

SCHATTENKULTUR verwandelt das Alte Hafthaus in Moers in ein Gesamtkunstwerk. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt mit Werken aus den Justizvollzugsanstalten NRW macht die geheimen, kreativen Lebensräume „hinter Gittern“ erfahrbar. Die Gefangenen, ihr künstlerisches Potenzial, ihre schöpferischen Fähigkeiten und Talente stehen im Zentrum der Aktionen.

RUHR.2010 - Kulturhauptstadt Europas - lädt die Menschen ein, das Ruhrgebiet mit seiner kulturellen Vielfalt zu erleben. Auch das Projekt "Schattenkultur", das im alten Hafthaus Moers Kunst aus dem Strafvollzug präsentiert, gehört dazu.
Im Rahmen der Europäischen Einigung gilt der Umgang mit Straffälligkeit und Straftätern als Indikator für den Stellenwert von Menschenrechten und Humanität in den Mitgliedstaaten. Das Projekt "Schattenkultur" passt deshalb gut zum europäischen Gedanken, und damit zur Idee der Kulturhauptstadt Europas. Es grenzt Strafgefangene nicht aus, sondern gibt ihnen die Chance zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Als Schirmherrin wünsche ich mir sehr, dass "Schattenkultur" dazu beiträgt, den Strafvollzug in ein gutes Licht zu rücken. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg!

Ein Gefängnis ist kein gottverlassener Raum. Auch im sozialen Gefüge einer Haftanstalt stellt sich die Kirche darum mit ihrer Seelsorge an die Seite jedes einzelnen Menschen. Kultur öffnet den Spielraum der Freiheit, wo es darauf ankommt, einander zu begegnen, sich gegenseitig zu befähigen und an der Gestaltung des öffentlichen Handelns zu beteiligen. „Schattenkultur“ steht dabei stellvertretend für die zahllosen in unserer Gesellschaft geleisteten Brückenschläge, damit Menschen sich als schöpferische Wesen erfahren und ihren Beitrag zum Ganzen der Gesellschaft leisten können. Ohne die kontinuierliche Arbeit von Diakonie und Caritas wäre dieses Projekt in der Kulturhauptstadt nicht möglich geworden.
Ich danke darum allen Aktiven und Förderern dieses großartigen Projektes und wünsche ein weites Herz dafür, was für uns Menschen das Wichtigste ist über alle Mauern hinweg

Liebe Gäste der „Schattenkultur“,
Dreh- und Angelpunkt von Kunst sind meist die Grundthemen menschl-icher Existenz. Herausragende Werke sind inspiriert von großen Gefühlen und dramatischen Ereignissen. Was wäre Musik, Theater oder Malerei ohne die unermesslichen Höhen und Abgründe, die Ausdruck in Verzweiflung, Liebe, Sehnsucht, Schmerz, Angst, Einsamkeit, Schuld oder Hoffnung finden? Aber: wie begegnen wir diesen existentiellen Dimensionen, wenn sie sich nicht auf abgesteckter Bühne oder in gerahmter Form im Museum ereignen, sondern in alltäglicher Wirklichkeit? Hochglanzereignisse brauchen nicht lange auf Interesse und öffentliche Aufmerksamkeit zu warten. „Schattenkulturen“ dagegen gedeihen meist unbeachtet am Rande. Und doch sind beide Seiten derselben Medaillie. Ich bin dankbar, dass „Schattenkultur“ einen eindringlichen Kontrapunkt im Kulturhauptstadt-Programm setzt, der die menschliche Fragilität und Verwundbarkeit unmittelbar, vielschichtig und authentisch in den Mittelpunkt rückt.