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  •  30.1.
     

     

    Die KoKoBe: Ein ganz besonderes Angebot für Menschen mit Lernschwierigkeiten und ihre Angehörigen

     

    TEXT UND FOTO: NICOLAS CASTILLO-HERNANDEZ

     

    Wissen Sie, was eine KoKoBe ist? Nein? Das macht überhaupt nichts! Auch ich wusste nicht, wofür diese Abkürzung steht – und sie „ist ja auch tatsächlich ziemlich kompliziert“, wie Thorsten Hellwig und Eva Caesar zugeben. Die beiden leiten die KoKoBe im Haus der Evangelischen Kirche in Essen. Ich habe sie besucht – und will versuchen zu erklären, was sich hinter dieser Einrichtung verbirgt: Die Abkürzung KoKoBe steht für Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstelle und ist ein besonderer Service, der sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten und ihre Angehörigen richtet. Die Ratsuchenden erhalten hier individuelle Auskünfte und Unterstützung rund um die Themen „Wohnen“, „Freizeit“ und „Arbeit“.

     

    „Obwohl es die KoKoBes im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland, einer der beiden großen Wohlfahrtsbehörden im Bundesland Nordrhein-Westfalen, schon seit einigen Jahren gibt, wissen leider oft nur Insider von der Existenz dieses Angebotes“, weiß Thorsten Hellwig. Der 39-jährige Sozialarbeiter ist Mitarbeiter des Diakoniewerks Essen und arbeitet dort in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Seit November letzten Jahres ist er zusätzlich mit einer halben Stelle in der KoKoBe tätig. Das Gehalt dafür zahlt der Landschaftsverband, so wie auch das seiner Kollegin Eva Caesar: Die Heilpädagogin ist mit einer halben Stelle als Projektleiterin in der Aktion Menschenstadt, dem Behindertenreferat des Kirchenkreises, tätig, und mit der anderen halben Stelle in der KoKoBe. Diakoniewerk Essen und Aktion Menschenstadt sind seit Jahresbeginn gemeinsam Träger der KoKoBe im Haus der Evangelischen Kirche.

     

    In Essen gibt es noch vier andere KoKoBe-Hauptstellen und drei Nebenstellen, die alle dieselben Aufgaben haben: Zu Thorsten Hellwig und Eva Caesar kommen Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber vielfach auch deren Angehörige, Eltern oder gesetzliche Betreuer. Oder sie rufen an und vereinbaren einen Termin, und Thorsten Hellwig oder Eva Caesar fahren dann zu ihnen nach Hause. Ein häufiger Anlass, sich an die KoKoBe zu wenden, ist, dass erwachsene Menschen mit einer Lernschwierigkeit aus ihrem Elternhaus ausziehen wollen. Aber es kommt auch vor, dass ein Mensch, der bereits in einem Heim lebt, seine Wohnsituation verändern will. Vielleicht, weil es ihm dort nicht gefällt, oder weil er meint, dass er in einem ambulant betreuten Wohnen besser aufgehoben ist.

     

    „In diesen Fällen unterstützen wir die Betroffenen, in dem wir zwischen den Betroffenen und den dazugehörigen Betreuern vermitteln“, erläutert Hellwig. Bei der Beratung und der Unterstützung der Menschen sei es besonders wichtig, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen: Deshalb erstellen Thorsten Hellwig und Eva Caesar für jeden Betroffenen einen Individuellen Hilfeplan (IHP): Dort steht, was der Betroffene wünscht, ganz unkommentiert, und in einem weiteren Teil, was Thorsten Hellwig und Eva Caesar in dieser Situation empfehlen – zum Beispiel die Suche nach einem Wohnplatz in einer ambulanten oder auch einer stationär betreuten Wohnform. „Das Besondere an diesem System ist, dass unsere fachliche Sicht und die Bedürfnisse des Klienten gleichberechtigt nebeneinander stehen.“

     

    Außerdem werden Fragen nach einer passenden Freizeitbeschäftigung, der Suche nach einer behindertengerechten Arbeitsstelle, nach den eigenen Rechten oder auch in Sachen Partnerschaft beantwortet. Ein Veranstaltungskalender, der von den Essener KoKoBes herausgegeben wird, sammelt viele Freizeitangebote, die Menschen mit Lernschwierigkeiten offen stehen. Besonders beliebt sind Single-Abende, zu denen Menschen mit und ohne Handicap kommen können. Außerdem werden Informationsabende zum Thema Finanzen, zur Sicherheit in den eigenen vier Wänden oder zum Schutz vor Betrügern geplant – oft in Kooperation mit anderen Fachleuten oder Behörden, zum Beispiel mit der Polizei Essen.

     

    Die KoKoBe im Haus der Evangelischen Kirche, III. Hagen 39, 45127 Essen, befindet sich in der 1. Etage, Raum 107. Öffnungszeiten sind montags von 11 Uhr bis 15 Uhr, dienstags von 10 Uhr bis 12 Uhr, mittwochs von 16 Uhr bis 19 Uhr und donnerstags von 10 Uhr bis 12 Uhr. Am besten ist es, die Termine vorher telefonisch zu verabreden, um sicherzugehen, dass Thorsten Hellwig und Eva Caesar nicht gerade zu einem Hausbesuch unterwegs sind oder sich vielleicht eine Wohneinrichtung ansehen, die sie empfehlen wollen; Telefon ist 0201 / 22 05-150.