Donnerstag, 25. Juni 2009AM ANFANG WAR DAS WORTTrackbacks
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Lieber Herr Linke,
wieder bin ich beeindruckt von Ihrem profunden physikalischen Wissen, diesmal zur Quantenphysik. Gut, dass Sie uns etwas daran teilnehmen lassen! Mir haben die Kernphysiker immer großen Respekt eingeflößt. Vielleicht wissen Sie, dass ich gut 10 Jahre - nach meiner Pensionierung - Kuratoriumsvorsitzender des Physikzentrums Bad Honnef war. Bei vielen dienstlichen und privaten Gesprächen war ich immer wieder überrascht, wie sehr die Physiker in der Theologie bewandert und an Glaubensfragen interessiert sind. Mit ihnen habe ich öfter über Grenzfragen von Naturwissenschaften und Religion, wie sie in der Akademie gern behandelt werden, gesprochen - auch dies ein interessanter Fall der "Grenzüberschreitung". Mir blieb die unendlich weite Welt der Physik fachlich weitgehend verschlossen, aber als Jurist habe ich das methodische Denken im Aufspüren von Gesetzmäßigkeiten immer bewundert. Mir ging es etwa wie Thomas Mann bei der Schilderung von Professor Kuckuck im "Hochstapler Felix Krull", durch den man erfährt, dass die Wissenschaft etwas mit dem Leben zu tun hat. Kennen Sie das Büchlein Genz/Fischer "Was Professor Kuchkuck noch nicht wusste. Naturwissenschaftliches in den Romanen Thomas Manns, ausgewählt und auf den neusten Stand gebracht", 2004? Lesenswert. Gestern habe ich Dr. Vogelsang einen kleinen Beitrag zu Ihrem Artikel "Big Bang" geschickt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Dieter Scheven
NACHTRAG zu „AM ANFANG WAR DAS WORT“
Nach Abfassung meines Artikels über Entwicklungen in der Quantenphysik möchte ich hier noch ein paar ergänzende Bemerkungen niederschreiben. Ich habe mich im Artikel wesentlich auf die „Kopenhagener Deutung“ beschränkt, die auf Niels Bohr und Werner Heisenberg zurückgeht. Obwohl Einstein, wie beschrieben, sich mit ihr nie anfreunden konnte, sind doch die meisten Physiker ihr gefolgt. Um eine alternative Interpretation der „verrückten“ -aber durch Messergebnisse präzise bestätigten- Vorhersagen der Quantenmathematik haben sich immer wieder Physiker bemüht. Noch zu Lebzeiten Einsteins versuchte 1952 David Bohm (1917-1992) durch Formulierung seiner „Bohmschen Mechanik“ die Wellenfunktionen weniger epistemologisch, dafür stärker ontologisch aufzufassen. Das Teilchen bleibt auf dem Weg beim Doppelspaltversuch real, wobei es durch seine Wellenfunktion „geführt“ wird; anders gesagt: Die Wellenfunktion erzeugt ein Geschwindigkeitsfeld, dem das Teilchen folgt. Im Gegensatz zu Heisenberg bekommt der Begriff der Teilchenbahn bei Bohm wieder eine Bedeutung. Bohm bedient sich mit den Bahnen in gewisser Weise „verborgener Parameter“ und konnte auch Vorhersagen der Quantenmathematik erfüllen. Dies war ganz im Sinne Einsteins, der daraufhin bemerkte, dass Bohm der einzige sei, der über die Quantenmechanik hinauskommen könne. Allerdings ist das Ganze doch viel problematischer, wie J.S.Bell 1964 in seiner grundlegenden Arbeit zeigte (→ Artikel), wonach verborgene Parameter ganz allgemein der Quantenmathematik unter Wahrung der Lokalität nicht helfen können. Die Beschäftigung mit der Bohmschen Interpretation ist bei einigen Theoretikern auch heute noch Gegenstand ihrer Arbeiten. Um die Lokalität in unserer Welt zu „retten“, verfielen andere Physiker auf die mathematische Ausflucht, dass alle Möglichkeiten, die die Wellenfunktion zulassen parallel in –nahezu unendlich vielen- anderen Universen tatsächlich passieren. Es ist wirklich abenteuerlich, was man heute in der einschlägigen Literatur zu lesen bekommt. Aus dem Besagten neige ich stark zur Kopenhagener Deutung Heisenbergs. Ob man allerdings radikal epistemologisch interpretieren soll, und die Ontologie ganz fallen lässt, möchte ich offen halten, schon weil ich Ingenieur bin, und mein ganzes Berufsleben ontologisch ausgerichtet war. Die Kopenhagener Deutung schafft Raum für Transzendenz in unserem Weltgeschehen. So sehe ich das Erlebnis, das mein Vater 1937 mit einer Seherin hatte (ich berichtete in