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Reiki

Reiki – Heilungsmagie mit japanischem Ursprung. Die Stiftung Warentest rät ab!

Wer die Programme esoterischer Seminarhäuser oder die Kleinanzeigen der Lokalpresse durchsieht, stößt darauf: neben Aura- und Chakrenlesen, nordischer Runenweisheit, Magic Power Drums, spirituellem NLP, Handlesen und astrologischer Lebensberatung findet man immer auch Angebote unterschiedlicher Reiki-Institute und -Lehrer. Eine Internet-Suchmaschine weißt gar 2.720.000 Nennungen unter diesem Stichwort aus.

Was steckt hinter diesem Verfahren aus dem Bereich der alternativen Lebenshilfe?

Reiki ist – so erfährt man im Internet – eine vom Japaner Dr. Mikao Usui anfangs des 20. Jahrhunderts entwickelte "Form der Heilung durch Übertragung von Lebensenergie". Das Wort Reiki bedeutet "universale (rei) Lebensenergie (ki)". Sie kann angeblich in jedem Menschen geweckt werden. Sie soll Ganzheit, Harmonie, Wohlbefinden, höheres Bewusstsein und eben auch Heilung von organischen und psychischen Krankheiten vermitteln, indem sie den Praktizierenden in die kosmische Urharmonie, den göttlichen Urgrund zurückführt. Vor diesem Hintergrund werden Krankheiten grundsätzlich als Ausdruck der Disharmonie und Unordnung verstanden, die mit Hilfe von Reiki beeinflussbar sein sollen.

Das Reiki-System gliedert sich meistens in drei Grade. In der Ausbildung zum Reiki-Lehrer oder –Meister lernt man angeblich, "den Fluss der transzendenten Lebensenergie" freizulegen, "der es dem Teilnehmer ... gestattet, die unerschöpfliche Fülle der universellen Lebensenergie für sich selbst und andere ... nutzbar zu machen". Die Einweihung in den zweiten Reiki-Grad soll sogar zu Fernheilungen befähigen. In der Ausbildung werden unter anderem geheim zu haltende Mantren (Rezitationsformeln, um Kontakt mit einer transzendenten göttlichen Kraft herzustellen) und Symbole vermittelt.

Der weltanschauliche Hintergrund von Reiki speist sich aus ostasiatisch-spirituellen Quellen: buddhistisches, taoistisches und yogisches Gedankengut verbinden sich miteinander. Elemente der chinesischen YinYang-Lehre fließen mit der eher indischen Chakren-Lehre und einem letztlich magischen Heilungsverständnis zusammen. Der Reiki-Meister öffnet danach verschiedene Chakren, damit sind angebliche Energiezentren des menschlichen Körpers gemeint, um die unpersönliche und letztlich göttlich verstandene Lebensenergie wieder fließen zu lassen.

Aus medizinisch-fachlicher Sicht wird Reiki häufig zu Unrecht als Naturheilverfahren und Alternative zu konventionellen Medizin verstanden. Die Stiftung Warentest schreibt dazu: "Die Behandlung ist nur harmlos, so lange nicht eine notwendige Therapie für eine bestehende Krankheit versäumt wird ... Es fehlt eine seriöse Dokumentation der angegebenen Heilwirkungen. Wohltuende Wirkung kann von der tiefen Entspannung während des Handauflegens und der gläubigen Erwartung der Patienten ausgehen. Reiki bei lebensbedrohlichen Zuständen einzusetzen, ist fahrlässig. Fernbehandlung muss als Irreführung der Patienten gelten. Der Ausbildungsgang ist unangemessen teuer." (aus: Stiftung Warentest, Die andere Medizin, Berlin 1996)

Aus der Sicht evangelischer Weltanschauungsarbeit ist zu ergänzen, dass Reiki ein weltanschaulich bestimmtes Verfahren darstellt, in dem ein weltanschaulicher Energiebegriff unreflektiert und unzulässig mit einem physikalischen Energieverständnis vermischt wird. Das Verständnis von Ki als unpersönlicher, universeller und letztlich göttlicher Lebensenergie widerspricht dem christlichen Verständnis vom lebenspendenden Geist Gottes, der mir z.B. im Gebet (auch um Heilung) als göttliches Du personhaft begegnet, mir aber niemals mittels Methode und Einweihung praktisch verfügbar wird. Hier wirken bestenfalls buddhistische Vorstellungsmuster nach, die aber einem ganz anderen religiösen Wirklichkeitsverständnis entspringen.

Wie im Christentum spielt bei Reiki die Zuwendung zum kranken Menschen eine zentrale Rolle. Ein wesentlicher Unterschied besteht aber darin, dass nach christlichem Verständnis Heilung trotz aller ärztlichen Kunst Grenzen gesetzt sind. Im Vertrauen auf Gottes Nähe und Beistand wird auch in ausweglosen Situationen, sogar im Angesicht des Todes, Heil erfahren. Es speist sich wesentlich aus der Beziehung Gottes zum Menschen, die auch in Krisenzeiten, in Krankheit und Tod kein Ende nimmt. Heil ist keinesfalls magisch verfügbar oder herstellbar. Hier liegt ein ganz anderes Verständnis von Krankheit und damit letztlich auch vom Menschen zu Grunde als dies in der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel der Fall ist.

In der Regel begegnet uns Reiki heute als ein mit seinen weltanschaulichen Quellen eher nicht reflektiertes, umso vermeintlich lebenspraktischer und marktgerecht dargestelltes Produkt des esoterisch-spirituellen Marktes der Gegenwart. Vor diesem Hintergrund ist der Empfehlung der Stiftung Warentest zu zustimmen: "Die okkulte Technik Reiki kann nicht empfohlen werden."

Andrew Schäfer, Pfarrer und Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland

13.01.2005


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