

SCHATTENKULTUR verwandelt das Alte Hafthaus in Moers in ein Gesamtkunstwerk. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt mit Werken aus den Justizvollzugsanstalten NRW macht die geheimen, kreativen Lebensräume „hinter Gittern“ erfahrbar. Die Gefangenen, ihr künstlerisches Potenzial, ihre schöpferischen Fähigkeiten und Talente stehen im Zentrum der Aktionen.

Im Schattenbild zeigt sich nicht nur das „alter ego“ die abgewandte, aber in gleicher Weise reale Seite einer Person, sondern auch die tabuisierte Seite einer Gesellschaft, die es zu integrieren gilt, wenn das Gesamtbild nicht in getrennte Identitäten zerfallen soll. Die Dynamik des im Schatten repräsentierten Potenzials kann dann konstruktiv genutzt werden, wenn es gelingt, auf Gruppen und Bereiche der Gesellschaft gelegte Vorurteile zu verwandeln und Brücken zu schlagen, die es möglich machen Identität herzustellen. (C.G.Jung)
Schattenkultur macht die geheimen, in der Außenwelt kaum sichtbaren kreativen Lebensräume „hinter Gittern“ erfahrbar.
Die Gefangenen, ihr künstlerisches Potenzial und ihre schöpferischen Fähigkeiten und Talente stehen hierbei im Mittelpunkt. In ihrer künstlerischen Arbeit setzen sie sich mit Licht und Schatten, mit Freiheit und Gefangensein, oder einfach nur mit dem Mensch sein auseinander. Sie suchen nach einer neuen Sprache, entdecken ihr kreatives Potential und schaffen so einen neuen Zugang zu den Menschen der Außenwelt, zum Betrachter. Sie suchen Kommunikation, Austausch, Verständnis, Solidarität.
Gefängnisse sind Orte vielfacher Tabuisierung. Sie stehen im Schatten der öffentlichen Auseinandersetzung.
Wir haben den Spieß umgekehrt: Die sonst verschlossenen, hinter hohen Mauern verborgenen Orte öffnen sich. Sie lassen ihre Schatten hinaus. Das Alte Hafthaus Moers öffnet sich sogar soweit, dass die Besucher in den Zellen ein und ausgehen können. Die Schließmechanismen sind sogar außer Kraft gesetzt. Der sonst unzugängliche Ort, an dem die Gesellschaft ihre Schatten verbirgt, wird zu einem offenen Ort der Begegnung, des Austausches, der Information.
Nun sind die Kunstwerke – und die Menschen dahinter - der Dunkelheit entkommen, stehen im Licht und werden wahrgenommen. Aber gleichzeitig stehen sie auch ohne schützende Mauern da, ohne verdeckende Schatten, vor den Augen der Öffentlichkeit. Nackt, verletzlich und doch mutig.
Wie baut man eine Brücke zu bauen zwischen drin und draußen, zwischen Licht und Schatten?
Keinen musealen Raum stiller Ehrfurcht, sondern eine Bühne für den ästhetisch kreativen Prozess der Kommunikation, eine Plattform für die Gefangenen, um mit unterschiedlichen kreativen Mitteln den Diskurs aufzunehmen über das Mensch sein in Freiheit wie auch im Gefängnis.
Eine adäquate Präsentationsform für die Ergebnisse von über 40 sehr unterschiedlichen Kunst-, Theater-, Musik- und Literaturprojekten zu finden, war eine große Herausforderung. Ich habe sie dem menschlichen Körper gleich aufsteigend angeordnet. Die Besucher bewegen sich vom Bauch zum Kopf, vom Gefühl zur Reflexion. Wie im Höhlengleichnis Platons werden sie durch verschiedene „Schattenwelten“ geführt.

ErlebnisRaum
Der multimediale sinnliche Prolog auf der ersten Ebene öffnet das Leben hinter Gittern, zeigt die Menschen hinter den Mauern. Installiert als erfahrbarer ErlebnisRaum, der keiner weiteren Erläuterung bedarf. Er lässt Raum für Assoziationen, spielt mit Licht und Schatten, mit dem Zwiespalt, den Ängsten und dem Grauen, dem Mitgefühl und der Hilfsbereitschaft, die dieser Thematik innewohnen.
TraumRäume
Die TraumRäume auf der zweiten Ebene zeichnen ein zerrissenes Bild zwischen Verzweiflung und Hoffnung, Innen und Außen, dem Wunsch nach Freiheit hinter verschlossenen Türen. Projektionen, Objekte, Bilder, Stimmen, Geräusche, Texte, Lichtinstallationen beleben mit ihren Bildern von Freiheit und Leichtigkeit und verstören gleichzeitig mit unerwarteten Einblicken und Konfrontationen Poesie des Schattens. Grauen des Schattens. Ein Wechselspiel. ...
HerzRäumen
Die dritte Ebene ist den HerzRäumen gewidmet, vor allem sozialen, therapeutischen und seelsorgerischen Projekten, die oft auf ehrenamtlicher Basis mit viel Leidenschaft und Herzblut realisiert werden. Aber auch solchen, die sich mit der wechselseitigen Durchbrechung von sichtbaren wie unsichtbaren Mauern befassen, die die Kunst als Medium zwischen den Menschen drinnen und draußen nutzen, um damit in der Öffentlichkeit auf ein realitätsnahes Bewusstseins zum Strafvollzug in der Öffentlichkeit hinzuarbeiten.
InformationsRäume
Die letzte Ebene der InformationsRäume ist dem Intellekt und der Reflexion gewidmet. Hier sind anschauliche Dokumentationen verschiedener Träger, Einrichtungen und Beratungsstellen zu finden, sowie eine Ausstellung zur Geschichte des Strafvollzuges des Landesarchivs NRW.