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EPD: Aktuelle Nachrichten vom epd-west / Redaktion Düsseldorf, Koblenz, Saarbrücken

 

Diakonie befürchtet Auswirkungen der Finanzkrise auf Erziehungshilfe

Sozialexperten der Diakonie haben die Kommunen vor Kürzungen bei der Erziehungshilfe gewarnt. Angesichts der schwierigen Haushaltssituation vieler Städte würden sich die Rahmenbedingungen der Arbei...

Sozialexperten der Diakonie haben die Kommunen vor Kürzungen bei der Erziehungshilfe gewarnt. Angesichts der schwierigen Haushaltssituation vieler Städte würden sich die Rahmenbedingungen der Arbeit von Jugendämtern und Trägern zunehmend verschlechtern, kritisierte der Vorsitzende des evangelischen Fachverbands für Erzieherische Hilfen Rheinland-Westfalen-Lippe, Reinhard Wüst, am Mittwoch in Düsseldorf. Dabei wachse der Bedarf nach Hilfen und Beratung. "Wir erleben, wie Armut, Alkohol, Drogen und psychische Erkrankungen ganze Familiensysteme zusammenbrechen lassen in einem nie vorher gekannten Ausmaß."

Beim Neujahrsempfang des neu gegründeten Fachverbands forderte der Vorsitzende der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Uwe Becker, außerdem eine Reform der Erziehungshilfen. Die klare Trennung der Zuständigkeiten zwischen den Hilfen für minderjährige und volljährige Jugendliche müsse dringend korrigiert werden, sagte Becker. Es gebe immer häufiger "erzieherische Fehlleistungen", wenn auffällige junge Menschen nicht weiter von Trägern der Jugendhilfe betreut werden könnten. "Dann führt der Weg ganz schnell vom Schulabbrecher zum Obdachlosen."

Auch wenn die Heimerziehung heute mit den pädagogischen Maßstäben der 50er und 60er Jahre nichts mehr gemein habe, sei sie doch immer noch ein "Stein des Anstoßes", sagte der Koblenzer Pädagogikprofessor Christian Schrapper. Laut Statistik seien 42 Prozent der stationären Hilfen nicht erfolgreich, im Gegensatz zu nur 16 Prozent in der ambulanten Hilfe. Dennoch flösse das meiste Geld in die Heime. Über 50 Prozent der 2,5 Milliarden Euro, die die Landesregierung 2010 für erzieherische Hilfen zur Verfügung stelle, würden für stationäre Maßnahmen ausgegeben, bestätigte Klaus Schäfer vom NRW-Familienministerium. Der Grundsatz "ambulant vor stationär" müsse noch weiter ausgebaut werden.

Der neu gegründete Evangelische Fachverband für Erzieherische Hilfen Rheinland-Westfalen-Lippe vereint nach eigenen Angaben rund 150 Träger ambulanter, teilstationärer und stationärer Einrichtungen der Erziehungshilfe unter dem Dach der Diakonie. In den Verbänden sind insgesamt mehr als 6.400 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Der neue Fachverband will ihnen ein Forum für Beratung, Vernetzung und Fortbildung bieten, aber auch Lobbyarbeit betreiben.

Internet: www.diakonie-rwl.de

epd-West sd es


epd / 20.01.2010


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