Freitag, 26. September 2008Die BankenkriseTrackbacks
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Herr Dr. Vogelsang, Sie klagen in Ihrem Beitrag eine verstärkte Regulierung ein. Die Haltung ist nicht neu. Wenn die Mathematik-Kenntnisse in der Schule zu wünschen lassen, grundlegend die Kinderschar ausbleibt, die Bananen nicht so krumm sind, wie sei sein sollten, müssen in diesem unserem Lande die Politiker ran und regulieren.
Natürlich haben Sie Recht, die Laizze-faire Politik der Bankenaufsicht - im Fachjargon das unzureichendes Risk-Management - führt zu dazu, dass Fehlbewertungen und Fehlallokationen nicht adäquat korrigiert werden. So hat die Finanzwelt nun mal eben in schicke amerikanische Einfamilienhäuser mit Doppelgarage und Swimmingpool investiert, die sich nun über Meilen in die Wüsten Arizonas und Nevadas ziehen. Und nun fehlen Amerikaner, die darin wohnen wollen. Noch. Sorgen Sie sich darüber nicht zu sehr, bald werden es mehr Amerikaner sein, die diese Häuser füllen. Vergleichbares ist auf dem spanischen und britischen Häusermarkt zu beobachten und ein Teil der dortigen Insolvenzen würde man anders als die Hypo Real Estate in Deutschland, als primäres Opfer der Fehlallokationen sehen. Alle drei genanten Märkte zeichneten sich durch außerordentliches Wachstum in den letzten Jahren aus und exzessive Liquidität verführt leider zu Verschwendung und Fehlinvestitionen. Das sollte jeder aus eigener Erfahrung kennen. Dies ist zudem nicht die erste durch Immobilienspekulation getriggerte Bankenkrise. Im Mutterland erfolgreicher Regulierung, Schweden sowie in Japan, auch nicht für unregulierten Turbo-Kapitalismus bekannt, mussten 1992-96 und 1995-96 zur Lösung einer Krise die Banken teil-verstaatlicht werden. Insgesamt erleben wir die fünfte Bankenkrise, die, das ist keine Frage, weitreichende Folgen haben wird. Da die längste Wachstumsperiode der Wirtschaftsgeschichte an Deutschland weitestgehend vorbeigegangen ist, gibt es hier auch wenig zu investieren daher sind die Hauspreise auch kaum gestiegen und über Fehlinvestitionen kann man vermutlich nur im gewerblichen Bereich reden. So ist der Verlierer im weltweiten Wachstum ein Gewinner in der Immobilienkrise. Wenn man nun noch die ganzen Landesbanken, die KfW und IKB vor dubiosen Investitionen in die amerikanische Immobilienblase bewahrt hätte. Nun, komischerweise haben das genau die Politiker in den Aufsichtsräten nicht geleistet. Wie dumm, nun ist Deutschland doch kein Gewinner. Nach dem Enron Skandal hat uns die amerikanische Gesetzgebung mit dem Sarbanes-Oxley-Gesetzen beglückt, hier wird man sicher nicht untätig bleiben. Sie haben völlig recht, hier ist mit einem Ausbau der Regulierung zur rechnen. Sie haben aber in einer Sache völlig unrecht. Diejenigen, die nicht fähig sind, Sozial- oder Einwanderungsprozesse so zu designen, dass sie funktionieren, werden vermutlich an der Gestaltung der Regulierung nicht beteiligt. Und die Politiker in den Aufsichtsräten der WestLB, SachsenLB, der KfW und IKB sollten Sie in den Ruhestand schicken, natürlich mit Pensionskürzungen. Dann können diese Akteure auch nicht mehr den Anschein einer verantwortungsvollen Bankenaufsicht erwecken. Zudem hätten Sie herhindert, dass sie sich in einem Geschäftsfeld verdingen, das sie nicht hinreichend verstehen. Das wäre gut.
