| |

Die KoKoBe: Ein ganz besonderes Angebot für Menschen mit
Lernschwierigkeiten und ihre Angehörigen
TEXT UND FOTO: NICOLAS CASTILLO-HERNANDEZ
Wissen Sie, was eine KoKoBe ist? Nein? Das macht überhaupt nichts! Auch ich
wusste nicht, wofür diese Abkürzung steht – und sie „ist ja auch tatsächlich
ziemlich kompliziert“, wie Thorsten Hellwig und Eva Caesar zugeben. Die
beiden leiten die KoKoBe im Haus der Evangelischen Kirche in Essen. Ich habe
sie besucht – und will versuchen zu erklären, was sich hinter dieser
Einrichtung verbirgt: Die Abkürzung KoKoBe steht für Kontakt-,
Koordinierungs- und Beratungsstelle und ist ein besonderer Service, der sich
an Menschen mit Lernschwierigkeiten und ihre Angehörigen richtet. Die
Ratsuchenden erhalten hier individuelle Auskünfte und Unterstützung rund um
die Themen „Wohnen“, „Freizeit“ und „Arbeit“.
„Obwohl es die KoKoBes im
Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland, einer der beiden großen
Wohlfahrtsbehörden im Bundesland Nordrhein-Westfalen, schon seit einigen
Jahren gibt, wissen leider oft nur Insider von der Existenz dieses
Angebotes“, weiß Thorsten Hellwig. Der 39-jährige Sozialarbeiter ist
Mitarbeiter des Diakoniewerks Essen und arbeitet dort in einem Wohnheim für
Menschen mit Behinderung. Seit November letzten Jahres ist er zusätzlich mit
einer halben Stelle in der KoKoBe tätig. Das Gehalt dafür zahlt der
Landschaftsverband, so wie auch das seiner Kollegin Eva Caesar: Die
Heilpädagogin ist mit einer halben Stelle als Projektleiterin in der Aktion
Menschenstadt, dem Behindertenreferat des Kirchenkreises, tätig, und mit der
anderen halben Stelle in der KoKoBe. Diakoniewerk Essen und Aktion
Menschenstadt sind seit Jahresbeginn gemeinsam Träger der KoKoBe im Haus der
Evangelischen Kirche.
In Essen gibt es noch vier
andere KoKoBe-Hauptstellen und drei Nebenstellen, die alle dieselben
Aufgaben haben: Zu Thorsten Hellwig und Eva Caesar kommen Menschen mit
Lernschwierigkeiten, aber vielfach auch deren Angehörige, Eltern oder
gesetzliche Betreuer. Oder sie rufen an und vereinbaren einen Termin, und
Thorsten Hellwig oder Eva Caesar fahren dann zu ihnen nach Hause. Ein
häufiger Anlass, sich an die KoKoBe zu wenden, ist, dass erwachsene Menschen
mit einer Lernschwierigkeit aus ihrem Elternhaus ausziehen wollen. Aber es
kommt auch vor, dass ein Mensch, der bereits in einem Heim lebt, seine
Wohnsituation verändern will. Vielleicht, weil es ihm dort nicht gefällt,
oder weil er meint, dass er in einem ambulant betreuten Wohnen besser
aufgehoben ist.
„In diesen Fällen unterstützen wir
die Betroffenen, in dem wir zwischen den Betroffenen und den dazugehörigen
Betreuern vermitteln“, erläutert Hellwig. Bei der Beratung und der
Unterstützung der Menschen sei es besonders wichtig, auf die Bedürfnisse der
Menschen einzugehen: Deshalb erstellen Thorsten Hellwig und Eva Caesar für
jeden Betroffenen einen Individuellen Hilfeplan (IHP): Dort steht, was der
Betroffene wünscht, ganz unkommentiert, und in einem weiteren Teil, was
Thorsten Hellwig und Eva Caesar in dieser Situation empfehlen – zum Beispiel
die Suche nach einem Wohnplatz in einer ambulanten oder auch einer stationär
betreuten Wohnform. „Das Besondere an diesem System ist, dass unsere
fachliche Sicht und die Bedürfnisse des Klienten gleichberechtigt
nebeneinander stehen.“
Außerdem werden Fragen nach
einer passenden Freizeitbeschäftigung, der Suche nach einer
behindertengerechten Arbeitsstelle, nach den eigenen Rechten oder auch in
Sachen Partnerschaft beantwortet. Ein Veranstaltungskalender, der von den
Essener KoKoBes herausgegeben wird, sammelt viele Freizeitangebote, die
Menschen mit Lernschwierigkeiten offen stehen. Besonders beliebt sind
Single-Abende, zu denen Menschen mit und ohne Handicap kommen können.
Außerdem werden Informationsabende zum Thema Finanzen, zur Sicherheit in den
eigenen vier Wänden oder zum Schutz vor Betrügern geplant – oft in
Kooperation mit anderen Fachleuten oder Behörden, zum Beispiel mit der
Polizei Essen.
Die KoKoBe im Haus der Evangelischen Kirche,
III. Hagen 39, 45127 Essen, befindet sich in der 1. Etage, Raum 107.
Öffnungszeiten sind montags von 11 Uhr bis 15 Uhr, dienstags von 10 Uhr bis
12 Uhr, mittwochs von 16 Uhr bis 19 Uhr und donnerstags von 10 Uhr bis 12
Uhr. Am besten ist es, die Termine vorher telefonisch zu verabreden, um
sicherzugehen, dass Thorsten Hellwig und Eva Caesar nicht gerade zu einem
Hausbesuch unterwegs sind oder sich vielleicht eine Wohneinrichtung ansehen,
die sie empfehlen wollen; Telefon ist 0201 / 22 05-150.
|
 |
|