verbindet
Die Heilige Schrift und das Glaubensbekenntnis haben wir gemeinsam, die Taufe eint uns - diese Feststellung hat die Dönberger Christen der katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Hilf und der evangelischen Kirchengemeinde im Jahre 1993 ermutigt, mit der gezielten ökumenischen Arbeit zu beginnen. Erste Ergebnisse bestanden in der Aufführung der Adventskonzerte der beiden Kirchenchöre. Bereits seit Mitte der siebziger Jahre wurde ökumenische Nähe deutlich, indem Frauen beider Gemeinden den Weltgebetstag gemeinsam ausrichteten. Bei diesen Veranstaltungen treffen wir uns seither abwechselnd in der evangelischen und in der katholischen Kirche. Die gute ökumenische Nachbarschaft bewährte sich auch während des Neubaus des katholischen Kirchengebäudes in den Jahren 1983/84, als die katholischen Christen ihre Heilige Messe in der evangelischen Kirche feierten.
Schon bald nach 1993 kam es zur Feier ökumenischer Gottesdienste. Deren Anzahl ist in den vergangenen Jahren ständig angestiegen, Der Freiluftgottesdienst am Pfingstmontag hat die längste Tradition. Auf Weisung des Bischofsvikars für Fragen der Glaubenslehre und Ökumene beim Erzbistum Köln soll künftig eine ökumenische Feier nach dem jeweiligen Gottesdienst bzw. der heiligen Messe stattfinden. Anlässlich des gemeinsamen Gemeindefestes im Jahre 2005 wird im Gottesdienst die Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet. Inzwischen finden ökumenische Gottesdienste auch am Reformationstag, am Buß- und Bettag und neuerdings am Neujahrs-Nachmittag hierbei unter Beteiligung der russisch-orthodoxen Gemeinde - statt.
Um den ökumenischen Gedanken bereits vom frühen Alter an zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, feiern wir seit neuestem gemeinsame Minigottesdienste (früher: Krabbelgottesdienste) abwechselnd in unseren Gemeindekirchen. Als Zeichen unserer Verbundenheit besuchen wir bei besonderen Anlässen den Gottesdienst oder die Veranstaltungen der jeweiligen Schwestergemeinde und sprechen Grußworte (z.B. Erstkommunion, Konfirmation, Osternacht).
Zu den Erfolgen unserer bisherigen ökumenischen Bemühungen zählt auch die langjährige diakonische Zusammenarbeit im Projekt "Dönberg hilft Krapina und Burgas". Ein hoch engagierter Kreis von Christen beider Gemeinden trägt diese ideenreiche Aktion (z.B. durch "Kultur und Kneipe"), aus deren Ertrag soziale Vorhaben in Bulgarien und Kroatien unterstützt werden. Vor Ort auf dem Dönberg werden seit mehreren Jahren die "Dönberger Vorträge" organisiert, die inzwischen über den Ortsteil hinaus eine dankbare Zuhörerschaft gewonnen haben.
Unsere Pfarrer/Priester sind tatkräftige Förderer der Dönberger Ökumene und treffen sich zum regelmäßigen Meinungsaustausch. Ebenso sind im Verlauf der Jahre die Verbindungen zwischen den Leitungsgremien gestärkt worden. Durch die Veranstaltungen des Ökumenekreises (Gespräche, Vorträge) lernen wir Dönberger Christen einander immer besser kennen. Wir entdecken und verstehen Traditionen und christliche Gebräuche unserer Nachbargemeinde. Vor allem erfahren wir die gemeinsame Mitte unseres Glaubens in Jesus Christus.
Wir Dönberger sind im bürgerschaftlichen Zusammenleben schon immer durch viele Vereine und gesellige Zusammenkünfte "ökumenisch" zusammen gewesen. Wenn bei diesen Veranstaltungen auch nicht unbedingt die geistliche Begegnung im Mittelpunkt stand, so haben sie stark darauf hingewirkt, die menschliche Nähe, die persönliche Freundschaft untereinander und die Ortsverbundenheit zu stärken. Die gemeindlichen Angebote haben dazu stets beigetragen. Diese sind durch den Austausch der Gemeindebriefe bekannt.
Wohin wir wollen
In der Apostelgeschichte lesen wir im zweiten Kapitel, Vers 42: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."
Wir meinen, dass der geistliche Inhalt einer ökumenischen Gemeinschaft hier umfassend beschrieben worden ist.
Was uns als gemeinsamer Auftrag gegeben worden ist, das wollen wir gemeinsam tun. Wir wollen das bisher Erreichte im Sinne einer Partnerschaftsvereinbarung festigen und tatkräftig ausbauen. Hierbei bestärkt uns auch das Wort von Kardinal Walter Kasper: "Ökumene ist kein Weg zurück, sondern ein Weg nach vorne."
Mit der Besinnung auf die uns gemeinsam gewährte Taufe und im Vertrauen auf Gottes Geist wollen wir:
Was uns bei der gemeinsamen Arbeit an dieser Partnerschaftsvereinbarung bewegt hat, lässt sich an zwei Zitaten zum Thema Ökumene verdeutlichen:
Was wir uns zueigen machen müssen:
"Wir haben von einander gelernt und zunehmend den Reichtum und die Fülle der Traditionen in der Weltchristenheit entdeckt. Wir wissen heute, dass wir nicht wie die anderen werden müssen und trotzdem Einheit glauben und leben können. Wir spüren aber zugleich deutlicher als zuvor, dass wir nicht bleiben können, die wir sind, wenn wir in der Welt das Zeugnis der Versöhnung und des Frieden Gottes ausrichten wollen." (Joachim Track)
Was wir erhoffen:
"In der Tat, die Gemeinschaft am Tisch des Herrn, also die Eucharistiegemeinschaft, ist das Ziel und damit die Herausforderung der Ökumene. Es darf uns deshalb nicht in Ruhe lassen, dass wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben." (Kardinal Walter Kasper)
Wir bitten Gott im Namen seines Sohnes Jesus Christus, unsere ökumenische Partnerschaft auf dem Dönberg in der Kraft seines Heiligen Geistes zu segnen.
Diese Vereinbarung schließen wir mit Zustimmung der Kirchenleitungen und in lebendigem Kontakt mit ihnen ab.
Dönberg, im Juni 2005
(Die Pfarrer, der Kirchenvorstand, das Presbyterium, der Ökumenekreis, der Pfarrgemeinderat)