Donnerstag, 11. Dezember 2008WANN WURDE JESUS GEBOREN ?Trackbacks
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Lieber Herr Dr. Linke, ich halte die Quelle und den Text von Ihnen über den Census für sehr ergiebig. Die Bearbeitung des Josephus durch christliche Kopisten für mich neu, aber überzeugend. Eine Sache schätze ich anders ein: Ich halte es für unhistorisch und überspitzt, zu sagen, dass Lukas die Geschichte verfälscht habe. Ich sehe es eher so, dass Lukas, mit seinem zeitlichen und räumlichen Abstand zu den Ereignissen um die Geburt Jesu, nicht mehr so genau wusste, was damals passierte, wer für welches Gebiet zuständig war, und in welchem Jahr welche Zählung stattfand. Ich vermute eher, dass Lukas ein klar heilsgeschichtlich-theologisches Interesse vertritt: Wenn der "Herr der Welt" geboren wird, so ist die Zählung, die auf seinen Geburtsort Einfluss nimmt, auch von von weltweiter Bedeutung, und von dem damals größten Herrscher veranlasst. "Der Kontrast zwischen dem Weltherrscher Augustus und dem in Niedrigkeit geborenen wahren Retter und Herrn der Welt wird erkennbar", so Gerhard Schneider im Ökumenischen Taschenkommentar zum Lukasevangelium, Gütersloh, 2. Aufl. 1984, S. 66
> So weit meine Vermutungen zum Datum.
NACHTRAG zum Artikel WANN WURDE JESUS GEBOREN
Kurz nachdem ich meinen Artikel „Wann wurde Jesus geboren?“ geschrieben und in den Weblog gestellt habe, fand ich eine Arbeit von Frau Dr. Henrike Maria Zilling: "Überlegungen zum Zensus des Quirinius". Institut für Geschichte und Kunstgeschichte, Technische Universität Berlin 2006. Zu finden unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=853&type=diskussionen Forschung steht nie still. Neue Funde, bzw. neue Interpretationen bekannter Funde werfen ein anderes Licht auf die Geschehnisse vor 2000 Jahren. Das zeigt die o.g. Arbeit geradezu exemplarisch. Ich versuche mir wichtig erscheinende Gedanken daraus in einem Nachtrag zu nennen. Zunächst weist Frau Dr. Zilling ausdrücklich darauf hin, und begründet dies auch, dass der bei Lukas erwähnte Zensus kein Reichszensus, sondern ein im Jahr 6 n.Chr von Quirinius im kaiserlichen Auftrag vorgenommener judäischer Zensus war. Nach Josephus ist jedenfalls nicht die Rede von einem weltweiten Zensus, sondern nur von einem Zensus in Syrien und zur Besteuerung der Bevölkerung in Judäa, welches nun verwaltungstechnisch an Syrien angeschlossen wurde. Als Herodes 4 v.Chr. stirbt, wird sein Reich unter den Söhnen Antipas, Archelaos und Philippus aufgeteilt. Zehn Jahre später, 6 n.Chr., setzt Augustus, den Herodessohn Archelaos, den Ethnarchen (Volksherrscher) von Judäa, ab und schickt ihn in die Verbannung. Zeitgleich wird P. Sulpicius Quirinius Statthalter von Syrien, das er einem Zensus unterzieht. Das jetzt angeschlossene Judäa ist betroffen, Galiläa nicht, wo Maria & Joseph in der Stadt Nazareth leben. Warum gehen Maria & Joseph trotzdem nach Bethlehem, um sich dort schätzen zu lassen? Lukas interpretiert das heilsgeschichtlich, da nur Bethlehem nach Micha 5,1 als Geburtsort für einen neuen Messias in Frage kommen kann. Nach Matthäus hat aber die Geburt Jesu in Bethlehem noch zu Lebzeiten des Herodes, also 10-12 Jahre vor der Quirinius-Schätzung stattgefunden. Jesus war also bereits ein heranwachsender Knabe, als Maria & Joseph sich auf den Weg zur Schätzung machten. Die 4-5 Tage dauernde beschwerliche Reise wäre außerdem für eine Hochschwangere eine regelrechte Zumutung, folgte man dem Lukas-Text wie geschrieben. Frau Dr. Zilling schreibt dazu: „ An der Bethlehemgeburt zum Zeitpunkt des Quiriniuszensus 6 n.Chr. lässt sich indes kaum festhalten. Wenn Lukas darüber tatsächlich Berichte von Augenzeugen aus dem Umfeld der Familie hatte, dann ist an einen Irrtum zu denken. Dieser könnte sich aufklären, wenn man in Betracht zieht, dass Quirinius tatsächlich den Zensus bzw. wohl eine Art Vorzensus in der Endphase der Herodesherrschaft beginnt, der Joseph und Maria nach Bethlehem bringt. Streicht man die Bethlehemgeburt als unhistorisch, kommt Jesus von Nazareth auch in Nazareth auf die Welt.