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"In Christus liegen verborgen alle Schätze..."

CHRISTMETTE 2007 - SCHLOSSKIRCHE
Predigt über Kolosser 2,3: "In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis", von Dietmar Silbersiepe

Lesen Sie auch gerne die Kleinanzeigen? Zum Beispiel die hier, heute in der Rheinischen Post: „Lieber Seeräuber, ich habe einen Schatz gefunden, und der trägt Deinen Namen…!“ Wir wissen nicht, wer Seeräuber ist, aber um einen Schatz geht es jetzt auch. Und ich wünsche Ihnen gleich mal vorweg, dass auch Sie heute Abend noch sagen können: Ich habe einen Schatz gefunden, und der trägt deinen Namen, Jesus.

Zweite Vorbemerkung: Keine Ahnung, ob hier heute Abend ein paar angereiste Nicht-Düsseldorfer sind, denen muss ich kurz sagen, dass wir hier in Düsseldorf die beste Fußballwerbung haben auf unseren Plakatwänden, auch wenn die Mannschaft eher schlecht spielt. „Einfach nur Fußball“. Steht da drauf. Den kriegen Sie bei Fortuna, in der 3. Liga.
Nichts Spektakuläres, kein Brimborium um Millioneneinkäufe zum Beispiel, die dann auf der Bank sitzen, wie woanders, einfach nur Fußball, Fußball pur.

Das find ich gut. Danach ist mir auch jetzt zumute.
Was feiern wir? Einfach nur Weihnachten! Weihnachten pur.

Also: Die spektakulären Geschenke und all die anderen Sachen, die lassen wir jetzt einfach, wo sie sind, und wenden uns Wichtigerem zu. Weihnachten pur.

Schon die Geschichte von der Geburt damals in Bethlehem, war wenig spektakulär:
Allein schon der Ort: Bethlehem! Keine glanzvolle Metropole der Eitelkeiten, ein kleines Dorf wie viele, abseits in den Bergen, westlich von Jerusalem. Haus des Brotes, „Brothausen“ auf deutsch. Klingt fast wie Entenhausen. Haben die religiös Etablierten später auch gesagt: Wie bitte? In diesem Nest soll der Messias Gottes geboren sein? Da lachen ja die Hühner.

Aber gerade das ist Weihnachten pur: das kleine unbedeutende Bethlehem, nicht die Metropole Jerusalem!
„Ein Stall und nicht der Palast, die Hirten, nicht die Würdenträger des Landes!
„Ein Winzling, mein Herr und mein Gott“, hat Heinrich Albertz formuliert, früher Theologe und Reg. Bürgermeister in Berlin.

In einem Winzling, die jeden Tag zu tausenden geboren werden, auch damals, in einem solchen Winzling im winzigen Brothausen – mein Herr und mein Gott?!
Wer soll das glauben?

Ja, ich kann dem sogar noch eins drauf setzen, weil das der Predigttext für diese Christmette ist aus dem Kolosserbrief: in diesem unbedeutenden Winzling sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis!

Wer soll das glauben? Wer kann das glauben?
Natürlich nur der, der den Schatz hebt. So ist das bei Schätzen. Jedenfalls bei den Schätzen, die die Kinder suchen bei ihrem beliebtesten Spiel, der Schatzsuche. Wobei das ja jetzt auch Erwachsene machen: Geocaching, heißt das, Schatzsuche mit GPS.

Also, auf die Suche musst Du Dich schon machen, wenn Du einen Schatz entdecken und heben willst.
Jürgen Becker, der Kölner Kabarettist, den ich ja freundlicherweise neulich mal interviewen durfte, hat mir das so erklärt:
Das beliebteste Spiel auch bei Erwachsenen ist „Suchen“, sagt er, Schlüssel suchen, Schal suchen, Brille suchen, Ostereier suchen. Nur eins ist noch schöner: Finden.

