Freitag, 6. Februar 2009WER WAR SCHULD AM TODE JESU ?Trackbacks
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Der Passionstext ist sehr interessant und bestimmt gerade auch in dieser Zeit lesenswert, s. Pius-Bruderschaft.
Drei Gruppen von Fragen stellen sich für mich:
1. Wer ist daran heute interessiert die Frage über die "Schuld" über die Kreuzigung von J.C. zu debattieren? Cui bono? Sind es Antisemiten? Sind es Philosemiten? Was hat diese Debatte mit dem Glauben an die Botschaft J.C. zu tun? Was hat diese Debatte mit den Problemen der heutigen Zeit zu tun? 2. Die Frage besteht - unbeantwortet - wer das Volk Israel überhaupt ist? Entweder ist dieser Begriff nur ein Symbol, oder es bezeichnet tatsächlich lebendige Menschen, darunter die Professoren der Universität in Jerusalem und die Huren in Tel Aviv, die Soldaten, die auf Kinder Schiessen und die ultraorthodoxen Juden, die sich vom Zionismus distanzieren und nach Iran fahren. Diese Frage sollte Leute die den Begriff "jüdische Volk" oder "Volk Israel" mal gründlich besprechen. 3. Die Idee des "auserwählten Volk" scheint mir - als gebürtiger Jude - seltsam. Ich wurde zwar in der jüdische Religion erzogen, hörte erst über dieses Begriff als ich in der Kirche tätig war. Es wurde mir nie davon in meiner Kindheit erzählt, noch wurden davon in der Schule unterrichtet. Ich kenne keine jüdische Person in meiner Umgebung der oder die sich als ein Mitglied eines "auserwählten Volkes" betracthet. Welchen Zweck dient die Verbreitung dieses Begriffes, bzw. die Behauptung Juden betrachten sich als das "auserwähltes Volk"? Der Autor dieser Linien ist in Palästina geboren. Seine Eltern waren in Deutschland geborene Personen des jüdischen Glaubens. Er ist immer noch erstaunt über die intellektuelle Schlamperei in der Debatte über diese Fragen.
Dem Schreiber des Kommentars möchte ich sehr ans Herz legen, doch einmal das im Neukirchener Verlag erschienene Buch von Bertold Klappert „Miterben der Verheißung“ zu lesen. Dort findet er Antworten auf seine angeschnittenen Fragen, und zwar auf höchstem intellektuellem Niveau, wie man das bei Klappert immer erwarten kann. ISBN 3-7887-1760-2
Ist es nicht müßig, über eine Schuld zu diskutieren, wenn man bekenkt, dass es ohne (eine angeblich prophezeite) Kreuzigung überhaupt kein Christentum gäbe?
"Leider hat die Kirche konfessionsübergreifend bis ins 20. Jahrhundert hinein hier entscheidend versagt und dadurch sehr viel Unheil in unsere Welt gebracht. Gott kann das nicht gewollt haben." In der Bibel steht: »Doch jene meine Feinde, die mich nicht zum König über sich gewollt haben, führt hierher und macht sie vor meinen Augen nieder!« (Lukas 19.27) Könnte es Gott doch gewollt haben? Vor knapp 300 Jahren wurde das Kernproblem (Theodizee, Leibniz) formuliert, eine Lösung steht immer noch aus. Seit meinem Kirchenaustritt 1996 beschäftige ich mich damit und ich denke, dass das Problem tatsächlich unlösbar ist. Als Konsequenz daraus fällt mir nur eine Auflösung des Christentums ein. Ob dann allerdings menschliche Allmachtsphantasien aufhören halte ich für sehr fraglich. Und ob überhaupt eine Christin oder ein Christ den Mut haben könnte zu sagen: "Ok, 2000 Jahre Irrtum, laßt uns damit aufhören" halte ich für noch fraglicher.
Als erste Reaktion auf den Kommentar möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich an einem Gütigen Gott unbedingt festhalte. Alles Andere wäre furchtbar. Die Allmacht Gottes mag zwar gegeben sein, ist für mich jedoch nachrangig. Dies möchte ich als persönliche Meinungsäußerung bewertet wissen.
Es kann Gott nicht gefallen haben, dass die Kirche 2000 Jahre Schuld, sogar große Schuld auf sich geladen hat. Ich bin Angehöriger der Rheinischen Landeskirche, und ich habe es als Befreiung empfunden, dass wir damals 1980 mit unserem späteren, unvergessenen Präses Beier den klärenden Synodalbeschluss gefasst haben. Das Übel wurde an der Wurzel gefasst, und der Weg zu einem Jüdisch-Christlichen Dialog gestaltete sich viel freier. 1997 besuchte ich Israel und habe die Freude der Jüdischen Seite über unsere geänderte Sichtweise erleben dürfen, mit viel Dank an die Adresse von Präses Beier. Die angeschnittene Theodizee-Frage ist nur deshalb unlösbar, weil Leibnitz scharf-analytisch denkt. Er kann gar nicht anders, denn er steht in der Tradition der griechischen Logik. Sonst hätte er auch nicht die Höhere Mathematik entwickeln können. Zu meinem größten Erstaunen erfuhr ich im Gespräch mit Jüdischen Theologen, dass die uns so viel Mühe machende Theodizee-Problematik in der jüdischen Tradition überhaupt keinen Platz hat. Ich versuche mal das Gespräch zu rekapitulieren. Scharfe Logik, wie die Griechen sie der Welt gelehrt haben, baut auf Axiomen auf und setzt sich fort bis hin zu gewaltigen Gebäuden (Mathematik). Da sich alles zwangsläufig entwickelt, ist im Gebäude auch nicht mehr Weisheit drin, als in den Axiomen. Gott lässt sich nicht in derartige, dem Menschen geläufige Strukturen pressen. Der Mensch ahnt heute, dass Logik auch anders aufgebaut sein kann, z.B. „mit einem möglichen Dritten“ ) Wir tun uns schwer und werten ab durch Worte „unscharf“, „verschmiert“, „fuzzy“, o.Ä. , und scheinen dabei gar nicht zu erkennen – oder erkennen zu wollen – dass durch Herausnahme von Schärfe neue Welten erschlossen werden können, wie es die inzwischen etablierte Fuzzylogik beweist. Die Jüdische Tradition hatte nie die Griechische Schärfe und war viel offener für göttliche Weisheit. Heißt es doch in der Schrift: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege“, spricht der HERR, „sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken“ (Jes 55, 8&9). Mit dem Fall des Determinismus durch die Quantenwelt hat die Physik zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen analogen Prozess durchgemacht; aus Gewissheiten sind nur noch Wahrscheinlichkeiten geworden. ) In scharfer Logik gibt es kein mögliches Drittes. 1. Das Ding ist …-, 2. Das Ding ist nicht …Wenn 1. für das Ding nicht zutrifft, dann muss 2. für das Ding zutreffen. . Zweimal nicht zutreffend geht nicht.
Wer hat Christus ermordet? Wie kann man von Schuld bei den Juden sprechen, wenn Christus all diese Dinge mit Judas und seiner Kreuzigung bereits vorhergesagt hat. Gibt es dann noch für die beteiligten eine Option, wenn der Plan bereits im Vorfeld festgelegt ist und kann man dann noch von Schuld sprechen?
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