EKiR.de - 24.11.2009 21:13

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Superintendenten in Oberhausen und Duisburg: Dieter Hofmann (l.) und Armin Schneider.
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Superintendenten in Oberhausen und Duisburg: Dieter Hofmann (l.) und Armin Schneider.

Von Rechtenbach ins Ruhrgebiet 

Erst Nachbarskinder, nun Nachbars-Superintendenten

„Gemoije Dieder“, „Gemoije Armin“. Fremde Klänge: Zwei Pfarrer, im hessischen Rechtenbach geboren, treffen sich mittlerweile beruflich häufiger. Die Nachbarskinder sind seit November Nachbarn als Superintendenten im westlichen Ruhrgebiet.

Natürlich können sie auch Hochdeutsch sprechen, der Oberhausener Superintendent Dieter Hofmann und sein Duisburger Kollege Armin Schneider. Erinnerungen an die gemeinsamen Spiele der Kindheit: „Weißt du noch: Kaiser, König, Kurfürst, Graf bei Schlappersch im Hof. Wenn der Heine Nachtschicht bei Buderus hatte, dann mussten wir leise sein.“ Auch die Erinnerung an Jungschar und Zeltlager des CVJM verbindet sie.

 


Eine dörfliche Idylle: Rechtenbach bei Wetzlar.

Zwei wichtige Wurzeln führten Schneider zum Theologiestudium: die Erfahrungen persönlichen Glaubens und der politische Aufbruch der siebziger Jahre.

Ähnlich bei Hofmann: „Kurz vorm Abi fiel meine Entscheidung Theologie zu studieren. Ich sah das geschlossene Weltbild in der Landeskirchlichen Gemeinschaft, in dem alles erklärbar schien, und wollte mehr wissen.“ Die Möglichkeit, als Pfarrer auch gesellschaftspolitisch arbeiten zu können, lockte ihn.

Die Wahl des gleichen Studienfachs fiel bei den Nachbarjungs unabhängig voneinander. Der Kontakt der Theologiestudenten beschränkte sich auf eher zufällige Treffen, zum Beispiel an Heiligabend in der Dorfkirche in Rechtenbach. Aus eigenem Erleben wissen beide: das Dorf ihrer Kindheit ist nicht mehr  das Rechtenbach von heute.

 

 


Die Pauluskirche in Oberhausen gleich neben Babcock: Die Kirche steht neben vielen anderen gesellschaftlichen Kräften.

Und der Strukturwandel hat im Ruhrgebiet starke Spuren hinterlassen. „Als ich 1982 nach Duisburg kam, da waren die Menschen hier stolz auf ihre  Stadt und die Region. Sie waren in der Regel gewerkschaftlich organisiert und strahlten Selbstbewusstsein aus“, so Armin Schneider. Heute fühlten sich viele eher als die, die zurückbleiben.

Im Gegensatz dazu Rechtenbach: im Dorfkern gibt es noch die alten Strukturen. Wer in die Neubaugebiete zieht, gestaltet diesen Akt bewusst und aktiv. Für Hofmann ist das Dorf keine heile Welt. Alkoholismus, Perspektivlosigkeit, aber auch Raubüberfall und Mord gibt es auf dem Land. „Im Ruhrgebiet ist alles verdichtet, das Elend ist öffentlicher und der Anteil von Migranten und Gescheiterten ist hier groß“, beschreibt er seine Erfahrungen aus den 15 Berufsjahren in Oberhausen. Doch er empfindet gerade Alstaden wie ein Dorf mit Familienclans, die ihn an seine Kindheit mit der Enge, aber auch Verlässlichkeit der sozialen Bindungen erinnert.

Armin Schneider reizt es, in dem neuen Kirchenkreis Duisburg mit anderen Trägern phantasievolle Lösungen zu entwickeln, die konkret den Menschen hier zugute kommen. „Auch wenn die Kirche nicht mehr mitten im Dorf steht, haben wir als Kirche doch etwas Einmaliges anzubieten – nämlich, dass Menschen das Evangelium als Hilfe zur Gestaltung und Bewältigung ihres Lebens erfahren“, so Schneider zu seiner neuen Aufgabe.

Die beiden Superintendenten pflegen seit zwei Jahren wieder engeren Kontakt. Im Zuge der Sparmaßnahmen könnten sich durchaus Möglichkeiten der  Zusammenarbeit ergeben, schließlich sind sie ja wieder Nachbarn. Dieter Hofmann: „Zwischen uns ist ein Grundvertrauen da. Das kann helfen in Verhandlungen schneller voran zu kommen“. Armin Schneider ergänzt: „Ein Gespräch muss nicht druckreif sein, das erleichtert die Zusammenarbeit.“

 


Bericht und Fotos: Renate Hofmann 16.02.2005


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