Folgen Sie mir also noch ein bisschen bei der Suche. Ich bin mir sicher, Sie werden was finden. Hoffentlich am Ende Jesus. Bei ihm findest Du alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.
Damit will der Kolosserbrief sagen: Alle Schätze dieser Welt zusammengenommen können nicht heranreichen an das, was Jesus Dir gibt.

Das muss ich erklären.

Wieso ist Jesus der größte Schatz?
Dass die materiellen Schätze nicht an das kostbare Geschenk heranreichen können, das uns mit dem Kind in der Krippe gegeben ist, mit diesem Gedanken müssen wir uns nicht allzu lange aufhalten. Das ist uns ja allen längst klar, daß das Geld nicht alles sein kann im Leben. Natürlich können wir uns darüber freuen und dankbar sein, wenn wir unser materielles Auskommen haben. Und wenn's n bisschen mehr ist, daß wir nicht jeden Cent umdrehen müssen, um so besser. Viele müssen den Cent umdrehen und würden sich freuen, wenn sie sich 'mal etwas mehr leisten könnten.

Wär doch wunderbar, wenn alle Menschen auf dieser Erde so viel hätten, daß sie gut leben können! Zum Beispiel die armen Hirten, die die ersten Gratulanten damals an der Krippe waren. Jesus ist in Armut geboren, und die ersten, die ihn besuchten, waren arme Leute. Auch das gehört zu dem unspektakulären Weihnachten pur. Dem Evangelisten Lukas ist das sehr wichtig, wenn er die Weihnachtsgeschichte erzählt. Womit er natürlich nicht meint, als sei die Armut für Jesus das erstrebenswerte Ziel für die Menschen; als ginge es um eine Verklärung des Elends, um eine Idylle der armen Leute. Nein, dazu wußte Jesus selber zu genau, wie weh Hunger und Durst tun, wie kalt die Nächte sind für Obdachlose. Die Hungrigen sollen satt werden, die Durstigen zu trinken bekommen und die Obdachlosen ein Dach über dem Kopf. Daran hat Jesus nie einen Zweifel gelassen.

Selbstverständlich waren auch die Reichen, die Heiligen drei Könige, willkommen im Stall von Bethlehem. Wobei allerdings sofort deutlich wird -an den Geschenken, die sie mitbrachten-, daß sie bereit waren, ihren Reichtum mit den Armen zu teilen. Und so soll es auch sein. Auch daran hat Jesus keinen Zweifel gelassen.

Ob die Heiligen Drei Könige so reich waren wie Tiger Woods, weiß ich nicht. Haben Sie das gelesen diese Woche? 73 Millionen Euro hat der Mann in diesem Jahr verdient. Ist wahrscheinlich brutto, geht sicher noch was von ab, aber damit wird er wohl leben können. Ob er damit auch sterben kann?
"Hast du 'was, dann bist du 'was". Klar! Aber was bist du denn dann? Dieser Spruch oder diese Weisheit -unser Text spricht ja von Weisheit und Erkenntnis-, diese allgemeine Erekenntnis oder Weltweisheit kann nun wirklich nicht mit dem konkurrieren, was uns Jesus bietet. Wenn du einmal zu Besuch warst auf einer Krebsstation oder vielleicht sogar selber dort gelegen hast, dann wird Dir alles, was Du an materiellen Gütern besitzt, sehr nebensächlich.

Hauptsache gesund! - sagen darum viele. Diese Weisheit klingt schon besser. Aber: selbst das hohe Gut der Gesundheit muß noch vor dem Schatz verblassen, den wir in Christus haben.

Es gibt ja Dinge im Leben, wie zum Beispiel Krankheit oder andere Schicksalsschläge, die kannst du gar nicht ändern. Die hast du nicht im Griff. Die haben dich im Griff. Und du kannst nur versuchen, sie zu tragen. Was hilft dir dann der Satz: Hauptsache gesund? Dann ist es gut, wahnsinnig gut, einen Menschen als Schatz an deiner Seite zu haben. Das ist ja übrigens nicht nur in Krisenzeiten, sondern überhaupt gut, einen Schatz in diesem Sinne zu haben. Aber auch so ein Schatz in Menschengestalt kann Dir nur begrenzt zur Seite stehen. Jesus steht Dir grenzenlos zur Seite!

