
Berlin
Weniger ist mehr: Kirchen bei der "Grünen Woche"
Auch in diesem Jahr waren sie dabei: Schon seit 1993 präsentieren sich beide Kirchen mit einem gemeinsamen Stand auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.Hundsbacher Pfarrer Marcus Harke regelmäßig in Berlin dabei. So selbstverständlich auch in diesem Jahr - das erste Mal allerdings als Superintendent des Kirchenkreises an Nahe und Glan .
Grundlegende Fragen des Lebens, davon ist Harke überzeugt, seien es immer gewesen, die die Katholische Landvolkbewegung und der Ausschuss auf der Grünen Woche gemeinsam angestoßen hätten. Harke verzeichnet eine Tendenz der weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau, zum politischen Diskussionsforum des Weges in die Zukunft zu werden. So haben auch Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt oder die Kampagne für fairen Handel seit zwei Jahren die Messe als Forum entdeckt.
Ein nachhaltiger Lebensstil war mit dem Thema „Spurwechsel“ intendiert und schloss damit nahtlos an die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland mit dem Schwerpunkt „Wirtschaften für das Leben“ an. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen auf dieser Konsummesse den Weg zum Stand der Kirchen finden“, erklärt Harke.
Die Andacht im Erlebnisbauernhof wie die Einladung zum Gespräch im deutlich als Kirche erkennbaren Stand fänden jährlich mehr Besucher. Zu einer Segenhandlung mit Wasser als Tauferinnerung machten der katholische Landvolkpfarrer Mayer und die Messepfarrerin Deml-Groth ein Kreuzzeichen in die Hand. „Die Messebesucher standen hier bei der Andacht Schlange“, freut sich Harke. „Manchmal ist es wie ein Atemschöpfen, eine Flucht aus der hilflos machenden Fülle der Angebote, die die Menschen nach Besinnung suchen lassen“, meint er.
Auch die Politik gibt sich am Stand der Kirchen ein reges Stelldichein: So informierte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Stand ebenso wie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, oder die parlamentarische Staatssekretärin Julia Klöckner (CDU). „Besonders gefreut hat mich natürlich Besuch aus dem Kirchenkreis wie der von Naheweinkönigin Carolin Spyra in Begleitung ihrer benachbarten Majestät vom Mittelrhein Gabi Emmerich“, sagt Harke.
Im Zentrum blieb jedoch auch bei den Besuchern die immer dringender werdende Frage nach „Nachhaltigkeit“. Deutlich sei bei vielen die Suche nach einem anderen Weg, einem Ausscheren aus der Spirale des Höher, Schneller, Weiter und Mehr. Und gespannt seien die Menschen, welche Antworten die Kirchen böten, vor allem aber auch, welche Fragen die Kirchen stellten. Und da, so ist Harke überzeugt, sei ein erhobener Zeigefinger völlig fehl am Platz.
ekir.de / mu, Foto: Grüne Woche 24.01.2010
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