Montag, 7. September 2009Thesen zur Evolutionstheorie - ein Disput zwischen Biologie und TheologieTrackbacks
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Lieber Herr Beyer, die Diskussion beginnt offenkundig erst in der 5. These so richtig kontrovers zu werden. Hier geht es um die Frage, ob die Evolutionstheorie auf ein Konzept des Überlebenskampfes oder Überlebenwillens zurückgreifen muss. Sie, Herr Beyer, ziehen einen für Sie eindeutigen Trennstrich zwischen der alltäglichen Nutzung und der wissenschaftlichen Nutzung des Begriffes. Und genau das geht meiner Ansicht nach nicht. Man muss diesen Trennstrich ziehen, wenn man die Wissenschaft als „reine Wissenschaft“ erhalten will. Meine Frage ist: ist das denn nötig und vor allem: ist das hilfreich? Es zeigt sich doch in der Wissenschaftsgeschichte immer wieder, dass gerade die innovative Wissenschaft von Intuitionen lebt, die aus Alltagserfahrungen abgeleitet werden. Sicherlich ist die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Methodik und Alltagserfahrung immer auch ambivalent und kann im schlimmsten Fall ideologisch werden. Aber das muss nicht so sein, die Verbindung kann sich auch als produktiv erweisen. Es ist gerade mein Anliegen auf die produktiven Folgen aufmerksam zu machen, wenn man die Grenze nicht so trennscharf zieht. Bei der Evolutionstheorie ist das meiner Ansicht nach der Fall. Sie, Herr Beyer, nutzen selbst in der wissenschaftlich ausgedünnten Beschreibung der das Wort: „besser angepasst“. Welchen Sinn sollte dieses Wort „besser“ haben, wenn es nur um mathematische Verteilungen und deren Entwicklung entlang einer Zeitachse geht? Ist es „besser“, wenn eine Population klein wird oder „besser“, wenn sie groß wird, und warum? Im Kern ist mein Argument: Ohne die Nutzung der Beteiligtenperspektive wäre die biologische Beschreibung lediglich die Beschreibung von mathematischen Verteilungsfunktionen und deren Abweichungen. Punkt. Es gibt dann keine einlinige Entwicklung, es gibt ein Kommen und ein Gehen, immer wieder ändert sich etwas. Das Bild ist dann so, wie die Beschreibung einer riesigen Lawine aus kleinen Kügelchen, die eine Berglandschaft herunterprasselt. An manchen Stellen bilden sich Verdichtungen, an anderen nicht. Das ist aber nicht die Evolutionstheorie, die die Fantasie der Menschen anregt hat, die sich als Verständnishilfe als ungeheuer produktiv gezeigt hat, die Zusammenhänge herstellen und mit wenigen Axiomen eine Ordnung in der unendlichen Vielfalt der Lebensformen schaffen konnte. Das wäre eine mathematische Beschreibungen von Verteilungen, eine enorme buchhalterische Aufgabe. Kurz: die Evolutionstheorie wird gerade dadurch stark, dass sie produktiv Anleihen aus anderen Bereichen, nämlich aus den Erfahrungen des eigenen Lebendigseins nimmt. (Dass die Evolutionstheorie damit auch gleichzeitig ideologisch missbraucht werden, zeigt die Ambivalenz. Auch ich bin der Meinung, dass man die wissenschaftliche Methode immer kritisch darauf reflektieren muss, was sie zeigen kann und was nicht. Aber gerade wenn man die wissenschaftlichen Methoden immer auch kritisch begutachtet, wird man erkennen, dass die Leitideen oft nicht aus der Wissenschaft selbst abgeleitet sind)
Eine Bemerkung zu der Replik zu These 8: Wenn die Erkenntnis richtig ist, dass man Teil dessen ist, was man erkennt und dass sich das auf die Fähigkeit des Erkennens auswirkt – warum ist das ein unzulässiger Analogieschluss??? Wozu wird hier eine Analogie gezogen? Diese Erkenntnis ist zugegebener Maßen nicht sonderlich neu, aber muss sie deshalb falsch sein? Entscheidend ist, welche Konsequenzen man daraus zieht. Mir scheint ein Ignorieren die schlechteste Form zu sein! Soviel meine erste Reaktion!
