Sondersynode
Sonderdienst soll auslaufen
Die Landessynode hat sich zum Auftakt ihrer außerordentlichen Tagung mit dem Thema Sonderdienst befasst. Dieser vor zwanzig Jahren eingerichtete Dienst solle beendet werden, so die Vorlage an die in Bad Neuenahr tagende Synode.Und der Sonderdienst wurde zum Erfolgsmodell. Während in anderen Landeskirchen Vikarinnen und Vikare ohne Pfarrstellen blieben und in Jobs außerhalb der Kirche ausweichen mussten, wurden in der rheinischen Kirche neue Arbeitsfelder mit „Sonderdienstlern“ besetzt. Zum Beispiel in der Ausländer- und Aussiedlerarbeit, in der Notfallseelsorge, der Schulseelsorge und in der Öffentlichkeitsarbeit.
Der Sonderdienst, finanziert aus einem landeskirchlichen Fonds, dauerte fünf Jahre und konnte um weitere fünf Jahre verlängert werden. Für viele Stelleninhaberinnen und -inhaber war er ein Sprungbrett in den Pfarrdienst: Fast zwanzig Jahre lang wurden durchschnittich 75 Prozent eines jeden Jahrgangs aus dem Sonderdienst in Pfarrstellen gewählt. Bis heute waren bzw. sind 796 Frauen und Männer im Sonderdienst beschäftigt.
"Sackgasse" geworden
Seit 2004 hat sich das Zahlenverhältnis von gewählten und entlassenen Pastorinnen und Pastoren im Sonderdienst jedoch umgekehrt. Von denjenigen, die ab Oktober 2005 bis 2010 ihren fünfjährigen Sonderdienst beenden, werden voraussichtlich nur 25 Prozent in den Pfarrdienst übernommen werden können. Das einstige Erfolgsmodell ist „zu einer Sackgasse geworden“, heißt es dazu kurz und bündig in der Vorlage der Kirchenleitung an die Landessynode. Das Sonderdienst müsse beendet werden, um den Betroffenen eine rasche berufliche Neuorientierung zu ermöglichen.
Doch nicht nur das: Aus dem Sonderdienst ausscheidenden Personen wird eine „Perspektivberatung“ angeboten, die sechs Monate umfasst. Hauptaufgabe soll es sein, je nach den individuellen Kompetenzen geeignete berufliche Einsatzfelder zu finden. Ein entsprechendes Pilotprojekt der Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist bereits angelaufen.
Den Theologinnen und Theologen falle es schwer, sich vom Berufswunsch Pfarramt zu verabschieden, berichtete Kirchenrechtsdirektor Henning Boecker bei der Debatte im Plenum. Hinter dem Sonderdienst stehen Menschen, die dieser Kirche dienen und weiter dienen wollen, würdigte ein Synodaler den Dienst.
Oberkirchenrat Jürgen Dembek erklärte, dass bisher alle, die im Rheinland Theologie studieren wollten, ihre Ausbildung absolvieren konnten. Letztlich habe der Markt entschieden, wer eine Stelle bekam. Der heutige Personalüberhang müsse abgebaut werden. Andere Möglichkeiten sehe er "eigentlich keine", räumte Dembek ein.
Eine weitere Vorlage an die Sondersynode lautet: Der Probedienst soll verkürzt werden. Der Dienst schließt sich an die Ausbildung von Theologinnen und Theologen nach Vikariat und Zweitem Examen an. Der dreijährige Probedienst sei zu lang, hätten die Erfahrungen gezeigt, so die Begründung in der Vorlage. Gleichzeitig sei er für Aufgaben mit dauerhaften Wirkungen zu kurz. Deshalb sollen ab Oktober 2006 Pfarrerinnen und Pfarrer zur Anstellung zwei Jahre ihren Dienst tun.
Die drei Jahre reichten meist eben doch nicht, eigenständig Projekte durchzuführen, erläuterte Oberkirchenrat Dembek dem Plenum. Deshalb solle der Probedienst wieder die Länge des früheren Hilfsdienstes bekommen, der meist eine Vakanzstelle war - "also höchst eigenständig".
Beide Themen - Abschaffung des Sonderdienstes und Verkürzung des Probedienstes - stehen am Samstag zur Abstimmung.
es/neu 09.06.2006
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