einem früheren Weblog-Artikel darüber) heute in einem anderen Licht, verträglich mit meinem Weltbild. Ich wiederhole den Bericht: Außerhalb von Zeit & Raum ? EINE BESONDERE BEGEGNUNG Es ist das Jahr 1937, mein Geburtsjahr, Spätsommer, in Kędzierak, einem Dorf in Ostpolen bei Minsk-Mazowiecki, wo meine Eltern jedes Jahr im Sommer gelebt haben. Meine Mutter erkrankte auf Leben und Tod, sie hatte Brustentzündung durch mich. Rettung kam erst durch eine Bäuerin, die bestimmte Blattumschläge empfahl. Auf einem Feldweg sprach eine junge Sinti, oder Roma, (ca. 16J.alt) meinen Vater mit seinem Vornamen an: “Sie heißen Karl.” “Was willst Du?” “Ich möchte Ihnen die Zukunft sagen.” “Gehe weg!” Mein Vater hielt überhaupt nichts von derartigem. “Bitte schicken Sie mich nicht weg, ich bin SEHR gut! Ihre Frau ist krank.” Niemand wusste von der Krankheit, die Bäuerin trat erst später in Erscheinung. Mein Vater war verblüfft. “Ja, das stimmt; wenn Du wirklich so gut bist, wie Du sagst, dann sage mir jetzt, WAS meine Frau hat.” Darauf war das Mädchen nicht gefasst. Vor den Augen meines Vaters versank sie in Trance für eine Weile. Als sie zu sich kam, klopfte sie mit den Händen ihren Körper ab und stammelte: “Es ist etwas Äußerliches, Arm?, Schulter?” “Es ist die Brust, Du bist wirklich gut. Was hast Du zu mir über meine Zukunft zu sagen?” “Sie werden hier nicht bleiben, Sie ziehen weg.” “Ich denke gar nicht daran, wo soll ich denn hinziehen?” “Nach Westen!” “Nein!” “Doch Sie werden!” 1937 lebten meine Eltern in sehr gesicherten Verhältnissen, es war Friedenszeit, mein Vater war seit Jahren Buch- und Wirtschafts- Prüfer mit festem Kundenkreis der Güter. Er hatte dort quasi ein Monopol, es ging meinen Eltern sehr gut. Wegziehen war jenseits unserer Vorstellungskraft. Das Mädchen fügte noch hinzu: “Dort wo Sie hinziehen, werden Sie nicht bleiben, sondern weiterziehen nach Westen, und Sie werden noch mehrmals weiterziehen, immer nach Westen". Und dann bemerkte sie noch: "Es wird Ihnen immer besser gehen.” Mein Vater gab ihr das Geld, und war überzeugt, die spinnt total, und vergaß die Sache. Unser Lebensweg in den Folgejahren: Bis September 1939 keine Veränderung; dann Kriegsausbruch & Verwundung meines Vaters. 1940 Einbürgerung & Zwangsumsiedlung nach Jarotschin (Posen) durch die Nazis. Mein Vater tat Dienst im Wehrmeldeamt, er war gefragt als Dolmetscher -Deutsch-Polnisch-Russisch. Januar 1945 Flucht nach Spremberg (Lausitz), 3 Wochen Abwarten; Februar 1945 Flucht-Fortsetzung nach Seesen (Harz). Mein Vater arbeitete als Zahlmeister & Dolmetscher bis 1948 bei den Briten und wurde dann arbeitslos. Juni 1951 Umsiedlung nach Aachen, mein Vater bekam die erste Zeit Handlanger-Arbeit, er war innerlich gebrochen. Es ging uns immer schlechter. Da erinnerte sich mein Vater an das Mädchen, und hat mir die Geschichte erzählt, und noch wiederholt in der Familie. Mein Vater konnte nicht lügen, und deshalb habe ich die Begegnung hier aufgeschrieben. Das Mädchen wusste genau, dass es mit uns bergab gehen wird und hat zum Schluß gelogen, um meinen Vater nicht noch mehr aufzuregen. So sah es mein Vater, und ich denke, damit hatte er auch recht. DIE JUNGE SEHERIN WAR WIRKLICH SEHR GUT! Diese Geschichte fällt nicht in den Bereich der uns geläufigen Naturgesetze, sie ist offensichtlich Teil einer Wirklichkeit außerhalb von Zeit & Raum. In meinem Beitrag "WISSEN & GLAUBEN" habe ich geschrieben, dass eine derartige tiefe Einsicht auch von Anderen geteilt wird. Einer meiner Physik-Professoren an der RWTH hat es anders formuliert: "Zwischen Himmel & Erde passieren mehr Dinge, als die, die unsere Schul- Weisheit erklären kann." Dr. Georg Linke, Aachen
Raum und Zeit als Kategorien der Physik -- sicher gibt es im Leben Bereiche, die man außerhalb dieser Kategorien ansiedeln sollte. Man denke etwa auch an die Frage: Was war vor dem Urknall? Wäre diese Frage überhaupt richtig gestellt? Der Urknall ist ein Modell, mit dem Naturwissenschaftler komplexe Ergebnisse sehr vieler Beobachtungen und Berechnungen zu interpretieren / darzustellen versuchen.
