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Festliches Reformationskonzert setzte glanzvollen Akzent
Mit einem festlichen Reformationskonzert haben die Evangelische
Kirche von Westfalen und die Evangelische Kirche im Rheinland erneut einen
glanzvollen Beitrag zum Kulturhauptstadt-Programm geleistet. In der
vollbesetzten Essener Philharmonie folgten Kantoreien und Ensembles der
Spur, die die Reformation – ausgehend vom lutherischen Choral – in der
europäischen Musikgeschichte bis in die Gegenwart hinein hinterlassen hat.
Schon vor dem offiziellen
Beginn machten die Organisatoren deutlich, dass sie in ihrem Programm auch
Klängen jenseits des Üblichen zur Entfaltung verhelfen wollten: Auf dem
Vorplatz der Philharmonie erklang Dieter Schnebels „HD für 9
Harley-Davidson-Motorräder“. Hupen, rattern, knattern, blinken, den Motor
aufheulen lassen, die Scheinwerfer schwenken, dazu zarte Töne von Trompete
und Harmonium verbanden sich zu einer eigenwilligen und faszinierenden
Komposition. In seiner Begrüßung erinnerte Alfred Buß, Präses der
Evangelischen Kirche von Westfalen, ganz passend an die Freiheit spendende
Wirkung der Musik, die der Reformation eine zusätzliche Wirkung und Kraft
verlieh: Ausgehend von Musik und Gesang habe die Reformation „die Botschaft
der Freiheit unter das Volk gebracht“, sagte der Theologe.
Dieser bahnbrechenden Dynamik spürte
der erste Teil des Konzertes nach: Beispielhaft reihten sich Werke von
Johann Sebastian Bach, Hermann Schein, Arnold Schönberg und Johann Walter
aneinander und beeindruckten durch die meisterliche Qualität, in der sie von
herausragenden Kirchenchören, Instrumentalsolisten und Bläserensembles
dargeboten wurden. Bewegend: Das „Magnificat“ von Dieter Schnebel und zwei
Motetten für fünfstimmigen gemischten Chor von Johannes Brahms. Nach der
Pause wurden die 1.800 Zuhörer Zeugen einer außergewöhnlichen Uraufführung:
Das sinfonische Gedicht für Orchester von EnJott Schneider über den
lutherischen Choral „Ein feste Burg“, Ergebnis eines Kompositionsauftrages,
den der Kirchenkreis Essen eigens zu diesem Anlass vergeben hatte, erntete
zu Recht lang anhaltenden Applaus.
In seiner Festansprache hob der
ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Wolfgang Huber die Bedeutung der Musik für den Glauben und die Spiritualität
der Evangelischen Kirche hervor. Der Berliner Altbischof würdigte den
Reformator Martin Luther als „wichtigsten Anwalt der Musik im Gottesdienst“.
Sein Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ sei ein
Reformationsschlager. Auch die gesungenen Psalmen hätten eine prägende
Wirkung für die Kirche gehabt. „Musik ist eine wunderbare Gabe Gottes. Sie
hat ihren Zweck in sich selbst. Sie ist nicht zur Selbstdarstellung da,
sondern zum Gotteslob“, sagte Huber. Kritik äußerte der Altbischof daran,
dass in mehreren Großstädten die Geschäfte am Reformationssonntag geöffnet
hatten: „Man kann am Reformationstag auch anderes tun als einzukaufen“,
sagte der Theologe. Die Musik dürfe nicht nur dazu dienen, „die Kauflust
anzuregen oder die Angst vor dem Zahnarzt zu mindern“.
Mit der Sinfonie „Reformation“ von
Felix Mendelssohn-Bartholdy, souverän dargeboten von den Bochumer
Symphonikern, klang der Abend stimmungsvoll aus. Einmal mehr stimmte hier
der Ton, auch wortwörtlich: Er schäme sich dafür, dass dem Konvertiten aus
dem jüdischen Glauben so lange sein rechtmäßiger Platz in der
protestantischen Musikgeschichte verwehrt worden sei, hatte Wolfgang Huber
in seinem Vortrag bekannt. So setz6te das Reformationskonzert einen
atmosphärisch schönen Akzent zum Ausklang des evangelischen
Kulturhauptstadt-Programms – und war auch ein Anfang zugleich, wie Wolfgang
Huber deutlich machte: Im Rahmen der Reformationsdekade hat die Evangelische
Kirche in Deutschland das Jahr 2012 zum Jahr der Musik mit dem Motto „Kirche
klingt“ ausgerufen – das Konzert ließ einen entsprechenden Vorgeschmack mehr
als erahnen!
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Fotostrecke









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Mitwirkende
Das musikalische Programm gestalteten der Organist Andreas Fröhling
(Gelsenkirchen), das Kettwiger Bach-Ensemble unter der Leitung von Wolfgang
Kläsener, der Petri-Kammerchor Mülheim unter der Leitung von Gijs Burger,
der Essener Bachchor mit Gastsängern (Leitung: Kantor Stephan Peller), das
Bläserensemble „Hora Decima“ unter der Leitung des Essener Kreiskantors
Thomas Rudolph und die Bochumer Symphoniker, die an diesem Abend von Arno
Hartmann dirigiert wurden.
Programm
Im ersten Teil des Reformationskonzertes erklangen Werke von Johann
Sebastian Bach (Präludium Es-Dur BWV 552), Johann Hermann Schein (Psalm 116
„Das ist mir lieb“, Motette zu fünf Stimmen und Basso Continuo), Arnold
Schönberg („Friede auf Erden“ für gemischten Chor a capella), Johann
Sebastian Bach (aus der Sonate für Violine und Basso Continuo G-Durch BWV
1021, Johann Walter („Ein feste Burg ist unser Gott“, „Es ist das Heil uns
kommen her“), Dieter Schnebel (Magnificat für Schola, Chor, Schlagzeug und
Orgel) sowie Johannes Brahms („Es ist das Heil uns kommen her“, aus: Zwei
Motetten für fünfstimmigen Chor a capella“ op. 29/1). Im zweiten Teil
brachte der Komponist EnJott Schneider sein Sinfonisches Gedicht für
Orchester „Ein feste Burg“ zur Uraufführung; nach dem Vortrag des Berliner
Altbischofs und ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Wolfgang Huber erklang
abschließend die Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformation“ von Felix
Mendelssohn Bartholdy.
Vorprogramm mit neun
Harley-Davidson-Motorrädern
Ein besonderes Ereignis ließ sich schon vor Beginn des offiziellen Programms
erleben: Um 17.30 Uhr wurde auf dem Vorplatz der Philharmonie anlässlich des
80. Geburtstags des zeitgenössischen Komponisten Dieter Schnebel dessen
Performance „HD“ für neun Harley-Davidson-Motorräder, Trompete und
Synthesizer aus den Jahren 2000 und 2007 aufgeführt. Mitwirkende waren Klass
Hoek (Harmonium), die Harley-Davidson-Gruppe „Ruhrpott Chapter Germany“ und
ein Trompeter; das Dirigat übernahm Gijs Burger.
Fotos: fotoagentur ruhr/Alexandra Umbach. |
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