Besuchsdienst
"Der Besuch bei Menschen ist durch nichts zu ersetzen"
"Besuchsdienst und Gastfreundschaft" lautet der Titel der Besuchsdienst-Tagungen im Februar in Wuppertal und im März in Kirchberg. Ein ekir.de-Interview mit Landespfarrer Jürgen Schweitzer vom Amt für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste (gmd).Diese Erfahrung kommt gelegentlich vor, ist aber eher die Ausnahme. Viele Menschen begrüßen ausdrücklich einen Besuch von Kirche und freuen sich darüber. Dann gibt es auch Menschen, die lehnen den persönlichen Kontakt ihrer Kirche in den eigenen vier Wänden ab. Sie möchten vielleicht keinen Einblick in ihre Privatsphäre geben oder haben ganz andere Gründe. Jede/r Besuchte hat allein die Freiheit zu entscheiden, wem er das Gastrecht bei sich gewähren möchte. Und das ist völlig in Ordnung. Die innere Haltung der Mitarbeitenden, den Besuch als ein offenes Angebot zu verstehen, das immer die Möglichkeit von Ja oder Nein einschließt, ist wichtig. Wenn Mitarbeitende dabei die Ablehnung nicht persönlich nehmen oder gar als Verletzung empfinden ist das sehr entlastend. Denn Ablehnung kann ganz unterschiedliche Gründe haben, manchmal ist es auch nur der unpassende (schlecht gewählte) Zeitpunkt.
Inwiefern ist Besuchsdienst ein Beispiel für kirchliche Gastfreundschaft?
Wenn wir bei unseren Besuchen auf Menschen zugehen und Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen aufnehmen, zeigen wir als Kirche ein freundliches, den Menschen zugewandtes Gesicht. Besuche verkörpern ein sichtbares Interesse Gottes am Menschen und bringen zum Ausdruck: Du bist Gott und uns willkommen! Dieses "Willkommen sein" ist wohl das schönste Geschenk von Gastfreundschaft. Unsere Besuche eröffnen einen nicht zu unterschätzenden Raum der persönlichen Begegnung. Mit großem Zutrauen rechnen wir damit, dass sich aus dieser Begegnung eine Beziehung entwickeln kann.
Welche Anlässe und Formen für Besuche gibt es?
Die Anlässe und Formen sind vielfältig. Der Fantasie für neue Besuchsdienstanlässe sind keine Grenzen gesetzt. (Beispiel: Schnapszahlengeburtstage 33-44-55 o.ä.) Die häufigsten Besuchsarten sind: Besuche bei alten Menschen (Geburtstag, Altenheim), bei kranken Menschen (Krankenhaus u.a.), bei Neuzugezogenen (Begrüßung in der Gemeinde), bei Trauernden (Trauerbegleitung) und bei Sterbenden (Sterbebegleitung, Hospizdienste). Darüber hinaus investieren Gemeinden auch in zeitlich befristete Projekte, zum Beispiel jährlicher Besuchsdienst-Tag in wechselnden Wohnbezirken/Straßenzügen oder Besuche zum Taufgedächtnis (etwa zum vierten Tauftag).
Mit welchen Erfolgen und mit welchen Hürden haben Besuchsdienste in rheinischen Gemeinden zu kämpfen?
Mit Besuchen hat Gemeinde ein Ohr bei den Menschen und dem, was sie bewegt. Und Besuchsdienst gibt der Gemeinde ein Gesicht. Mit einem Besuch wird Kirche identifizierbar. Die Menschen bekommen ein Bild von Kirche. Eine lebendige und konkrete Person steht für eine sonst anonyme Institution. Besuchsdienst als Visitenkarte von Gemeinde - darin besteht der wesentliche Erfolg. Als Hürden sehe ich die Überalterung vieler Besuchsdienstkreise, das Durchschnittsalter liegt deutlich jenseits der Pensionsgrenze, und die weithin fehlenden Männer im Besuchsdienst. 86 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen.
Wie viele Menschen engagieren sich in der EKiR im Besuchsdienst?
Laut Statistik gibt es zur Zeit rund 10.000 Menschen, die in 1020 Besuchsdienstkreisen engagiert sind. Damit ist der Besuchsdienst ein starkes Ehrenamt in der EKiR.
Welche Aufgabe hat die Besuchsdienst-Tagung?
Wie jede unserer Tagungen dient auch diese Tagung der Ermutigung und Zurüstung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Besuchsdienst. Für uns ist Fortbildung eine wichtige Form der Wertschätzung dieses Ehrenamtes. Mit der Thematik der Tagung möchten wir dazu einladen, in den Gemeinden auch durch Besuche das Leitbild einer einladenden, gastfreundlichen Kirche zu verankern und weiterzuentwickeln. Wenn die Kirche ihre Gastfreundschaft von ihrem Gastsein her entwickelt, kann sie an Glaubwürdigkeit und Anziehungskraft nur gewinnen. Denn der Besuch bei den Menschen ist durch nichts zu ersetzen.
Tagungen "Besuchsdienst und Gastfreundschaft"
Nordrhein: 6./7. Februar, in Wuppertal (CVJM Bildungsstätte Bundeshöhe)
Südrhein: 20./21. März in Kirchberg (Tagungsstätte Haus Karrenberg)
Anmeldung/Information: Amt für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste (gmd), Besuchsdienstreferat, Büro: Christiane Wetzke, Telefon 0202/2820-405, E-Mail: wetzke.gmd@ekir.de
ekir.de / neu; Foto GMD 27.01.2010
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