Szenenwechsel: Kindergarten hier bei uns an der Schlossallee. Als wir über die Weihnachtsgeschichte sprechen und dass das wichtigste an Weihnachten die Geburt des Jesuskindes ist, sagte doch tatsächlich ein Fünfjähriger: "Den Jesus kannst du vergessen, der ist an einem Kreuz gestorben"... Fiel mir sehr schwer, den Kindern zu erklären, daß wir ihn gerade deswegen nicht vergessen können, und dass da ja nach dem Karfreitag auch noch Ostern kommt.

Ich sag's Ihnen zu später Stunde als mein persönliches Glaubensbekenntnis:

Ich glaube, daß ich den leidenden und sterbenden Christus an meiner Seite wissen darf in Situationen der Krise, der Krankheit, des Leidens. Mir hilft es, wenn ich mir klar machen kann: Jesus, der Sohn Gottes, kennt die Not, und er leidet mit. Mir hilft das vor allem auch im Blick auf das Leid anderer, auf das unsagbare Leid so vieler Menschen in dieser Welt.

So viele, viel zu viele haben nicht ihr materielles Auskommen, sind bedroht von Hunger, Krieg und Gewalt - auch heute Abend. Mir hilft es, daran glauben zu können, dass das alles Gott nicht gleichgültig ist, dass er darunter leidet, ja, dass er mitleidet mit den Menschen.

Und mir hilft es vor allem, daran glauben zu können, dass Leiden und Tod nicht das Letzte waren im Leben des Jesus von Nazareth. Dass es danach für ihn Ostern wurde, dass Gott ihn herausgeholt hat aus dem Tod und dass darum auch für uns und für die ganze Welt der Tod und das Leiden nicht das Letzte sind. Dass Gott mein Leben und die ganze Welt neu erschaffen wird. Dass er, wie es einmal in der Bibel heißt, alle Tränen von den Augen der Menschen abwischen wird.

Mir hilft es ungemein, daran glauben und darauf hoffen zu können. Ich weiß nicht wie ich anders die täglichen Schreckensmeldungen in der Zeitung und im Fernsehen ertragen könnte.

Das alles gehört zu Weihnachten pur. Weil es zu Jesus gehört, dem reinen puren Schatz.

Die NRZ hatte jetzt vor Weihnachten eine interessante Idee, bzw. Aufgabe für einige von uns Pfarrern in Düsseldorf: Bringen Sie doch mal die Bedeutung von Weihnachten auf SMS-Länge. Okay, hab ich gesagt, ich versuch’s. Das ist dabei herausgekommen: „Der große Gott hat sich klein gemacht in dem Menschenkind Jesus, damit Du kleiner Mensch seine Größe erkennen und erfassen kannst“, seine großartige Liebe zu Dir und zu mir.

Also:
Werde, was du bist. Du bist nicht das, was du hast. Und du bist auch nicht nur dann etwas, wenn du gesund bist, oder wenn du einen Menschen-Schatz an deiner Seite hast. Was würden dazu die Armen, die Kranken oder die Singles sagen? - wenn du nur dann was bist, wenn du Geld hast, gesund bist und eine Frau oder einen Mann hast. Du bist viel mehr als sämtliche weltlichen oder menschlichen Schätze aus dir machen können. Du bist, auch wenn du im Moment vielleicht nicht oder nur vage daran glauben kannst, du bist Gottes Kind als Schwester und Bruder des Kindes, dessen Geburt wir feiern.
Das ist einfach Weihnachten, Weihnachten pur: dass Du Gottes Geliebter und Geliebte bist und immer mehr daran glauben kannst. Das ist ein wahrer Schatz.

Nimm ihn doch einfach mit Hause und schreib Dir’s ins Badezimmer auf den Spiegel: Sie sieht der Mensch aus, den Gott liebt.