| |

Mit Glockengeläut und Gebeten gegen die NPD-Kundgebung
In der Kirchengemeinde Essen-Altstadt hat die Ankündigung der NPD,
am heutigen Mittwoch (9. November) um 19 Uhr auf dem Weberplatz – direkt
neben der Kreuzeskirche – eine öffentliche „Mahnwache nationaler Kräfte zum
Gedenken an die Mauertoten“ abzuhalten, große Bestürzung und Betroffenheit
ausgelöst. Spontan hat sich die Gemeinde dazu entschieden, während der
Kundgebung alle 15 Minuten die Glocken zu läuten und ein Zeichen gegen
Intoleranz und Gewalt zu setzen. „Wir haben erst vor einigen Stunden von der
geplanten NPD-Kundgebung erfahren“, berichtet Kreuzeskirchen-Pfarrer Steffen
Hunder. „Dass die NPD versucht, das Gedenken an die schrecklichen
Geschehnisse der Reichspogromnacht 1938, an die heute überall in Deutschland
und auch in Essen zahlreiche Veranstaltungen und Gottesdienste erinnern,
durch diese Kundgebung auf dem Weberplatz herabzuwürdigen, ist aus unserer
Sicht ganz unerträglich.“ Deshalb hat sich die Altstadtgemeinde kurzfristig
dazu entschlossen, im Zeitraum von 19 bis 21 Uhr alle 15 Minuten die Glocken
der Kreuzeskirche läuten zu lassen, die Versöhnungsliturgie von Coventry zu
beten und jeweils eine Kerze des Gedenkens für die Opfer von Intoleranz und
Gewalttätigkeit zu entzünden. „Wir wollen damit ein deutliches Zeichen für
Frieden und Versöhnung setzen“, erklärt der Theologe.
Stichwort: Versöhnungsliturgie von Coventry
Seit die Kreuzeskirche im Jahr 2008 das erste „Nagelkreuz-Zentrum“ im
Ruhrgebiet wurde, wird hier regelmäßig die Versöhnungsliturgie von Coventry
gebetet. Nagelkreuz-Gottesdienste erinnern in vielen Ländern an die
Zerstörung der Kathedrale in der englischen Stadt Coventry durch einen
deutschen Bombenangriff im Jahr 1940. Bei den anschließenden Aufräumarbeiten
ließ der damalige Dompropst Richard Howard drei große mittelalterliche
Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu
einem Kreuz zusammensetzen. Dieses Kreuz gilt heute als Zeichen der
Versöhnung und des Friedens. Nachbildungen des Originals werden heutzutage
überwiegend an Kirchengemeinden übergeben, um diese in ihrer Versöhnungs-
und Friedensarbeit zu stärken.
Foto: (c) ev. Pressestelle Essen/Koppelmann. |
 |
|