Im Verstehen des Lebens und der Welt kommen wir mit unseren Worten an gewissen Stellen nicht weiter. Manche Mitmenschen, nicht zuletzt unsere Pfarrer, sagen uns, Wichtiges könne nur in Bildern gut ausgedrückt werden. Und sie erzählen Geschichten ("narrative Theologie") und gehen dabei auf menschliche Vorstellungen und Erfahrungen in Raum und Zeit ein. Auch wenn man Gedichte -- Lyrik -- liest, nähert man sich bisweilen einer Welt außerhalb von Zeit und Raum. Aber: Ihre "Besondere Begegnung", lieber Herr Dr. Linke, lässt den einen oder anderen Ihrer Leserschaft doch etwas ratlos zurück -- mich jedenfalls; Sie berichten von Ihrem Vater und sich selbst. Faktisch schneiden Sie dabei mehrere Themen oder Fragen an: (1) Stehen Aspekte der Zukunft im voraus fest und welche? Unverrückbar? Stichworte unter anderen: Determinismus und Kopenhagener Deutung der Heisenbergschen Unbestimmtheitsrelation; (2) Kann eine selbsternannte Seherin / Wahrsagerin Aspekte der Zukunft einer Familie vorhersagen? Aufgrund welchen Auftrags? (3) Soll eine Familie etwa einer solchen (vagen?) Vorhersage Glauben schenken? Meine Antwort auf Frage (3) lautet eindeutig "nein" -- eine solche Seherin am besten gar nicht erst anhören, und wenn schon geschehen, sie wieder vergessen! Dr. Ulrich Fellmann
Sehr geehrter Herr Dr. Fellmann!
Als ich Ihre Frage: "Was war vor dem Urknall?" las, fiel mir Augustin ein "Wohlan, ich antworte dem, der da fragt: Was tat Gott, bevor er Himmel & Erde schuf?; Er hat Höllen hergerichtet für Leute, die so hohe Geheimnisse ergrübeln wollen." Martin Luther hat es bildlicher formuliert, so wie er es ja meisterhaft konnte. Er hat auf die Frage: "Was machte Gott bevor er die Welt schuf?", gesagt: "Er saß in einem Birkenwäldchen und schnitt Ruten für Leute, die solche Fragen stellen". Zitiert nach Prof. Dr. Heinrich Saller in seinem Akademievortrag: Relativität und Absolutheit der Zeit in Quantentheorie & Logik; Januar 1996. Da kann ich nur sagen: Schöne Aussichten für uns, denn ich habe auch Vor-Urknall-Fragen angeschnitten z.B. im Text : BIG BANG, BIG BOUNCE, ODER ??? Gruß Georg Linke, Aachen
Mit diesem Thema haben Sie mich aber voll erwischt: Vor Jahren schon beschrieb mir, dem älteren Freund, mein jüngerer Studierkamerad Prof. Roland Rüdiger in einem Brief einen Königsweg zur spukhaften Fernwirkung, zur Verschränkungstheorie, zum Zeilinger-Experiment und zum Quantencomputer, - aber alles nur so andeutungsweise,dass ich sowieso mich nicht damit beschäftigte. Er meint, die Mermin- Arbeit "Is the moon there, when nobody looks" erspart mir als Neuling das Studium der Ursprungsarbeit Einstein-Podolski-Rose von 1935. Und nun bekomme ich von Ihnen einen neuen Schub, mich in das Thema hineinzudenken, - eigenartig.
Hans Friedrich Ferbert |
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