Lieber Herr Vogelsang, ich möchte mit einer Grundsatzbemerkung beginnen: Es ist Ziel der empirischen Wissenschaft, eine stimmige und kongruente Abbildung der Realität in Form von Modellen (die dann in Theorie-Gebäuden angeordnet werden) zu erreichen. Es ist eine ewige Krux in der Diskussion zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern, dass hier – meist von der Gst.Wiss., aber all zu oft auch von Seiten der Nat.Wiss. – nicht zwischen Wissenschaftshistorie / –psychologie sowie ihren gesellschaftlichen Folgen einerseits und andererseits dem eigentlichen Thema der empirischen Wissenschaft, ihrem inhaltlichen und methodischen Kern, getrennt wird. Es ist unbestritten (wenngleich viele Naturwissenschaftler es leider viel naiver sehen), dass Zeitgeist, gesellschaftliche Konventionen, Intuition, Persönlichkeit usw. in den Erkenntnisprozess einfließen – ein Beispiel sei genannt: das Einfließen von Kulturarroganz in wissenschaftliche Hypothesen - im 19. Jh. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. des war es ganz klar, dass er Mensch in Europa entstanden sein musste, denn schließlich sind doch wir Europäer der Hort der Kultur in dieser Welt! Was bei Nennung solcher (zahlreichen!) Beispiele aber übersehen wird: 99% aller Hypothesen sind falsch, und zwar aus den verschiedensten Gründen. Die Methodik der empirischen Wissenschaft garantiert aber, dass diese Fehler über kurz oder lang ausgemerzt werden, daher ist Wissenschaft eben nicht (wie von Wissenschaftskritikern und Kulturrelativisten gerne behauptet) ein ewiger Paradigmenwechsel, es ist stattdessen ein Prozess ständiger Verfeinerung und Verbesserung (die Newton’sche Physik ist nicht „falsch“, sie hat einen geringeren Allgemeinheitsgrad als die Relativitätstheorie).
Das heißt für die Terminologie: wir sollten in der Diskussion wissenschaftlicher Begriffe die fachliche Bedeutung betrachten und nicht die historische oder semantische Wurzel des Wortes oder dessen Konnotat. Ein Seepferdchen wiehert nicht, und der Begriff legt keinerlei Verwandtschaft dieses Fisches zu den Pferden nahe. Dass der Namen von der Anschauung kommt, ist (a) unbestritten und (b) wissenschaftlich irrelevant. Aber einmal anders gefragt: Was wäre die Alternative? Nun, wir könnten für jeden Fachbegriff ein lateinisches Wort oder Kunstwort wählen. Und wenn der Begriff einen Bedeutungswandel erfährt (weil sich mit schöner Regelmäßigkeit heraus stellt, dass die vorige Version der Theorie unvollständig oder zu grob war, so dass Verfeinerungen nötig werden), so wählen wir einen neuen Begriff, damit keine Verwechselung auftreten kann, dieses Mal einen griechischen… und irgendwann sind wir beim Chinesischen angelangt, aber auch dann kann man noch fragen, was denn die chinesische Wortbedeutung ist und wieso der Namensgeber gerade daran gedacht hat. Dieses überspitzt-absurde Szenario zeigt, dass und warum Fachbegriffe immer der Alltagssprache entstammen müssen und macht deutlich, dass dieses Fakt inhaltlich bedeutungslos ist. [Zitat] „Sie, Herr Beyer, ziehen einen für Sie eindeutigen Trennstrich zwischen der alltäglichen Nutzung und der wissenschaftlichen Nutzung des Begriffes. Und genau das geht meiner Ansicht nach nicht. Man muss diesen Trennstrich ziehen, wenn man die Wissenschaft als 'reine Wissenschaft' erhalten will. Meine Frage ist: ist das denn nötig und vor allem: ist das hilfreich?“ – Nicht nur hilfreich, sondern (über)lebensnotwendig für die Wissenschaft. Zieht man diese Trennung nicht, so verirrt man sich in einem Gemenge aus Wissenschaft, Alltag, Anwendung, Folgenabschätzung, Weltanschauung. [Zitat] „Es zeigt sich doch in der Wissenschaftsgeschichte immer wieder, dass gerade die innovative Wissenschaft von Intuitionen lebt, die aus Alltagserfahrungen abgeleitet werden.“ – ein wichtiger Begriff. 'abgeleitet'! (1.) das Abgeleitete verliert seine Alltagsbedeutung, wenn es in den Formalismus einer Theorie eingebunden wird. (2.) Wir sind hier in der Initialphase wissenschaftlicher Erkenntnis, der Hypothesebildung, die (wie schon erwähnt) meist daneben haut. Der Kernpunkt empirischer Wissenschaft ist die Überprüfung per Deduktion und Bewährung / Falsifikation – und hier haben Intuition, Emotion, Weltanschauung nichts mehr verloren. [Zitat] „(…) Verbindung zwischen wissenschaftlicher Methodik und Alltagserfahrung (…) kann sich auch als produktiv erweisen.