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Eindrucksvolle Reformationsveranstaltung in der Erlöserkirche
In der bis auf den letzten Platz besetzten Erlöserkirche hat der
Kirchenkreis Essen am 31. Oktober eine eindrucksvolle
Reformationsveranstaltung gefeiert. Die Predigt hielt Professor Eckhard
Nagel, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen und Evangelischer
Präsident des Ökumenischen Kirchentags in München 2010, unter der
Überschrift "Gesundheit!? Was uns im Leben wirklich hilft". In seiner
Ansprache stellte der Mediziner und Philosoph die Frage nach der Bedeutung,
die der Glaube im Genesungsprozess hat - sowohl aus Sicht des Patienten als
auch aus der Sicht des Arztes. "Ich bin davon überzeugt, dass die Beziehung
zwischen Arzt und Patient ein heilendes Potential entfaltet. Als Christ
glaube ich zudem, dass in dieser zwischenmenschlichen Beziehung eine weitere
Kraft wirksam werden kann - nämlich das Bewusstsein für die Gegenwart
Gottes." Wichtig sei eine Form der "Beziehungsmedizin" - ausgedrückt durch
eine Haltung voller Mitgefühl, Anteilnahme, Verständnis und Achtsamkeit: Für
den Patienten, der sich in einer Extremsituation befinde, der verzweifelt
sei und traurig, sei es "von unschätzbarem Wert, wenn neben ihm jemand
sitzt, der mit ihm fühlt und auf ihn achtet", sagte Nagel. Diese Person
müsse nicht viel sagen oder tun, sie müsse nur eines tun: Da sein. "Da sein
- das heißt: Mit den Gedanken und Gefühlen nicht woanders sein, nicht in der
Vergangenheit, nicht in der Zukunft, nicht bei diesem oder jenen, sondern
für einige kostbare Augenblicke nur bei diesem leidenden Menschen. Nicht die
Quantität ist entscheidend, sondern die Qualität der Begegnung." Patienten
spürten diese Art von achtsamer Zuwendung; sie sei für sie eine Quelle der
Kraft, des Trostes und der Hoffnung.
Aus der ganz persönlichen
Erfahrung heraus schilderte Eckhard Nagel aber auch, was geschieht, wenn
alle medizinischen Hilfen zu versagen drohen. Der Ethikexperte plädierte
dafür, Glaubenszweifel nicht zu ignorieren, sondern zuzulassen: Warum lässt
Gott das Leiden zu? Aus diesen Verrenkungen "können wir uns nur lösen, wenn
wir schmerzhaft lernen, dass uns Warum-Fragen nicht weiterhelfen." Auch der
Zweifel gehöre zum Glauben. Und er könne tatsächlich ein großes Gefühl der
Freiheit hervorrufen: "Die Freiheit, mich ganz zu entscheiden - entweder
mich zu verschließen und weitere Erfahrungen zu verweigern, oder aber die
Augen und das Herz zu öffnen, für diesen Moment und an diesem Bett, an
diesem armen Herzen und zu spüren: wir sind nicht allein. Ich kann die Augen
des Glaubens öffnen, so wie Jesus die Augen der beiden Blinden geöffnet hat.
Ich sehe nun klarer. Meine Glaubenszweifel haben mich gestärkt und in mir
eine neue Offenheit für Gottes Gegenwart hervorgebracht... Ja, wir brauchen
manchmal diese Erfahrung von Zweifel und Glaube, um neu zu lernen, Gottes
Gegenwart wahrzunehmen. Wir haben nicht nur enttäuschte Hoffnung, wir haben
einen Gott, der mit uns trauert. Aus dieser Erfahrung, aus der Wahrnehmen,
dass Gott sich in Beziehung setzt zu jedem Menschen, findet der Glaube ein
Fundament und die Hoffnung neuen Nährborden."
Unmittelbar vor der Predigt hatten
Wolfram Bölzle, Pavlina Cerna und Alexeider Abad Gonzales biblische
Heilungsgeschichten in Tanz, Musik und Pantomime übersetzt. Für
herausragende musikalische Akzente sorgten der Madrigalchor Königssteele,
Bläser des rheinischen Posaunenwerks, der Dresdner Percussionist Jörg Ritter
und Kreiskantor Thomas Rudolph.
Im Mittelpunkt der diesjährigen
Essener Reformationsveranstaltung stand die Bedeutung, die die Seelsorge in
verschiedenen kirchlichen Handlungsfeldern hat - etwa in den Gemeinden, im
Krankenhaus und in der Schule, in der Justizvollzugsanstalt, in der Arbeit
der Telefonseelsorge, in der Notfallseelsorge oder der Gehörlosenseelsorge.
Seelsorgerinnen und Seelsorger aus allen Bereichen beteiligten sich an der
Gottesdienstliturgie. Hinterher wurden ihre Arbeitsbereiche in kurzweiligen
Interviews von Dirk Stolzenberg ausgeleuchtet. In der Kapelle der
Erlöserkirche bestand die Möglichkeit, sich persönlich segnen und salben zu
lassen und so die heilende Gegenwart Gottes besonders intensiv zu erfahren.
Für das leibliche Wohl sorgten eine Lounge der Evangelischen Jugend Essen
und ein Imbiss der Neuen Arbeit der Diakonie. Im Gemeindesaal waren die
Ergebnisse einer Jugendkunstkation zum Thema "Was ist die Seele" zu sehen.
Mit meditativer Musik in der Kirche und einem Segen zur Nacht, Gebet für die
Stadt von Skriba Marion Greve klang der Abend stimmungsvoll aus.
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Foto: (c) ev. Pressestelle Essen/Koppelmann. |
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