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Abraham-Karawane - Engel der Kulturen
3. Mai bis zum 31. Mai 2010
Ruhr.2010 - Pécs.2010 - Istanbul.2010
Verlegen einer Bodenintarsie und Ausbrennen des Zeichens für die Partner-Kulturhauptstädte Pécs und Istanbul, und die offizielle Verabschiedung der Abraham-Karawane Engel der Kulturen
Unter Mitwirkung der Schirmherrin unserer Aktion Abraham-Karawane, der Präsidentin des Landtags von Nordrhein-Westfalen Regina van Dinther, mit der wir gemeinsam die Aktionen in Istanbul durchführen, des türkischen Botschafters Ali Ahmet Acet, des türkischen Generalkonsuls von Essen Dr. Hakan Akbulut, Essens Oberbürgermeister Reinhard Pass, Professor Jürgen Gramke, Vorsitzender des inea-Instituts für Europäische Angelegenheiten, und als Vertreter der Religionsgemeinschaften Stadtdechant Jürgen Cleve, Superintendent Irmenfried Mundt, Frau Schütze, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Religionsattaché Mehmt Ucmus und Rafet Öztürk, Dialogbeauftragter der DITIB Deutschland, für die Muslime. Außerdem unterstützen tatkräftig SchülerInnen der Gesamtschule Bockmühle, Essen.
Bilder zur Aktion auf dem Essener Salzmarkt am 20. April 2010 [pdf]
Bilderstrecke @ www.engel-der-kulturen.de
Bericht zur Reise @ Kirche in Essen











Einen Monat lang war der „Engel der Kulturen“, ein großes Stahlrad, das in seinem Innern zentrale Symbole der drei abrahamschen Religionen Judentum, Christentum und Islam trägt, von Essen aus durch den Südosten Europas gereist (www.engel-der-kulturen.de). Am 31. Mai kehrte das Kunstobjekt, das für Toleranz, Religionsfreiheit und Völkerverständigung wirbt, wieder nach Essen zurück – nach über 7.000 Kilometern. Mit einer ökumenischen Andacht in der Marktkirche wurde die Gruppe der Begleiter am Montagnachmittag empfangen.
Auf der Tour von Essen über Pécs nach Istanbul und zurück hatte die sogenannte „Abraham-Karawane“ nicht nur die drei amtierenden Kulturhauptstädte Europas miteinander verbunden, sondern ein „Band des gegenseitigen Respekts und der Achtsamkeit“ durch viele weitere Städte und Länder geknüpft: So rollte der „Engel der Kulturen“ unter großer Anteilnahme der Bevölkerung unter anderem durch Ljubljana (Slowenien), Sarajevo (Bosnien und Herzegowina), Skopje (Mazedonien), Belgrad (Serbien), Sofia (Bulgarien) und Thessaloniki (Griechenland). Vor Synagogen, Kirchen und Moscheen, auf öffentlichen Plätzen und vor Schulen fanden sich die Menschen ein, um dem Verlegen einer Bodenintarsie beizuwohnen. Und wo oft noch vor wenigen Jahren Krieg und Gewalt zwischen Völkern herrschten und sich Religionsgemeinschaften feindselig gegenüberstanden, bekräftigten Bürgermeister und Religionsvertreter nun ihren Willen zu Toleranz und gegenseitigem Respekt.
Unübersehbar waren mitunter aber auch jene Spuren, die die teilweise jahrelangen gewalttätigen Konflikte und Auseinandersetzungen bis in die heutige Zeit hinein hinterlassen haben: So waren in Skopje die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, der orthodoxen Christen und der Muslime trotz Intervention des Stadtpräsidenten nicht dazu zu bewegen, an einem gemeinsamen Empfang für den "Engel der Kulturen" teilzunehmen. "Die Wunden des Krieges, dessen Frontlinien auch die Religionsgemeinschaften trennte, sind einfach noch zu tief", lautete die Erklärung.
Schwierigkeiten ergaben sich bei der Zollabfertigung anlässlich der Wiedereinreise in die Europäische Union - manche Grenzen sind eben höher als andere, so die Erfahrung. Wie auch andernorts erwies sich als sehr hilfreich, dass die Gruppe Broschüren zur Aktion in mehreren Sprachen mit sich führte. So wurde den Zöllnern schnell klar, dass es sich bei der Abraham-Karawane nicht um ein Händler und den Transport von Waren, sondern um ein ideelles Projekt ging. Uns so endete dieses Problem dann doch ganz schnell mit dem unvergessenen Satz eines slowenischen Zöllners: „Sie machen Großes, Gute Fahrt!“. Besonders erfindungsreich zeigten sich die Begleiter, als das Kunstsymbol in Istanbul aus religiösen Gründen nicht den Boden berühren durfte - sie ummantelten das Stahlrad kurzerhand mit einem roten Teppich. Und recht skurril mutete auch die Szene an, als der rollende "Engel der Kulturen" auf einem belebten Platz mitten in die Dreharbeiten zu einem Bollywood-Film geriet.
Insgesamt sei die Reaktion der Bevölkerung auf die Aktion aber sehr, sehr positiv gewesen, lautete das einhellige Fazit der Begleiter. "Wenn wir von unserem Projekt erzählten und das Kunstobjekt erklärten, öffneten sich die Herzen. Ganz oft waren die Mitglieder der verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Volksgruppen dankbar dafür, dass ihnen einen Anlass geliefert wurde, etwas gemeinsam zu tun, sich zu begegnen und miteinander in den Dialog zu treten."
Auch im Ruhrgebiet soll der Dialog der Religionen und Kulturen fortgesetzt werden: Über zwanzig Anfragen von Schulen, die sich am Kunstprojekt beteiligen wollen, liegen bereits vor. Am 19. Juli wird der "Engel der Kulturen" anlässlich der Kulturhauptstadt-Aktion "Still-Leben" über die dann für ein großes Picknick gesperrte Autobahn A 40 rollen; dazu werden auch die beiden Präsides der Evangelischen Kirche im Rheinland und von der Evangelischen Kirche von Westfalen, Nikolaus Schneider und Alfred Buß, erwartet. Ebenso wird das Projekt ein Teil des Programms beim großen Interkulturellen Friedensfest am 8. August in der Zeche Carl sein. Und natürlich wollen die Initiatoren eine Dokumentation über ihre Tour durch Südosteuropa verfassen und auf einem Dia-Abend über ihre Erlebnisse berichten. "Wir sind selbst ja auch durch viele unvergessliche Begegnungen und Erlebnisse reich beschenkt worden", sagte ein Mitglied kurz nach der Rückkehr. "So etwas ist einmalig wohl im ganzen Leben. Und kein Fernsehbericht kann die Erfahrungen und Bilder, die wir vor Ort gesammelt haben, ersetzen."
Ein erstes Fazit zog Mit-Initiator Pfarrer Willi Overbeck nach der Ankunft vor der Marktkirche im Interview mit dem Himmel & Essen-Reporter Volker van Haren. Sie finden den O-Ton hinter dem folgenden Link:
mp3-Datei: Statement Willi Overbeck
Quelle: kirche-essen.de