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Foto: Andre Zelck
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Nr. 30 | Oktober 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martin Luther ist mir bis heute ein wichtiger Weggefährte, weil er zu Herzen geht. Er geht zu Herzen, weil seine Theologie ihren Ort mitten im Leben hat: Theologie und Seelsorge gehören bei ihm aufs Engste zusammen.

Und seine Sprache: „… der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!“ Gibt es ein schöneres Stück deutsche Literatur als den 90. Psalm? Dabei will ich nicht verhehlen, dass es auch Seiten gibt, die mir nicht gefallen: seine Hetzpostillen gegen die Juden oder auch sein „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“. Aber so sehr er sich auch an mancher Stelle verrannte, so sehr ging es ihm doch darum, den Menschen die Zusage Gottes nahezubringen. Gott ruft den Menschen ins Leben durch sein Wort. Darum ist die Bibel das Fundament der Theologie Luthers. Durch das gepredigte und mündlich erfahrene Wort der Schrift wird Jesus Christus in der Welt erfahrbar. Er ist gegenwärtig im Evangelium als Zusage, die den Menschen aus den Verstrickungen seines Lebens rettet. Darum ist seine Theologie lebensnah. Der Gott Luthers ist kein abstrakter, weltfremder Gott, sondern ein Gott, der den Menschen ein Versprechen gibt. Das Versprechen: Leben ist stärker als der Tod. Das zu erfahren, so lehrte Luther, vermag derjenige, der sich auf die Bibel einlässt.

Und darum hat er Ratschläge gegeben, die bis heute beherzigenswert sind: des Abends etwas aus der Heiligen Schrift im Herzen mit ins Bett zu nehmen, um gleichsam wiederzukäuen und darüber einzuschlafen. Oder wer zu beten nicht in der Lage ist, soll sich aus den Psalmen oder dem Neuen Testament etwas vorlesen lassen. Lebenspraktische Theologie und Seelsorge, die dem Menschen wohltun will – das ist der Luther, der mir bis heute am Herzen liegt.

Ihr Präses Nikolaus Schneider




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