1610 - Warum wir feiern

Wir sind so frei...
400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode Duisburg


(Bilder: Archiv EKiR)Am Anfang stand das Ende einer Dynastie - vorbei war die glanzvolle Zeit der vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg und der Grafschaft Mark, so groß wie heute Nordrhein-Westfalen. Die Erben, das brandenburgische und das pfalz-neuburgische Fürstenhaus, zankten sich heftig um das Land am Niederrhein. Die althergebrachte Offenheit auf religiösem Gebiet vermochte sich aber behaupten, und sei es nur als Gebot politischer Klugheit: 1609 verpflichteten sich die fürstlichen Kontrahenten, alle christlichen Religionsgemeinschaften zu tolerieren.

Kluge Köpfe in den Reformierten Gemeinden nutzen die Gunst der Stunde: im September 1610 riefen sie ihre erste Generalsynode in der Duisburger Salvatorkirche ein. Ihre Vision: Auf das Wort Gottes zu hören, aber auch auf die Meinung der Glaubensbrüder - „in Fried, Lieb und Einigkeit“. Die 36 Teilnehmer legten die Grundsteine für die zukünftige Gestalt des Protestantismus am Niederrhein und weit darüber hinaus. Damals wurde festgelegt: Die Gemeinden werden von Presbyterien geleitet und wählen selbst ihre Pfarrer. Sie sollen auch einen „Schulmeister für die Jugend“ anstellen. Ihre Vertreter kommen zum Klassikalkonvent, zur Provinzialsynode und zur Generalsynode zusammen, um sämtliche „Kirchensachen“ zu verhandeln - von unten nach oben, in Gemeinschaft. So fand das Freiheitsverständnis der großen Reformatoren Johannes Calvin und Martin Luther Eingang in die Ordnung der protestantischen Kirche, wie sie bis heute Gültigkeit hat.

Wir sind so frei - wie damals, vor 400 Jahren in Duisburg!


Die „presbyterial-synodale Grundordnung“ lebt von der Kraft, die Leitung der Kirche in den Dienst von gleichberechtigten Theologen und Laien zu stellen. Es gibt keine Über- oder Unterordnung von Ämtern.
(Bilder: Archiv EKiR)
Die in Duisburg geschaffene Verfassung wurde sowohl Muster für die 1835 eingeführte rheinisch-westfälische Kirchenordnung, als auch für die Kirchenordnung der altpreußischen Provinzen von 1873. Sie beeinflusste auch nach 1918 die Gestaltung der „Evangelischen Kirche der altpreußischen Union“. Nach 1945 wurde auf dieser Grundlage das presbyterial-synodale Prinzip in eine landeskirchliche Ordnung umgesetzt, die alle kirchenleitenden Ämter und die Verwaltung einbezieht. Das macht Duisburg zu einer Stadt, die Reformationsgeschichte geschrieben hat.
(Bilder: Archiv EKiR)
Die Entscheidungen von Duisburg 1610 rufen in Erinnerung: Das Modell einer presbyterial-synodalen Ordnung steht nach wie vor Pate für ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement und die Kraft, die von ehrenamtlicher und gesellschaftlicher Beteiligung ausgeht. Delegation und Verantwortung auf der jeweils unteren Ebene sind Wurzeln evangelischer Kirchenordnung in presbyterial-synodaler Gestalt. Die Gemeinden sind selbstständig und bleiben doch gebunden an die Gemeinschaft der Gemeinden.

Mit einem umfangreichen Programm zum Jubiläum lädt die rheinische Kirche nach Duisburg ein.

(Bilder: Archiv-EKiR, E-Mail: Michael.Hofferberth (at) ekir-lka.de)



Protokoll - 1. Generalsynode – Duisburg, 7. – 11. September 1610
Programm zum Jubiläum "400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode"
Vortrag zum Thema: Die Kraft kommt aus den Wurzeln - Oberkirchenrat i.R. Harald Bewersdorff
Gedanken zum Logo des Jubiläums - Oberkirchenrat i.R. Harald Bewersdorff


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Das Jubiläum als Buch

56 Seiten Bildband und DVD mit Predigten, Vorträgen, Bildern und Film zur Lichtinstallation von Xavier de Richemont
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