“ Außer der Genealogie gibt es einen anderen Grund sich schätzen zu lassen. Es ist Besitz in Form von Grund oder Immobilien. Es gibt sehr gut dokumentierte Parallelfälle aus gefundenen Papyri, die belegen, dass Zensusbedingte Wanderungen zwecks Abgabe der Steuererklärung und Sicherung des Besitzes damals üblich und notwendig waren. Übereinstimmungen im Aufbau des lukanianischen Berichtes mit dem Aufbau in zeitgenössischen Steuerformularen sind frappant. Neben Josephs- kann auch Marias Familie, oder sie selbst Besitz in Judäa gehabt haben. Dies sind wahrscheinlich die wichtigsten Gründe für die Schätzung der Eltern Jesu vor den Beamten des Kaisers im Jahre 6 n. Chr. in Judäa. Maria & Joseph müssen nicht arm gewesen sein. Joseph war Handwerker bzw. Kleinunternehmer. In Galiläa gab es sehr viel Arbeit durch die vielen dortigen Bauvorhaben, und Jesus sollte in die Fußstapfen des Vaters treten. Dass Jesus so ganz andere Ziele verfolgte, erzürnte die Familie, das ist belegt. Zusammenfassend schreibt Fr. Dr. Zilling: „Der wahrscheinlichste Geburtsort Jesu bleibt Nazareth. Sein Geburtsdatum stimmt ziemlich genau mit der Endphase der Herodesherrschaft überein. Einige Jahre später wurde Judäa der Provinz Syrien zugeordnet. Nunmehr war Quirinius Statthalter von Syrien und ließ nach dem Gebot des Kaisers in seinem gesamten Verwaltungsgebiet einen Zensus durchführen. Zu diesem Zeitpunkt war Jesus vermutlich schon ein Knabe; vielleicht war er ziemlich genau 10 Jahre alt, als seine Eltern nach Bethlehem wandern mussten, um dort ihren Landbesitz besteuern zu lassen.“ Obige Gedanken sind Neuland für mich, aber so interessant, dass ich sie in Form eines Nachtrages an meinen Artikel anhänge. Der am Detail interessierte Leser sollte unbedingt die o.g. Web-Adresse aufrufen, unter der der vollständige Text der wissenschaftlichen Ausarbeitung mit vielen Quellenangaben nachzulesen ist. Werden die Aussagen der Arbeit „Mainstream“, dann müssen unsere Lehrbücher wohl neu redigiert werden. Dr. Georg Linke, Aachen im Januar 2009
BITTE UM QUELLENANGABE
Sehr geehrter Herr Linke, ich habe gerade im Web mit großem Interesse Ihre Text zur Datierung der Geburt Jesu gelesen, insbesondere Ihren Hinweis auf die historische Parallele des röm. Senatsbeschlusses 63 zum angebl. Herodianischen Kindermord. Leider habe ich dazu keine Quelle finden können – können Sie mir weiterhelfen? Danke und viele Grüße Hans D. Baumann Sehr geehrter Herr Dr. Hans D. Baumann! Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Den Hinweis habe ich aus einem über Jahre aufbewahrten Zeitungsausschnitt: Auszug aus „Christus hat zwei Geburtstage“ von Alexander Demandt FEUILLETON DIE WELT vom 24.12.1998 Während die Spekulationen über den Stern noch immer weitergehen, ist der Kindermord zu Bethlehem und die daran anschließende Flucht nach Ägypten längst als unhistorisch erwiesen. Die. „Bedrohung des Heldenkindes" gehört zum festen Bestand der antiken Legendenbildung. Derartiges wird berichtet von Kyros, Romulus, ..Pyrrhos, in der Bibel selbst von Moses und in der griechisch-römischen Überlieferung von Kaiser Augustus. Bei dem römischen Biographen Sueton lesen wir, daß im Jahre 63 v. Chr., dem Geburtsjahr des künftigen Kaisers eine Weissagung kursierte, daß ein „König von Rom" geboren werde. Die Senatoren, die ihre Republik nicht aufs Spiel setzen wollten, hätten darum beschlossen, alle neugeborenen Knaben dieses Jahres zu töten. Dieser Beschluß sei nur deswegen nicht durchgeführt worden, weil jeder werdende Vater in Rom hoffte, sein Sohn würde der künftige Herrscher. In Judäa konnte ein solcher Befehl nur von dem für seine Grausamkeit bekannten König Herodes ausgegangen sein. Verzichten wir auf die Legende, so entfällt zugleich die Regierungszeit des Herodes als Datierungskriterium. Alexander Demandt ist Professor für Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin Ich selbst fand diese Bemerkung auch deshalb so interessant, da ausgerechnet in diesem Jahr 63 der spätere Kaiser Augustus geboren worden ist. Die von Sueton genannte Weissagung traf also zu. Das ist schon erstaunlich. Mit freundlichem Gruß Georg Linke P.S. Ich habe Ihre Frage & meine Antwort als Kommentar in den Weblog gestellt, da ich meine, dass die von Ihnen angeschnittene Frage nach der Quelle viele interessiert. G.L.
Vermutlich absichtlich fehlt in Ihren Ausführungen der Stern von Bethlehem, eine der leichteren Annäherungen an das Geburtsdatum Jesu, oder nicht ? Ein ganzes Buch hierüber, zusammengestellt m.Erinnerung nach von einem Österreichischen Physiker und mir verloren gegangen beim Umzug in meinen Ruhestend bevor ich zum Lesen kam, diskutiert den 400 Jahre - Rhythmus der Jupiter - Saturn - Konjunktion, die natürlich einen enormen Eindruck machen muss und der Stern von Bethlehem gewesen sein könnte. Neue gute Planetariumsprogramme im Internet erlauben vielleicht, wenigstens am Bildschirm Eindruck und Datumsdiskussion dieser Konjunktion nachzuspielen. - Ums Jahr 2000 herum sah und hörte ich freilich gar nichts von so einer spektakulären Konjunktion von irgendjemand irgendwo auf der Welt. Sie können das vermutlich erklären ! - Doch keine so leichte Annäherung ?
Hans Friedrich Ferbert |
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