“ – dem stimme ich völlig zu, möchte aber betonen, dass dies unbedingt voraus setzt, dass zwischen „wissenschaftlichen Fakten“ und deren Konnotation, Perzeption, weltanschaulicher Interpretation strikt getrennt wird. Tut man dies nicht, so sitzt man z.B. dem Sein-Sollen Fehlschluss auf. [Zitat] „Sie, Herr Beyer, nutzen selbst in der wissenschaftlich ausgedünnten Beschreibung der das Wort: 'besser angepasst'. Welchen Sinn sollte dieses Wort 'besser' haben, wenn es nur um mathematische Verteilungen und deren Entwicklung entlang einer Zeitachse geht?“ – 'Anpassung' bedeutet 'funktionale Effizienz / Nützlichkeit / Zweckdienlichkeit organismischer Merkmale'. Folge besserer Anpassung ist daher letztlich die höhere Anzahl überlebender, fortpflanzungsfähiger Nachkommen. 'Anpassung' kann man kausalanalytisch erfassen: Am Bau der Lunge lässt sich studieren, wie effizient sie als Atmungsorgan ist. Man kann den Begriff also auch auf einzelne, biochemische / ökologische / morphologische / verhaltensbiologische etc. Aspekte beziehen und fragen, wie gut bestimmte Merkmale geeignet sind, um das Überleben unter Räuberdruck, bei Trockenheit etc. zu ermöglichen. 'besser angepasst' bedeutet dann letztendlich: 'höhere Anzahl an überlebenden Nachkommen' bzw. 'höhere Überlebensrate'. In etlichen, hochinteressanten Fällen wird übrigens eine höhere Anzahl an Nachkommen durch Einbußen der individuellen Überlebensrate erkauft: hier ist es also zwingend, den Begriff zu differenzieren und explizit zu machen, welches Merkmal man betrachtet. [Zitat] „Ist es 'besser', wenn eine Population klein wird oder 'besser', wenn sie groß wird, und warum?“ – genau das ist Folge, wenn zwischen Alltags- und Fachbedeutung nicht unterschieden wird!! Die Evolution denkt nicht nach, sie folgt einer inhärenten, z.T. 'mechanistischen' Logik: Wer besser angepasst ist, setzt sich durch (s.o.). Das mag über Millionen von Jahren gut gehen, es mag in eine Sackgasse führen, also müssen wir ökologisch / populationsdynamisch analysieren und werden bemerken, dass eine optimale Anpassung unter bestimmten Umständen zum Aussterben führen kann. Dabei muss man sich vor jedwedem Anthropomorphismus hüten – Beispiel: Die Schwämme haben sich seit 500 Mio Jahren praktisch nicht verändert – ist denn nun aus denen „nix G’scheits geworden“ oder sind die „derart erfolgreich, dass sie sich 500 Mio. Jahre nicht mehr ändern mussten“? Beides sind menschliche Attitüden, in die Natur hinein projiziert werden, womit Erkenntnis wissenschaftliche verschleiert wird. [Zitat zu These 8] „Wenn die Erkenntnis richtig ist, dass man Teil dessen ist, was man erkennt und dass sich das auf die Fähigkeit des Erkennens auswirkt – warum ist das ein unzulässiger Analogieschluss??? Wozu wird hier eine Analogie gezogen?“ – weil die einfache Gleichsetzung 'ich bin Teil des Systems' = 'eine wissenschaftlich-analytische Beobachtung ist aufgrund mangelnder Trennung nicht möglich' (vgl. These 8.) zwar plausibel klingt, dabei jedoch in keiner Wiese zwingend ist. Wiese sollte es prinzipiell so sein? Man wird als (wissenschaftlicher) Betrachter immer die Beobachtungssituation hinterfragen müssen, dabei wird eine kausalanalytische Betrachtung zeigen, wo potenzielle Fußangeln liegen. Der in These 8 gezogene Schluss ist nicht gerechtfertigt. Soweit meine Replik
Mit folgender Aussage kommt man wohl aus, ohne eine Anleihe aus der subjektiven Erfahrungswelt des Betrachters zu machen, und kann doch eine Menge damit erklären: In der Natur überlebt nur, wer oder was für Nachkommen sorgt. Die Organsimen werden deshalb unter Konkurrenz- und Feinddruck dahingehend ausgelesen, dass sie Mittel, auch Strategien immer effektiver einsetzen, mit denen sie ein Überleben gewährleisten und Nachkommen produzieren. Dies erklärt die Anpassung, Einnischung und Spezialisierung, die Zunahme der Vielfalt und Lebensdichte, Räuber-Beute-Beziehungen, Parasitismus, Antibiose, Symbiose, Kooperation, Altruismus im restriktiven Sinne, d.h. innerhalb einer begrenzten Bezugsgruppe …, die Entstehung von Nahrungsketten und auch die Zunahme von Komplexität, Flexibilität und Intelligenz in bestimmten Nischen oder unter besonderem Selektionsdruck. Aussagen über Sinn sind darin nicht enthalten. Auch die Entwicklung von Innerlichkeit und Bewusstsein wird nicht erklärt.