Sehr geehrter Herr Dr. Steffan,
mit Verlaub, Ihr Kommentar der Meinungsäußerung von Herrn Dr. Vogelsang klingt mir doch etwas herablassend. Sie haben alles vorhergesehen. Die Sache ist auch gar nicht schlimm, weil sich halt ein paar Spekulanten verspekuliert haben – das gab's immer schon, und wird’s immer geben. (Mir schmeckt daran nur nicht, dass wir Steuerzahler die Suppe auslöffeln sollen und die übelsten Spekulanten vielleicht ungeschoren davon kommen oder im tiefen Tal der Krise noch ihren Reibach machen.) Auf jeden Fall sind Sie gegen mehr Regulierung, weil Sie von der ganzen Politikerkaste rein gar nichts halten. Den deutschen Politikern schieben Sie es auch in die Schuhe, dass Deutschland von der längsten Wachstumsphase der Wirtschaftsgeschichte fast gar nichts abbekommen hat. Ich nehme an, Sie werfen den deutschen Politikern vor, nicht schnell , so gut wie alle Regulierungen über Bord geworfen zu haben. Was Ihre Schelte der Geschäftspolitik der Landesbanken, der KfW und der IKB angeht, so machen Sie es sich zu leicht, auch hier mit dem Finger auf „die Politiker“ zu zeigen. Richtig ist vielmehr, dass sich die Vertreter der öffentlichen Eigentümer dieser Banken (die Politiker) immer große Mühe gegeben haben, bewährte Fachleute aus der freien Wirtschaft für das Management dieser Banken zu gewinnen. Für die Vergütungen dieser Leute haben sie tief in die Tasche gegriffen. Keiner dieser Herren war bereit für das Taschengeld zu arbeiten, das z.B. unsere Frau Bundeskanzlerin als Gehalt bezieht. Geholfen hat das nichts, weil das Konstruktionsprinzip dieser Banken verfehlt ist. Zuletzt schieben Sie es „den Politikern“ in die Schuhe, sie hätten den Anschein einer verantwortungsvollen Bankenaufsicht erweckt. Das klingt mir nach dem Ruf des Diebes selbst: „Haltet den Dieb!“, um die Verfolger in die falsche Richtung zu schicken. Richtig ist doch, dass die Bankenaufsicht – sie wird übrigens von Beamten und Beamtinnen nach Gesetz und Recht ausgeübt – Politiker haben da nichts zu kamellen – gar nicht die Instrumente besaß und besitzt, um die vorsätzlich am regulierten Bankenwesen vorbei konstruierten neuen Geschäftspraktiken einzudämmen. Ich finde es völlig falsch, in einer Art allgemeinem Anti-Politiker-Furor alle Angehörigen dieser Kaste in einen Sack zu stecken und zu prügeln. Es gibt nämlich sone und solche. Sone, die seit Jahren ihr neoliberales Credo daherbeten (und sich damit mitschuldig gemacht haben am jetzigen Schlamassel) und solche, denen man vielleicht den Vorwurf machen kann, sie hätten nicht kräftig genug angekämpft gegen den neoliberalen Mainstream. Uns Bürgern und Bürgerinnen obliegt es demnächst wieder zu wählen. Hoffentlich treffen wir die richtige Wahl zwischen den Politikern und Politikerinnen, die sich im demokratischen Meinungskampf präsentieren.
Hallo Herr Warnat,
die Wirtschaft spielt in der Wirtschaft und ist eingebettet in die Regulierung. Wenn ordnungspolitisch nachgebessert werden muss, dann ist offensichtlich das Verfehlen ordnungspolitischer Natur. Wenn Politiker und Regierungsbeamte jeglicher Couleur an neuen Gesetzen bauen, stellt sich die Frage, warum sie das jetzt erst tun. Vor allem da die gleichen Vertreter in den Aufsichträten der Landesbanken genau diese Pflicht hätten erfüllen sollen. Eine Insolvenz ist kein Versagen sondern ein systemimmanenter Bereinigungsprozess der Organisationen, die aufgrund nicht nachhaltiger Geschäftsprozesse zahlungsunfähig sind. Das muss kein Desaster sein. Diejenigen, denen die Masseninsolvenz der Banken nicht gefällt, können ja ordnungspolitisch eingreifen. Am Ende wird die Evolution der Wirtschaftssysteme sicherlich die besten herausstellen. Hämischerweise kann man Herrn Dr. Vogelsang recht gegen, wir erleben einen Paradigmenwechsel; am Ende wird es eine amerikanische Investmentbank weniger geben aber keine deutsche Landebank in jener Form, wie man sie bislang gekannt hat. Nun zu Regulierung – wenn diese nur weitsichtig wäre, dass sie im Ergebnis vorteilhafte Produkte für den Bürger erbringen würde. Die Sozialsysteme sind in der Dauerkrise, die öffentlich rechtliche Rente in jeder Variante unattraktiv und die Schulsysteme genau da aus dem Koma erwacht, wo jede Schule zu einem Profit-Center mit Eigenverantwortung und gradueller Budgetautonomie gemacht worden ist. Ist das nun neoliberal? Rettet der Neoliberalismus nun ihren pädagogischen Ringelpitz? Vergessen Sie mal Ihre Kampfbegriffe aus der Mottenkiste der 68er. |
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