Der These 8 würde ich dennoch zustimmen: Man kann einen Zusammenhang, an dem man selber beteiligt ist und aus der man selbst hervor gegangen ist, nicht zur Gänze erfassen, jedenfalls nicht auf objektivierende Weise. Insofern beschreibt die Evolutionstheorie doch nur einen Teil der Geschichte. Insbesondere der Innerlichkeit und dem Bewusstsein kommt man mit ihr nicht auf die Spur. Und der Versuch erscheint sogar illegitim. Das Gewordene kann seine Entsheung aus einem Ungewordenen nicht erklären oder rekapitulieren, sonst wäre es kein Gewordenes, vielmehr dem letzteren gleich. Oder anders: Man kann nicht das zu Erklärende für die Erklärung einsetzen, es gerät zu einem Zirkelschluss.
Lieber Herr Beyer,
Ihren Repliken und der letzten Antwort entnehme ich, dass Sie sehr viel Wert auf die Sonderstellung der wissenschaftlichen Methode legen. Ich stimme Ihnen darin zu, dass eine Beachtung der Methoden zu den Grundbedingungen von Wissenschaft gehört. Auch stimme ich Ihnen darin zu, dass es falsche Annahmen über die Wirklichkeit gibt, also die Wirklichkeit nicht einfach nur interpretiert wird und dass es die Stärke der Naturwissenschaften ist, diese falschen Annahmen ausschließen zu können. Dennoch heißt das nicht, dass wir die Wirklichkeit nur mit naturwissenschaftlichen Mitteln korrekt erkennen können. Warum sollte es nicht innovativ und weiterführend sein, auch andere Perspektiven als die der Naturwissenschaften mit hinzu zu ziehen. Eines sollte dabei ganz klar ausgeschlossen sein: eine doktrinäre Behauptung von Wahrheiten. Alle Thesen über die Wirklichkeit müssen sich bewähren und ebenso können alle auch gegebenenfalls verworfen werden. Aber wenn ich darauf hinweise, dass die biologische Beschreibung von Lebensformen sinnvoll ergänzt werden kann durch Beobachtungen, die ich an mir machen kann, weil ich selbst lebe, warum sollte diese Beobachtung ausgeschlossen werden? Furcht vor einer solchen Anreicherung muss man meiner Ansicht nach nur haben, wenn man annimmt, dass es die eine wahre und vollständige BEschreibung der Wirklichkeit gibt. Wenn das aber nicht der Fall ist, bleiben Versuche, die mehr oder weniger produktiv sein können. Im Falle der Evolutionstheorie war der Versuch mE sehr produktiv!
1.
Woher kommt der "Dreck", der zum Urknall geführt hat wenn nichts da war??? Ich kann auch nicht aus gar nichts etwas machen! 2. Wenn sich die Kreaturen immer nach ihren Vorteilen weiterentwickelt haben, wieso haben wir dann kein Auge am Hinterkopf??? Ich meine bei den Tieren und bei den Menschen, kommt der Feind in den meisten Fällen von Hinten! 3. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus Dreck Leben entsteht und dieses Leben nicht stirbt, sondern intelligent wird ist ja auch sooo realistisch!(Ironie) 1:100000000000000000000000000000000 (wenn nicht noch mehr; hat jemand schon gesehen wie Erde zum Leben erwachte) und Menschen sagen mir das sie nicht Lotto spielen, weil es ihnen zu unrealistisch ist zu gewinnen, aber an Evolution die sooo extrem unrealistisch ist glauben sie!! Denken sie doch mal selber nach ist ihr UrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUr...... Großvater Dreck der im Weltall explodiert ist???? Leute Evolution ist doch eigentlich lächerlich oder? JESUS starb für unsere Sünden! Es gibt mehr Beweise das JESUS existiert hat wie das es einen Urknall gab und die Bibel ist ein Märchenbuch? NEIN das Biologiebuch ist ein Märchenbuch!!!!! Überlegen sie sich genau an was sie glauben! Es gibt Leben nach dem Tod. „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes, Kapitel 3, Vers 16). |
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